Chinesen wollen spanisches Stromleitungsnetz kaufen

 

Herrrreinspaziert, der grosse Ausverkauf hat begonnen! Der chinesische Staatskonzern State Gride hat Absichten bekundet, das spanische Stromleitungsnetz zu kaufen. Das Netz gehört Red Eléctrica und dieses Unternehmen wiederum dem Staat (= den Bürgern Spaniens, zumindest theoretisch). Der touristische Ölminister José Manuel Soria, zuständig für Tourismus Industrie kurioserweise, versicherte zwar, keine Kenntnis von dieser Operation zu haben, doch seine Aussagen haben gewöhnlich die Halbwertzeit eines ordinären Erdbeer-Joghurts.

Da hält man sich besser an die gestrigen Aussagen des Chefs von Enagás, eines Unternehmens, das mit Red Eléctrica verbandelt ist. Antonio Llardén heisst der Mann und versichert „wir begrüssen jederzeit institutionelle Aktionäre mit einer einzigen Bedingung. Die europäische Gesetzgebung würde wahrscheinlich Schwierigkeiten bedeuten, wenn ein Investor mehr als fünf Prozent der Aktion hält, der in Europa tätig ist. Ein chinesischer Investment-Fond, staatlich oder nicht, hätte aber nicht das kleinste Problem.“

An der Börse stiegen die Aktien von Red Eléctrica heute schlagartig um 5,1% angesichts des chinesischen Interesses, denn perversen Märkten ist es völlig egal, ob das spanische Stromleitungsnetz in chinesischen Händen landet, solange daran Geld zu verdienen ist. Das dürfte erst der Anfang sein. Im anhaltenden Sinkflug der spanischen Börsen werden jetzt mehr und mehr Unternehmen des Landes zu ausgesprochenen Schnäppchen für ausländische Käufer. Das neoliberale Konzept, mit erzwungenen Privatisierungen richtig Kasse machen zu können, feiert fröhliche Fiestas, nicht nur in Spanien.

Das Rezept ist einfach: Man erklärt die Krise der Zockerbanken mit allem Selbstbewusstsein zur Staatsschuldenkrise, rettet die Banken mit dem Steuergeld aller Bürger – und versichert dem Volk danach, nun müsse man unbedingt Staatseigentum (Bürgereigentum) verkaufen, egal zu welchem Preis, um die Staatsschulden zu begleichen. So werden die Privatisierungen zum Verkäufen im „Staatsinteresse“. So unverschämt wie simpel. Und wenn man die Notwendigkeit, Staatseigentum zu privatisieren, oft genug wiederholt, glaubt es am Ende fast jeder. Was das wirklich bewirkt, versteht jeder sofort, der sich (eine dringende Empfehlung!) den Film „Der Grosse Ausverkauf“ anschaut.

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Aus der Zitatensammlung von krisenfrei:
„Die Wenigen, die das System verstehen, werden dermaßen an seinen Profiten interessiert oder so abhängig von seinen Vorzügen sein, dass aus ihren Reihen niemals eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, geistig unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne je Verdacht zu schöpfen, dass das System gegen sie arbeitet.“ (Gebrüder Rothschild, London, 28. Juni 1863 an US-Geschäftspartner)

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27 Kommentare zu “Chinesen wollen spanisches Stromleitungsnetz kaufen

  1. Also, eigentlich ist es doch DER Witz!
    Wir konzentrieren uns alle auf die USA – und dann kommt von hinten, durch die kalte Küche der Osten und kauft Europa auf! 😀
    Also ehrlich mal, das hat was, oder?

    Nein, es ist nicht besser von China als von den USA ausgenommen zu werden. Ich muss nur über diesen Fakt lachen… Die USA wird DAS nicht freuen.

    Ach ja, beherrschst (= besitzt) Du die Müllabfuhr, die Energie und die Telekommunikation, beherrschst Du das Land. Das ist von Lenin.

    • uhupardo sagt:

      Sí, sí, es ist in der Tat amüsant in geiwsser Weise, wenn es nicht zum Heulen wäre.
      Film anschauen – unbedingt!

      • Das schaffe ich heute nicht mehr. Es ist nach 23 Uhr hier, da hab‘ ich die Konzentration dafür nicht mehr. Den Film sehe ich morgen.

        Ja natürlich, sind die Ergebnisse dieses Ausverkaufs zum Heulen. Glaub‘ mir, ich weiß, was da passiert. Nur nützt und bringt das Heulen nicht viel. Das habe ich auch gelernt.

  2. Gast44 sagt:

    Das Leitungsnetz mit all den Transformatoren und Umspannwerken gehört den Bürgern!
    Sie haben es bezahlt und zwar nicht nur einmal sondern mehrfach.
    Innerhalb von 15 bis 20 Jahren wird durch die Durchleitungsgebühren so viel Geld eingenommen, dass man damit ein neues Leitungsnetz finanzieren könnte (inklusive Wartung für das bestehende Leitungsnetz).

    Das man jetzt auf die Idee kommt man könnte eine Infrastruktur verkaufen, dass die Bürger schon mehrfach bezahlt haben zeigt nur wie weit es das Lumpenpack schon gebracht hat.

    • ST.Haben sagt:

      Es sollten sich doch,wenn dieses Stromnetz so wirtschaftlich zu betreiben ist doch auch spanische Investoren finden,oder?Nur auf andere Investoren zu schimpfen reicht eben nicht und Spanien bekommt es anders eben scheinbar nicht hin.Das ist bedauerlich.Die Schulden gehören auch den Bürgern…

      • ST.Haben sagt:

        Nein,es tut mir leid,so einfach wie es dargestellt wird geht es eben nicht mehr.Wer Schulden hat ist eben seinen Gläubigen verpflichtet.Das weiß man vorher und läst es eben normal nicht soweit kommen das das letzte Hemd verkauft oder was auch immer werden muss.Aber was ist heute schon noch normal?Normal waren Unvernunft und Profitgier etc.Kurzsichtigkeit,kurzfristige Gewinne und Steueroptimierung.Heute die Schulden nicht anzuerkennen und somit eben auch das Falschverhalten greift zu kurz,damit wird nichts gewonnen und so läuft es ja Gott sei Dank auch nicht.Natürlich sind auch unbeteiligte eben saubere Menschen von diesem Maßnahmen betroffen,das ist bedauerlich,keine Frage.Sind sie identifizierbar ist Hilfe angebracht,man wird die Scheisse der anderen nicht gänzlich in ihrer Wirkung an ihnen verhindern können,leider.Aber die Bevölkerung ist mit Verursacher gewesen und zahlt nun den Preis dafür,das sollte ihr ehrlich erklärt werden.Ich schätze dieser Forum hier aber es sollte die Dinge und Verhältnisse bei seinemvollständigen Namen nennen und nicht so tun als wäre der einfache Bürger nur Opfer der großen und mächtigen,das stimmt einfach nicht.Sie (fast)alle und auch wir haben diese Entwicklung erst möglich gemacht,so etwas geht und ging Nie ohne die Massen.War schon immer so…Gibt genug Beispiele dafür.Und die der Leugnung dieser Wahrheit auch,der großen wie der kleinen.Wie soll. da Veränderung möglich sein?

      • Damit Du verstehst, worum es bei den sogenannten Schulden, die de facto gar keine sind, geht, noch einmal das Geldsystem einfach erklärt.

      • Das Häschen sagt:

        Sämtliche Privatisierungen insbesondere auch der Wasserversorgung in Frankreich und Belgien haben gezeigt, dass Privatisierung nichts anderes gebracht hat als höhere Preise und eine kaputte Infrastruktur wurde an die Öffentlichkeit zurückgegeben. Chlor und Wasserverschwendung anstatt Reparatur von Leitungen.

        Die Schulden gehören nicht den Bürgern … die gehören dem Staat. Das sind 2 verschiedene Paar Schuhe.

  3. Nick Mott sagt:

    Wo wir gerade bei Filmen sind:
    – Le Monde Selon Monsanto (Marie-Monique Robin)
    – WalMart – der hohe Preis der Niedrigpreise (Robert Greenwald)
    – Über Wasser (Udo Maurer)
    – The Oil-Crash ((Basil Gelpke/Ray McCormack)
    – Darwins Alptraum (Hubert Sauper)
    – Septemberweizen (Peter Krieg)
    – Unser täglich Brot (Nikolaus Geyrhalter)
    – Working Man´s Death (Michael Glawogger)
    – Enron – the smartest guys in the room (Alex Gibney)
    – Let´s make money (Erwin Wagenhofer)
    – Inside Job (Charles Ferguson/Audrey Marrs)
    passen alle zum Thema und beleuchten die unglaublichen Sauereien und Tricksereien der Privatwirtschaft, bis einem speiübel wird…

  4. Nick Mott sagt:

    @St.Haben

    „Schuld“ kann der Bürger erst dann haben, wenn er
    a) von solchen Vorgängen Kenntnis nehmen kann
    b) verstehen kann, dass hier Unstatthaftes vor sich geht
    c) er (in welcher Weise auch immer) Einfluss nehmen kann auf verantwortliche Stellen/Personen
    und es trotz a, b, c unterlässt – dann würde ich von „selbst schuld“ sprechen wollen.

    Da aber von den Haupt-Verantwortlichen
    – ALLES unternommen wird, um die Bürger erst gar nicht zu informieren,
    – dort, wo es unvermeidlich ist nur verspätet, lückenhaft bis desinformierend,
    – Vorgänge derart zu verkomplizieren, verschachteln, tarnen, dass man als Normalbürger unmöglich nachvollziehen kann, was da abgeht, ohne sich dies zur Lebensaufgabe zu machen,
    – jeglicher Versuch, dies TROTZDEM zu unternehmen, unmittelbar wahlweise juristisch verzögert, geahndet oder mit direkten Drohungen und Konsequenzen verfolgt wird
    – selbst bei nachweislichen Vergehen meistens nichts bis gar nichts passiert (Bauernopfer lassen wir mal außen vor)
    was bleibt DANN noch?

    WER hat DANN noch Schuld???

    Die Bürger werden vom Kindergarten, über Grundschule/weiterführende Schule, Studium bis ins Berufsleben maximal konditioniert, eben NICHTS in Frage zu stellen und eben NICHTS zu unternehmen, was sich außerhalb des geltenden und akzeptierten Verhaltenstrends befände.

    Du wirst als Bürger von klein auf kujoniert, gemassregelt, sobald Du aus der Reihe tanzt.
    Und die wenigen, die qua Charakterdisposition vielleicht gar nicht anders können und trotzdem sich dem Mainstream verweigern, zahlen einen hohen Preis dafür!

    Wie ungleich sind denn auch die sonstigen Handlungsressourcen, -potentiale und -optionen verteilt???
    Schon mal versucht keine Steuern zu zahlen, weil Du denkst, Dein sauer verdientes Geld sollte nicht unethisch oder anderweitig unsinnig verplempert werden?
    Schon mal versucht, einen Wirtschaftsbrocken juristisch an den Kanthaken zu kriegen?
    Schon mal versucht, auch nur in der Schule als Elternteil, Curricularien zu reformieren?
    Schon mal versucht, zum ESM von auch nur EINEM der Abgeordneten nach dem Maulkorberlass der Fraktionsspitzen eine brauchbare Auskunft zu erzwingen???
    usw.usw.

    Wenn ich als Bürger mitverantwortlich gemacht werden soll für diesen unverantwortliche Politik, dann will ich gefälligst auch Mitspracherecht, Mitgestaltungsfunktion haben, sonst lehne ich JEDE Mitverantwortung per se ab, denn diese höchstdefizitären, intellektuell unterprivilegierten Knallchargen habe ICH NICHT gewählt!!! – also….

    Aber dann versuch doch mal in die Gremien, Ausschüsse, Kommissionen etc. rein zu kommen und aktiv mitzuwirken – viel Vergnügen – ich kenne das aus erster Hand!

    Außerdem ist es unlauter, bei den Bürgern von einem nivellierten Handlungspotential auszugehen, da diese ja vorsätzlich durch die künstlich geschaffenen Wirtschaftsbedingungen gezwungen sind, sich (von den wahren Verantwortlichen auch durchaus so gewollt!) erst mal um ihre unmittelbare Existenz zu sorgen, bevor sie sich den „Luxus“ der Information und Mitgestaltung leisten können.

    So sieht´s aus und nicht anders.

  5. ST.Haben sagt:

    Liebe Gemeinde,ich sehe schon,überall nur Opfer.Nur gibt es eben auch Menschen,die rechtschaffend sind und sparsam waren(keine Angst vor Inflation)und eine eigene Meinung haben und konsequent sind(bei Banken,denen man nicht traut,legt man nichts an,gar nichts)und die eigene Stärke und“Wissen“mehr Wert ist als das Gerede der anderen etc.Ein mündiger Bürger könnte man auch sagen.Dem,der sieht was andere im gemeinsamen Einverständnis(dabei bei eigenen Vorteilen)veranstalten und der so klug ist einen Einbruch zu erkennen wenn es kommt und nicht (zumindest direkt)betroffen zu sein.Die Menschen gibt es,die schlau sind und nicht buckeln.Die aber haben nicht unsere Anerkennung.Darum sind das so wenige,weil Anerkennung sooo wichtig ist.Es tut mir leid,die Inkompetenz und Gier wird jetzt bezahlt,von den großen Experten und den Kleinen Experten und Mitläufern.

    • ST.Haben sagt:

      Uhupardo,Danke für den Link.Sehr interessant,besonders wenn man über angebliches Wachstum in den nächsten Jahren nachdenkt.Das wurde und wird teilweise heute noch nicht in Frage gestellt(Sicherlich verstehen Menschen darunter auch ein mehr gefragt sein der eigenen Person und dazu selbstverständlich mehr stabiles!! Geld)Unter dieser Annahme lässt sich eigentlich jedes Projekt ob privat oder geschäftlich legitimieren.Wer hat sich den anders verhalten?Anders verhalten hieße doch,Chancen nicht nutzen etc.Ich bleibe leider dabei,Privat hat sich verführen lassen,ist nicht eingewachsen mit den Möglichkeiten,die sie eigentlich nie hatten nicht so aufgebaut.

  6. Czerulf sagt:

    Das Kapitel ‚Treuhandanstalt‘ und die von ihr geleitete Ausplünderung der ehemaligen DDR bedarf noch einer gründlichen Aufarbeitung. Die ist, im Gegensatz zum Treiben der Treuhand, tatsächlich alternativlos.

    Ich hoffe der Ausverkauf in Spanien, Griechenland, bald auch Italien, lässt sich noch aufhalten. Diese Geschichte darf sich nicht wiederholen!

  7. fischi sagt:

    Ich habe mir den Film heute mal angesehen.
    Überall das gleiche Problem mit den Privatisierungen, einige verdienen sich dumm und dämlich und die Masse verarmt.
    Besonders interessant für mich ist immer das Thema Bahn.
    Da sind wir hier mitlerweile auf dem gleichem Stand.
    Blos das es keiner zugibt.
    Habt ihr schon gewußt das bei einigen Privatbahnen Lokführer blos noch ein Anlernberuf ist.
    Vor kurzem gab es in mehreren Zeitungen die Meldung das man 800000 Stromkunden in dem Jahr den Strom zeitweise gesperrt hat.
    Berlin muß wohl die Privatisierung der Wasserversorgung wieder rückgängig machen.
    Blos das Gesundheitssystem ist noch nicht so weit zerstört, aber es wird auf Hochtouren dran gearbeitet.
    Im Moment ist man sehr erfolgreich dabei die Hochschulen zu privatisieren.
    Da gibt es dann och den Professor und der Rest ist befristet in prikären Arbeitsverhältnissen angestellt.
    Selbst bei den Schulen nehmen die Privatschulen immer mehr zu.

  8. […] ein Blogger, berichtet in einem aktuellen Artikel (hier), daß sich der chinesische Staatskonzern State Gride anschickt, daß spanische Stromleitungsnetz […]

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