7 Milliarden – die Armen feiern nicht mit

Wissen Sie, wie viele Menschen es auf der Erde gab an dem Tag, als Sie geboren wurden? Finden Sie es heraus und klicken Sie hier!

Im Jahr 1800 lebte eine Milliarde Menschen auf diesem Planeten.

2 Milliarden – 130 Jahre später; 1930

3 Milliarden – nur 30 Jahre später; 1960

4 Milliarden – 14 Jahre später; 1974

5 Milliarden – 13 Jahre später; 1987

6 Milliarden –  12 Jahre später 1999

7 – Milliarden – heute

Die Menschheit kann sich zwei Dinge nicht länger erlauben: Das immense Wachstum der Bevölkerung … und die ungerechte Verteilung der Lebensmittel auf diesem Planeten; 1,3 Milliarden Tonnen essbare Produkte werden jedes Jahr weggeworfen. Eine Milliarde Menschen hungern. Noch mehr leben ständig hart an der Armutsgrenze.

Es kann sein, dass das derzeitige globale Wirtschaftssystem mittelfristig zusammenbricht. Es wird dringend Zeit darüber nachzudenken, wie das nächste System aussehen muss, um erstens der sozialen Verantwortung gegenüber diesen vielen Menschen gerecht zu werden und zweitens die Spannungen zu vermeiden, die zu immensen Migrationsströmen führen.

Hunger bedeutet früher oder später kriegerische Auseinandersetzungen. Wer hungert, hat nichts zu verlieren. Angesichts dieser Tatsache sind diejenigen, die an den Börsen auf Lebensmittelpreise wetten (Futures) sogar Kriegstreiber.

Ausreichende Ernährung für alle ist das allererste Menschenrecht. Die mexikanische Regierung hat diesen Passus u.a. soeben in die Verfassung des Landes eingefügt. Alle anderen müssen sich ein Beispiel daran nehmen.

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Neuauflage: „Davon haben wir nichts gewusst!“

„Die da oben werden es schon richten!“

Das hat sich erledigt, stimmen Sie mir zu? Sie werden es nicht richten.

„Das ist alles sehr kompliziert, davon verstehe ich nichts!“

Das hat man Ihnen und mir über Jahrzehnte eingeredet. So lange, bis wir es selbst geglaubt haben. Stimmt nur nicht, das Herrschaftswissen wurde so perfekt verklausuliert, dass wir alle glaubten, wir seien schlicht zu doof dafür. Nun stellt sich heraus: Alle sind zu doof, wie Georg Diez perfekt erkannt hat.

„Davon haben wir nichts gewusst!“

Dieser Satz zeichnet sich erneut am Horizont ab, er dürfte bald wieder Mode werden, wie zu befürchten ist.

Wie beim letzten Mal wird er nicht stimmen. Wie beim letzten Mal wird er die Übersetzung haben: Wer nicht wusste, wusste nicht, weil er nicht wissen wollte. Weil er weggeschaut hat, wo man hätte hinschauen müssen.

http://www.youtube.com/watch?v=LA3OY_cTsvs

Die „pluralistische Ignoranz“, wie Andreas Popp das nennt, sorgt dafür, dass wir aus unserer Beobachtungsposition nicht herauskommen wollen und lieber in Political Correctness verharren.

Dabei wäre jetzt erstmals die Chance, sich aktiv einzubringen, denn nie vorher sind so viele Systemkritiker offen zu Wort gekommen, sogar in öffentlich-rechtlichen Programmen.

Sie und ich haben es selbst in der Hand! Sich selbst einbringen, den Mund aufmachen … oder nachher wieder von nichts gewusst haben. Wie beim letzten Mal: Sie werden es ihren Kindern und Enkeln selbst erklären müssen! Das wird Ihr persönlicher  Tag X – nach dem Tag X, der uns allen gerade droht.

(Wer die Textausgabe des youtube-Vortrags von Andreas Popp bevorzugt, findet sie hier.)

Alles was hohl ist, wird einstürzen

Wenn man den Banken Steuergeld in den Rachen schiebt und sie „rettet“, müssen diese Banken die Aktien später vom Staat zu einem erhöhten Preis zurückkaufen, wenn sie wieder Herr im eigenen Haus werden wollen.

Lesen Sie das ganz langsam und mit Genuss!
Die USA haben mit ihrer Bankenrettung auf solche Art 15 Milliarden Gewinn gemacht. Frankreich 2,5 Milliarden, Spanien 1 Milliarde Gewinn. Deutschland hat dabei unglaubliche 38 Milliarden Euro Minus eingefahren! Deutsche Politiker haben die Situation komplett im Griff, wer wollte daran zweifeln?

Die Banken, die den allergrössten Teil ihrer Griechenland-Anliehen längst an die EZB abgegeben und mehrheitlich längst keine Probleme mehr damit haben, stimmten nun dem 50%igen Schuldenschnitt zu. Es ist ihnen egal, alles besser, als das ganze Gebäude einstürzen zu lassen. Wenn jetzt im Erdgeschoss kein Geld mehr zu machen ist, werden sich im 1. Stock oder im Keller genug andere Möglichkeiten finden.

Griechenlands Schulden sollen bis 2020 auf „nur“120 Prozent gesenkt werden. Die wird das Land dann vermutlich mit Schafskäse zurückzahlen, wenn … falls … sich genug Banken an das Verhandlungsergebnis halten – was keine Verpflichtung darstellt sondern von jeder Bank selbst entschieden wird -, dem Land 50 Prozent der Schulden zu erlassen.

Von den EU-Staaten abgesicherten Beträge sollen jetzt Investoren dazu verleiten, sich für die Staatsobligationen der angeschlagenen Staaten zu interessieren. Die werden einen Teufel tun, sich ausgerechnet auf die Versicherungsversprechungen derjenigen Politik zu verlassen, die innerhalb der vergangenen sieben Monate ihre Leitlinien dreimal umgeworfen hat.

Überall ist Aufatmen zu hören angesichts der Brüsseler Beschlüsse, die Börsen steigen wieder. Das erinnert an den afrikanischen Wunderheiler, der in einer 18-stündigen anstrengenden Sitzung mit allen ihm zur Verfügung stehenden Zaubern um Regen gebeten hatte. Tatsächlich rauschte das Wasser am nächsten Tag in Strömen vom Himmel. Bis heute ist er in den Stammesbüchern Westafrikas der Superstar. Dass gleich danach eine zehnjährige Dürre für das komplette Verschwinden seines Stammes sorgte, interessiert niemanden.

Europas Politik hat in den vergangenen Wochen hart am Abgrund gestanden. Nun geht sie einen Schritt weiter …

Der Absturz wird deswegen nicht vermeidbar sein, weil Banken und vor allem Schattenbanken (Unternehmen ohne Banklizenz, die sich mit dem Geldgeschäft beschäftigen) noch immer nicht an die Kette gelegt werden. Keinerlei Regelung in Sicht. Kreditausfallversicherungen, Futures und andere Zockerpapiere können weiterhin grenzenlos gegen alles und jeden eingesetzt werden. Das System wird in keiner Weise reformiert, das grausame Spiel der Finanzhaie gegen die Steuergelder der verschiedenen Staaten geht unvermittelt weiter.

Das „Tilt“ steht bereits über der Tür, weil alles irgendwann unweigerlich einstürzen muss, was hohl ist.

Zu diesem Thema lohnt sich auch „Aufräumarbeiten im Finanz-Fukushima“ von Jakob Augstein: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,794313,00.html

Mitmachen! Let´s go Schuldenparty!

Sind sind auch einer von denjenigen, die jetzt mit zerfurchter Stirn auf dem Sofa sitzen und sich sorgen um die Weltlage machen? Sie fragen sich besorgt, wann der ganze Krempel rundherum zusammenbricht?

Völlig unnötig und sinnlos, Sie haben nichts begriffen! Oder glauben Sie wirklich, ihre Ängste und Befürchtungen helfen irgendwem? Machen Sie irgendwas besser, wenn sie jetzt als nörgelnder Besorgnisträger durch die Welt laufen und anderen Ihre Depri umhängen?

Nein, Sie müssen richtig Kohle machen in so einer Situation, für sich selbst sorgen. Das Video erklärt Ihnen, wie es funktioniert. Kinderleicht!

Das ist eine schrecklich egoistische, verurteilenswerte Haltung, sagen Sie? Was ein Quatsch! Jeder Brandbeschleuniger ist jetzt gerade recht. Wollen Sie eine Krise verlängern und dafür sorgen, dass ihre Stirnfalten zum Schützengraben werden? Das bringt doch nichts! Lieber ein Ende mit Schrecken … und das schnell.

Deswegen öffnen Sie eine gute Flasche Wein und frisch ans Werk. Wer jetzt nicht mitmacht bei der Schuldenparty, dem ist  nicht mehr zu helfen. Das ist einfacher, als Sie glauben.

Ein paar CDS (Credit Default Swaps) besorgen auf Italien, Portugal, Irland oder Spanien. Das gibt´s schon für wenige tausend Euro und ist vollkommen risikolos. Das sind ganz böse und gemeine Derivate, ganz fiese Zocker-Papiere? Ja, genau, also schlagen Sie am besten heute noch zu. Bringt richtig Kohle, bevor hier alles über die Wupper geht. Oder rutschen Sie lieber arm in den endgültigen Kollaps?

Nur frisch ans Werk, Gewissensbisse sind nicht angebracht, die hat auch sonst niemand. Dass Sie damit eine Feuerversicherung auf das Haus ihres Nachbarn abschliessen und dort gleich danach Feuer legen, um zu kassieren,  ist Teil des Systems und völlig legal. Hedge-Fonds tun das jeden Tag und mit vielen Milliarden.

Sorgen Sie für sich und ihre Familie. Das ist Ihre Pflicht! Wenn Sie damit gleichzeitig ein bisschen den Crash beschleunigen, macht das gar nichts, denn der kommt sowieso.

Oder wollen Sie den anderen die Sahnehäubchen überlassen und weiter zernörgelt auf dem Sofa sitzen bleiben? Na also!

Alle mitmachen: Let´s go Schuldenparty!

FC Barcelona – erfolgreich und langweilig

Da sass ich am Samstag breit grinsend vor dem Schirm mit der Partie Barça – Sevilla und freute mich seit Ewigkeiten mal wieder ein spannendes Spiel mit Beteiligung der Katalanen zu sehen. Warum war es spannend? Weil endlich mal wieder etwas passierte, das so nicht vorhersehbar war. Sevilla war nicht mit Top Kader ins Camp Nou gekommen und die drei Punkte schienen den Gastgebern schon so gut wie sicher.

Und dann schafft Sevilla mit viel Konzentration tatsächlich das schier Unmögliche – sie halten das 0:0 indem sie alles auf Defensive und ein Unentschieden setzen. Da schreien natürlich sofort wieder die Moralapostel des Offensiv-Fußballs „Verweigerung, Anti-Fußball; Catenaccio, usw.“, aber im Grunde ist genau diese extreme Defensiv-Taktik die einzig konsequente Antwort auf das spielerische System Barcelonas, das sich vor lauter Ballbesitz langsam auch nicht mehr daran stören würde, wenn plötzlich kein Gegner mehr auf dem Platz stünde. Nein, ich sage damit nicht, dass man nur so gegen Barça bestehen kann oder man so gegen dieses Team spielen müsse oder sollte. Aber genau diese komplett mauernden Mannschaften sind das hässliche Spiegelbild Barcelonas.

Warum? Barças Spiel ist prinzipiell betrachtet Sicherheitsfußball par excellence. Es ist scheinbar offensiv, weil Barça den Ball hat, aber mal ehrlich, die Kugel über zig Stationen laufen lassen, beinahe schon im 16er lauern, solange bis der Gegner einen Fehler macht, um dann in die sich öffnenden Lücken zu stossen, hat noch lange nichts mit Angriffsfreude und leidenschaftlicher Offensive zu tun. Auch wenn Cruyff als geistiger Vater des Systems Barcelona gilt und dieser Name mit dem „totalen Fußball“ assoziiert wird, das heutige Barcelona spielt diesen Fußball definitiv nicht. Dazu fehlt eine entscheidende Komponente.

Barça verweigert konsequent jedes Risiko. Ein Ballverlust wird nur dann in Kauf genommen, wenn sich über zwei oder drei schnelle Spielzüge eine Torchance bietet, sonst spielt man lieber noch mal einen weiteren abwartenden Pass zu Seite. Mit AngriffsLUST, Mut oder Risikofreude hat das nicht viel zu tun. Mit Effektivität allerdings schon. Aber wenn ich Effektivität sehen will, kann ich auch einer Nähmaschine zusehen.

Mit Kreativität übrigens noch weniger. Das Witzige am Sevilla Spiel war, dass Barça im Grunde doch alles richtig gemacht hat, so wie sonst auch. Sie versuchten alles, was sie im Repertoire haben, aber das war eben ihr Problem – dieses Repertoire ist zwar perfektioniert, aber begrenzt. Wenn man 10-15 Barça Spiele gesehen hat, hat man alles gesehen. Die Angriffe verlaufen immer wieder nach den selben Schemata, komplett schablonenhaft, vollkommen vorhersehbar – aber dennoch verdammt erfolgreich, weil sie eine ganze Reihe von Spielern haben, die die Schemata perfekt verinnerlicht haben, die technisch überragende Fähigkeiten besitzen und als die idealen Zahnräder im Getriebe Mannschaft funktionieren. Der gegnerischen Abwehr fast immer einen Schritt im Kopf und auf dem Platz voraus, machen sie so ihre Tore. Sevilla hatte ihre Schablonen genau studiert, ihr Spielfeld (nur die Sevilla-Hälfte des Feldes) mitsamt Laufwegen zugestellt. Und mit etwas Glück, den Treffer verhindert.

Wann bitte hat man bei diesem Barcelona das letzte Mal etwas wirklich Überraschendes gesehen, etwas Kreatives oder Verrücktes, das aus dem Schema und System ausbricht? Schnörksel, irgendetwas das nicht einem sofortigem Nutzen untergeordnet ist? Ich vermute dieses Element ist mit Ronaldinho entgültig verschwunden. Vielleicht wäre etwas Verrücktes, Unberechenbares am Samstag genau der Schlüssel zum Tor gewesen.

Die einzigen spektakulären Momente, die bei Barça wirklich bleiben sind die Zauberdribblings von Messi, die manchmal nicht den Regeln der Physik zu unterliegen scheinen. Das Genie, das bezeichnenderweise in einer topbesetzten argentinischen Nationalelf nur ein Schatten seines barcelonischen Selbsts ist, trotz Zauberdribblings. Ein perfektes Rädchen bringt ohne entsprechendes Getriebe eben wenig. Hier offenbart sich ein anderer Messi, kein schlechter, aber nicht DER Spieler schlechthin.

Natürlich kann man jetzt widersprechen und sagen Xavi oder Iniesta, auch Messi sind Kreative, die Köpfe des Spiels – klar gestalten sie, aber ihre Kreativität bricht nie aus dem System an sich aus, sonst wüssten ihre Mitspieler ja auch nicht mehr im Schlaf, wohin sie als nächstes zu spurten haben. Technische Klasse, perfektes Teamplay, ein komplett verinnerlichtes und beinahe automatisch ablaufendes Systems. Erfolgreich noch dazu. Und langsam aber sicher so langweilig.

Ich hätte es auch kürzer machen können: Der FC Barcelona ist die Antithese zum jogo bonito wie es die Brasilianer lieben – zehn Zauberkünstler und Anarchisten auf dem Feld, verspielt, kreativ, manchmal taktisch undiszipliniert, aber mit unglaublicher Spielfreude – und vor allem nicht langweilig oder berechenbar. Da verzeihe ich es ihnen auch gerne, wenn sie mal nicht gewinnen.

Kandidat für den Goldenen Ball: Sami Khedira

Die Selbstmordrate unter spanischen und deutschen Fussballfans dürfte in den nächsten Wochen bedenklich in die Höhe schnellen. Besonders die Sportredakteure der „AS“ sieht man schon heftig mit der schon vorher allzu flachen Denkerstirne auf die Tischplatte hämmern.

Cristiano Ronaldo, Messi, Iniesta, Xabi und Xavi … sie alle und noch etliche andere hatte man unter den Kandidaten zum Ballon d’Or, dem besten Spieler der abgelaufenen Saison natürlich erwartet – aber Khedira?

Was hatten sie den deutsch-tunesischen Mittelfeldspieler beschimpft in den vergangenen Monaten in der „AS“ und in nicht wenigen Fussballforen Spaniens und Deutschlands. Ein „tronco“ (Baumstamm) sei er, unbeweglich, unkreativ. Pure Zerstörung reicht nicht, las man da oft, was ¡por dios! habe denn so ein Spieler in der Star-Riege von Real Madrid zu suchen?!

Jetzt ist der „tronco“ plötzlich Kandidat für den Goldenen Ball und die ganzen selbsterklärten Experten sitzen fassunglos mit versteinertem Gesicht vor dem PC und versuchen ihre ausgelutschte Bierflasche zu würgen. Wie konnte so etwas passieren?

Khedira hat seine Nominierung verdient. Mit ausgezeichnetem und diszipliniertem Stellungsspiel bewirkt der defensive Mittelfeldmann sehr oft den Ballverlust des Gegners, ohne überhaupt aktiv eingreifen zu müssen. Nicht umsonst setzt Mourinho auf die Spielübersicht des Deutschen, wann immer der fit ist.

In diesem Real Madrid, in dem die besonders stabile Abwehr so oft gelobt wird, ist Khedira einer der wichtigsten Bausteine, der Stabilitätsfaktor schlechthin. Das Mittelfeldgehirn Xabi Alonso kann sich neben ihm in Ruhe darauf konzentieren, die Bälle zu verteilen und seine zentimetergenauen langen Pässe zu schlagen.

Den Goldenen Ball wird natürlich Klaus … perdón … Messi abräumen. https://uhupardo.wordpress.com/2011/10/19/messi-und-cristiano/

Sami Khedira hat so wenig eine Chance wie 48 andere der Liste der Nominierten. Doch die Kandidatur geht völlig in Ordnung, ist absolut verdient. Und sie freut mich – Selbstmordrate hin oder her.

To do Liste – dringend!

24 Stunden reichen nicht. Nur gut, dass die Uhr am Sonntag um eine Stunde zurückgestellt wird, sonst wäre das alles niemals zu schaffen.

Das Glückwunsch-Telegramm an Manchester United ist schon raus. So viel Arroganz-Verlust nach der 1:6 Klatsche gegen den Nachbarn in weniger als einem Tag muss unbedingt belohnt werden. Aber es bleibt genug zu tun.

Bürokratie ist ein Gräuel! Wo gibt es dieses verdammte Formular, mit dem ich meinen Austritt aus der westlichen Wertegemeinschaft – aussen glänzend, innen hohl – erklären kann? Wo reiche ich es ein? Hat es genug Platz für alle meine Gründe?

Mein Schwarzgeld muss transferiert werden. Die Schweiz ist nicht mehr sicher, überall Kontrollen. Jetzt muss die Kohle nach Hongkong. Die Schweizer Bank hat dort eine Filiale. Niemand wird sich trauen, den Chinesen ans Bein zu pinkeln, erstmal ist das Geld dort sicher.

Einen astronomischen Kalender muss ich besorgen. Diesmal habe ich die partielle Hirnfinsternis glatt verpasst, die wirtschaftliche Gipfel-Beschlüsse verursacht und Menschen dazu treibt, Diktatoren zu erschiessen statt sie vor Gericht zu stellen.

Schranken für die Banken muss ich beschaffen und endlich diesen Artikel schreiben, der erklärt, warum ein Geldladen so wenig ein Finanz-Institut ist wie ein schneller Autofahrer ein Formel1-Pilot.

Klopp muss ich auch noch mailen. Ob der wirklich neuerdings so poltert und dünnhäutig ist, weil er die Aufmerksamkeit von seiner Mannschaft ablenken will, würde ich ihn gern fragen. Vielleicht hat er einfach nur die Schnauze voll von dummen Journalistenfragen, kann doch auch sein.

Wo bekommt man diesen Leitfaden „So werden Sie Bauer in zwei Wochen!“? Kartoffeln, Tomaten und Kopfsalat müssen erntereif sein vor dem grossen Knall, wozu mache ich das sonst, wenn ich schon einen Acker besorgt habe, ohne einen Pflug von einer Dreschmaschine unterscheiden zu können.

Aber vorher probiere ich noch das mit den Fusel-Anleihen. Klingt gut! Vor dem Crash nochmal richtig absahnen, so viel Zeit muss sein.

Ist heute schon wieder Montag? Dann dringend noch eine halbe Stunde zu meinem Psycho-Analytiker. Ich brauche dieses wöchentliche Gefühl, mich danach richtig gut zu fühlen, weil es mir schlecht geht.

Dann müssen die Nachbarn befragt werden, ob sie wirklich zu blöd oder zu faul sind, sich mit http://www.bandbreitenmodell.de/vision zu beschäftigen. Vielleicht geht es ihnen auch nur noch nicht dreckig genug, um den breiten Hintern aus dem Sofa zu heben. Fragen kostet nichts.

Aber pünktlich zurück ist wichtig, denn die Wiederholung von „Neues aus der Anstalt“ lasse ich mir heute Abend keinesfalls entgehen. Im Moment leider die einzig seriöse Sendung im deutschen Fernsehen und hebt sich wohltuend von der albernen Satire der Nachrichtenprogramme ab.

Und den neuen Computer brauche ich unbedingt, der sich nach dreistündigem Gebrauch automatisch jeweils für acht Stunden abschaltet, sonst komme ich zu gar nichts mehr. Aber erst wenn ich gegoogelt habe, was eine Kängumaus ist. Recherche geht vor.  Sie müssen nicht alles verstehen. Ich schon!