Katalonien: Hallo, Nachbar!

hausautoyacht

Kennen Sie das auch? Ihr Nachbar – der mit dem 500-PS-Sportwagen, den er jeden Samstag demonstrativ vier Stunden in der Einfahrt zur Villa poliert -, geht Ihnen schon lange auf die Nerven. Nicht wegen des protzigen Palastes, den er gebaut hat, auch nicht wegen des Swimming-Pools samt Sauna und Whirlpool im Garten … einfach nur deswegen, weil er bei jeder Gelegenheit laut und verbalprimitiv herumtröten muss, wie reich er ist, wie sehr er das verdient hat, wie viele Steuern er zahlt, um Ihnen und anderen Habenichtsen ein schönes Leben zu ermöglichen.

Sie würden ihm seinen Reichtum achselzuckend und lethargisch gönnen, wenn er nur endlich den Mund hielte und sich seine täglichen grosssprecherischen Texte am Gartenzaun sparen könnte. Einfach nicht mehr sehen und hören müssen den Kerl, alles wäre gut. Statt dessen wird Ihnen jeden Tag aufs Brot geschmiert, dass er und seine Firma im Prinzip die Infrastruktur der ganzen Siedlung finanzieren und was für ein toller Hecht er ist.

armas
Artur Mas: Mein Haus, mein Auto, meine Yacht – aber überweist mir ein paar Milliarden.

Wenn dieser Nachbar plötzlich vor Gericht zitiert wird, weil ein Insolvenzverfahren gegen ihn eröffnet werden soll, können Sie sich dann das hässliche kleine Schmunzeln ersparen? – Sehen Sie, so ist es in Spanien heute auch. Die Regierung von Katalonien, die seit Jahrzehnten grosskotzig posaunt, dass die Region ganz Spanien ernährt, hat die Zentralregierung in Madrid um sofortige und eilige Hilfszahlungen gebeten: „Uns ist es egal, wie sie es tun, aber wir müssen Zahlungen tätigen am Monatsende“, machte es Artur Mas, der Regierungschef Kataloniens, entsprechend dringend. Die Überweisung müsse jetzt unverzüglich erfolgen, damit die Lichter nicht ausgehen.

Schon im März hatte Madrid 545 Mio. Euro nach Barcelona überweisen müssen, damit Katalonien seine Beamten zahlen konnte. Allein in diesem Jahr muss Katalonien 13 Milliarden Euro refinanzieren und fürchtet die hohen Zinsen. Deswegen fordert Mas, die Zentralregierung solle sogenannte Hispano-Bonds auflegen, mittels derer sich die Regionen des Landes günstiger refinanzieren könnten.

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9 Kommentare zu “Katalonien: Hallo, Nachbar!

  1. đeя вαeяeиαυfвıиđeя sagt:

    Reblogged this on đeя Bαeяeиαυfвıиđeя oder Kultur-Soeldner.

  2. almabu sagt:

    Wenn die Forderung der Katalanen unangemessen und unangebracht oder gar unberechtigt ist, dann sollte Rajoy die einfach ignorieren und schauen, was passiert!

    Ich glaube mich zu erinnern, dass den Katalanen aus den letzten Jahren noch eine knappe Milliarde rechtlich verbindlich zusteht, die Zentralregierung dieser Forderung auch anerkennt, gleichzeitig aber betont, dieser Forderung im Moment nicht nachkommen zu können.

    Wenn Spanien sein östliches Randvolk, bestehend aus Bergbauern und polyglotten Geschäftsleuten und ein paar Genies, nicht mehr benötigt, dann sollte man den Katalanen die Finanzschraube zudrehen. Das beschleunigt die Dinge gewaltig!

    Im Windschatten des Slogans „Griechen, raus aus dem Euro!“ gäbe es dann den Slogan „Katalanen, raus aus Spanien!“

    Bisher lehnte eine knappe Mehrheit der Katalanen den Austritt aus Spanien ab. Das bedeutet im Umkehrschluß, dass eine starke Minderheit ihn will! Da geht es um eine Differenz von maximal fünf Prozent…

    • uhupardo sagt:

      Ach, lassen wir sie ruhig drin, stört doch nicht. 🙂 Sonst müsste Barcelona tatsächlich noch gegen Tarragona um die Meisterschaft spielen, das kann man ihnen nicht antun.

  3. Stephan sagt:

    Katalonien raus aus Spanien! Ich glaube das wird nicht so schnell passieren. Da wird Madrid eher Geld aus anderen Regionen umschichten. Geld, was der Staat Spanien ja eigenlich nicht mehr hat. Länder und Staaten brauchen immer mehr Geld, das kommt aber vom arbeitenden Volk! Aber wenn immer weniger Menschen Steuern zahlen, weil Sie arbeitslos werden, dann wird auch weniger konsumiert und damit dreht sich das Rad!
    Ich glaube das egal wo in Europa, die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird und die „tragende“ Mittelschicht so langsam aber sicher kaputt gemacht wird. Wenn es so weiter geht, dann schreit irgendwann die EU ins All hinaus: Wir brauchen Geld, weil wir unsere Mitgliedsländer nicht mehr unterstützen können! Wer übernimmt dann die Rechnungen? Ich habe auch immer mehr das Gefühl, das die europäischen Länder, denen es verhältnismaßig gut geht immer mehr von den anderen Ländern als „Buhmänner“ dargestellt werden. Frei nach dem Motto: DIE sind SCHULD!
    Platz die Blase in Europa noch in diesem Jahr oder wie geht es weiter?

  4. […] bei den entsprechenden Zinsen für Staatsanleihen zu refinanzieren. Wozu auch, wenn nicht nur die Region Katalonien nach Milliarden schreit, um am Monatsende noch die Rechnungen und Gehälter zahlen zu […]

  5. Wenn du nicht aufpasst, werden die Zeitungen dich dazu bringen, de Menschen zu hassen, die unterdrückt werden und jene zu lieben, die unterdrücken. (Malcolm X)

    Der spanische Nationalismus… so effektiv wie unsichtbar. Schön, dass Sie so gut integriert in Spanien sind: leider ganz manipuliert. Die arroganten Neureichen, die auf fremde Kosten leben sind woanders.

  6. Und was ist mit dem in Katalonien geforderten Fiskalpakt? Ist es nicht doch so, dass Katalonien noch immer mehr Steuern an Madrid überweist, als es zum Beispiel für Infrastrukturprojekte und Bildung zurückbekommt? Ich erkenne immer wieder große Unterschiede zwischen denjenigen Informationen, die katalanische und jenen, die spanische Medien liefern.

    • uhupardo sagt:

      „Ich erkenne immer wieder große Unterschiede zwischen denjenigen Informationen, die katalanische und jenen, die spanische Medien liefern.“

      Glücklicherweise ist das so, nicht nur im Fussball. Es wäre schrecklich, wenn alle Medien so skurril nationalistisch verseuchte Berichterstattung liefern würden wie die katalanischen.

      Wenn Sie sich darüber wundern, dass es Autonomien (oder auch Bundesländer) gibt, die (ob heute noch oder früher ist unerheblich) mehr überweisen als sie bekommen, sollten Sie darüber nachdenken, ob sie das föderale System verstanden haben. Den Länderfinanzausgleich hat man auch in Deutschland nicht zum Spass erfunden. Allerdings gibt es kein Bundesland in Deutschland, das ständig (!) den arroganten Supermacho spielt, weil es mehr überweist als es bekommt, und es auch noch mit obskurem Nationalismus untermauert. Das schafft nicht einmal der „Freistaat“.

      WENN dann allerdings ausgerechnet der Supermacho nach Hilfe schreit, bevor er seine Gehälter nicht mehr bezahlen kann, ist ein gemütliches Schmunzeln schon das Mindeste, was an Reaktion folgen muss.

      P.S.: Sechs Millionen Madrileños produzieren mehr und tragen mehr zum Staatshaushalt bei als 7,5 Millionen Katalanen – ohne sich ständig „ausgebeutet“zu fühlen und das Klagelied anzustimmen.
      http://www.libremercado.com/2011-04-04/madrid-ya-supera-a-cataluna-en-casi-todos-los-indicadores-economicos-1276419259/

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