Jeder siebte Deutsche ist arm!

… und nicht etwa „armutsgefährdet“, wie dieser Kommentar perfekt auf den Punkt bringt: Sagt doch einfach „arm“

Der Unternehmer-Index ist selbst in der Krise positiv gestimmt. Die Menschen konsumieren zum Weihnachtsfest so sehr, dass nicht einmal der Einzelhandel die Stirnfalten kraus ziehen kann. Deutschland, der Wirtschaftslokomotive Europas geht es gut!

 

Das gilt für diejenigen, die (noch) einen Arbeitsplatz haben, von dem sie auch leben können. Für alle anderen nicht, aber die interessieren letztendlich auch niemanden, denn sie sind nicht „armutsgefährdet“. Sie sind arm! Sie haben keine Lobby, sie konsumieren nicht, sie zählen einfach nicht mit.

Zwölf Millionen Menschen in Deutschland sind arm – jeder Siebte! 2010 lag die Armutsgefährdungsschwelle für einen Single-Haushalt bei 826 Euro, für eine vierköpfige Familie lag sie bei 1.735 Euro. Besonders Berlin (von 17 auf 19,2%) und Nordrhein-Westfalen (von 13,9 auf 15,4%) sind die Absteiger des Jahres. Im Bundesdurchschnitt sind es 14,5 Prozent, wie aus dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervorgeht.

 

Bezeichnend ist, dass auch in den Zeiten starken Wachstums wie 2006, 2007 und 2010 die Armut auf demselben Niveau blieb oder sogar zunahm. Wann wird endlich klar, dass „Wachstum“ drohende Armut weder verhindert noch verbessert?

Im Armutsbericht geht es um rein wirtschaftliche Armut. Man könnte und müsste noch über andere Arten der Armut sprechen. Zum Beispiel über die vielen Kinder derjenigen, die noch einen gut bezahlten Job haben, und die ihre Eltern kaum sehen. „Wachstum“ oder nicht – die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter, auch in Deutschland. Der Fehler liegt im System.

(Der Fairness halber: In dem zitierten Bericht geht es um Deutschland, insoweit stimmt das. Was wirkliche Armut ist, wissen in Deutschland selbst die Armen noch nicht. Dass die Armen anderer Länder oft glücklicher sind als die Reichen Deutschlands, meist auch nicht.)

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4 Kommentare zu “Jeder siebte Deutsche ist arm!

  1. WsdV-Blog sagt:

    Du hast recht. Uns geht es im Gegensatz zu anderen sehr gut, auch weil unsere Firmen auf kosten anderer Wirtschaften und wir so für deren Armut verantwortlich sind.

    Das Gefühl von einer enormen Kluft sorgt meiner Ansicht nach dafür, dass man das Wort Armut nutzt. Man sieht, dass es hier nicht richtig läuft.

    Kapitalismus ist einfach ein Raubtier ungeheuren Ausmaßes.

    Vor allem frisst es Identitäten auf und hinterlässt einen Einheitsbrei, mit denen sich die Menschen niemals identifizieren können.
    Mir fehlt hier im Land vor allem der Zusammenhalt, aber auch, dass man jemanden die Freiheit lässt, sich dem System entziehen zu können. Ich meine, wir haben nur ein Leben, warum sollten wir Dingen in diesem Leben hinterherrennen, die im Prinzip nur Müll sind.

    Viel mehr zählt es doch, dass man sich seine Freiheit und somit auch seine geistige Freiheit behält.
    Je mehr wir hier eingebunden und gefesselt werden, desto willenloser und dümmer scheinen die Menschen zu werden. Sie rennen hechelnd einem Luftschluss hinterher, was dabei auf der Strecke bleibt, ist ihr eigenes Leben.

    Nicht umsonst identifizieren sich die Menschen durch ihre Arbeit. Und wenn man keine hat, ist man halt nicht angesehen, wir unterschätzt und als asozial dargestellt.
    Wobei es das System ist, was durch und durch asozial ist. Nur die Menschen fühlen es nicht. Sie leben ihre Illusion, abgeschottet von den anderen einfach weiter.

    Der Kapitalismus hat ganze Arbeit geleistet, es hat den Menschen das Zweifeln und hinterfragen abgenommen und es hat ihn von Grund auf manipulierbar gemacht.

    • uhupardo sagt:

      Ein sehr treffender Kommentar, der es gut zusammenfasst!

      Wenn man der Krise entwas Positives abgewinnen will, hat es damit zu tun: In anderen Ländern, die deutlich unter dem Lebensstandard Deutschlands liegen, sind die Menschen von klein auf eine gewisse Überlebensstrategie gewohnt. Sie beziehen ihren Glücksfaktor nicht vorrangig aus dem Haben sondern aus dem Sein, denn sie haben eben nicht. Deswegen sind sie zufriedener, glücklicher, auch mit viel weniger – was deutsche Touristen dann merken, wenn sie dort Urlaub machen.

      Jetzt, in einer Situation, in der viele Menschen auch in Deutschland zwangsweise darüber nachdenken müssen, ob morgen ihr gesamtes Hab und Gut in einem Crash verschwindet, können sich die Werte im Kopf wieder in eine andere Richtung verschieben. Was ist, wenn morgen Haben endet? Was bleibt dann? Womit und wofür lebe ich wirklich?

      Trotz allem, so befürchte ich, wird der Crash Deutschland mit am härtesten treffen, weil dort Selbstverständnis mehr als anderswo auf Haben aufbaut – doch der jetzige „Intervall im Kopf“ zeigt zumindest in die richtige Richtung.

  2. Kim sagt:

    Ja, ein Zitat sagt eh alles aus. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer.

  3. Mario sagt:

    @ WsdV

    Deinen Kommentaren, die ich bis jetzt gelesen hab, muss ich immer zu 100 % zustimmen. Es ist fast so, als würden meine Gedanken von dir niedergeschrieben werden.

    LG und PEACE

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