„Extrem aggressive Arbeitsmarkt-Reform“ nach deutschem Vorbild

Wenn Mitarbeiter billiger werden und man sie problemloser feuern kann, werden ganz viele neue Arbeitsplätze entstehen. Nach diesem Motto neoliberaler Glaubenssätze hat die neue spanische Regierung am Freitag mit einem Handstreich über Nacht ein neues Gesetz eingeführt, ohne den Gewerkschaften auch nur Gespräche darüber anzubieten. Der konservative Regierungschef Rajoy weiss selbst, dass ihm jetzt ein Generalstreik ins Haus steht. Er sollte sich warm anziehen, denn seine Partei hatte so etwas 2002 schon einmal versucht und musste die gesamte Reform am Ende wegen heftiger Proteste wieder kassieren.

Mariano Rajoy (Partido Popular, PP) hat die Neuerung gestern per Dekret verkündet und gar nicht auf ein Gesetzesverfahren gewartet, um die Massnahmen sofort wirksam werden lassen zu können. Angesichts der Rekordarbeitslosigkeit sollen die „Einstellungen gefördert“, „feste Vertragsverhältnisse gesteigert“ und die Arbeitsbeziehungen „flexibilisiert“ werden. Die Vize-Ministerpräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría kündigte auch einen „Kampf“ gegen die Schattenwirtschaft an. Arbeitsministerin Fátima Báñez sagte, man richte sich mit der Reform an die 5,3 Millionen Arbeitslosen – die Quote liegt bei 23 Prozent – und „vor allem an junge Menschen, die bisher keinerlei Chancen haben“.

Auch diesmal liess Mariano Rajoy wieder seine Vize, Soraya Saenz de Santamaría, die Änderungen verkünden, um selbst nicht auf dem Foto erscheinen zu müssen.

Zentraler Bestandteil der Reform ist, die Abfindungen zu senken. Statt 45 Tagen Abfindung pro gearbeitetes Jahr sollen generell nur noch 33 Tage als Abfindung bei „unbegründeten“ Entlassungen bezahlt werden, auch wenn das Unternehmen kräftige Gewinne schreibt. Werden Verluste verzeichnet oder sinken die Umsätze auch nur neun Monate lang, sollen für Kündigungen nur noch 20 Tage als Grundlage gelten.

Unternehmer-Reaktion: Umsätze neun Monate lang um je 1% sinken lassen, Personal entlassen, dadurch 60 Prozent Abfindungen sparen. Danach mit subventionierten Niederiglöhnern ersetzen.

Mitarbeiter im Supermarkt: Ein Jahr Probezeit – und dann begründungslose Kündigung, ohne Ansprüche erwerben zu können

Gehofft wird, dass die Firmen eher einstellen, wenn sie Beschäftigte billiger kündigen können. Gleichzeitig sollen aber Kettenverträge eingeschränkt werden. Nur noch zwei Jahre sollen die Beschäftigten mit befristeten Verträgen in einem Unternehmen eingesetzt werden können. Damit will man die ausufernde Zahl befristeter Arbeitsverhältnisse beschränken. Mehr als 90 Prozent aller neuen Verträge sind befristet. Geschaffen wird ein sogenannter „unbefristeter“ Arbeitsvertrag, der eine Probezeit von einem Jahr einschließt, in der jederzeit gekündigt werden kann.

Unternehmer-Reaktion: Beschäftigte werden einen Tag vor Ablauf der Probezeit von einem Jahr (1 Jahr Probezeit für einen Verkäufer?) begründungslos gekündigt, so entstehen keinerlei Ansprüche auf Seiten des Arbeitnehmers. Zweite Möglichkeit: Befristete Kettenverträge bis zwei Jahre, dann Kündigung. Auch hier werden keine Ansprüche erworben.

Gefördert wird die Einstellung von jungen Arbeitslosen unter 30 Jahren mit 3.000 Euro. Werden Langzeitarbeitslose eingestellt, wird das mit 4.000 Euro gefördert. Vorgesehen sind auch eine Art Ein-Euro-Jobs nach deutschem Vorbild, wenn Arbeitslose zu Arbeiten im „allgemeinen Interesse der Gemeinschaft“ herangezogen werden.

Unternehmer-Reaktion: Stammpersonal entlassen – möglichst billig wegen neun Monate gesunkener Umsätze (siehe oben), ersetzen durch billigere Mitarbeiter, die zudem eine Subvention mitbringen (wird vom Arbeitgeberanteil der Krankenversicherung abgezogen). Firmen in öffentlicher Hand (zum Beispiel von Gemeinden) stellen massenhaft 1-Euro-Jobber ein im „Interesse der Gemeinschaft“.

Mariano Rajoy hatte Zapatero wegen dessen Arbeitsmarktreform hart kritisiert und selbst im Wahlkampf Dutzende Male versichert, er werde die Entschädigungen keinesfalls herabsetzen.

Jetzt wird verständlich, warum Ministerpräsident Rajoy auf dem EU-Gipfel im Januar seinen Kollegen erklärte, dass ihn die „Arbeitsmarktreform einen Generalstreik kosten wird“. Seinem Wirtschaftsminister passierte es ebenfalls am Donnerstag in Brüssel, dass seine Worte von Kameras mitgeschnitten wurden, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Luis de Guindos, beim Absturz der US-Investmentbank Lehman Brothers in deren Leitung, hatte zu EU-Währungskommissar Olli Rehn gesagt, die Reform werde „extrem aggressiv sein“. Rehn, der für die EU-Kommission seit vielen Monaten eine Arbeitsmarktreform in Spanien fordert, gab viel sagend zurück: „Genial.“

Die Gewerkschaften bewerten die Reform als Kriegserklärung, weil die Regierung nicht einmal versuchte, mit ihnen darüber zu verhandeln. Ohnehin hatten sie schon die Reform der Vorgängerregierung im September 2010 gestreikt. Strukturell war sie ähnlich, doch hatten die Sozialisten (PSOE) die Abfindungen bei unbegründeten Entlassungen bei 45 Tagen belassen, nur bei Verlusten konnten sie auf 20 Tage gesenkt werden.

Bei den aus deutscher Sicht relativ hohen Abfindungen muss unbedingt das niedrige Lohnniveau in Spanien beachtet werden. Weil es eine Arbeitslosenhilfe oder Sozialhilfe, die den Namen verdienen würde, nicht gibt, hatten sie eine andere Funktion. Die Abfindungen sichern Arbeitslosen für die Zeit ab, wenn sie nach höchstens zwei Jahren kein Arbeitslosengeld mehr erhalten. Etwa eine Million Menschen erhält längst keinerlei Unterstützung mehr. Sie sind auf Schwarzarbeit, Betteln oder Diebstahl angewiesen, wenn sie mit ihren Familien nicht verhungern wollen.

Schon José María Aznar, der zusammen mit Bush und Blair den Irak-Krieg anzettelte, war 2002 mit seinen harten Einschnitten hemmungslos gescheitert, weil Spanien auf die Strasse ging.

Wie die Regierung gegen die Schattenwirtschaft vorgehen will, ohne eine Sozialhilfe aufzubauen, die das Existenzminimum sichert, bleibt ihr Geheimnis. Dass die Inlandsnachfrage Spaniens noch weiter sinken muss, ist eine logische Konsequenz des neuen Dekrets, denn die Menschen werden immer weniger Geld in der Tasche haben.

Schon die Reform 2010 des Ex-Regierungschefs Zapatero, die in die selbe Richtung ging, hatte keine Neueinstellungen gebracht sondern die Arbeitslosigkeit noch weiter ansteigen lassen. Ähnlich wird es auch jetzt laufen. Das ist allerdings auch gar nicht das Ziel der konservativen Regierung. Mariano Rajoy weiss selbst, dass keine Arbeitsplätze entstehen können, wo keine gebraucht werden. Statt dessen will der PP-Chef der EU beweisen, dass er harte Einschnitte nicht scheut und ein guter Merkel-Schüler ist. Ausserdem will er, ganz nach deutschem Vorbild, dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden und statt dessen in Schulungen oder als 1-Euro-Jobber registriert werden können, um die Zahlen zu „kosmetisieren“ und Regierungserfolge vorzuweisen. Seiner PP-Klientel, den Unternehmern, tut Mariano Rajoy so auftragsgemaess einen Gefallen und „bereinigt“ gleichzeitig die Arbeitslosenbilanz.

Ganz im Sinne der Agenda 2010 und nach deutschem Vorbild sollen in Spanien Arbeitslose jetzt in Schulungen und Mini-Jobs abgeschoben werden und so aus der Statistik verschwinden.

Rajoy selbst geht davon aus und sagt es auch, dass die Arbeitslosigkeit 2012 weiter steigen wird. Er hofft aber, dass sich langfristig die Wettbewerbsfähigkeit Spaniens verbessert. In welchen Bereichen sie verbessert werden soll, wenn die Investitionen in Forschung und Entwicklung zusammengestrichen werden und gerade mit den erneuerbaren Energien einem Zukunftssektor der Todesstoß versetzt wird, weiss er vermutlich selbst nicht. Deshalb hatten die Konservativen, erstmals in der Geschichte des Landes, auch den schmalen Mindestlohn von 641 Euro im Januar nicht einmal an die Inflationsrate angepasst.

Experten zweifeln die Wirksamkeit der Reform an. Real könne man Arbeitslosigkeit so nicht bekämpfen, aber für statistische Effekte wird es reichen. Für die Arbeitnehmer Spaniens ist das Ergebnis durchweg negativ. Aber auch die bereits in der Rezession steckende Wirtschaft wird erheblichen Schaden erleiden wegen der Konflikte und Streiks, die als Reaktion auf die dekretierte Reform kommen werden. Die beiden großen Gewerkschaften haben schon Demonstrationen angekündigt.

Gespannt darf man auf die Reaktion der Bevölkerung sein. Schon 2002 hatte die PP unter José María Aznar eine ähnlich neoliberale Reform versucht, die am Ende scheiterte. Auch Anfang der 90er-Jahre gab es so etwas: Damals wurden alle jungen Leute bis 27 Jahren kurzerhand zu Lehrlingen erklärt, die man billig einstellen konnte. Daraufhin kündigten zum Beispiel die Hotels der Kanarischen Inseln Tausenden von Mitarbeitern ihres Stammpersonals, um danach zu lächerlichen Löhnen „Lehrlinge“ auf ihren Platz setzen zu können. Ein Sturmlauf der Bevölkerung brachte beide Reformen zu Fall. Auch 2012 dürfte das letzte Wort noch lange nicht gesprochen sein.

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32 Kommentare zu “„Extrem aggressive Arbeitsmarkt-Reform“ nach deutschem Vorbild

  1. Was billigere Arbeitskräfte „bringen“ hat sich im Osten Deutschlands gezeigt… Hohe Arbeitslosigkeit, geringe Kaufkraft, steigende Kriminalität… Ich hoffe es regt sich Widerstand gegen solch eine neoliberale Politik!!!

  2. Amal sagt:

    Es ist echt zum kotzen!!!!! Ich wohne (als Deutsche) nun schon über 20 Jahre in Spanien und bin am überlegen, ob ich gegen meinen Willen nach Deutschland zurückgehe bzw. zurückgehen muss und da nochmal bei Null anfangen. Mein Kettenvertrag läuft noch bis Juni und wird allerhöchstwahrscheinlich nicht verlängert. Ich habe hintenrum erfahren (hier geht immer alles hintenrum), dass mein Job schon jemandem anderen angeboten wurde.
    Da jammern die Leute in Deutschland über Harzt IV! Was wären die Spanier froh, wenn es hier überhaupt irgendeine Grundsicherung gäbe. Aber was das angeht, kopiert man dann nicht das deutsche Vorbild. Nach „deutschem Vorbild“ heißt es immer dann, wenn eine neue Form der Abzocke ins Haus steht. Übrigens haben die Panaderías mittlerweile Apothekenpreise. Ich habe soeben für drei Barras de Vienna (Weißbrotstangen ohne nennenswertes Gewicht) zwei Euro fünfundsiebzig bezahlt. Gut, das war in der teuren „La Canasta“ weil alle anderen Bäckereien in der Nähe schon zu waren. Aber trotzdem ist es eine Unverschämtheit ohnegleichen!

    • uhupardo sagt:

      Weil ich in den vergangenen Tagen die Gelegenheit hatte, es vor Ort zu beobachten. Seit dem Jahresanfang reichen die Fabrikanten jeden Tag neue Preise für ihre Produkte rein. Da geht es nicht etwa um Inflationsausgleich (selbst das wäre in der Krise mutig) sondern um Preiserhöhungen von zweistelligen Prozentzahlen. Da steigt beispielsweise „Castillo de Liria“ (es gibt Leute, die das Wein nennen) von 1,85 Euro auf 2,15 und ähnlich siehst das überall aus. Begründet wird es mit gestiegenen Energie- ud Transportkosten usw.

      Angesichts dessen ist es doch nur logisch, dass die Regierung alles tut, um die Löhne weitmöglichst zu senken … die Inlandsnachfrage wird sicher boomen.

    • flurdab sagt:

      Hallo Amal,

      bitte verkennen sie die Situation nicht. Hartz4 in der BRD ist nur ein notwendiger Zwischenschritt auf dem Weg gewesen. Wenn es ohne ihn gegangen wäre hätten die „Eliten“ auf ihn verzichtet.
      Hartz4 ist keine „Soziale Idee“.
      Auch in Deutschland ist das Ziel: maximaler Kapitalismus ohne Teilhabe für Nichtbesitzende.
      Ich hoffe die Spanier werden sich massiv organisieren und wehren!

  3. In Deutschland hat das nicht EINEN Arbeitsplatz gebracht, dafür aber Millionen Hartz-IV-Empfänger = Arme. Viele, die 8 Stunden für ’nen Hungerlohn schuften, der nicht reicht, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, „dürfen“ dann trotz dieses Schuftens beim Staat um Geld betteln, um das Notwendigste zum Leben zu erhalten und der Staat hat so das Recht, diesen Menschen ihr Leben vorzuschreiben.

    Es ist ein Schande und verletzt die Würde von Millionen Menschen.

    Ich wünsche dem spanischen Volk mit ihrem Kampf allen Erfolg!

    • uhupardo sagt:

      Gracias, Solveigh. Das Interessante daran ist ja, dass deutsche Massenmedien diesen Zusammenhang nie erklären und sich per Angst + vorauseilendem Gehorsam um die Thematik drücken, während die Entwicklung in Deutschland gestern zu Beispiel in der grossen Zeitung „El País“ lückenlos und knallhart analysiert wurde. Leider gibt es diesen langen Artikel nur in spanischer Sprache „Aufschwung auf Kosten von Mini-Jobs und Niedriglöhnen“
      http://economia.elpais.com/economia/2012/02/09/actualidad/1328790777_303626.html

      • Vielen Dank, ich habe nicht alles gelesen.

        Das einzige, was in Deutschlands Wirtschaft boomt, ist die Rüstungsindustrie – Deutschland ist Waffenhändler Nummer 3 in der Welt!

        Alles andere sind geschönte Zahlen. Was von den Menschen in Stralsund erzählt wird, kann ich aus meiner Heimatstadt – auch im Osten und in der Nähe von Berlin – bestätigen.

        Viele Familien in Deutschland konnten sich keinen Weihnachtsbaum leisten, weil der einfach nicht bezahlbar ist. Einem Menschen in Deutschland steht (nach einem „Warenkorb“) als Minimum zum Beispiel 3 Scheiben Brot und – welch‘ Luxus für Raucher! – 3 Zigaretten pro Tag zu. Das nur als kleine Beispiele des „reichen“ Deutschland, des „Wirtschaftswunders“, dass es nur für die Industrien, nicht für die Bürger gibt.

        Und die Arbeitslosenzahlen sind auch gefälscht. Hier sind die wahren Zahlen:

        http://www.meinpolitikblog.de/analyse-die-tatschlichen-arbeitsmarktzahlen-januar-2012

        Als Anmerkung: 1933 haben in einem größeren Deutschland 6 Millionen Arbeitslose gereicht, um Hitler an die Macht zu spülen und direkt in den 2. Weltkrieg zu marschieren…

      • flurdab sagt:

        @ uhupardo

        Ob Angst und vorauseilender Gehorsam die Triebkräfte sind mag ich nicht bewerten. Fest steht das die Medien in Deutschland gleichgeschaltet sind. Wenn man schaut wem was gehört landet man bei Bertelsmann, Springer, Gruner und Jahr, Holtzbrink. Die Eigentümer bestimmen was gedruckt wird, und die sind an freier Meinungsbildung nicht interessiert. Sie bestimmen massgeblich die Richtung des öffentlichen Diskurs und damit die Politik. Man siehe nur die Affäre um den BP

  4. flurdab sagt:

    @ Solveigh Calderin
    Es waren nicht die Arbeitslosen die Hitler an die Macht brachten, sie haben ihn nur gewählt.
    An die Macht haben ihn die „Eliten“ gebracht. Was bei dem Vergleich zwischen 1933 und heute beachtet werden muss ist der Umstand, das an den Arbeitslosen von damals noch eine ungezählte Anzahl von Frauen und Kindern dranhingen. Es waren also nicht nur 6 Millionen die um das Überleben kämpfen mussten, sondern vermutlich 30 Millionen.

    Aus diesem Grund gibt es in der BRD zumindest noch Hartz4.
    Und wenn von Arbeitslosenzahlen gesprochen wird, werden nie die Zahlen aller Menschen die in Bedarfsgemeinschaften „leben“ genannt. Warum wohl? Um das struktuelle Problem der Arbeitslosigkeit zu verleugnen. „Wer keine Arbeit hat ist selber Schuld“, „Wer zu wenig verdient ist selber Schuld“, aber wer will schon Schuld sein. Die Zuweisung der Schuld in Verbindung mit der Eingrenzung der Teilhabe an der Öffentlichkeit, durch den Mangel an Geld, Solidarität und Status, ist der Trick.
    Mit diesem psychologischem Dreisprung und der Hilfe der Medien wird verhindert das die Bevölkerung zu denken beginnt. In einer Gesellschaft in der das Trugbild das „Superstars“, des Erfolgs ohne Können und Leistung stilisiert wird, wird die Leistung im realen Alltag diskreditiert.

    Ich kann nur hoffen das die Spanier sich zur Wehr setzen und einen langfristigen Streik beginnen, weiter hoffe ich das über diesen auch in Deutschland berichtet wird. Denn ein solcher ist auch in der BRD nötig!
    Was macht die deutsche Wirtschaft wenn ihre Sklaven nicht zu Arbeit kommen?
    Aber dazu fehlt dem deutschen Niedriglöhner, Aufstocker, Hartz4- Bezieher irgendwie das Bewustsein.

  5. flurdab sagt:

    @ Solveigh Calderin

    Was ich noch vergessen habe,
    http://www.focus.de/finanzen/news/subventionen-deutschland-verschenkt-so-viel-geld-wie-noch-nie_aid_589929.html

    In Deutschland wurde die Wirtschaft 2010 mit 164 Milliarden € subventioniert.

    • Vielen Dank für die Ergänzung und Berichtigung, flurdab.

      Dass die Wirtschaft massiv subventioniert wird, ist klar. Und dieses Geld fehlt den Menschen, um die Wirtschaft wirklich zum Florieren zu bringen (durch Binnennachfrage). Aber darum geht es den uns Beherrschenden im Moment auch gar nicht. Sie nennen das, was gerade abläuft zynisch „Marktbereinigung“.

      Alles, was im Moment geschieht erscheint kontraproduktiv, ist es jedoch nicht. Sowie ich den Betrachtungsstandpunkt wechsele und mir die ganze Sache von DEREN Gedanken her anschaue, ist alles sehr logisch und wohl durchdacht. Sie wollen maximale Profite, sie wollen das Eigentum in möglichst wenigen Händen konzentrieren. Was müssen sie dafür tun? Enteignen, enteignen, enteignen, Löhne drücken, Löhne drücken, Löhne drücken bis sie zum Schluss reine „Freilandsklaven“ haben, die für ’n Appel und ’n Ei arbeiten – buchstäblich gesehen!

      Ja, nur die Menschen selbst können DAS ändern und es muss grundsätzlich geändert werden. Schönheitsreparaturen bringen eher früher als später immer wieder dieselben Probleme und Verwerfungen hervor.

      Auch ich wünsche den Spaniern Kraft und Mut.

      • flurdab sagt:

        Hallo Solveigh Calderin,

        die Bezeichnung „Freilandsklave“ finde ich symphatisch, wobei dann vielleicht noch „Bodenhaltung“ hinzu gehört.
        Es geht um Gewinnmaximierung, da gebe ich ihnen Recht. Das das mit Marktbereinigung und Enteignung betrieben wird sehe ich genauso.
        Aber ich habe den Eindruck das die Herrschaften die dies betreiben schon längst den Überblick über ihr Geschäft, schlimmer noch, die Kontrolle verloren haben. Es ist zuviel Geld im Umlauf dem kein realer Wert mehr entgegen steht.
        Es erscheint mir wie bei Goehtes Zauberlehrling: „die Geister die ich rief werde ich nun nicht mehr los“.
        Und nach dem was ich heute gelesen habe, hat sich die „Finanzwirtschaft“ „die Master of Universum“ selber Schach und Matt gesetzt.
        http://guentherlachmann.wordpress.com/2012/02/15/die-katastrophe-lauert-hinter-dem-griechen-drama/
        Das ist für uns kein Grund zum jubeln, denn alles was ab jetzt passiert wird völlig frei sein von jeglicher Vernunft.

        Mfg

      • Ja, es scheint, als wäre den Handelnden selbst nicht klar, was sie tun würden.

        Dem ist jedoch nicht so.

        Schauen Sie in die Geschichte. Schauen Sie sich die Entwicklungen an, die zum Ersten und Zweiten Weltkrieg führten.

        So entdecken Sie das Muster. Es ist alles ganz genau so geplant und durchgeführt, wie es abläuft. Eiskalt und im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehend.

        Das Ziel? Wie immer: Weltherrschaft.

  6. […] Die meisten Punkte hatten wir am 11. Februar schon angesprochen in unserem Artikel – “Extrem aggressive Arbeitsmarkt-Reform” nach deutschem Vorbild -, doch die Regierung Rajoy hat noch ein paar wirkliche Kuckuckseier ins Netz der abhängig […]

  7. […] Am heutigen Sonntag ist es in Spanien wieder zu Massendemonstrationen gekommen, zu denen die größten Gewerkschaften des Landes, CCOO und UGT, aufgerufen hatten. In 57 Städten gingen weit über eine Million Menschen auf die Straßen, um gegen die als ungerecht, rückschrittlich und als ein Angriff auf die Rechte aller Arbeitnehmer empfundene Arbeitsmarktreform zu protestieren. Diese Reform wurde am 11. Februar unter der Führung von Ministerpräsident Mariano Rajoy vom Parlament verabschiedet. Offizielles Ziel ist es, die hohe Arbeitslosigkeit zu reduzieren und Spanien international wettbewerbsfähiger zu machen. Dabei handelt es sich allerdings um eine harte Beschneidung sämtlicher Rechte der Arbeitnehmer; so wird es Arbeitgebern zum Beispiel künftig möglich sein, einseitige Lohnkürzungen durchzusetzen und Arbeitsnehmer im ersten Jahr ohne weiteres (auch ohne Abfindung) auf die Straße zu setzen. Dies gilt sogar für schwangere Frauen. Kritiker sagen, dass diese Arbeitsmarktreform Spanien weiterbringen soll auf dem Weg zu einer »marktkonformen Demokratie nach deutschem Vorbild«. Einzelheiten über diese Reform finden sich beim Uhupardo.  […]

  8. ribi sagt:

    uhu: sind die beschäftigten der arbeitsämter in spanien beamte, so wie in der brd vor 2003??selber nichts eingezahlt, du weißt schon!!

  9. ribi sagt:

    uhu: kennst du das gentermodell , wo die arbeitenden massen über die gewerkschaften die beiträge der arbeitslosenversicherung selbst verwalten? kein beamter, der sagt, sie bekommen geld von uns! gibt es in spanien eine staatliche arbeitsvermittlung? die deutsche spielt sich auf, als wäre sie hoheitlicher als die polizei! wie ist deine ansicht zum grundeinkommen?ich halte das althausmodell in der brd für am best-umsetzbarsten!

    • uhupardo sagt:

      Si, claro, die hoheitliche Arbeitsvermittlung gibt es in Spanien auch. Mit langen Schlangen vor der Tür morgens um 6 Uhr an jedem Tag, lange bevor das Büro öffnet. Dort müssen sich nicht nur alle „Leistungserwarter“ anstellen und stundenlang warten sondern auch diejenigen, die Arbeitsplätze anzubieten haben. Zumindest Letztere tun es dann meist nicht.

      Grundeinkommen:
      Ein akzeptables Grundeinkommen ist nicht finanzierbar, ein finanzierbares stabilisiert Armutsniveau. Deswegen plädiere ich für das „Bedingungslose Grundeinkommen 2.0“, das sich hier findet: http://www.bandbreitenmodell.de/bge

      Es ist grundsätzlicher beschrieben in unserer Serie „Der Tag nach dem Crash“ (Teil 1 und 2).

  10. ribi sagt:

    uhu: lese das buch „die geldlawine“ von jörg gastmann, beschreibt das bandbreitenmodell!ich kenne die deutsche arbeitsvermittlung, behinderte akademiker landen in idiotenkursen. da gefällt mir selbst das althaus-modell, weil es eine lohnsummenabgabe der unternehmer an die rentenkasse beinhaltet und erwachsene nicht gängelt! in spanien zahlt jeder in die rentenkasse-oder?? du redest über armut, stimmt, althausmodell besiegt die armut nicht, ist aber mehr als jetzt, die idiotenkurse der arbeitsvermittlung bringen niemand etwas, gibt es die in spanien? hoheitlich ist die arbeitsvermittlung eher nicht, darunter versteht man in europa eher justiz etc.!!

  11. […] Defizit-Zahlen verhinderten den Aufschub wichtiger Entscheidungen: Steuererhöhung und die Arbeitsmarktreform, die der andalusische PP-Kandidat Javier Arenas so sehr fürchtete, mussten sofort sein. Brüssel […]

  12. […] ist die PP schon in der Jammerphase angekommen: “Wie können die uns in Brüssel nach der harten Arbeitsmarktreform und dem Staatshaushalt vorwerfen, dass wir nichts oder nicht genug tun? Bekommt einen Generalstreik […]

  13. uhupardo sagt:

    Den neuen Bestimmungen, die durch diese Arbeitsmarktreform eingeführt wurden, sind in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres 99.500 Jobs zum Opfer gefallen.

    • Welch‘ durchschlagender Erfolg! Huraaaa! *Sarkasmus off*

      • uhupardo sagt:

        Si, si. Ich erinnere mich an ein paar Schnarchnasen in einem (deutschsprachigen) kanarischen Forum, die ganz sicher waren, dass die Arbeitsmarktreform nötig und wichtig war, mittelfristig bestimmt Arbeitsplätze schaffen und keinesfalls welche zerstören werde. Dabei gehörte wahrlich nicht viel Intelligenz dazu, die Folgen abzusehen, wenn Entlassungen einfacher und billiger werden.

      • Eben. Hat ja in der so genannten „Bundesrepublik Deutschland“ genau so wie jetzt in Spanien funktioniert. Hier sind die Arbeitslosen nur besser in so genannten „Umschulungen“, unbezahlten Praktika, freiwilliges soziales Jahr (natürlich auch kostenlos für die „Einrichtungen“ und der „Dienstleistende“ wird mit ‚m Appel und ’n Ei und schönen Worten abgespeist), und wie diese „Maßnahmen“ alle heißen, versteckt….

        Nimm’s mir nicht übel, aber was sich an Deutschen auf Gran Canaria „rumtreibt“ ist nun nicht gerade die Sahne der Deutschen… Ich habe sie kennen gelernt, als meine Tochter dort ein Jahr gelebt und ich sie in dieser Zeit besucht habe… Über diese Deutschen kannste wirklich nur den Kopf schütteln, die merken nischt. Die leben haarscharf am Leben vorbei…

        • uhupardo sagt:

          Hat man mich gerade heftig nicken sehen? 😉 Wenn die meisten am Leben vorbei leben, wäre es noch ihr ureigenes Problem. Aber sie leben auch (und gar nicht nur haarscharf) am Land vorbei.

  14. […] Sie dazu auch: * Alarmstimmung und komplette Hilflosigkeit in Madrid * “Extrem aggressive Arbeitsmarkt-Reform” nach deutschem Vorbild * Rekord-Kapitalflucht verdoppelt vorheriges Maximum: 66,2 Milliarden in einem Monat Bewerten:Share […]

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