Wütender Protest in der Madrider U-Bahn

 

„Auf den Arm nehmen kann ich mich verdammt nochmal selbst, dafür brauche ich keine Metro“, wettert ein Passagier wütend und schaut verächtlich auf das Plakat „Más por menos“, mit dem die Direktion der Madrider U-Bahn erklären will, wie günstig doch der Transport in der spanischen Hauptstadt sei. „Du wirst keine andere U-Bahn auf der Welt finden, die dir so viel für so wenig Geld bietet.“ Die neue Werbe-Kampagne der Metro Madrid hat eingeschlagen wie eine Bombe – allerdings ganz anders, als sich die Werbe-Agentur das vorgestellt hatte.

Im vergangenen August hatte die Metro den Fahrpreis für das einfache Ticket im Handstreich um 50 Prozent erhöht: Von 1 Euro auf 1,50. Jetzt, vier Monaten später, ging man davon aus, dass sich alle Proteste totgelaufen hatten und schob eine Image-Kampagne hinterher, die den Fahrgästen erklären soll, wie dankbar sie doch sein sollten. Auf den Plakaten wird der Madrider Fahrpreis verglichen mit Paris (1,70), New York (1,83), Oslo (3,61) und London (4,64); während andere Werbeträger den Fahrpreis in Bezug zu den gefahrenen Kilometern setzen. Alles unter dem Motto: „Wir sind so günstig und sozial!“

 

Die Fahrgäste allerdings sind stinksauer und reagieren entsprechend. Die neuen Plakate werden handschriftlich verziert. Neben die Vergleichstabelle der internationalen Fahrpreise werden die jeweiligen Mindestlöhne oder Durchschnittslöhne geschrieben, um deutlich zu machen, wie schief das Bild ist, das die Metro-Leitung verkaufen will. Anderen Werbeträgern werden „Freundlichkeiten“ jeder Art hinzugefügt – gegen die Metro oder gleich gegen die neue spanische Regierung, die gerade Steuererhöhungen und drastische Ausgabenkürzungen verkündet hatte.

 

Noch professioneller ist der Protest, der jetzt mit eigenen Zusatzplakaten vorgetragen wird. „Más paro, menos salario“ (mehr Arbeitslosigkeit, weniger Geld) ist da zu lesen. Der Untertitel persifliert die Metro-Kampagne: „Du wirst kein Land finden, in dem man dich derartig verscheissert!“ Danach folgen auch hier die europäischen Mindestlöhne im Vergleich, unterschrieben von der „Gemeinschaft nachbarschaftlicher Vereinigungen Madrid“.

Das ist erst der harmlose Anfang der zu erwartenden Protestwelle in Spanien, wo die neue konservative Regierung von Mariano Rajoy (PP) schon bald das nächste und noch heftigere Sparpaket verkünden will. Genützt hat es bisher nichts, denn heute musste Spanien erneut gestiegene Zinsen für seine Staatsanleihen zahlen, um Geld zur Refinanzierung einsammeln zu können. Der Kredit der neuen Regierung scheint bereits aufgebraucht, was „die Märkte angeht“.

Europa wird konsequent kaputt gespart, wie unser vorheriger Artikel verdeutlichte. Das mag in anderen Ländern von breiten Schichten der Bevölkerung sehr lange unwidersprochen hingenommen werden – in Spanien garantiert nicht. Fortsetzung der Berichterstattung ist also programmiert.

*Lesen Sie dazu auch:
Drastisches Sparprogramm in Spanien
Europa wird konsequent kaputt gespart, von Merkels Gnaden
Euro-Krise? – Lächerlich!
Europa wird enden wie die Sowjetunion

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5 Kommentare zu “Wütender Protest in der Madrider U-Bahn

  1. Spanien zeigt uns, was auch in Deutschland passiert. Wir können nur lernen.

    In jeder Hinsicht.

  2. Andy sagt:

    Kaputtgespart kann man daß nicht nennen nach diesen fetten Jahren müsste man recht gut darstehen und es müsste jeder wissen das es so nicht weitergehen kann.Die meisten haben sich auf die kommenden Veränderungen nicht vorbereitet,und dies fällt ihnen nun auf die Füsse.Die Politik muss Zeit kaufen und der Bevölkerung dringendst die Funktionsweise der Finanzmärkte(zum großen Teil daß eigene Verhalten der Menschen zb.Glaubwürdigkeit etc.erklären.Nur so ist eine Veränderung in die richtige Richtung möglich.Ob dies aufgeht ist trotzdem nicht ausgemacht.Aber wenn es richtig nicht geht…

    • donfurioso sagt:

      Was ist die „richtige“ Richtung? Abbau der Krankenversorgung? Öffentlicher Verkehr, den sich niemand leisten kann? Wenn Interest Rate Swaps als „Versicherung“ verkauft wurden,
      Kredite ohne Rücklagen vergeben wurden, dann haben Banken ihren Job nicht gemacht. Werden Banker gefeuert? Nein – man ernennt sie zu Ministern! Die fetten Jahre sind wohl
      nicht für alle vorbei. Teil des Wohlstandes wurde auf Sand gebaut – buchstäblich. Dass eine Korrektur erfolgen muss, ist leider auch klar. Nur dass ein ganzes Volk dazu gezwungen wird,
      für den Irrsinn der Banken geradezustehen, ist erstens ungerecht und zweitens sinnlos. Es wird nicht helfen.

    • uhupardo sagt:

      Haben Sie „fette Jahre“ hinter sich,Andy, „über Ihre Verhältnisse“ gelebt? – Dann sollten Sie das jetzt schnellstens zurückfahren, das stimmt.

      Es gibt allerdings Millionen Menschen neben dem Uhupardo, die weder fette Jahre noch über ihre Verhältnisse gelebt haben. Millionen, die gerade bis zum Monatsende kamen und ihre Rechnugen bezahlen konnten; die über ihre Steuern riesige Militär-Budgets finanziert haben und denen, die heute über unendliche Vermögen verfügen, die Taschen füllten.

      Wir müssen nichts zurückfahren und wüssten auch nicht, warum wir diesen wirklich nicht übertriebenen Lebensstandard zurückfahren müssten.

      Deswegen muss der Bevölkerung nicht die Funktionsweise der Finanzmärkte erklärt werden! Ganz im Gegenteil müssen die Finanzmärkte so an die Kette gelegt und drastisch umgestaltet werden, dass sie gemeinschaftstauglich agieren. Wirtschaft hat Menschen zu dienen, nicht umgekehrt. Das ist die einzig „richtige Richtung“.

  3. libero sagt:

    es ist überall das gleiche, die vom volk installierten errungenschaften werden von ein paar profiteuren einverleibt, um sie ‚profitabler‘ (i.d.r. teurer) zu machen, während sich diese ausverkäufer (von allgemeingut) als soziale helden brüsten. adbusting ist das mittel der wahl gegen solche volksverdummungsversuche. evtl. auch massenhafteres schwarzfahren…

    ticketloser nahverkehr für ALLE! jetzt!

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