Lebensmittel-Spender müssen Steuern nachzahlen

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Viele Bäckereien, die über Jahre Tonnen an „altem“ Brot und Gebäck verschenkt haben, müssen jetzt Steuern nachzahlen. Statt die Lebensmittel wegzuwerfen, hatten sie das Brot vom Vortag an Bedürftige verschenkt. Selbst schuld: Das rächt sich jetzt. Nicht wenige Bäcker dürfen deswegen tausende von Euro zusätzlich ans Finanzamt überweisen. Die Lehre aus der Geschichte: Wer die Lebensmittel auf der Müllkippe entsorgt, spart Steuern und muss sich nicht ärgern.

Der Hintergrund: Bäckereien zahlen auf ihre Vorprodukte Umsatzsteuer, die sie später von der eigenen Umsatzsteuerschuld abziehen. Wenn sie also die Produkte nicht verkaufen sondern verschenken, gilt der Vorsteuerabzug nicht, so das Finanzamt, das die Bemessungsgrundlage für die Geschenke an Bedürftige selbstherrlich mit dem halben Verkaufspreis ansetzt und entsprechende Steuer-Nachzahlung verlangt. Denn Geschenke an Bedürftige seien unzweifelhaft „eine Leistung“; das Entsorgen derselben auf der Müllkippe aber nicht, so die Begründung.

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Nicht wenige Bäckereien haben deswegen ihre Lieferungen an die Tafeln in Deutschland bereits eingestellt. Andere sehen sich gezwungen zu tricksen: Sie verkaufen die Sendungen an die Tafeln für 1 Euro. Dann ist dieser Euro die Bemessungsgrundlage der Umsatzsteuer und nicht die Herstellungskosten der Brote. Fazit: Eine merkantilistische Gesellschaft zwingt Spender mit sozialem Gewissen dazu, sich ungewöhnliche Wege zu suchen, um Lebensmittel an Bedürftige verschenken zu dürfen, ohne selbst Schaden zu erleiden.

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31 Kommentare zu “Lebensmittel-Spender müssen Steuern nachzahlen

  1. Lynn sagt:

    Da ja diese sogenannte „Bundesregierung“, die nichts weiter ist als eine NGO, eifrig und in grossen Summen die den deutschen Steuerzahlern geraubten Steuergelder den gierigen Banken für deren monströse Zockerei spendet, schlage ich vor, dass die Befürworter für ESM und ESFS dafür die Steuern bezahlen.

  2. Das Häschen sagt:

    Unbeschreiblich.

  3. fischi sagt:

    Da sind bestimmt einige neidisch, dass sie dort nichts bekommen.
    Der Spruch ist von meinem Sohn, der arbeitet dort.

  4. kingkenny7 sagt:

    Es ist wie so oft: Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll. Wie viel Brot auf der Welt täglich weggeworfen wird, ist aber wirklich eine sehr traurige Geschichte.

    Ich glaube, es war im Film „We feed the world“, in dem gesagt wurde, dass in Wien täglich so viel Brot weggeworfen wird, wie in Linz (immerhin Österreichs drittgrößte Stadt) an einem Tag benötigt wird. Woanders sieht es natürlich auch nicht besser aus.

  5. dank sagt:

    PIR – Perversion in Reinform. Traurig.

  6. desmondos sagt:

    diese entscheidung von den chefs des finanzamts oder den entscheidern über dem finanzamt zeigt wieder wie krank und absurd unser aktuelles gesellschaftssystem in teilen zumindest ist. beschämend.

  7. […] viaLebensmittel-Spender müssen Steuern nachzahlen « uhupardo. Share| Juli 19, 2012 at 9:39 pm by admin Category: Abzockregierung, Allgemein, Wirtschaft […]

  8. kingkenny7 sagt:

    @fischi: Das wird immer kolportiert und mag insgesamt nicht ganz falsch sein, aber ich ziehe mir diesen Schuh nicht an. Als Verbraucher erwarte ich um 17 Uhr beim Bäcker nicht mehr, dass ich noch Brot und Brötchen in allen Variationen bekomme. Ich kaufe fast jeden Tag ein und schmeiße, abgesehen von dem ein oder anderen Toastbrot, welches es leider meistens nur in zu großen Packungen gibt, so gut wie gar nichts weg.

    Und natürlich macht der Verbraucher am Ende mit. Was bleibt einem auch sonst übrig?

    • fischi sagt:

      Ich habe vor etlichen Jahren mal einen Baumarkt mit installiert.
      Was da für Blumen und Pflanzen innerhalb kürzester Zeit im Abfall gelandet ist, also wer das noch nie gesehen hat das ist wirklich enorm.
      Das der Verbraucher mit macht ist schon klar, der ist ja mitlerweile auch so erzogen.
      Aber ich habe noch die DDR erlebt und da war bestimmt kein Überfluss angesagt.
      Aber das was wir heute haben der ungezügelte Materialismus, den brauch ich nicht.
      Irgenwie sind es jetzt 7 Millarden Menschen.
      Dann sollten die Ressourcen auch für alle reichen.

  9. krisenfrei sagt:

    Einfach nur noch widerlich!
    Den Bankstern und den Superreichen werden Mrd. in den Hintern geblasen.
    Die Umverteilung von unten nach oben ist nur noch zum smile

    Die Versklavung läuft auf Hochtouren (http://krisenfrei.wordpress.com/2012/03/01/das-fed-ungeheuer-umspannt-die-welt/).

    „Derjenige muss in der Tat blind sein, der nicht sehen kann, dass hier auf Erden
    ein großes Vorhaben, ein großer Plan ausgeführt wird, an dessen Verwirklichung
    wir als treue Knechte mitwirken dürfen.“ (Winston Churchill)

    … und die blinden Schafe schlafen immer noch!

      • krisenfrei sagt:

        Der Aufschrei kommt dann, wie immer, wenn es zu spät ist.
        Das war doch schon immer so.
        Ich hoffe nur, dass eure „yo no pago Aktion“ und eure Demos nicht abreißen.
        Schickt endlich Rajoy und el rey in die Wüste.
        Vielleicht wachen ja dann auch die deutschen Schafe auf.

        • uhupardo sagt:

          Was die deutschen Schafe angeht, habe ich starke, sehr starke Zweifel, solange ihnen nicht die eigene Hose spürbar angebrannt wird. Ebenso sicher bin ich allerdings, dass es in Spanien jetzt immer mehr werden muss, was die Protestaktionen angeht. Spanier sind zwar leidenserprobt und es passiert auch nichts, wenn mal ein paar Opfer zu bringen sind, weil Lebensqualität hier anders definiert wird als in Deutschland beispielsweise; aber WENN es mal zuviel ist, dann gibt es auch keine Ruhe mehr. Dieser Punkt ist meiner Ansicht nach überschritten und wird noch viel weiter überschritten sein, wenn der Staat (und nicht nur die Banken) die „Rettung“ beantragt, was eine reine Zeitfrage ist.

  10. flurdab sagt:

    Ich verstehe die Empörung nicht.
    Das Sozialstaatsgebot garantiert jedem Menschen ein Leben in Würde.
    Deshalb weg mit den Tafeln!
    Die HartzIV- Sätze müssen den Gegebenheiten in Deutschland angepasst werden.

    • uhupardo sagt:

      Nicht die Sachlagen durcheinander werfen jetzt. Die „Empörung“ resultiert nicht aus der Frage, ob man Tafeln abschaffen muss oder Hartz-Regelsätze erhöhen … sondern nur daraus, dass Lebensmittel-Spender, die über ein soziales Gewissen verfugen, steuerlich bestraft werden.

  11. Joscha Krug sagt:

    Mir fehlen die Worte. Das passiert, wenn in einem Staat wie Deutschland die Bürokratie wichtiger ist als der gesunde Menschenverstand.

  12. Patrick Hennings sagt:

    Reblogged this on Patrick Hennings.

  13. uhupardo sagt:

    Manchmal nützt Öffentlichkeit schaffen eben doch:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/steuern-auf-lebensmittel-fuer-tafeln-a-845620.html
    „Es ist ein Aufreger-Thema in der Bäckerbranche, nun handelt die Regierung: Das Finanzministerium will dafür sorgen, dass Lebensmittelspenden für Bedürftige künftig nicht mehr besteuert werden. Ziel ist eine bundesweit einheitliche Regelung.“

    • fischi sagt:

      Hoffentlich bringt unsere Politbande das wenigstens hin.
      Viele Leute und nicht nur Hartz4-Empfänger sind darauf angewiesen.
      Die Anzahl der Rentner steigt stetig und durch die vielen prekären Jobs nimmt die Zahl der Anspruchsberechtigten auch zu.

  14. Manfred van Os sagt:

    Das Problem ist doch, dass wir am realen Bedarf vorbei, viel zu viel produzieren. Allein schon wenn man sieht, was am Abend in einem normalen Supermarkt auf dem Müll landet und noch essbar ist. Man merkt, die Leute hierzulande haben noch nie gehungert. Anfang der 50er Jahre konnte sich eine Familie noch längst nicht jeden Tag Brötchen, Wurst und Fleisch leisten. Schon alles vergessen?

  15. Diese Steuerschacherei ist echt unglaublich! Aber Hauptsache, unsere „Mächtigen“ können Millarden ins Ausland klatschen. Na ja, klar: Irgendwo muss es ja herkommen.

  16. Aber, aber: Wir wissen doch, der Staat braucht Geld. Die verdeckten Reparationszahlungen aus dem 2. Weltkrieg werden gesetzmäßig nach den Besatzungsstatuten noch bis 2099 – ja Ihr habt richtig gelesen – eingetrieben.

    So kann man dem sehr empfehlenswerten Buch von Karlheiz Krass „Sklaven ohne Ketten: Die Bürger im Westen vor der nächsten Revolution“ entnehmen. Als die Wiedervereinigung stattfand wurde das Besatzungsrecht nicht abgeschafft. Die Russen verzichteten auf weitere Wiedergutmachung, der Westen nicht.

  17. […] geschenkt werden wird und andererseits ist fast im selben Atemzug folgende Zeilen zu lesen “Lebensmittel Spender müssen Steuern nachzahlen“.  Durch diese so gestalteten Situationen, könnte sich sehr leicht und rasch eine […]

  18. uhupardo sagt:

    (Dank an politropolis.wordpress.com für die Übermittlung)

    Pressemitteilung

    Nr. 33 vom 30. Juli 2012

    FREIE WÄHLER: Tafeln darf wichtige Existenzgrundlage nicht entzogen werden

    Bauer: „FREIE WÄHLER stehen auf der Seite sozial schwacher Mitbürger“

    Mit Erstaunen haben die FREIEN WÄHLER die Nachricht aufgenommen, dass Betriebe, die ihre Lebensmittelspenden an örtliche Tafeln abgeben, diese künftig versteuern müssen. Sozialexperte Dr. Peter Bauer: „Wir unterstützen den Bundesverband der Tafeln und fordern eine generelle Umsatzsteuerbefreiung bzw. eine unmissverständliche Erklärung zur Besteuerung von Sachspenden an gemeinnützige Organisationen.“

    Viele örtliche Kaufleute spenden ihre übrig gebliebenen Lebensmittel gerne den Tafeln, anstatt die an sich hochwertigen Waren einfach wegzuwerfen. „Sowohl dieses soziale Engagement als auch die Arbeit der rund 50.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern bei den Tafeln muss staatlicherseits volle Unterstützung zugesichert werden“, so Bauer.

    „Die glücklicherweise erfolgte Ankündigung des Bundesfinanzministeriums, auf die Erhebung der Steuern zu verzichten, ist daher konsequent umzusetzen. Wir FREIE WÄHLER werden uns darüber hinaus für eine generelle Umsatzsteuerbefreiung gemeinnütziger Organisationen einsetzen“, versichert Bauer.

  19. markus sagt:

    In Deutschland hat Steuergerechtigkeit leider schon lange keine Priorität mehr. Gerade als Selbständiger bekommt man das immer wieder zu spüren. Da ist man für den Staat direkt Steuerhinterzieher. Mehrere Bekannt in Spanien haben mir immer gesagt, das Finanzamt wäre dort „lockerer“ drauf. Würde mich mal interessieren, ob das im Zug der Krise immer noch so ist? Oder entwickelt sich das dort mittlerweile in die selbe Richtung?

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