Grausamer Selbstversuch

 

„Eines der letzten Abenteuer unserer Zivilisation“ ist gestern gezeigt worden in „Stern TV“. Moderator Steffen Hallaschka betonte in der Ankündigung immer wieder, welch grausamem Selbstversuch sich diese zwei Frauen freiwillig und ohne Not ausgesetzt hatten.

Wenn Sie sich jetzt fragen sollten, warum wir Sie bitten, sich diesen Film anzusehen, obwohl der Uhupardo sonst eher keinen „bunten Themen“ behandelt, dann hat das einen Grund. Hier wird oft genug über Kapitalismus geredet, Banken, Politiker und Hedge-Fonds sind Ziel der Kritik. Doch was heisst das für den einzelnen Menschen? Wie sehr ist jeder Einzelne schuld an der Situation und integraler „Teil der Maschine“.

Dabei ist uns die Behandlung des Themas in diesem Film mindestens so wichtig wie die Sache an sich. Gönnen Sie sich also ruhig das Video in voller Länge, staunen über die Bestandsaufnahme des Kleiderschranks und den grausamen Selbstversuch dieser beiden mutigen Frauen und hinterlassen uns Ihre Meinung dazu in den Kommentaren.

Hier geht´s zum Film: „Sechs Monate ohne Shopping“

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6 Kommentare zu “Grausamer Selbstversuch

  1. birkental sagt:

    Der grausame Selbstversuch besteht darin, dieses Video auszuhalten. Sind solche Mädchen bedauernswert? Die unkritische, unreflektierte Haltung der Berichterstattung lässt vermuten, dass es für diese Generation und vielleicht auch für unsere Gesellschaft wirklich grosser Anstrengung bedarf, eine Weile zu Gunsten des eignen Geldbeutels auf Konsum zu verzichten. Ein Volk von Süchtigen?
    Im Original Marshmallow-Test, aber auch in allen adaptierten Experimenten (You Tube) ist deutlich zu sehen, wie schwer es besonders Kindern fällt, mit Versuchungen umzugehen. Ohne Erziehungshilfen sind sie den Verlockungen der Verkaufsindustrie tatsächlich ausgeliefert. Neuronal erklärbar, da das limbische System der Lustverarbeitung voll entwickelt, der Frontalkortex zur Steuerung der Vernunft aber bis zum 20. Altersjahr benötigt, um auszureifen. Dies geschieht auch nur in dem Mass, wie er gefördert wird.
    Der Film zeigt, dass es auch Lust nach Vernunft geben kann. Hoffnungsvoll.
    Auf welche Sucht könnt ich 6 Monate verzichten?

  2. Ich habe den ganzen starken Eindruck, die beiden waren/sind einfach kaufsüchtig und haben sich auf kalten Entzug gesetzt. Nach dem Ende des „Experiments“ geht das möglicherweise genau so weiter wie vorher, da sie sich nicht darüber im Klaren sind, dass sie süchtig sind und schon gar nicht über die Ursachen der Sucht (Sucht kommt von suchen).
    Die eine kam den Ursachen schon ziemlich auf den Grund, bevor sie schrieb „jetzt wird es tiefgründig“. Sie hat einen Schreck und Angst vor dieser Wahrheit bekommen und hat das schnell wieder zugedeckt: „Den Mantel hätt‘ ich schon gern gehabt.“
    Es war auch interessant zu hören, dass eine der beiden von „man“ sprach und nicht von „ich“… Sie hat sich vollkommen von sich selbst entfernt und identifiziert sich nicht mit sich selbst. Das ist ganz gefährlich… Es ist ja jemand anderes, der das macht und nicht ich…

    Ob diese beiden jungen Frauen tatsächlich das „normale“ Kaufverhalten widerspiegeln, wage ich stark zu bezweifeln! Sonst müssten die Deutschen – und sicherlich nicht nur sie, ein Volk von Kaufsüchtigen sein…

  3. uhupardo sagt:

    Insbesondere der erste Satz von birkental muss nachdrücklich unterstrichen werden. 😉 Das Video ist tatsächlich eine Tortur.

    Alles hier Gesagte analysiert die Lage wohl sehr schlüssig. Nur beim letzten Absatz von Solveigh sind zumindest leichte Zweifel angebracht. Ob die jungen Frauen im Film nicht doch eher den Normalzustand (heisst: 51%) repräsentieren, müsste erst noch geklärt werden.

  4. WsdV-Blog sagt:

    Ich dachte sofort in der ersten Sekunde: „Oh mein Gott(obwohl ich nicht an den Gott glaube 😉 .“

    Also, ich denke auch das die beiden Frauen den Normalzustand der Bevölkerung repräsentieren. Warum?

    Ganz einfach, es ist das System, welches uns schon im Kindesalter prägt. Die „Süchte“ als Normal anzusehen das hat der Kapitalismus perfekt hinbekommen, natürlich mit den ganzen erkauften Lobbyisten, welche die gesetzte erlassen usw. Kinder lernen sich zu belohnen, indem sie etwas Materielles dafür erhalten.
    Im Kindergarten beginnt schon die Prägung, in der Schule wird sie perfektioniert und am Ende kann man nicht mehr unterscheiden, ob es der eigene Wille ist oder das worauf wir durch die (nicht) Erziehung geprägt wurden. Das ist beim Einkaufen und Arbeiten, das ist aber auch bei den Umgang mit (nicht) Wissen so.

    Wir lernen wegzuschauen und zu ignorieren, was unsere kleine „heile“ Welt betrifft. Ich denke nur daran, wie oberflächlich manche über gewisse Themen reden und bin oft erschrocken, denn sie meinen es ernst. Sie sind nicht mehr in der Lage, zu sehen, was hinter gewissen Aussagen von Politikern, Wissenschaftlern usw. steckt.

    Sie werden nur noch durch Trigger-Worte herumkommandiert, damit sie das tun, was andere wollen.

    Beispiel(dialektischer Dreischritt):
    Nazi Döner Morde

    Das ist doch so scheinheilig, was dort betrieben wird. Nazis, welche vom Staat bezahlt werden, schießen sich selber in den Kopf, sprengen ein Haus in die Luft und die einzig verbliebene stellt sich der Polizei.

    Jetzt kommen die Politiker daher und stellen eine These auf, diese wird bereitwillig propagiert.
    Die Masse hat Angst, ist durch offen für DIE Lösung.

    Nun kommt die Synthese daraus. Es wird uns DIE Lösung in Form von Gesetzen/Einschränkungen/Kriegen oder sonstwas präsentiert.

    Was zählt in dieser Welt noch?

    Arbeiten und Einkaufen! Man darf bloß nicht die Zeit haben, über sein Handeln und das anderer nachzudenken.

    Danke für den Beitrag/Hinweis! Jetzt weiß ich, warum ich immer seltener Fernsehe. Mir schauerts immer wieder, wenn ich dieses instinktive Handeln sehe.

    Hoffe, man versteht einigermaßen was ich ausdrücken wollte. 😉

    Gruß

    • Hier kann ich keinen „Daumen hoch“ klicken. Also mache ich es verbal.

      Du hast mit Deiner Analyse wahrscheinlich recht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Manipulation bereits solche Ausmaße angenommen hat.

      Dann müsste ich allerdings auch eingestehen, dass Menschen ausschließlich wie Biomaten, aber nicht wie denkende Wesen handeln. Und dann wird’s mir schlecht und ich stelle mir die Frage:

      Sind wir noch zu retten?

      • WsdV-Blog sagt:

        Ich nehme gerne das Beispiel von McDonalds. Die beginnen mit der frühkindzeitlichen Prägung. Das heißt, man baut dort schöne Spielplätze, gibt den Kindern Spielzeug, welches sie nicht brauchen und schickt auf Kindergeburtstagen diesen dämlichen, sorry, McDonals Clown dorthin.

        Also haben die Kinder positive Erlebnisse beim großen M und werden dort später auch als Erwachsene, wie selbstverständlich dort essen. Das ist bekannt, dass es die großen Marken sehr extrem diese Prägung betreiben. Genauso läuft es in der Schule ab. Diese Schule ist eigentlich nur eine Anpassung an den Markt, wenn ein Mensch sich mit diesem Gedanken an Anpassung nicht identifizieren kann, fällt er im System halt raus. Wir sind ja schließlich selber Schuld.

        Wir haben halt dieses Kastendenken und sortieren, zurecht oder zu unrecht die Kinder in eine Kaste ein. Außerdem nehmen wir die Menschen mit Behinderungen aus der sozialen Prägungsphase heraus, somit fehlt ihnen ein wichtiger Bestandteil um zu sehen, was wirklich im Leben zählen kann.

        Außerdem nimmt die Belohnung durch Materielle Dinge immer mehr zu. Statt Lob gibt es nen 10er, statt Tadel gibt es Fernseh(konsum)entzug.

        Das sind nur meine Ansichten, so wie ich das sehe. Die Wahrheit wird es wohl nicht geben, aber etwas wahres wird wohl dran sein. 😉

        Zitat: „Sind wir noch zu retten?“
        Wir müssen uns nur die Geschichte anschauen und die Frage ist schnell beantwortet. Jeder einzelne, wenn er aufgewacht ist und selbstständig begriffen hat, was hier gespielt wird, wird bestimmt was für sich retten können.

        Nun du kannst niemanden eine Meinung aufzwingen, da erntet man nur das Gegenteil von dem was man eigentlich erreichen wollte.

        Die Politik macht das wunderbar, sie weiß genau, dass wir, wenn wir Angst haben offen sind für andere Meinungen.

        Zwei Bücher, die auf diese Welt eingen sind:

        George Orwell – 1984 und Aldous Huxley – Schöne neue Welt

        Liebe Grüße

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