Mit gewonnener Wahl auf ganzer Linie gescheitert, denn der Ball ist rund

Auch in den Bergen von Andalusien dauert ein Spiel 90 Minuten.

Bis zum Abpfiff voll konzentriert bleiben! Den Gegner nie unterschätzen. Ein Spiel dauert 90 Minuten und der Ball ist rund! – Manchen Politikern muss man dringend empfehlen, sich mehr mit Fussball zu beschäftigen und diese Binsenweisheiten zu verinnerlichen, dann werden sie nicht in letzter Minute von einem gegnerischen Freistoss überrascht. So geschehen soeben in Andalusien, einer der schönsten Gegenden Europas, wo die konservative Partido Popular (PP) soeben per gewonnener Wahl ein Debakel erlebte. Sieg im Auswärtsspiel und trotzdem ausgeschieden: Das kommt davon, wenn man sich im Kopf zu früh zum Sieger erklärt.


Javier Arenas (PP) hatte geglaubt, nichts mehr könne ihn aus dem andalusischen Sattel heben. Er hat sich gründlich geirrt.

Alle Umfragen hatten den Konservativen in Andalusien mindenstens sieben Prozent mehr zugeschrieben als den seit 30 Jahren regierenden Sozialdemokraten (PSOE), die auch noch durch einen Korruptionsskandal inmitten des Wahlkampfs gebeutelt wurden. Eine sichere absolute Mehrheit für die PP, davon war jeder ausgegangen – vor allem die Partido Popular selbst. Das hatte zur Folge, dass Rajoys Gefolgsleute unter dem andalusischen Spitzenkandidat Javier Arenas einen „schweigenden Wahlkampf“ vorzogen: Keine Aussagen zu irgendwelchen Sachthemen, keine Angriffe auf die Gegner, keine Versprechungen. Arenas stimmt nicht einmal dem üblichen TV-Duell der Spitzenkandidaten zu. Alles unter dem Motto: Wir haben es nicht nötig, wir gewinnen sowieso.
Er hatte wohl selbst nicht mehr daran geglaubt, die nächste Regierung anführen zu können: José Antonio Griñán (PSOE) schlug den Konservativen ein überraschendes Schnippchen.

Gestern bekamen sie die überraschende Quittung für diese selbstherrliche Lethargie. Die Gesichter der Wahlgewinner in der PP-Zentrale glichen eher einem Begräbnis. Mit 40,64% und 50 Sitzen hatten sie das beste Ergebnis aller Zeiten im südlichen Spanien geholt und die Wahl achtkantig verloren. Die enttäuschten PSOE-Wähler waren eben nicht in Massen zur PP geflüchtet, weil es angeblich in Spanien nur zwei Parteien gibt, sondern hatten der Izquierda Unida (die Linke Spaniens) die Verdopplung ihrer Sitze beschert. Damit ist jetzt eine Koalition zwischen PSOE und Izquierda Unida die nächste Regierung Andalusiens, und die PP weiss nun, dass ein Spiel 90 Minuten dauert und der Ball rund ist. Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy, der die Verkündung seines Staatshaushalts wegen dieser wichtigen Wahl immer weiter hinausgeschoben und sich deswegen sogar Ärger mit Brüssel eingehandelt hatte, ist einer der wichtigsten Wahlverlierer.

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5 Kommentare zu “Mit gewonnener Wahl auf ganzer Linie gescheitert, denn der Ball ist rund

  1. Amal sagt:

    ¡Tooooma del frasco! :))) Por gili……

  2. demo4punkt0 sagt:

    Der Bipartidismo ist zäh in Spanien und das Wahlrecht hilft nicht gerade… Aber es bewegt sich etwas!

  3. […] Machtübernahme und der totalen Niedergang der Sozialdemokraten (PSOE) werden. Alles hing am Urnengang in Andalusien – und genau dort entgleiste der Fahrplan […]

  4. […] Fehlschlag in Andalusien, wo eine gewonnene Wahl wie eine Niederlage schmeckte, war so ein Hammerschlag, dass sich die PP nur mühsam davon erholt. Diesmal ist es nicht nur eine politische Machtfrage. […]

  5. […] Kürzungen hinnehmen müssen als diejenigen Länder, die vom politischen Gegner beherrscht werden (z.B. Andalusien), entzieht sich unserer […]

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