Wenn schon Diktatur, dann bitte Öko-Diktatur!

Europa wird kaputt gespart, überall werden Bügerrrechte und sogar grundlegende Sozialleistungen beschnitten. In der Krise sei das „unverzichtbar“ oder „alternativlos“ wird den Menschen erklärt; sie hätten „über ihre Verhältnisse gelebt“. Wer genauer hinschaut, stellt schnell fest, dass sich hier eine Finanz- und Wirtschaftsdiktatur durch die Hintertür schleicht. Hunderte von Miliarden Dollar und Euro wurden von denen verzockt, die den Hals nicht voll kriegen konnten. Nun lässt man sich die Rechnung von denjenigen bezahlen, die nie über ihre Verhältnisse gelebt haben. Der Weg führt – man sieht das besonders drastisch gerade in Spanien – geradewegs in eine Diktatur. Aber wenn schon Diktatur, dann bitte Öko-Diktatur.

Der Kabarettist Hagen Rether fordert das in seinen Programmen nicht selten – und meist fehlt das kabarettistische Augenzwinken dabei gänzlich. Der Mann weiss genau, wovon er spricht: Im Kampf um die Ressourcen für eine rasant wachsende Weltbevölkerung wird der Lebensraum der Menschen zunehmend zerstört. Dabei geht es, wie immer, ausschliesslich um sogenannte „Wirtschaftlichkeit“ und „Versorgungssicherheit“. In Französisch Guayana binden die Goldwäscher das wertvolle Metall mit Unmengen von hochgiftigem Quecksilber, das die Umwelt verseucht. In Nigeria und anderswo erkranken und sterben tausende von Menschen an „Gas Flaring“, weil die Konzerne riesige Gasfackeln abbrennen mit dem Argument, das Zeug müsse weg und der Gas-Transport sei (Achtung, Zauberwort!) unrentabel.

Unweit der Strände der Kanarischen Inseln sollen nun Ölbohrungen ins Meer gebracht werden, um das „schwarze Gold“ zu bergen, das an den Börsen jeden Tag teurer wird. Besonders in den USA und in Europa – auch in Deutschland – werden Ressourcen immer öfter durch eine besonders umweltgefährdende Methode gewonnen: das sogenannte „Fracking“. Dazu presst man Millionen Liter Wasser, versetzt mit teils hochgiftigen Chemikalien und unter großem Druck in die Erd-Schichten, bis diese aufbrechen. Einen sehr guten Artikel, den wir gerne empfehlen, finden Sie dazu bei politropolis: Klick

Natürlich will niemand im Ernst eine Diktatur, egal wie sie ausgerichtet sein mag. Doch wenn schon Diktatur, dann bitte eine, die den Lebensraum der Menschheit erhält. Es wird dringend Zeit, dass genau dies die Prämisse wird, die unsere Politik bestimmt und das Handeln steuert. Weiche Energieformen müssen mit aller Kraft gefördert und die entsprechende Entwicklung auch mit den entsprechendnen Finanzmitteln gefördert werden. Transportsysteme müssen umstrukturiert werden: Einen Container um die Welt zu schicken mit sehr geringen Kosten, nur damit die Menschen in Hannover neuseeländische Äpfel essen können, während der deutsche Apfelbauer auf seiner Ernte sitzen bleibt, ergibt keinen Sinn. „Nicht finanzierbar“ muss einen ganz anderen Sinn bekommen und diejenigen Handlungsweisen bestrafen, die die Umwelt nachhaltig schädigen. Diejenigen, die jeden Abend auf den Börsenbericht warten, sind in jeder Suchtklinik gut aufgehoben.

Es gäbe noch hunderte von Beispielen, die alle zeigen können, wie sehr „rentabel“ und „unrentabel“ in der Lage sind, den Lebensraum der Menschen (nicht etwa „den Planeten“, denn der kommt auch blendend ohne uns aus!) zu beschädigen und in nicht tolerierbarer und gefährlicher Weise immer mehr zu beeinträchtigen. Der in Zukunft unvermeidlich immer härter werdende Kampf um schwindende Rohstoffe (dazu gehört unbedingt auch Trinkwasser) wird unseren Kindern eine Welt hinterlassen, die man ihnen nicht wünschen kann. Vielleicht ist der Schwenk von der Wirtschaftsdiktatur hin zu einer Öko-Diktatur, der veränderten Handlungsprämissen wegen, sogar der einzige Weg zur Rettung?

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6 Kommentare zu “Wenn schon Diktatur, dann bitte Öko-Diktatur!

  1. almabu sagt:

    Ausnahmsweise zitiere ich einmal SPON;-))

    Lenin liebt es, „Prawda“-Leser zu provozieren, etwa im November 1912 mit einem Beitrag über „Die Krankheit des Reformismus“. Darin wirft er den gemäßigten Sozialisten vor, sie hätten sich „mit der Modekrankheit der Niedergeschlagenheit, des Kleinmuts, der Verzweiflung und des Unglaubens infiziert“. Lenin will die Revolution.

    Und er prangert die „wahnsinnigen Rüstungen und die Politik des Imperialismus“ an, die Europa in ein „Pulverfass“ verwandelt habe. Im Oktober 1912 warnt Lenin in der „Prawda“ vor einem kommenden Weltkrieg. Die Nationalisten, so der Führer der Bolschewiki, „führen die Völker um der Profite einiger weniger Geschäftsleute und Industrieller willen zur Schlachtbank.“

    Das klingt doch irgendwie verflucht aktuell, Leute, oder etwa nicht?

  2. heute wie damals: die abgrundtiefe gier einiger weniger und die genauso riesige dummheit breiter massen morden millionen anständiger menschen.

  3. fischi sagt:

    Kapitalismus und Umwelt, das passt nicht für schnelles Geld.
    Ich befürchte wenn der Fiskalpakt durchkommt dann werden sich die Lebensverhältnisse in Europa eher Afrika angleichen.

    • uhupardo sagt:

      Das mag gut sein. Es gibt offensichtlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder es gibt diesen Tag der Erleuchtung, die irgendwoher kommt, wirklich noch – oder Europa versinkt im Chaos. Um das Chaos muss ich mich nicht kümmern, das kommt von allein. Deswegen gibt es nur die Chance, dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten und innerhalb seines Wirkungskreises aufklärend arbeitet.

  4. […] Parlament wegen Krise * Der Verrückte mit dem Fahrrad * System-Crash kommt nach den US-Wahlen * Bitte die Öko-Diktatur! * Protest weitet sich aus – Anleitung für zivilen Ungehorsam in Europa * In einfachen Worten: […]

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