ETA verkündet Ende des bewaffneten Kampfes

Der 20. Oktober 2011 hat gute Chancen, in Spanien zu einem historischen Tag zu werden. Die baskische Terroristenorganisation (nein, es heisst nicht Separatistenorganisation) ETA hat das „definitive Ende des bewaffneten Kampfes“ verkündet.

Die Ankündigung – wie üblich in der baskischen Zeitung Gara – kommt eineinhalb Jahre nach dem letzten bewaffneten Anschlag, bei dem der französische Polizist Jean Serge zu Tode kam. 51 Jahre und knapp 900 Tote später.

Anlass dafür war die drei Tage vorher stattgefundene Friedenskonferenz in San Sebastián im Palacio de Aiete. Sie wurde von Kofi Annan geleitet; Teilnehmer war unter anderen auch der irische „Terrorismus-Experte“ Gerry Adams. Die Konferenz forderte  ETA auf, das Ende des bewaffneten Kampfes zu erklären, verlangte gleichzeitig von Spanien und Frankreich, sofort Verhandlungslösungen für den baskischen Konflikt anzugehen.

Die spanische Regierung hatte sich nach der Konferenz kompromisslos gezeigt: „Was wir von ETA verlangen, ist schlicht das Ende des bewaffneten Kampfes, ohne alle Vorbedingungen.“

Die Terroristenorganisation hat nun, zum Erstaunen vieler Beobachter genau das getan. Von einer ETA-Auflösung ist nicht die Rede, auch die Übergabe der Waffen ist nicht Teil des ETA-Kommuniqués, dennoch eröffnet die jüngste Entwicklung  jetzt die einmalige Chance, Spanien vom Terrorismus zu befreien.

ETA schloss sich heute der Forderung der Konferenz an und forderte die Regierungen in Madrid und Paris dazu auf, in den Dialog über Konfliktösungen einzutreten.

Während einige spanische Institutionen die „Niederlage der ETA“ feiern, rufen andere zur Zurückhaltung auf und wollen lieber „warten, bis den Worten Taten Folgen“ – nicht-Taten meinen sie eher damit.

Spanien ist zu wünschen, dass heute die neue Zeitrechnung ohne Terrorismus beginnt. Alle Beteiligten sollten jetzt keine Zeit verschwenden, unverzüglich die Kommunikation suchen, um nicht eine historische Chance zu verpassen.

Paco García Caridad irrt sich

Mit nichts macht man sich schneller und sicherer Feinde als mit dem Satz

„Du irrst dich“

Wenn sich jemand irrt, den man sowieso nicht leiden kann, ist es kein Problem. Schwieriger wird es, wenn sich jemand irrt, den man als sympathischen Zeitgenossen empfindet, weil die Verlustangst zuschlägt: Vielleicht hat er mich dann nicht mehr lieb …

Die Gefahr besteht bei Paco García Caridad nicht. Der Direktor von „Radio MARCA“ ist nicht nur sympathisch – und Fan von UD Las Palmas, was den Sympathiefaktor erhöht  – sondern auch ein ausgesprochener Señor, der Meinungsverschiedenheiten perfekt aushält.

Das Risiko ist also gering, wenn ich sage: Paco García Caridad irrt sich und das gleich zweifach.

Seine Verteidung von Florentino Pérez und der Rat an den Trainer der Nationalmannschaft, Del Bosque, die geplante Auszeichnung durch Real Madrid endlich zu akzeptieren, stellt die Realität auf den Kopf.

Wie mies Don Vicente del Bosque in Spaniens Hauptstadt trotz nennenswerter Erfolge behandelt wurde, muss man hoffentlich niemandem mehr erklären. Das war keine der üblichen Trainerentlassungen; hier ging es um klare und öffentliche persönliche Diffamierung eines Menschen.

Wenn Madrids Präsident Florentino Pérez dem Ex-Trainer nun eine Auszeichnung verleihen will, hätte er zunächst die „Cojones“ haben müssen, Don Vicente selbst das Wort zu gönnen, statt wieder einmal einen Strohmann vorzuschieben, der als Abfangjäger dient: in diesem Fall Butragueño.

Butragueño wiederum trägt eine Mitschuld an dem PR-Desaster, weil er die prompte und klare Antwort von Del Bosque („Ich werde nicht zu dieser Verleihung gehen!“) in der Öffentlichkeit so ambivalent dargestellt hat, dass der Eindruck entstehen musste, der Ex-Trainer wolle seine Entscheidung noch überdenken.

Del Bosque wäre gut beraten, jetzt sofort öffentlich Klartext zu reden, die Sachlage zu klären und zu erläutern, wie viele gute Gründe es gibt, die Auszeichnung nicht annehmen zu wollen.

Das zweite Thema, in dem Paco García Caridad irrt, ist weniger gravierend, denn es wird sich von allein klären und das bald. Sahin und Xabi Alonso würden nicht zusammen auf dem Feld stehen, prognostizierte der Direktor von „Radio MARCA“ gestern.

Sobald der Ex-Dortmunder Sahin wieder fit ist, wird sich zeigen, dass diese Prognose kein Fundament hat. Zumindest gegen die Mannschaften ab Platz 6 der spanischen Liga nach unten dürfte Xabi – Sahin sogar die Idealkombination sein und wird sehr oft so ab der ersten Minute auf dem Platz stehen.

Sahin ist defensiv stärker als manche glauben, aber mit unendlich viel mehr Spielübersicht auf der Mittelfeldposition als alle anderen in Frage kommenden Kandidaten (Khedira, Coentrao, Lass, Granero). Gegen Barcelona, Valencia oder Manchester United mag man in der Mitte mehr „Panzer-Effekt“ brauchen, doch gegen alle anderen Mannschaften werden sich Xabi und Sahin als das ideale Gespann erweisen.

Sollte das nicht der Fall sein, darf Paco García Caridad titeln: „Der Uhupardo irrte sich!“ Dann hat der Uhupardo Gelegenheit zu beweisen, dass es mehr als einen Señor gibt, der Meinungsverschiedenheiten perfekt aushält.

Mysterium Seezunge

Ein Plattfisch ist ein Plattfisch. Wenn es ein Fisch ist. Nennt man einen Menschen „Plattfisch“, ist es eher eine Beleidigung … obwohl es manchmal durchaus Berechtigung hätte.

Ob auf Gran Canaria, Teneriffa, Lanzarote oder Fuerteventura: Überall sind die Restaurants voll von deutschen Touristen, die Seezunge bestellen. Seezunge muss es sein, unbedingt, einer der begehrtesten, weil teuersten (oder teuersten, weil begehrtesten, who knows) Speisefische.

Seezunge auf den Kanarischen Inseln essen ist wie Weisswurst auf Büsum oder Labskaus in Bad Tölz. Der Plattfisch wird in der Nordsee gefangen, an der Küste Norwegens, im Ärmelkanal, sogar im Mittelmeer – überall, ausser in der Nähe der Kanarischen Inseln.

Herrlich fangfrische Fische gibt es auf den kanarischen Tellern: http://www.ottoewieghardt.de/fischbuch.pdf

Sama, Mero, Bocinegro, Breca,Burro, Vieja – die Liste der äusserst schmackhaften Schwimmtiere ist beinahe endlos. Alles ganz frisch auf den Teller und zu erschwinglichen Preisen. Aber nein, es muss die Seezunge sein, der einzige Fisch, der mit tödlicher Sicherheit nicht frisch ist, nicht frisch sein kann und vom Eis kommt.

Allerdings bieten die kanarischen Fische einen wichtigen Vorteil nicht: Tante Elli und Onkel Willi können nach Rückkehr damit keinen Nachbarn beeindrucken: „Sie glauben ja nicht, wie billig wir jeden Tag Seezunge gegessen haben?!“

Etwas haben deutsche Touristen mit der Seezunge offensichtlich gemeinsam: „Die Beute wird mit Hilfe von fädigen Sinnesknospen auf der Blindseite des Mauls aufgespürt.“

Özil und Khedira plus 9

Real jubelt dank Khedira und Özil

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,792614,00.html

Heute ist es wie jeden Tag in Deutschland … und ewig grüsst das Mumeltier!

Keine Rede davon, dass Khedira verletzt das Spielfeld verlassen musste. Keine Rede davon, dass Özil in der ersten Halbzeit gegen Lyon einen Ballverlust nach dem anderen verursacht hatte, was sogar den Trainer am Spielfeldrand zu deutlich protestierenden energischen Gesten gegenüber der Nummer 10 veranlasste, bevor er in der zweiten Halbzeit Kaká den Vorzug gab.

„Real jubelt dank Khedira und Özil“ – die deutschen Superhelden retteten den spanischen Traditionsclub wieder einmal. Ganz allein. Damit ist die News komplett.

Die Dekoration solchen fussballerischen Füllmaterials wie Cristiano Ronaldo, Kaká, Benzemá, Higuaín, Sergio Ramos oder Iker Casillas können wir getrost weglassen.  Tante Elli und Onkel Willi aus Wanne-Eickel wollen wissen, dass Khedira und Özil die Erfolgsgaranten waren, alle anderen haben keinen deutschen Pass, wen interessiert´s?

„Beim Flugzeugabsturz in der Ukraine, bei dem 261 Menschen ums Leben kamen, waren voraussichtlich keine deutschen Opfer zu beklagen.“

Na bitte, dann ist doch nichts passiert. Glück gehabt. Aber Khedira und Özil haben gewonnen heute.

Regierungswechsel a la vista!

Die sozialdemokratische Regierung wird Ende November fallen, wie alle derzeitigen Regierungen, die für die aktuelle Krise verantwortlich gemacht werden und die Quittung dafür präsentiert bekommen.

Präsident Zapatero (PSOE) tritt nicht mehr an, erkennt die Sinnlosigkeit eines solchen Vorhabens. Zu lange hatte er die Krise wegdiskutieren wollen. Zu spät erkannte er den Handlungsbedarf. Zu zögerlich kamen seine politischen Reflexe. Der nächste Kandidat der Sozialisten, Alfredo Pérez Rubalcaba, ist schon so lange Teil der spanischen Politik und auch der Regierung Zapateros, dass er keine Aufbruchstimmung beschwören kann. Keine Chance.

Die konservative PP wird bei der Wahl abräumen. Nicht etwa deswegen, weil sie die besseren Rezepte hätte, weit gefehlt. PP-Chef Rajoy beschränkt sich darauf, den „Stimmungswechsel“ zu beschwören, den sein Wahlsieg bewirken wird. Der alleine sei Grund genug, um die Verbesserung – bei ihm klingt das nach „Rettung Spaniens“ – zu bewirken. Ein Programm hat er nicht. Wenn er eins hat, verrät er es nicht.

Der Bevölkerung ist es egal. Es muss „anders werden“ und Punkt! Das sagen alle Umfragen und sehen einen kolossalen Wahlsieg der PP voraus. Andere Umfragen, die wissen wollen, ob es denn mit einer konservativen Regierung besser werde,  bekommen die Antwort „Para nada, die sind doch alle gleich“.

España es diferente – Spanien ist anders! Normalerweise. In vielen Aspekten des Lebens stimmt das. In der aufkeimenden Hoffnung auf die Aussichtslosigkeit unterschieden sich die Spanier allerdings gerade nicht vom restlichen Europa.

Hunger-Zocken

Vor sieben Jahren wurden 13 Milliarden gehandelt, heute, nach den internationalen Liberalisierungsmassnahmen, sind es 600 Milliarden.

Zocken mit Lebensmitteln ist das Thema. Börsen spielen mit der Ernährung der Weltbevölkerung. In Kenia verdoppelte sich der Brotpreis innerhalb eines Jahres. Reis wird 100-Gramm-weise abgewogen und verkauft, kaum jemand kann sich noch ein ganzes Kilo leisten.

Hier geht es nicht um Finanz-Monopoly sondern ohne Übertreibung um Leben und Tod. Die Ernährung der ärmsten Teile der Weltbevölkerung wird zum Spielball derjenigen, die den Hals nicht voll genug bekommen können.

„Frontal 21“ nahm sich dankenswerterweise dieser Thematik an; zeigte auf, wie die Macht der Spekulanten auf den Rohstoffmärkten dafür sorgt, dass immer mehr Menschen weltweit hungern müssen.

http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/24/0,1872,8358776,00.html

http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/24/0,1872,8358776,00.html

Messi und Cristiano

Wir hatten damals einen Jungen in der Klasse, nennen wir ihn einfach Klaus, der bei Kurztreckenläufen und im Schwimmen hervorragende Leistungen erzielte. Hätte man ihm gar nicht zugetraut: Der Kleinste der Klasse, etwas verhutzelt und mit Brille sah er eher aus wie der angehende Buchhalter, der seinem Papi im selben Job nachzufolgen gedachte.

Manchmal schlug er in diesen Disziplinen sogar Uli, eine athletische Sportskanone, der vor Kraft und Selbstbewusstsein nur so strotzte. Sah ausserdem unverschämt gut aus, der Bengel, räumte die Mädels ab, wie es ihm gerade passte.

Uli erntete Bewunderung, vor allem Neid. Jeder versuchte auf irgendeine Weise ihm nachzueifern, ohne das natürlich jemals zugeben zu wollen.

Klaus erntete trotz aller guten sportlichen Leistungen eher keine Bewunderung, Neid schon gar nicht. Doch war er der unerklärte Sympathie-König der Klasse. Jeder mochte ihn. Toll, was so ein Zwerg trotz aller körperlicher Nachteile an den Tag legte, den musste man einfach mögen. Ein kleiner verhutzelter David, den den Goliaths dieser Welt die Stirn bot.

Uli hatte es nicht nötig, mit Klaus wetteifern zu wollen. Er stand in der Sonne. Seine Umgebung bewunderte ihn, mochte ihn nicht wirklich, obwohl er ein fröhlicher und solidarischer Typ war. Klaus stand im Schatten und sonnte sich im Sympathie-Spot derjenigen, die immer mehr zum Underdog halten, weil sie hoffen, selbst irgendwann aus der Underdog-Rolle herauszukommen.

Alles wird wie es bleibt.