Messi und Cristiano

Wir hatten damals einen Jungen in der Klasse, nennen wir ihn einfach Klaus, der bei Kurztreckenläufen und im Schwimmen hervorragende Leistungen erzielte. Hätte man ihm gar nicht zugetraut: Der Kleinste der Klasse, etwas verhutzelt und mit Brille sah er eher aus wie der angehende Buchhalter, der seinem Papi im selben Job nachzufolgen gedachte.

Manchmal schlug er in diesen Disziplinen sogar Uli, eine athletische Sportskanone, der vor Kraft und Selbstbewusstsein nur so strotzte. Sah ausserdem unverschämt gut aus, der Bengel, räumte die Mädels ab, wie es ihm gerade passte.

Uli erntete Bewunderung, vor allem Neid. Jeder versuchte auf irgendeine Weise ihm nachzueifern, ohne das natürlich jemals zugeben zu wollen.

Klaus erntete trotz aller guten sportlichen Leistungen eher keine Bewunderung, Neid schon gar nicht. Doch war er der unerklärte Sympathie-König der Klasse. Jeder mochte ihn. Toll, was so ein Zwerg trotz aller körperlicher Nachteile an den Tag legte, den musste man einfach mögen. Ein kleiner verhutzelter David, den den Goliaths dieser Welt die Stirn bot.

Uli hatte es nicht nötig, mit Klaus wetteifern zu wollen. Er stand in der Sonne. Seine Umgebung bewunderte ihn, mochte ihn nicht wirklich, obwohl er ein fröhlicher und solidarischer Typ war. Klaus stand im Schatten und sonnte sich im Sympathie-Spot derjenigen, die immer mehr zum Underdog halten, weil sie hoffen, selbst irgendwann aus der Underdog-Rolle herauszukommen.

Alles wird wie es bleibt.

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