Vale, perfecto, er ist vom Elefanten gefallen – und jetzt zurück zum Thema!

König Juan Carlos hat den Kontakt mit der Realität verloren. Die Reise war die falsche Reise – und die falsche Reise zum falschen Zeitpunkt obendrein. Spanien hat, verdammt nochmal, andere Probleme als vom Elefanten fallende Könige. Das im Land hoch angesehene Königshaus sollte nicht dadurch Prestige verlieren, dass sein Oberhaupt übersieht, dass es ein obszönes Vergnügen ist, Elefanten zu jagen und so etwas die Empfindlichkeiten von Millionen Menschen verletzten wird. Doch abgesehen von allem bereits Gesagten, ist es die willkommene Mediensau, die jetzt dankbar durchs Dorf getrieben werden kann, um nicht über Sparprogramme und den rigiden Abbau von Bürgerrechten diskutieren zu müssen!

Also, ja: Es gibt keinen vernünftigen Grund für diese Reise des Königs, in seinem Alter, in seiner körperlichen Verfassung, um auf die Jagd zu gehen – und auch noch auf Elefanten. Und, nein: So etwas wird auch nicht besser, wenn man es als private Reise deklariert. Wie kann es denn sein, dass niemand im Umkreis des Königs die physische, ethische und ästhetische Gefahr gesehen hat vor diesem Flug? Nicht einmal seine Familie konnte den König von diesem Blödsinn abhalten?

Also, ja: Solche Aktionen beweisen nur, dass die Institution Königshaus offensichtlich die Rolle nicht mehr versteht, die sie in dieser Gesellschaft auszufüllen hat. Man kann nicht einem Land dienen, das man nicht versteht, mit dem man sich so offensichtlich nicht identifiziert. Man kann nicht einerseits öffentlich in der Weihnachtsbotschaft sagen „Die vielen Arbeitslosen bereiten mir oft schlaflose Nächte“ – und danach ein Flugzeug nehmen, um Elefanten zu jagen. Es wäre höchst bedauerlich, wenn das Königshaus, das in Spanien bisher höchstes Ansehen geniesst, durch solchen Unsinn diskreditiert würde.

All das ist richtig, darf und muss gesagt werden! – Doch es rechtfertigt keinesfalls, dass sich jetzt alle Medien nur noch daran abarbeiten und denjenigen deswegen unbeschadet lassen, der gerade das Land konsequent kaputt spart und mit dem brutalen Abbau der Bürgerrechte zurück in eine Diktatur treiben will: Mariano Rajoy, Regierungschef in Madrid. Genug geredet über Elefanten! Zurück zum Thema, aber sofort!

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14 Kommentare zu “Vale, perfecto, er ist vom Elefanten gefallen – und jetzt zurück zum Thema!

  1. almabu sagt:

    Man sollte vielleicht den Moment nutzen die Franco-Monarchie endgültig abzuschaffen? Juan Carlos hat sich selbst überlebt und droht zum lächerlichen Popanz zu werden. Als er jünger war und noch einen hoch kriegte, da hat er mit anderen Waffen geschossen und Spanien nahm augenzwinkernden Anteil daran…

    • uhupardo sagt:

      Man solte aus diesem Ereignis heraus keine generelle Diskussion anzetten, meine ich. Kann man von ausserhalb Spaniens unmöglich beurteilen, aber das Königshaus mit allen Familienmitgliedern leistet sehr viel positive Arbeit in vielen Bereichen (mit dicht gedrängtem Stundenplan für alle) und geniesst zurecht hohes Ansehen in der Bevölkerung. Diese Aktion war unter aller Kanone, keine Frage, reicht aber nicht, um die Existenzfrage zu stellen.

      • almabu sagt:

        Das Spanische Königshaus ist natürlich keineswegs unumstritten! Der König selbst zehrte jahrzehntelang von seinem Image als Retter der Demokratie beim missglückten Militärputsch (von Generälen aus seinem näheren Umfeld übrigens) bei dem er sich aus heutiger Sicht höchstens taktisch klug verhalten hat. Moralisch hat er Seitensprungtechnisch „nichts anbrennen lassen“, was ihm in Macho-Spanien wohl gegönnt wurde. Sein beträchtlicher Reichtum verdiente einen genaueren Blick, besonders jetzt, wo sein Schwiegersohn vor Gericht steht. Die wundersame Geldverehrung des Juan Carlos ist jedenfalls nicht durch den Kauf spanischer Staatsanleihen entstanden. Mit der Elefantenjagd hat er „einen kapitalen Bock geschossen“, was sein Image angeht. Wenn man den ganzen Laden nicht abschafft, dann sollte er zumindest einen Moment an seinen eigenen Vater denken und zugunsten seines Sohnes abdanken!

  2. genova68 sagt:

    Je abgehobener die herrschende Klasse, desto günstiger die Bedingungen für eine Empörung, die nicht folgenlos bleibt.

  3. Lost Jewels sagt:

    Ich empfehle zum Thema das Buch „Juan Carlos – König eines Volkes“ des britischen Historikers Paul Preston. Es ist bedauerlich, wenn der spanische König das hohe Ansehen, das er zu Recht genießt, durch alberne Aktionen beschädigt.

    Aber ich stimme zu, dass es keine Relevanz hat, weder vor dem Hintergrund von Juan Carlos‘ historischen Leistungen noch vor dem aktuellen Desaster.

  4. atalaya sagt:

    Fragt mal doch die Katalanen die Basken oder auch die Bewohner ( Eingeborenen ) der Balearen, was die von dem hochverehrten Königshaus halten. Diese ganze Mischpoke ist obsolet, natürlich nicht für solche elitären Treffen wie in Sitge.
    ( Für diejenigen, die sich nicht erinnern: ich beziehe mich auf die vorletzte Versammlung der Bilderberger,
    Antenna 3 hatte kurz darüber berichtet), vale

    • uhupardo sagt:

      Katalanen (Balearen inkl.) und Basken interessieren doch letztendlich niemanden in dem Thema.

      Der einzige Satz, dem ich zustimme, kommt von almabu: Juan Carlos könnte darüber nachdenken, zugunsten seines Sohnes zurückzutreten.

  5. Don Furioso sagt:

    Haben die Spanier also nun ihr Wulff-Gate? Ja, von Elefanten purzelnde Könige im Greisenalter sind einfach unpassend, aber es riecht tatsächlich nach Ablenkung.

  6. Don Furioso sagt:

    Zurück zum Thema heißt, sich darüber auseinaderzusetzen, ob man mit Kaputtsparen Dinge nicht verschlimmert. Zurück zum Thema heißt, über die Aushebelung der Regionen zu sprechen. zB wie in desem Blog : http://globaleconomicanalysis.blogspot.ca/

  7. […] Für nicht-Spanier wahrscheinlich die normalste und logischste aller Reaktionen auf die “Elefanten-Panne”, doch im Lande ein historisches Ereignis. Der König, der im Krankenhaus die Zeitungsberichte und […]

  8. […] seit 1968 innehatte.  Mit 226 zu 13 Stimmen fiel diese Entscheidung rigoros deutlich aus. Die Elefantenjagd in Botswana im April war der Grund […]

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