Protest weitet sich aus – Anleitung für zivilen Ungehorsam in Europa

Es gibt Tage, an denen man regelrecht stolz sein kann auf die Solidarität der Bevölkerung in Spanien. Heute ist so einer: Die Sheriffs der Madrider U-Bahn haben eine Plattform gegründet, um die Protestaktionen in der Metro nachhaltig zu unterstützen statt sie zu verhindern. Eine Anleitung zu zivilem Ungehorsam in Europa.

Das Sicherheitspersonal der Madrider Metro wird Schwarzfahrer ab sofort nicht mehr kontrollieren oder aufhalten. Ihre Aktion „Yo no paro“ (ich halte niemanden an) ist namentlich angelehnt an die Kampagne „Yo no pago“ (ich zahle nicht), mittels derer hunderte von Madridern die U-Bahn der spanischen Hauptstadt nutzen, ohne zu bezahlen, um damit gegen die sozialen Einschnitte der konservativen Regierung zu protestieren. Die Uniformierten würden zwar weiterhin für Schutz und Sicherheit sorgen, heisst es in der Pressemeldung, fordern jedoch gleichzeitig die Bevölkerung auf, sich der Bewegung „Yo no pago“ anzuschliessen.

 

Wie wir bereits am 16. Januar unter dem Titel „Ich zahle nicht: Tumulte und Festnahmen in der U-Bahn“ berichteten, hatte es vier Festnahmen in der U-Bahn-Station Callao gegeben, als Dutzende von Menschen ohne zu bezahlen die Absperrungen der Madrider Metro übersprungen hatten nach einer mehr als unglücklichen Marketing-Aktion der Metro. An diesem Tag war die Polizei vom Sicherheitspersonal der U-Bahn alarmiert worden, was sich für die Zukunft wohl erledigt haben dürfte.

„So geht´s nicht weiter!“, versichert ein Sicherheitsbeamter dem Uhupardo, „alle Firmen werfen langjährige Mitarbeiter raus, ersetzen sie durch billige neue Teilzeitkräfte, missachten sämtliche Arbeitnehmer-Rechte, dehnen die Dienststunden immer mehr aus. Wir sind völlig einverstanden damit, dass die Bevölkerung die Metro ohne Fahrschein benutzt, um zu protestieren und haben unsere Aktion – yo no paro – gegründet, um sehr deutlich zu machen, dass der soziale Ungehorsam gegen die Einschnitte der Regierung vollkommen berechtigt ist. Sie zahlen nicht – und wir halten niemanden mehr auf, solidarischer Protest Hand in Hand.“

Währenddessen hat die Bewegung „Ich zahle nicht“ für die nächsten Tage zwei weitere Termine geplant, an denen hunderte von Menschen die Absperrungen der Metro ohne Fahrschein überspringen werden. Die Termine liegen dem Uhupardo vor, werden aber vorsichtshalber nicht veröffentlicht. Unter dem Titel „Yo no pago su crisis“ (Ich zahle ihre Krise nicht!) veröffentlichten die Verantwortlichen der Aktion ausserdem einen Text, der die Hintergründe erklärt. Es liest sich wie ein Musterbrief für europäischen Protest gegen die immensen sozialen Einschnitte in allen Teilen des Kontinents und kann anderen Protesten als Arbeitsanleitung dienen.
Die konservative Regierung Rajoy darf sich warm anziehen. Spaniens Bevölkerung ist kreativ und entschlossen in ihrem Protest gegen brutale soziale Einschnitte.

Auszüge aus einem fünfseitigen Dokument

Da die Regierung uns nicht mitbestimmen lässt, wie Steuergelder verwendet werden, bleibt uns nichts anderes übrig, als sie ihnen zu entziehen oder sie mindestens maximal zu reduzieren. Es ist längst klar geworden, dass diese Gelder nicht in Bildung, Gesundheit und Soziales fliessen, sondern dazu verwendet werden, das Vermögen milliardenschwerer Banker und Finanzhaie zu vermehren. Diesem System darf man nicht mehr als das Unvermeidliche geben, denn die Mittel werden gegen uns verwendet. Dazu dienen sehr verschiedene Aktionen:

1. Operation „Kein Bank-Konto“ (wer keins hat, kann nicht gepfändet werden)

1.1. Alle Daueraufträge streichen!
Rechnungen können immer auch per Bareinzahlung beglichen werden, was den Banken viel mehr Arbeit macht. Auch wenn sie nur bestimmte Stunden dafür zur Verfügung stellen, sie müssen das Geld zu allen Öffnungsstunden annehmen. Laut protestieren und/oder das Beschwerdebuch verlangen, hilft immer. Keine Firma darf ihre Kunden zu einem Dauerauftrag verpflichten.

1.2. Keine Lohn- oder Gehaltsüberweisung aufs Konto!
Die Banken spielen mit diesem Geld. Niemand ist verpflichtet, sein Gehalt auf ein Konto überweisen zu lassen. Es ist dein Recht, entweder in bar oder mittels Scheck bezahlt zu werden. Der Lohn, der auf dem Konto landet, gehört zunächst der Bank. Wer zur Filiale fährt, um seinen Scheck einzulösen, kann gleich seine Rechnungen einzahlen (siehe 1.1.).

1.3. Keine Kreditkarten!
Kreditkarten-Zahlungen sorgen für acht Prozent Bankgewinn. Wer keine hat, zahlt keine Kommissionen an die Bank. Wer unbedingt eine Plastikkarte braucht, sollte wenigstens eine Debit-Karte wählen statt einer Kreditkarte, die Bank verdient unvergleichlich viel weniger daran.

1.4. Bank-Rott
In der Krise gibt es viele insolvente Personen (450.000 in Spanien). Wer eine persönliche Insolvenz-Erklärung ausfüllt, muss zum Beispiel keine Strafen mehr zahlen: So kann man gratis Bus oder Bahn fahren – das entsprechende Knöllchen kann zwar erteilt, muss aber nicht bezahlt werden. Das Konto kann man nicht pfänden, wenn obige Ratschläge beherzigt wurden. Computer, Auto und ähnliche Dinge kann man auch nicht pfänden, wenn sie auf den Namen deiner Frau, deines Bruders gekauft wurden.

2. Operation „Öffentlicher Verkehr“ (aber wirklich „öffentlich“)
Wenn Metro oder Bahn mit Steuergeldern gebaut wurden, warum müssen wir dann nochmal zahlen? Zahlungs-Verweigerungen ohne Polizei und Journalisten sind allerdings wenig wirksam.

a) In einem Land, in dem der Mindestlohn bei 641 Euro liegt und 65 Prozent der Bevölkerung weniger als 1.000 Euro verdienen, können wir uns die Fahrpreise schlicht nicht leisten.

b) Derzeit werden die Löhne und Gehälter brutal gekürzt zugunsten der „Schulden“. Was uns ungerechterweise dort weggenommen wird, kann man sich über nicht bezahlte Fahrpreise wenigstens zu einem Teil zurückholen.

c)
Transport ist kein Luxus sondern eine Notwendigkeit.
Wer sich nicht bewegen kann, ist aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Transport ist dein Recht!

d) Wir arbeiten für sie, wir konsumieren für sie!
Die Firma bekommt ein billiges Grundstück weit draussen. Deswegen muss der Arbeiter dorthin. Der Einkaufsmarkt auf der grünen Wiese zwingt dich ebenso zum Transport.

e) Transport ist öffentlich, wenn sich alle damit bewegen können. Wenn nur derjenige daran teilnehmen kann, der genug verdient, ist es ein kein öffentlicher Transport!

– Danach gibt der Text praktische Tipps, auf welche Art die Absperrungen der Metro umgangen werden können, und wie man dafür sorgt, dass Verkehrsstrafen wegen Falschparkens nicht bezahlt werden müssen. –

* Lesen Sie dazu auch:
Drastisches Sparprogramm in Spanien
Europa wird kaputt gespart … von Merkels Gnaden
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Europa wird enden wie die Sowjetunion

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61 Kommentare zu “Protest weitet sich aus – Anleitung für zivilen Ungehorsam in Europa

  1. Andy sagt:

    Zitat: „und wie man dafür sorgt, dass Verkehrsstrafen wegen Falschparkens nicht bezahlt werden müssen.“

    Magst du mal dazu auch weitere Angaben machen? Lebe in Spanien und das interessiert mich sehr. Danke und liebe Grüsse

    Andy

  2. donfurioso sagt:

    Wo finde ich diese Protestanleitung im Original? Erinnert mich übrigens an Eric Cantonas Aufruf zum Boycott der Banken. In Zeiten der Stimmungsmache gegen andere Nationen wäre eine europaweite Grassroots-Bewegung ein Hoffnungsschimmer.

  3. genova68 sagt:

    Solche Aktionen finde ich besser als das esoterische Occupygeplänkel. Respekt vor den teilnehmenden U-Bahn-Sheriffs!

    • uhupardo sagt:

      Vielleicht kann jemand erklären, warum Deutschland in solchen Belangen den Hintern nie aus dem Sofa bekommt – aber dieser Artikel alle unsere Klickraten sprengt? Irgendwas stimmt da doch nicht?!

      • almabu sagt:

        Wir sind zu alt, zu satt, zu bequem und zu RTL verblödet! Deshalb sind wir grundsätzlich passiv, hocken uns auf dem Sofa den Arsch breit, und sagen lieber „…’man‘ müsste doch mal…!“.
        „Man“ das sind auf keinen Fall wir. Alles ist geregelt! Für alles gibt es Zuständige! Wie schon Lenin sagte „wenn in Deutschland die Revolution ausbricht, dann lösen die Revolutionäre vorher eine Bahnsteigkarte!“ (Apropos Bahnsteigkarte? Bahn AG eine neue, alte Einnahmequelle!)

        Schick‘ mir doch die email bitte auch, dunkler Nachtraubvogel, ok?

      • rudiratlos sagt:

        Gerne – dieser Artikel wurde in einem gut besuchten Forum verlinkt. Und der andere Teil: ich vermute, es liegt daran, daß die meisten Hintern in D’land überhaupt noch ein Sofa unter selbigem haben….. Vielleicht kommt ja etwas mehr Bewegung auf, wenn die Steuern direkt bei der nächsten Bankfiliale zu deren „Rettung“ abgeben werden müssen.

      • Lori sagt:

        … das kommt noch – mein kühlschrank ist bereits seit zwei jahren über den winter aus. wer soll meine rechnungen für zahnarzt usw. bezahlen? das eigene leben kostet ein vermögen obwohl man nur die (schlechte) grundversorgung hat – ohne luxus. die (chemischen) schlechten nahrungsmittel (gutes essen kann sich nur leisten, der liquide ist) machen krank auf dauer… was meint ihr, warum pipa, sopa oder wie sie alle heissen generiert werden. das kommt alles durch das hintertürchen, über nacht! dann ist schluss mit meinungsaustausch im internet… was das für folgen haben wird, wissen wir sicher alle! denn wir wissen, wir sind nicht allein und ein anderes leben ist möglich. wir sind 99%.

        • uhupardo sagt:

          Gracias, Lori, für die Preisgabe persönlichen Innenlebens, das tut nicht jeder, dazu gehört Zivilcourage. Es gibt viele Menschen, die nichts mehr haben. Sie zählen nicht, weil nicht zählt, wer oder was sie sind. Es wird Zeit, das zu ändern.

      • Lori sagt:

        thanks für die blumen. das kommt daher, dass ich mich mit denen, die nichts haben und in der gesellschaft angeblich nicht angesehen sind, solidarisch fühlte und fühle! ich habe diese armut vielleicht selbst gewählt. ich ertrage es nicht auf andere herabzuschauen. niemand hat meine versuche das zu erklären, jemals verstanden. ich bin froh, dass sich das langsam ändert ..

        • uhupardo sagt:

          So bescheiden die Lage ist, es ändert sich Vieles rasend schnell gerade. Es ist schon eine Form von Kabarett, wenn jetzt die Union eine Finanz-Transaktionssteuer fordert, für die Lafontaine über Jahre ans Kommunistenschwein-Kreuz genagelt wurde – oder Sie endlich Verständnis für Ihre Solidaritätsbestrebungen ernten … es gehört ins selbe Paket. Nicht alles ist schlecht, was sich verändert.

      • Günter sagt:

        Darauf kann ich Dir auch keine Antwort geben!!
        Ich hab in meinem Umfeld auch schon des öfteren versucht die Menschen auf das ganze Übel und Unrecht in unserer Welt aufmerksam zu machen. Ich wollte ihnen erklären wie wir von diesem „Elitepack“ belogen betrogen (9/11, Nahostkrieg,usw.), versklavt und schön langsam umgebracht (HAARP, Chemtrails) werden.
        Was glaubst Du war die Reaktion?? Der eine sagte „Du spinnst doch“ der näcchste meinte „Kann gar nicht sein sonst würde es ja in der Zeitung stehen“ (das war ein BILD Leser). Eine bekannte fragte mich gar, was ich für Drogen nehmen würde, denn wenn jemand so einen Scheissdreck erzählt, der müsse doch total stoned sein. Und das von jemand die früher mehr kiffte als sie aß.
        Ich denke ich habe mir ausserhalb des Mainstreams ein sehr breites Wissen angeeignet, aber was nützt es mir, wenn ich von meinen bekannten nur als Verschwörungsspinner hingetellt werde. Jetzt beschränke ich mich darauf Artikel wie Deinen hier, und aufklärende Videos, auf facebook zu posten, damit sich wenigstens ein paar damit beschäftigen.

  4. […] Der Bloggerkollege Uhupardo über einen ziemlich coolen Protest in Madrid gegen den neoliberalen Aus…: Es gibt Tage, an denen man regelrecht stolz sein kann auf die Solidarität der Bevölkerung in Spanien. Heute ist so einer: Die Sheriffs der Madrider U-Bahn haben eine Plattform gegründet, um die Protestaktionen in der Metro nachhaltig zu unterstützen statt sie zu verhindern. Eine Anleitung zu zivilem Ungehorsam in Europa. […]

  5. almabu sagt:

    Reblogged this on almabus blog and commented:
    Durchlesen, nachdenken und mitmachen!

  6. mfis sagt:

    Feine Sache, vor allem der Vernunftgedanke ist gut; kein blödes Demo-Gegröhle. Hier ist das Ziel das Ziel und nicht der Weg.

  7. EuroTanic sagt:

    Die selbsternannte Elite will sich das Leben der Arbeiter aneignen und über das wie und wann seines Todes bestimmen. Ich gehe heute davon aus, dass 95% der politischen und wirtschaftlichen Spitze aus kriminellen Psychopathen besteht die sich einen Dreck um den Rest der Menschheit kümmern. Darum haben wir das Recht uns mit allen Mitteln dagegen zu wehren. Macht kaputt was euch kaputt macht.

    • uhupardo sagt:

      Zumindest ist ziviler Ungehorsam als deutliche Meinungsäusserung jetzt Bürgerpflicht. Die Aktion „Yo no pago“, nun unterstützt durch „Yo no paro“ macht nicht wirklich etwas kaputt, beide setzen aber die genau richtigen Signale, die nicht übersehen werden können. Viele andere ähnliche Aktionen müssen folgen in allen Teilen Europas (in Deutschland vermutlich erst, wenn die eigene Couch brennt).

    • Günter sagt:

      Das sowas mal in Deutschland pasiert, da kannst lang darauf warten, der Deutsche ist viel zu Brav dafür. Der bleibt auch nachts um 2 an einer roten Fußgängerampel stehen, auch wenn weit und breit kein Auto in Sicht,er halb tot und fast erfroren ist, sein Kind im sterben liegt und seine Wohnung gerade von Einbrechern ausgeräumt wird während er es per Überwachungskamera auf seinem Smartphone beobachten kann.

    • Günter sagt:

      Da geb ich Dir vollkommen recht Euro Tanic. Und zu dem Thema was die Elite wirklich will und warum sie das tut was sie tut, wird in dem Gespräch zwischen Professor Michael Vogt, und dem Enthüllungsjournalisten Wolfgang Eggert sehr schön erklärt.
      Wenn du ihn noch nicht gesehen hast solltest ihn Dir anschauen.
      Keine Ahnung ob ich hier einen youtube Link einsetzen darf , aber ich hau ihn einfach mal rein.
      Hier gehts zum ersten Teil des Videos „Erst Manhattan dann Berlin“. http://www.youtube.com/watch?v=j10xvokRl5s

      Gruß Günter.

  8. eine wirklich gelungene und nachahmenswerte aktion. das konzept sollte weltweit übernommen werden.
    zu deutschland: zumindest in hannover wurde in den späten 60ern durch eine ähnliche aktion (roter punkt) eine fahrpreiserhöhung immerhin rückgängiggemacht.

    • uhupardo sagt:

      In Hannover und Dortmund vorrangig, aber auch in vielen anderen Städten, exacto! Damals ging es darum, dass sich jeder Autofahrer, der bereit war, Fahrgäste mitzunehmen, einen roten Punkt in die Windschutzscheibe zu kleben. Busse und Strassenbahnen wurden blockiert. Das klappte auch perfekt, irgendwann hatte praktisch jede zweite Auto einen roten Punkt, der Strassenbahnverkehr kam (mindestens tagsüber) komplett zum Erliegen.

      Zwei wichtige Unterschied zu heute gab es allerdings damals:

      1. Ende der 60-er und Anfang der 70-er-Jahre, als diese „Rote-Punkt-Aktion“ statt fand, hatten die Damen und Herren geschlechtsunabhängig noch Eier!

      2. Ende der 60er-Jahre war die Situation nicht einmal entfernt so schlimm wie heute. Im Jahr 2012 gibt es unendlich viel mehr Gründe für Massenprotest.

  9. Das ist doch ein dummer Ratschlag: „Das Konto kann man nicht pfänden, wenn obige Ratschläge beherzigt wurden. Computer, Auto und ähnliche Dinge kann man auch nicht pfänden, wenn sie auf den Namen deiner Frau, deines Bruders gekauft wurden.“
    => Die Frau oder der Bruder können demnach bei diesen Protesten nicht teilnehmen? Wie logisch ist das denn?

    Im Übrigen bleibt Schwarzfahren natürlich eine Straftat. Dagegen hilft eine Insolvenz gar nicht.
    (Falls die spanische Insolvenz überhaupt vor den Strafen schützt; im deutschen Insolvenzrecht tut sie das nämlich nicht, wenn nach der Anmeldung der Insolvenz neue Schwarzfahrten begangen werden. Ganz im Gegenteil kann dies zur Versagung der Restschuldbefreiuung führen und damit die Insolvenz sinnlos machen, weil man alles verliert aber die Schulden immer noch hat.)

    • uhupardo sagt:

      Selbst wenn in dem Fall Frau oder Bruder nicht teilnehmen könnten, wäre es einer mehr in der Summe, der überhaupt agiert, Andreas. Die Situation krankt derzeit daran (in Spanien weniger als woanders), dass die Masse der „Bedenkenträger“, die alle genau wissen, was nicht geht, so gross ist, dass sie Handlung verhindert. Konstruktive Kritik besteht dagegen aus Vorschlägen und Ideen „wenn nicht so, dann eben so“.

  10. diebeyers sagt:

    Reblogged this on diebeyers and commented:
    Caramba klasse!!!

  11. leider in deutschland ziemlich unwahrscheinlich, der untertan und blockwart, in vieler deutscher mentalitäten, ist zu stark ausgeprägt!

  12. sibu sagt:

    Punkt 1.1 ist ja interessant. Ich bin neulich umgezogen und habe bei meiner Bank einen Dauerauftrag für die Miete gemacht. Nun habe ic hfestgestellt, dass ich von meiner Bank dafür als Belohnung für die Arbeistersparnis jeden Monat um 1,50 beklaut werde (nennt sich „Kommissionen). Ih wohne in Spanien, weiß also nicht, ob das in Deutschland auch so ist. Jedenfalls ist bar einzahlen nicht wirklic heine Alternative. Die Banken sind nämlich nur vormittags geöffnet (eine weitere Unverschämtheit) und die Hälfte der Schalter ist immer unbesetzt, da kann man stundenlang warten. Und das dann jeden Monat. Wer will bzw. kann sich das denn auf Dauer geben?

    • uhupardo sagt:

      sibu, es ist generell richtig, dass es nicht immer die bequemste Alternative ist, in irgendeiner Weise Protest zu äussern und an zivilem Ungehorsam teilzunehmen. Nichts zu tun ist im Zweifelsfall immer bequemer und angenehmer. Auch diejenigen, die an den „Yo no pago“-Aktionen teilnehmen und sich mit Polizei-Einsätzen konfrontiert sehen, könnten in der Zeit im Café sitzen und Kuchen essen. Wenn sie dennoch zu den Protest-Einsätzen gehen und Mühe und Zeiteinsatz in Kauf nehmen, dann deswegen, weil sie ein Ziel sehen.

      Das kann man so sehen wie diese Leute, muss man aber nicht. Niemand wird gezwungen. Wenn es Ihnen zu viel ist, in der Bank warten zu müssen, um Daueraufträge einzuzahlen, weil das lästig ist, lassen Sie es einfach. Ganz sicher werden Sie bald in Situationen sind, die noch sehr viel lästiger sind, denen dann aber nicht mehr auszuweichen ist.

    • sabine sagt:

      @sibu… wechsele die bank und geh zu einer caixa. ich bin immer bei der sanostra gewesen, die banken wie banca march oder wie sie alle heissen sind wirklich teuer.

      an den automaten kannst du bargeld einzahlen und abheben, das einzahlen geht in deutschland am automaten nicht.

      zu der „unverschämtheit“ der öffnungszeiten…dafür öffnen sie meist um 7.30uhr, kann man also vor der arbeit schaffen 🙂

  13. Debitcarte? Hier wird mindestens genauso abgesahnt!
    Habe selbst eine bei der LBB. Wenn Geld aufgeladen wird, dauert es mindestens zwei Tage, bevor es gutgeschrieben wird. Zeit, in der die Bank mit meinem Geld arbeitet und Gewinne macht.
    Am Ende des Monats ist die Karte regelmäßig gesperrt (ist nie viel drauf), weil angeblich gesichert sein muss, daß die Gebühren beglichen werden. Freischaltung erfolgt dann erst, wenn die Kontoführungsgebühren, Überweisungsgebühren etc. abgerechnet sind.

    • uhupardo sagt:

      In Spanien (!) kann sich die Bank über eine Debitkarte viel weniger bereichern als über eine Kreditkarte. Aber es ging auch nur darum: WENN sie überhaupt eine Karte brauchen, dann besser Debit als Kredit.

  14. B1 sagt:

    Hallo zusammen,
    Ich bin gerade auf diesen Blog gestossen weil ich (mal wieder) nicht schlafen kann.
    … freue mich gerade das es auf vielen Ebenen „vorwärts“ geht.
    Seit Jahren schlag ich mich mit meiner Hände Arbeit durch…als Selbständiger Schausteller, Tätowierer, Handwerker.
    Vorher noch mit Gewerbeschein…jetzt seit Jahren ohne.
    ohne Auto
    ohne TV (13 Jahre jetzt)
    ohne Krankenversicherung (fragt mal nach deren Körperschaftsurkunde ODER gebt an ihr macht 5 Jahre Weltreise ;-))
    ohne GEZ

    Das beste was ich bisher zum Thema ziviler Ungehorsam gefunden habe ist …
    die FREEMAN ON THE LAND bzw. NATÜRLICHE PERSON Bewegung
    und ein Text von Etienne de la Boetie „Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen“ der auf der Startseite von

    http://www.natuerlicheperson.de zu finden ist.

    Bitte lasst Euch nicht gleich von der Frakturschrift und dem Begriff „Deutsches Reich“ abschrecken. Frakturschrift ist die Amtsschrift, in dem Staat dessen Volk wir nach geltendem Völkerrecht wären. Wenn wir uns dessen besinnen würden (könnten/dürften)
    Bis dahin werden wir nach Uniform Commercial Code und Internationalem Handelsrecht als
    PERSONAL als Ware/Sache geführt.
    Konkludent handelnd Personal-aus-gewiesen aus unseren unveräusserlichen und unverhandelbaren (Menschen)Rechten.

    Meine Oma ist Französinn. Mein bester Freund heißt Gomez-Lopez mit FAMILIENNAMEN.
    Ich steh auf italienisches Essen und Autos, auf Norwegischen Blackmetall, australischen HipHop (Bliss n Eso), Berliner Elektro und schwarzen Afghanen….

    Aber ich bin auch Deutscher. Aus dem Land der Dichter und Denker NICHT Richter und Henker möchte ich sein.
    Ich möchte das ALLE VÖLKER DIESER ERDE….ja auch die Ameisen
    FREI und SELBSTBESTIMMT leben können.

    „Hier darf ein jeder nach seiner Facon glücklich werden“ soll der alte Fritz mal gesagt haben…..und so stellt sich mir „Deutsches Reich“ heute dar, nachdem ich die braune Schmutzschicht mühsam abgewaschen habe

    Michael Hofmann
    Natürliche Person nach §1BGB

    • uhupardo sagt:

      B1, hier soll jederseine Meinung sagen, wir müssen auch nicht zu allem Stellung beziehen. In diesem Fall soll es trotzdem geschehen, weil wir uns gern von Ihrem geposteten Link distanzieren möchten. Dafür gibt es eine Menge Gründe. Der wichtigste aber ist: Wir glauben nicht daran, dass es die gegebene Situation wesentlich ändern (verbessern) würde, wenn Deutschland ab morgen einen Friedensvertrag und eine Verfassung bekäme, und halten das für einen Nebenkriegsschauplatz, an dem sich derzeit sehr viele Menschen hemmungslos abarbeiten, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Ein gemeinschaftsfähiges Wirtschaftssystem auf einer ganz neuen Basis.

  15. sabine sagt:

    muy buenas dias 🙂
    so ein artikel hellt meine stimmung auf …habe die letzten sechs jahre in spanien gelebt und bin stolz auf die Menschen auf dem Tahirplatz und die spanish revolution… alles geht in die richtige richtung und die spanier wissen wie man friedlich protestiert und vor allem was SOLIDARITÄT bedeutet.
    Im Rahmen der absolut friedlichen Proteste mit der Forderung nach wahrer Demokratie sind auch 78jährige mit auf die Strasse gegangen!!!
    Respekt…

    bitte kann ich auch den gesamten Test per Mail bekommen?

  16. bodenfrost sagt:

    Buenos días y muchas gracias por el texto muy informativo e interesante.

    Protestbewegungen in aller Welt können viel lernen von den gewaltfreien, kreativen und beeindruckenden Aktionen der Spanier.

    Ich freue mich, diesen Blog entdeckt zu haben, ich hatte schon die Befürchtung, der einzige sein, der auf deutsch über 15-M, yonopago, etc. berichtet 🙂

    Saludos,

    Bodenfrost

  17. rassloff sagt:

    Revolutionen in Deutschland gehen nicht selten ins Teutonische (die Burschis von 1848, dann die Nazis 1933 o. nach der Wende mit Rostock, Mölln etc. und den Angriffen und Abschiebungen gegen Migranten bis heute). Von daher ist es ratsam bei anderen Ländern abzuspicken: Danke für diesen Beitrag. Auf meinem Blog habe ich über ägyptischen Ungehorsam geschrieben, wo die Fußballfans in Kairo vorgestern die Quittung bekommen haben.

  18. fototavi sagt:

    Reblogged this on OH Fotografie Köln and commented:
    coole Einstellung :))

  19. […] Protest weitet sich aus – Anleitung für zivilen Ungehorsam in Europa « uhupardo b) Derzeit werden die Löhne und Gehälter brutal gekürzt zugunsten der „Schulden“. Was uns ungerechterweise dort weggenommen wird, kann man sich über nicht bezahlte Fahrpreise wenigstens zu einem Teil zurückholen. […]

  20. […] Ihre Aktion „Yo no paro“ (ich halte niemanden an) ist namentlich angelehnt an die Kampagne „Yo no pago“ (ich zahle nicht), mittels derer hunderte von Madridern die U-Bahn der spanischen Hauptstadt […]

  21. […] Tag. Viele der übrigen Meldungen dort sind Verweise auf heroische Meldungen, in denen Menschen zivilen Ungehorsam begangen hätten. Der Twitter-Account “Schwarzfahren Berlin” verzeichnet seinen […]

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