LIDL – Fairness unzureichend

Löhne sogar unterhalb der nationalen Armutsgrenze in Bangladesh zahlt LIDL dort für seine Produkte, wie eine ARD-Dokumentation am Montagabend zeigte. Unterernährte Arbeiterinnen ohne Mundschutz in den Produktionshallen, die mit Vitamintabletten den Hunger bekämpfen sollen. Ansonsten bekam der Discounter im „Markencheck“ ein akzeptables Zeugnis ausgestellt: Die Qualität der Produkte sei „ordentlich“, der Stressfaktor im Laden „erträglich“, der Preisvorteil allerdings „überschätzt“ im Vergleich zu den Konkurrenz-Unternehmen.

So oder ähnlich funktioniert die Wirtschaft in vielen Sparten: Der Einkauf in den Billiglohn-Ländern sorgt dort für Elend und Not; „Fairness unzureichend“ sagte der Markencheck. Wie der Manager aus Bangladesh im Bericht in die verdeckte Kamera sagt: „Die Löhne für unsere Arbeiter sind geringer als in allen anderen Ländern. Das ist der Grund, warum wir Ihnen ein gutes Angebot machen können.“
LIDL-Arbeiterinnen in Bangladesh müssen ihre Familien von weniger als einem Euro pro Tag ernähren.


Spielt alles keine Rolle,
solange die Kunden in den Industrieländern die Läden und Produkte als „ordentlich“ empfinden. So war das Gesamturteil im ARD-Bericht heute auch in der Summe positiv. Globalisierung sorgt aber eben nicht dafür, dass in den strukturschwachen Ländern Arbeitsplätze geschaffen werden, die einen lebenswerten Standard bieten können. Das ist kein originäres LIDL-Problem sondern ein systemisches. Globalisierung bewirkt allerdings auch, dass die Welt jeden Tag kleiner wird und jeder mehr und mehr die Probleme der anderen zu spüren bekommt, ganz egal, wie weit das Land entfernt sein mag.

Deswegen ist es vielleicht nicht so schlimm, dass Angela Merkel und Nikolas Sarkozy heute erneut, müde und überarbeitet, eingestehen mussten, dass ihnen keine Lösung einfällt. Das System hat offensichtlich fertig. Ein System, das auf Ausbeutung der Menschen und der natürlichen Ressourcen aufgebaut worden ist. Eine Möglichkeit, wie das zu ändern wäre, lesen Sie in „Der Tag nach dem Crash: Das Bandbreitenmodell“.

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13 Kommentare zu “LIDL – Fairness unzureichend

  1. WsdV-Blog sagt:

    Ja schrecklich Dinge passieren in unserem System! Das wir es zulassen kann ich mir nur durch die Manipulation jedes einzelnen erklären.

    Dieses System hat fertig… das stimmt! Allerdings wird danach wohl das System der Wenigen etabliert werden.

    Deutschland hat keinen Friedensvertrag, eigentlich ist alles was rechtlich ist, sehr schwammig und hofft nur auf unsere Akzeptanz.

    Eigentum sollen wir Deutsch ja auch nicht besitzen, denn ohne Friedensvertrag, soll es nicht gehen. Ich Sehe die BRD in eine Vorreiterrolle, um die neue Weltordnung umzusetzen. Wir lassen die Mühlen stetig weiter mahlen.

    Was Lidl macht ist abartig! Alles zeigt nach unten, immer weniger und für wenige viel mehr.

    Wir führen Krieg auf allen Ebenen, wer das nicht merkt, will es einfach nicht merken.

    Krieg gegen vom Staat bezahlte Terroristen, Krieg gegen die ärmsten der Armen, Krieg gegen unsere Gesellschaftliche Ordnung, Krieg alle Gegeneinader.

    Wir verwickeln uns in zu viele sinnlose Kleinkämpfe und sehen das große Ganze nicht. Was können wir tun?

    Ich weiß es nicht. Vielleicht anfangen aufzuwachen, das Hirn wieder zu nutzen…

    • uhupardo sagt:

      „Allerdings wird danach wohl das System der Wenigen etabliert werden.“

      Das kann so sein- muss nicht. Die Frage wird sein, wie viele (die kritische Masse) fähig und vor allem willens sein werden, ein als falsch erkanntes und gescheitertes System durch ein gemeinschaftstaugliches zu ersetzen.

      Wer zum Beispiel Kinder hat, sollte sich schleunigst aus den Kampfhunde-Schweinegrippe-Wulff-Themen ausklinken und sich für alternative Modelle interessieren, bevor wir sie brauchen.Kann man wirklich wollen, dass die Nachkommen in einer Diktatur leben müssen, die viel schlimmer ist als das, was wir selbst erlebt haben?

  2. Veselin sagt:

    „Das System hat offensichtlich fertig. Ein System, das auf Ausbeutung der Menschen und der natürlichen Ressourcen aufgebaut worden ist.“

    Dem ist (leider) nichts hinzuzufügen …

  3. Don Furioso sagt:

    Wissen Sie etwas über Zara und ihren Gründer Amancio Ortega? Ich frage, weil der Name zur Zeit durch zweierlei auffällt: 1. Gerüchte sogenannter Sweat Shops, und 2. hat der Gründer Amancio Ortega gerade einen Scheck von 20 Mio EUR an die Caritas für Spaniens Arme unterschrieben – zwei scheinbar-anscheinend widersprüchliche Meldungen.

    • Uhupardo sagt:

      Richtig ist, dass der Zara-Gründer 20 Mio. Euro an die Caritas überwiesen hat (die grösste Summe bisher zwar, aber nicht die erste). Richtig ist auch, dass Zara (u.a.) da produzieren lässt, wo alle derzeit produzieren lassen. Beides.

      Ausserdem hat die seine Stiftung, die 2001 gegründet wurde, dieses Jahr weitere 46 Mio. in drei Projekte gesteckt:
      28 Mio. für das Projekt Padre Rubinos in La Coruña.
      11 Mio. in Escuelas Infantiles in Galizien.
      7 Mio. in das Proyecto Hombre Galicia in Santiago de Compostela (Essenssaal, Bibliothek, Werkstätten, Therapie und Freizeit für 150 Pers. pro Tag.

      Aus der Erinnerung geschrieben, gingen vorher ausserdem ein paar Millionen nach Haiti und etwa sechs Mio. für die ökologischen Aufräumarbeiten nach der „Prestige“-Katastrophe an der galizischen Küste.

      • Don Furioso sagt:

        Danke für die Auskunft! Und ich hatte mir in meiner Naivität vorgestellt, dass Zara ein kleiner Jobmotor für die iberische Halbinsel ist. Besser recherchieren, weniger phantasieren!

        • Uhupardo sagt:

          … oder Uhupardo fragen, das ist schon legitim. 🙂

          Armancio Ortega (= Inditex) gehört in die Top 5 der Reichsten der Welt, der Konzern ist wirklich riesig (Zara, Pull&Bear, Bershka y Oysho, Massimo Dutti, Stradivarius … die weltweit grösste Textilgruppe). Ausser dem textilsektor gibt es noch Immobilien, Auto-Konzessionäre, Investitionsfonds und vieles andere. Armancio Ortega macht bestimmt nicht alles richtig, aber fast alles richtiger als alle anderen mit seinen vielfältigen sozialen Aktivitäten.

          • Don Furioso sagt:

            „Armancio Ortega macht bestimmt nicht alles richtig, aber fast alles richtiger als alle anderen mit seinen vielfältigen sozialen Aktivitäten.“ Da hebt er sich anscheinend sehr von der restlichen spanischen Oberschicht ab?

            • Uhupardo sagt:

              Bei solchen Dingen sind Kommentare sehr einfach, wenn man rücksichtslos sein will, das ist jedoch zu einfach, deswegen anders. Ich kenne zum Beispiel zwei Namen aus dieser Oberschicht, die pro Jahr viele Millionen in Bildung und Forschung (der eine) und Kultur (der andere) stecken und mit allen Mitteln verhindern, dass darüber berichtet wird. Andere dagegen …

              Verstehen Sie? Es gibt alles auf diesem Planeten.

              • Don Furioso sagt:

                Ja, das verstehe ich, auch dass Leute mit hohem Maß an Integrität nicht damit werben wollen, dass sie gutes tun. Es hatte mich irgendwie berührt, über die Caritas-Spende zu lesen, gerade weil der Mann so unauffällig ist. Ich frage mich, ob diese Leute sich vor den Effekten der Sparpolitik und der steigenden Einkommensgleichheit fürchten. Ein Leben in einer „Gated Community“ ist nicht gerade angenehm. Ich hoffe, dass Europa davon verschont bleibt.

                • Uhupardo sagt:

                  Der Mann ist tatsächlich genau das: unauffällig. Steigende „Einkommensungleichheit“ meinten Sie wahrscheinlich. Selbstverständlich fürchten sich viele Unternehmer davor und vor den Resultaten der Kaputtspar-Politik. Das geht ihnen erheblich an die Substanz, in jeder erdenklichen Weise.

  4. Don Furioso sagt:

    Ja, UNgleichheit meinte ich ;-(
    „Das geht ihnen erheblich an die Substanz, in jeder erdenklichen Weise.“ Muss es auch, es geht auf Kosten der Infrastuktur, der Bildung, der Sicherheit und der Gesundheit. Jeder wird defensiv, aggressiv und ist gestresst. Viel Reibach machen wird zur Notwendigkeit, quasi zur Selbstverteidigung, um das teuer zu ersetzen, was der Staat nicht mehr bietet.

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