10 Milliarden weniger für Bildung und Gesundheit – 15 Milliarden mehr für die Banken

… und ewig grüsst das Murmeltier: Nur drei Monate, nachdem Wirtschaftsminister Luis de Guindos eine Finanzmark-Reform ankündigt hatte, die „das Vertrauen der Märkte zurückbringen“ sollte, kündigte derselbe Wirtschaftsminister heute eine Finanzmarktreform an, die das Vertrauen der Märkte zurückbringen soll. Die neuen Massnahmen bringen vor allem eins: viele Milliarden mehr öffentlicher Gelder für die Banken.

Man muss das in denselben Satz bringen, damit es jeder versteht: War gerade erst ein Sparprogramm von zehn Milliarden in Bildung, Kultur und Gesundheit verabschiedet worden, gehen jetzt 15 Milliarden Steuergelder an die Banken. Dabei ist nur von den jetzt offiziell veranschlagten 15 Milliarden die Rede – in Wahrheit werden es am Ende viele Milliarden mehr sein. Will die Regierung Rajoy, wie verkündet, das Finanzpolster der Banken so weit erhöhen, dass die Risiken der Immobilienblase abgefedert werden können, dürfte die Milliardensumme im dreistelligen Bereich enden.

Die Banken sollen ihr Eigenkapital insgesamt auf 137 Milliarden erhöhen. Das sind 45 Prozent der Risiken von 304 Milliarden, die in der Immobilienblase Spaniens stecken. Die heutige Ankündigung von Wirtschaftsminister Luis de Guindos ist die Bankrotterklärung der Finanzreform aus dem Februar. Die „Märkte“ haben eben kein „Vertrauen“ in das Land gezeigt. So wie man früher den Regengott beim Tanz um das Feuer mit irgendwelchen Opfergaben gnädig stimmen wollte, die aus dem Besitz des Stammes kamen, so werden heute Bildung, Kultur, Wissenschaft, Gesundheit und alles andere den Göttern der „Märkte“ geopfert, um sie gnädig zu stimmen. Voodoo damals – Voodoo heute. Gëandert hat sich nur, dass heute Milliarden mal mehr geopfert werden muss, um die Götter zu besänftigen.

„Ohne absolutes Vertrauen in die Solvenz unserer Banken, wird die wirtschaftliche Erholung nicht möglich sein“, sagt demzufolge der spanische Wirtschaftsminister mit ängstlichem Blick hinauf zu den Göttern. Die Regierung gibt den Banken drei Monate Zeit, um einen Finzanzierungsplan vorzulegen. Sollte der in Madrid nicht überzeugend klingen, werden der entsprechenden Bank die entsprechenden Milliarden zwangsweise in den Tresor geschickt. Das (Steuer)Geld soll von den Geldbuden dann über fünf Jahre mit zehn Prozent Zinsen zurückgezahlt werden.

Ausserdem sollen alle Immobilien, die deswegen zahllos im Besitz der Banken sind, weil viele Hypotheken in der Krise nicht mehr bezahlt werden können, durch unabhängige Schätzer neu bewertet werden (auf den heutigen Marktwert herabgesetzt werden). Jede Bank soll eine Art eigener „Bad bank“ gründen, in die die faulen Immobilenkredite ausgelagert werden. Aus diesem Fundus sollen (müssen) jeweils fünf Prozent der Immobilien pro Jahr zum aktuellen Kurs auf den Markt geworfen und um jeden Preis verkauft werden.

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9 Kommentare zu “10 Milliarden weniger für Bildung und Gesundheit – 15 Milliarden mehr für die Banken

  1. Don Furioso sagt:

    Das Bild mit dem Regengott ist genial – das sollte man in den Umlauf bringen. Bilder, Parabeln und Fabeln haften viel mehr im Gedächtnis als tausend nüchterne Worte. Bravo!

  2. Don Furioso sagt:

    Island hat bereits bewiesen, dass es sich fern der Stammesgemeinschaft recht gut lebt. Argentinien versucht es auch. Ja es ist frappierend ähnlich. Wenn dieses Bild Mainstream würde, könnte es für King Kong gefährlich werden. Und wie bleiben Ideen haften? Durch Wiederholung, wie beim Gedichtelernen. Ich meine es ernst: das muss in mehrere Sprache übersetzt werden. Weitersagen! 😉

    • Richtig. Hoffentlich fängt das Volk an, den Gesundbetern und „um-die-Feuer-Tänzer“ nicht mehr zu glauben!, dann haben sie – samt ihren Göttern – nämlich endlich ausgedient!

      • fischi sagt:

        Na Ja, da müßte das Volk seinen Feind erstmal benennen können.
        Wenn immer nur von körperlosen Märkten gesprochen wird ist das ganz schön geschickt gemacht.
        Märkte und Latenen das passt nicht so richtig.

  3. Lockez sagt:

    Das sind keine Götter sondern Götzen des Bösen !
    Was ein Irrsinn, die Banken verzocken Zaster und zahlen sollen die Steuerzahler.
    Ist ja Geil, das Geld anderer Leute verzocken und auch noch von den Steuerzahler alles zurück zubekommen!!!
    Ich werde mal nach Monte Carlo fahren und das Geld meiner Freunde verzocken und dann beim Staat alles wieder zurück fordern. So macht das Leben wieder Spaß! 😀

  4. […] 10 Milliarden weniger für Bildung und Gesundheit – 15 Milliarden mehr für die BankenNur drei Monate, nachdem Wirtschaftsminister Luis de Guindos eine Finanzmark-Reform ankündigt hatte, die “das Vertrauen der Märkte zurückbringen” sollte, kündigte derselbe Wirtschaftsminister heute eine Finanzmarktreform an, die das Vertrauen der Märkte zurückbringen soll. Die neuen Massnahmen bringen vor allem eins: viele Milliarden mehr öffentlicher Gelder für die Banken. https://uhupardo.wordpress.com/2012/05/11/10-milliarden-weniger-fur-bildung-und-gesundheit-15-milliar… […]

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