Barzahlungen über 2.500 Euro sind jetzt illegal; Auslandskonten müssen registriert werden

 

Die spanische Regierung beschränkt gesetzlich die Bargeldzahlungen im Land jetzt auf 2.500 Euro.  Im „Kampf gegen den Steuerbetrug“, wie es heisst, sei diese Massnahme unverzichtbar (diesmal nicht“ alternativlos“, die verbale Bandbreite wächst).  Wie der konservative Regierungschef Mariano Rajoy in Madrid ankündigte, wird diese Massnahme immer dann greifen, wenn mindestens eine Firma oder ein Freiberufler in diese Aktion impliziert sind – gilt also nicht unter zwei Privatpersonen, zumindest vorerst nicht. Wer Transaktionen von mehr als 2.500 Euro bar bezahlt, muss mit Strafen von 25 Prozent der Summe rechnen.

Ausserdem, so der Regierungschef, müssten Auslandskonten demnächst beim Finanzamt (Hacienda) registriert werden. Dabei geht es nicht nur um den jeweiligen Kontobesitzer sondern auch um alle diejenigen, die ein Unterschriftsrecht für ein Auslandskonto innehaben. Diese Bestimmung soll für alle Bankkoten weltweit gelten.

Soweit die Meldung … und jetzt nach dem Uhupardo-Motto „Die Nachricht und was sie für Sie bedeutet“:  In unserem Artikel „Bargeld innerhalb der EU wird jetzt abgeschafft“ vom 17. Januar, der von einigen Lesern als „Panikmache“ gegeisselt worden war, hatten wir bereits darauf hingewiesen, dass diese Tendenz jetzt vermehrt überall in Europa greifen wird.  Dabei geht es natürlich nicht vorrangig um „Kampf gegen den Steuerbetrug“, denn der ist auch so nicht zu vermeiden.  Das Ziel ist einzig und allein die totale Kontrolle der Bürger.

 

Allerdings sind es die Spanier traditionell gewohnt, mit vielerlei Einschränkungen zu leben. Sie werden auch mit dieser Massnahme umzugehen wissen.  Die Theorie ist eine Sache – die Praxis eine ganz andere … und in Spanien erst recht.

Was die Registrierung der Auslandskonten angeht:  Da geht es ausschliesslich darum, denjenigen einen Ast in die Speichen zu werfen, die ein paar Peanuts an der Steuer vorbei schieben wollen. Denn wer genügend Geld zur Verfügung hat, umgeht diese neue Bestimmung spielend leicht.  Nur ein Beispiel von vielen:  Es kostet Sie 10.000 Euro und drei Tage Zeit, dann besitzen Sie ein Konto auf den Seychellen, bei dem Sie weder als Konto-Inhaber noch als Verfügungsberechtigter in Erscheinung treten und trotzdem risikolos die volle Kontrolle über ihr Geld haben. Eine Debitkarte, die Sie weltweit benutzen können und auf der Ihr Name nicht verzeichnet ist, gibt es kostenlos oben drauf.

* Lesen Sie dazu auch:
* Das härteste Sparprogramm der Geschichte: 27,3 Milliarden Euro
* Noch mehr Kürzungen in Spanien: 10 Milliarden in Gesundheit und Bildung

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17 Kommentare zu “Barzahlungen über 2.500 Euro sind jetzt illegal; Auslandskonten müssen registriert werden

  1. Wenn Du nicht artig bist, ist ganz schnell Deine Karte gesperrt und/oder die Zahlen auf Deinem Konto verschwunden.

    „Man trägt den Krug zum Brunnen bis er bricht.“
    „Es dauert lange, bis ein Fass voll ist. Zum Schluss reicht ein Tropfen, um es zum Überlaufen zu bringen“

  2. Lynn sagt:

    Für Bezahlung, die für geleistete Arbeit nur noch digital erfolgt – sollte dann eben auch die Arbeit nur noch digital ausgeführt werden.
    Wenn also der Kunde das Dach gedeckt haben will – dann schreibt halt der Dachdecker in seinen Computer: Ich decke das Dach… Gleiches Recht für alle, gelle… 😉

    • uhupardo sagt:

      Das wird jetzt – nicht witzige Themengrundlage hin oder her – zum Kommentar der Woche erklärt. Genial!

      • DSalick sagt:

        Kommentar der Woche ist für mich eher:

        „…. und trotzdem risikolos die volle Kontrolle über ihr Geld haben…..“

        Auf den Seychellen? Risikolos volle Kontrolle?? Ich bitte Dich lieber Uhupardo. Ich denke Banker sind böse? Dann doch lieber bar im Tresor.

        • uhupardo sagt:

          Abgesehen davon, dass die Seychellen nur ein Beispiel von vielen waren, um zu zeigen, dass kapitalstarken Steuerhinterziehern nicht beizukommen ist, sollten Sie vielleicht nicht nur einen Uhupardo-Artikel lesen. Unsere Leser wissen, dass wir noch nie die Auffassung vertreten haben, Banker seien böse, denn sie erfüllen nur die ihnen im System zugedachte Rolle so gut wie möglich. Eine Veränderung der Situation erreicht man nicht mit Banker-Schelte sondern durch die Einsicht, dass das aktuelle System unmöglich gemeinschaftsdienlich funktionieren kann.

  3. […] viaBarzahlungen über 2.500 Euro sind jetzt illegal; Auslandskonten müssen registriert werden « uhupa…. Share| April 13, 2012 at 12:33 pm by admin Category: Spanien […]

  4. Kurator sagt:

    Es wäre interessant, herauszufinden, wie das Gesetz formuliert ist. Wenn die uns einfach nur die Verwendung ihres eigenen Euro verbieten, soll es uns do h recht sein. Wir verwenden Rheingold. Rheingold ist kein Bargeld, weil es kein Geld ist, lediglich ein Zahlungsmittel, mit dem wir uns gegenseitig wertschätzen. Das Bargeldverbot über nationale Grenzen hinweg gilt beispielsweise für uns nicht, da Rheingold Gutscheine sind und das Exportieren oder Importieren von Gutscheinen nicht deklarationspflichtig ist. Wir können anders als Eurobesitzer immer noch recht frei reisen und in Spanien weiterhin frei bezahlen. Hier mehr Infos http://rheingoldblog.wordpress.com

  5. Waffenstudent sagt:

    Und wenn man mit Naturalien bezahlt, also Tauschandel betreibt?

  6. almabu sagt:

    Spanische Regierungen waren schon immer sehr erfindungsreich, wenn es darum ging anzukündigen, der Schattenwirtschaft, dem „Schwarzgeld“ an den Kragen zu gehen. In der Realität ließ man dann aber fast alles beim Alten…
    Früher gab es Taquillas(?) wo man Schwarzgeld ohne sich identifizieren zu müssen in spanische Staatsanleihen umtauschen konnte. Damit war das Geld gewaschen und niedrig verzinst in den legalen Wirtschaftskreislauf eingeführt. Dann gab es die Möglichkeit, dass der Staat beim Immobilienverkauf zum vertraglich vereinbarten Kaufpreis selbst als Käufer in die Verträge einsteigen konnte. Da in den Verträgen offiziell oft lächerlich niedrige Preise geschrieben standen, war dies ein echtes Risiko eine Immobilie unter Wert zu verlieren. Dann wurden zu einem sehr frühen Zeitpunkt in Europa in Spanien Luftbilder zur Auswertung der Art von Grundstücken herangezogen. Es zeigte sich, dass so manche Finca nicht der Landwirtschaft sondern der Recreación diente und anstatt Ställen, Tennisplätze und Piscinas auswiesen. Das alles wird schon seine Wirkung gehabt haben, aber dem Schwarzgeld war so nicht völlig beizukommen…

    • uhupardo sagt:

      Man kann das beliebig erweitern. Nur ein Beispiel: Als Spaniens Wirtschaft vor Jahren plötzlich „boomte“, staunte die Welt mit Recht. Das Ganze basierte jedoch nicht etwa auf gestiegener Wirtschaftsleistung des Landes. Der einzige Grund war: Der Staat führte die „módulos“ bei der Steuerzahlung ein.

      Das läuft bis heute so und bedeutet folgendes: Jemand meldet ein Gewerbe an, schaut in ein dickes Buch im Finanzamt und sucht sich den zu ihm (zu seinem Firmenzweck) passenden „epígrafe“. Dann entscheidet er sich für eine normale Buchhaltung (Umsatz – Kosten = Gewinn und darauf x% Steuern zahlen) oder eben für die módulos: Das ist ein festgelegter Steuersatz alle drei Monate für eben diesen „epígrafe“. Diesen Steuersatz zahlt man dann pauschal immer pro Trimester, muss dann jedoch keine Buchhaltung mehr machen und auch keine mehr vorweisen. Selbst wenn der Gewinn enorm hoch ist, gilt nur das módulo.

      Tausende von Freiberuflern und illegaler Kfz-Werkstätten, Bars und Restaurants sagten sich: „Bisher haben wir das ja fast alles schwarz gemacht, aber wenn es mit den módulos so einfach ist, dann legalisieren wir das jetzt. Als Ergebnis kamen Milliarden aus dem Schwarzmarkt plötzlich in die versteuerte Wirtschaft und Spanien erlebte einen „Boom“. Der Staat bekam zwar nicht alles, was ihm zusteht, aber mindestens von jedem pro Trimester eine feste Summe. Es war nichts weiter, als das „weiss“ zu machen, was vorher „schwarz“ war.

      Und genau diese „módulos“ will Rajoy nun im Rahmen seiner unergründlichen Intelligenz und Weisheit wieder abschaffen … womit unendlich viele Aktivitäten wieder in der Schattenwirtschaft versinken werden, weil die kleinen Betriebe über die normale Versteuerung gar nicht rentabel zu führen sind.

      Spanien hat eine lange und intensive Tradition, zwischen den Gesetzen und Bestimmungen zu überleben, egal wer was erfindet. Es wird auch diesmal so sein.

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