IWF verlangt von Spanien weitere MwSt.-Erhöhung in 2014

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Der Internationale Währungsfond (IWF) hat soeben seine erst knapp zwei Wochen alte Pronose für Spanien korrigiert. Noch mehr Rezession als bisher werde es geben, besonders im kommenden Jahr. Keine Wachstumsaussichten nirgendwo, bedauert die Institution und erklärt, dass Rajoys jüngstes Sparpaket das Land wirtschaftlich noch weiter versenkt habe. Daraus die Empfehlung zu ziehen, für 2014 eine weitere MwSt.-Steuer vorzusehen, „um dem Difizit-Ziel näher zu kommen“, womit die Ökonomie natürlich noch weiter in den Abgrund getrieben würde, darauf muss man erstmal kommen.

Kurz zur Vorgeschichte: Am 15. Juni berichteten wir in diesem Artikel darüber, dass der IWF von Spanien eine sofortige MwSt.-Erhöhung und Senukung der Beamtengehälter verlangt hatte. Da sich die Empfehlungen des IWF in letzter Zeit immer mehr in Handlungsanweisungen verwandelt haben, die von den zuständigen Politikern prompt befolgt werden, tat Rajoy am 11. Juli genau das: Er erhöhte die Mehrwertsteuer von 18 auf 21 Prozent, wobei allerdings das Kleingedruckte für die Bevölkerung noch schlimmer war als die Erhöhung an sich.

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Tage danach veröffentlichte der IWF seine neue Prognose für Spanien und schaffte es tatsächlich, alle Auswirkungen der drastischen spanischen Kürzungs- und Streichungsmassnahmen darin einfach nicht zu berücksichtigen. Diese Milchmädchenrechnung des IWF hatten wir ebenfalls veröffentlicht. Jetzt endlich, zwei Wochen später, haben es die IWF-Experten geschafft, die neuen Daten einzuarbeiten und veröffentlichten am Freitag eine „überarbeitete Version“. Darin geht man davon aus, dass die spanische Wirtschaft 2013 nicht um 0,6 Prozent schrumpfen wird sondern doppelt so viel dank der Massnahmen der Madrider Regierung.

Der IWF lobt ausdrücklich die Streichungspakete der konservativen Regierung. Gleich danach wird bedauert, dass vorläufig keinerlei Chance auf Wachstum besteht und sich die Rezession verschlimmern wird. Der ehemalige sozialdemokratische Regierungschef Felipe González fasste das gestern kurz so zusammen: „Wer kein Wachstum hat, kann wenig zahlen; wer schrumpft, kann gar nichts mehr zahlen.“ – Die Massnahmen der Regierung Rajoy haben die wirtschaftlichen Aussichten Spaniens also entscheidend verdüstert, zertifiziert der IWF. Und das, obwohl das ganze Ausmass noch gar nicht in konkrete Zahlen zu fassen ist, denn die besonders drastischen Mehrwertsteuer-Erhöhungen, die die Inlandsnachfrage noch viel mehr abwürgen werden, greifen erst ab 1. September.

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Genau das dachten wir heute auch, Frau Lagarde!

Fassen wir zusammen: Der IWF spendet den Streichungsmassnahmen ausdrücklich Applaus; versichert, dass sie die Wirtschaft abwürgen und bedauert, dass damit an Wachstum vorerst nicht zu denken ist. Und was folgt dann für ein Vorschlag? – Spanien müsse für 2014 eine weitere Mehrwertsteuer-Erhöhung einplanen, um die Defizit-Vorgaben einzuhalten, fordert der IWF! Um damit den Inlandskonsum endgültig komplett zu versenken, die Bevölkerung zu verelenden, die Ausgaben der Sozialkassen noch extremer zu belasten, die Rezession zu verschärfen und Wachstum auf zehn Jahre hin komplett auszuschliessen?

Man weiss es nicht … dazu wird man einen Wirtschaftswissenschaftler oder Ökonomen befragen müssen, die kennen sich da aus.

Dazu passt:
* Die Ausplünderung Griechenlands durch den IWF
* Umfrage: Partido Popular stürzt um 16,4% ab

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43 Kommentare zu “IWF verlangt von Spanien weitere MwSt.-Erhöhung in 2014

  1. fischi sagt:

    2014, in welcher Währung, in Euro doch kaum.
    Ich lese das immer wieder im Netz das der IWF eine AMERIKANISCHE FIRMA ist ist vielen überhaupt nicht bewußt.
    Deren Auftrag ist einzig und alleine Europa maximal zu privatisieren und alles soziale abzuschaffen.
    Die Schreckschraube ist da blos Tarnung.

    • ST.Haben sagt:

      Leider ist nun aber auch wahr das nur noch staatliche Stellen und EZB bereit sind Spanien zu helfen wenngleich in sich stimmig die Aussagen des IWF sind jedoch keinen Weg aus der Misere aufzeigen.Das halte ich für das große Problem,Veränderungen und Verzicht zu fordern ist richtig,Alternativen im Sinne von einer eben unbedingten Neugestaltung des bisherigen aber ist existentiell.Nur neue Perspektiven lassen die Menschen Verluste auf der anderen Seite verkraften.Fehlen diese,werden ratlose und verzweifelte Menschen immer mehr.Schaut man sich allerdings in eben den betroffenen Ländern die Entstehung der heute eskalierenden Probleme an,sieht ob und wie sie verhindert werden sollten fällt auf,das auch schon früher künstliche Märkte und Traum-Nachfrage produziert wurden.Gesund war dies schon lange nicht mehr.Zu erwarten,das bei einem Versagen des Gesamtsystems schnelle und vor allem sinnvolle Ideen entstehen könnten,scheint mir allerdings mehr als unwahrscheinlich.Hoffen darf man trotzdem!

  2. kingkenny7 sagt:

    Ich schaue ab und zu ganz gerne in die Titanic, aber wenn ich so etwas lese, müssen die Damen und Herren sich dort schon richtig anstrengen…

    • uhupardo sagt:

      „Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh.“
      (Henry Ford)

      Was haben die Herrschenden und die Regierenden (zwei verschiedene Gruppen) für ein Glück, dass das Volk solche Zusammenhänge, wie in dem Artikel beschrieben, weder versteht noch verstehen will, denn sonst …

      • kingkenny7 sagt:

        Oder man nimmt sich gar keine Zeit für diese Dinge. Man schaut die Nachrichten und zuckt mit den Schultern.

        Ganz ehrlich, wenn ich mich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis umhöre, dann herrscht dort weitestgehend Gleichgültigkeit. Solange es einem selbst einigermaßen gut geht und das ist bei den meisten (vorwiegend eigentlich recht intelligente Menschen) noch der Fall, kümmert man sich um die meisten Dinge einfach nicht.

        Es ist ein anderes Thema, aber vielleicht habt Ihr meinen Bericht vorheriges Wochenende gelesen. Letzten Samstag war ich auf einer Demonstration gegen Abschiebungen und Co.: http://ziegenhodensuppe.wordpress.com/2012/07/22/demonstration-gegen-abschiebungen-am-dusseldorfer-flughafen/

        Am Vortag war ich mit drei Freundinnen im Theater und ich habe sie (alles studierte Damen nebenbei) gefragt, ob jemand mitkommen will: Kein Interesse. Das sieht bei all den anderen wichtigen Themen ähnlich aus. Man nimmt die Dinge hin, interessiert sich aber höchstens oberflächlich dafür. Ich kann es nicht verstehen.

        Griechenland scheint weit weg, Spanien auch. Das böse Erwachen könnte schneller folgen, als manch eine(r) denkt…

      • ST.Haben sagt:

        WWürden die Menschen das Geldsystem verstehen,würden sie sich vieleicht auch etwas vernünftiger verhalten.Daran fehlt es leider auch viel zu oft!

      • picard2606 sagt:

        Was soll man auch erwarten? Das „gemeine Volk“ liest die BILD, mein bürgerlich-intellektueller Freundeskreis begeht den Selbstbetrug mit der Süddeutschen und dem Spiegel. Fundamentale Systemkritik ist in diesen Medien nicht zu erwarten. Hinweise auf Vermögensungleichheiten, Absurditäten wie Staatsfinanzierung über psychotische Märkte, Leverage bis zum Faktor 50, Lizenzen zum Gelddrucken für Banken werden meistens mit einem Schulterzucken beantwortet, fordert man zum politischen Engagement oder zumindest zur richtigen Wahl gegen diese Dinge auf, wird man belächelt. Die Linke kann man ja nicht wählen, das sind Kommunisten.

        Komplettiert wird dieser Selbstbetrug dann durch die Nachhaltigkeits- und Öko-Religion: „Wir“ konsumieren alle „zuviel“ und sind schuld an absaufenden Eisbären. Das man einen Wandel hin zu echter Nachhaltigkeit ohne einen radikalen Systemwandel nicht wird bewältigen können, interessiert nicht. Das dieses „wir“ eigentlich nur für höchstens 10% der Bevölkerung zutrifft und eine immer größer werdende Gruppe vom Konsum mittlerweile ausgeschlossen wurde, interessiert nicht. Hauptsache, man kann sich Solarzellen aufs Dach schrauben.

        Typisch für diese gewollte Blindheit der „bürgerlich-intellektuellen“ ist ihre Affinität zu den Grünen. Man denkt, man wählt links, dabei wählt man nur die Öko-Neoliberalen.

      • Oliver sagt:

        Goldschmied Fabian erklärt das auch behindertengerecht gut, wird aber trotzdem nicht verstanden.
        http://www.youtube.com/watch?v=_h0ozLvUTb0 und es kommt alles noch viel schlimmer.

      • Martin1 sagt:

        Ach jetzt wird klar, warum im deutschen Schulsystem Fächer wie Wirtschaft und Recht praktisch nicht-existent sind… 😉

  3. Helmut Josef Weber sagt:

    Ja- aber wie soll man denn sonst den Armen, aber auch den Reichen, das Geld abnehmen?
    Ein Ferrari bringt etwa 10.000 Euro in die Staatskasse, Tausende Brote oder Liter Wein und
    Babywindeln aber auch.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  4. Die wollen (nicht nur) Spanien völlig destabilisieren. Krieg ist das Ziel. Egal, ob Bürger- oder zwischenstaatlicher Krieg – Hauptsache Krieg – das bringt so tolle Profite und hinterher kann man so schön wieder aufbauen, das bringt dann noch mal so schöne Profite.

    • picard2606 sagt:

      Das Perverse dabei ist doch, das es den klassischen Krieg als bewaffneten Konflikt dabei nicht mehr braucht. Vielmehr sind wir im System doch schon so weit, dass das Konglomerat aus Medien, Politik und Finanzkapitalisten gezielt Chaos streuen kann, das dann ausgenutzt wird, um weitere Teile der Zivilgesellschaft auf dem Altar des Profits zu opfern.

      Am Beispiel Griechenland sieht man doch, dass es keine Raketen mehr braucht, um eine Gesellschaft in Trümmer zu legen. Die Attacken auf den Euroraum erfolgen nicht mir Panzern, sondern mit Kreditzinsen. Und Rösler, Merkel und co. sind willige Angriffshelfer.

      Um es anders auszudrücken: den Krieg haben wir schon.

      • uhupardo sagt:

        So ist es genau, picard. Die „Angst vor Krieg“ mag rational erscheinen – am Ende verhindert sie nur die Erkenntnis, dass der Krieg längst (!) begonnen hat.

        https://uhupardo.wordpress.com/2012/07/13/der-religionskrieg-2012-hat-bereits-begonnen/

      • Richtig.
        Die scheinbar kontraproduktiven Aktionen der spanischen Regierung und des IWF zeigen mir jedoch, dass ihnen der kalte (Finanz-)krieg nicht reicht.

        Sie wollen den heißen Krieg – die produzierten Waffen müssen ja schließlich verbraucht werden, damit Platz für neue ist.

        Darum machen sie die Menschen so wütend, dass die nicht mehr anders können als auf die Straße gehen und vor Wut vielleicht auch ein paar Fensterscheiben einschmeißen, was der anderen Seite die Möglichkeit gibt, mit (Waffen-)Gewalt einzugreifen, was die Menschen (zu recht) wütend macht – ich denke Du siehst die Gewalt-Spirale.

        Mit demselben Grund wird der Hass zwischen den Völkern gesät: Madame Merkel (von der ich nichts halte, wie ich von KEINEM Politiker irgend etwas halte) wird mal schon immer als Hitler dargestellt, den Deutschen wird eingeredet, sie hätten „für die Griechen und Spanier, vielleicht auch bald die Italiener, Portugiesen, Franzosen, etc. zu bezahlen“, was ein glatte Lüge ist, aber die Deutschen gefühlsmäßig gegen alle anderen Völker in Europa aufhetzt, während die Völker Europas durch das so genannte „Spardiktat Deutschlands“ gegen das deutsche Volk aufghetzt werden.

        Ziel: heißer Krieg in Europa.

        Gestern fand ich ein tolles Zitat:

        Die Aufgabe eines wahren Patrioten ist, sein Land vor seiner Regierung zu schützen.
        (Thomas Paine)

        • uhupardo sagt:

          Waffenkrieg ist bestimmt integraler Bestandteil eines möglichen Konzepts, Solveigh. Ich glaube aber sehr wohl, dass es den nicht braucht, solange über Finanzkrieg genug abzugreifen ist.

        • picard2606 sagt:

          Hmm, ich glaube nicht, das da irgendwer in seinem Kämmerchen wirklich einen innereuropäischen Krieg plant. Er ist wie gesagt auch gar nicht nötig. Das, was man im Irak und Afghanistan mit Raketen erreicht hat, war in Europa mit dem Gespenst der „Schuldenkrise“ möglich – ein dauerhaft instabiler Zustand als Grundvoraussetzung für neoliberale „Reformen“.

          Ich glaube allerdings schon, das am Ende der „kalten“ Gewalt gegen die Zivilgesellschaft eine „heiße“ Phase stehen wird, bei der allerdings nicht Nationen gegeneinander kämpfen, sondern die 1%, die bis dahin wahrscheinlich auch die Sicherheitskräfte „besitzen“, gegen die restlichen 99%. Man braucht nur die historischen Beispiele aus Südamerika zu nehmen (Chile), dann kann man dunkel ahnen, wohin wir im Moment steuern.

          NOCH sind es „nur“ Gummigeschosse und Wasserwerfer.

          Woran ich (leider) den Glauben verloren habe, ist ein gutes Ende.

  5. Johannes Eber sagt:

    Der „IWF“ war schon immer der Handlanger des Imperialismus.

  6. ThW sagt:

    GUTEN TAG,
    About Spain:
    All Spain has seen is a Bank Facility MoU (just like Greece)
    Has the Span.Gov. SIGNED the EFSF loan facility??? (in Greece no one has seen it SIGNED)-(see below)
    If not, how will they get 30bill. without a signed contract??
    If not, doesn\’t it meen that a State receives black money? from EFSF laundrymaschine? (like Greece)
    http://olympia.gr/2012/07/20/%ce%b1%ce%bd%cf%85%cf%80%cf%8c%ce%b3%cf%81%ce%b1%cf%86%ce%b5%cf%82-%ce%bf%ce%b9-%ce%b4%ce%b1%ce%bd%ce%b5%ce%b9%ce%b1%ce%ba%ce%ad%cf%82-%ce%bc%ce%b5-efsf/
    Please translate and read it very carefully. Hier in greece noone speaks about it, noone gives or has seen the documents SIGNED.

    Thank you,
    ThW

    • aus Madrid sagt:

      Hello, ThW : )

      Many thanks for your indication. No one has been asked to sign this kind of „financial“ future but laws to act in such an evil way have been pushed through/ established (for the financial religion – created.) It is no longer built upon „our“ democratic structures.

      The translation (google) of the link you posted in Greek Language shows how it works out.
      They know the damage they cause with such decisions and continue doing it with as many countries as needed to engrow/ save their capital.
      Die griechische Konovoulio hat diese EFSF Darlehensvertrag mit dem Gesetz Nr. 4046 genehmigt und Vollmacht gab Darlehensverträge unterzeichnen und aktualisieren das Haus mit N 4060.

      N bezieht sich auf 4046: Artikel 1, ¨ Beschaffung Plan Approval Finance Facility …
      Gesetz Nr. 4046 14/2/2012

      Just as it says in some comments above, the rulers over the world/ the globe/the global and the few powerful, rich full of power, these two forces work together imposing new tactics – war strategies?

      Only a united EU of the people can stand against these practics and change the direction of common politics for the peoples‘ common wealth again.

      Do you understand German? To answer you in German Language.

      Greetings!

      • ThW sagt:

        The advance fee was in securities = debt=bond efsf. we borroed debt and not cash or cov.quarantee.
        Borrowing in securities-debt efsf, is not provided in lows 4046/4060. And also, the loan contracts never passed in the members of the parlliament.
        If it was singed then the amounts would be data an the cost of borrowing countable. Now it’s not.
        You have NO idea what it going on here in greece. we are close to 3000 suicides. New measures are on the way. Confiscation in everything you have. Privatisation of everything.
        They are all criminals.
        Thank you again.
        ThW

      • aus Madrid sagt:

        ThW, exactly as you say: They are criminals! They are leading us to poverty and to death!
        The suicides you mention are upon their responsability and they respond? Yes, they do! With more austerity measures.

        As Greeks put on the Acropolis not long ago: People of Europe – Rise Up!

        We must open our eyes, our mouths and our hearts and organize to stop this, the sooner, the more, the better! Movements such as 15M, Occupy, Real Democracy, are a hope.

        Is anybody in Sylt on Monday?

        Greetings and hope to Greece!!!

  7. Helmut Josef Weber sagt:

    Vielleicht auf 25%, dann kann der kleine selbstständiger Handwerker schneller dem Kunden ein Angebot machen, was er einspart, wenn er ohne Rechnung zahlt.
    Wer seine Wohnung renoviert, kann dann entweder 2.000,00 Euro ohne Mwst. oder 2.500,00 Euro mit MwSt. zahlen.
    Da Steuerhinterziehung (unter 100.000,00 Euro im Jahr) in Spanien keine Straftat ist, sondern eine Ordnungswidrigkeit, kann auch der Aufruf bzw. die Frage zur Steuerhinterziehung nicht strafbar sein.
    Nur die Frage: „Geht es auch ohne MWST“ kann in Deutschland 1 Jahr Gefängnis einbringen.

    Viele
    Grüße
    H. J. Weber

    • aus Madrid sagt:

      Steuerhinterziehung ist in Spanien für den „kleinen“ Steuerhinterzieher ob bewusst gewollt oder wegen Bildungsdefiziten in Sachen Steuererklärung verheerend, denn er wird verfolgt und mit Geldstrafen so überhäuft, dass er nicht mehr geradeaus gehen kann.

      1 unbeantwortetes Einschreiben (was einer eingehenden Sprachanalyse bedarf) = ca. 270€

      Um Geld einzunehmen, schaut die Behörde in Tabellen im Computer und schickt dann Einschreiben in dieser unverständlicher Sprache an die Leute, die sich keinen Steuerberater leisten können. Wenn dann diese Leute versuchen sich selber darum zu kümmern, begehen sie Fehler mit allen Möglichen Dingen, Fehler, die zum Teil als „Schwere Gesetzeswiedrigkeit“ verfolgt werden, also mehr Geldstrafen und für die Behörden mehr Einnahmen bedeuten.

      Es ging Anfangs zum Beispiel um die 3 Monate nicht bezahlte Mietsteuer eines 200m2 Ladenlokals (Steuer ca. 800€ für 3 Monate) und kostet ausser Kraft, Zeit dann noch die wuchernden Zinsen der Schulden + eine auch wachsende meiner Meinung nach übertriebene Geldstrafe.

      Die angemessene Inkompetenz der Behörde dem willigen Bürger zu helfen diese Steuern korrekt zu bezahlen, anstatt ihn mit Geldstrafen und Einschreiben zuzuhäufen, in der Hoffnung die €uros einfordern zu können, zerstören das Steuersystem, fördern den Schwarzmarkt und erlauben es dann, den ganz grossen Steuerhinterziehern, sich herrlich mit einen Steuerhinterzieherberatungsteam aus den Abgaben zu schleichen.

      Es werden dann noch Gesetze durchgedrückt, die den ganz grossen Steuerhinterziehern, die mit deren Beitrag man hier die Kasse des Gemeinwohls locker wieder füllen könnte, die Rezension stoppen könnte usw…, die die bekommen eine Amnestie, wenn sie ihre Sünden beichten.
      Und noch eine Feinheit: Bei Bürgern gelten Fehler als Gesetzesbruch = Geldstrafe. Wird die Geldstrafe nicht bezahlt, ist die Behörde befugt, über Geldkonten zu verfügen, das Geld auf den Konten zu beschlagnahmen. Begeht die Behörde einen Fehler, bleibt es dann bei „Entschuldigen Sie bitte, es ist uns ein Fehler unterlaufen, wir bitten um Ihr Verständnis.“

      Gut gemacht.

      … (Quelle: Beamte der Steuerbehörde, diverse Steuerberater, angeregte Gespräche mit Betroffenen.)

      • uhupardo sagt:

        Es muss, im Zusammenhang mit der Mehrwertsteuer, unbedingt ein Zusammenhang erklärt werden, der viel zu wenig bekannt ist.

        Über viele Jahre fanden viele, sehr viele wirtschaftliche Transaktionen in Spanien schlicht ohne Rechnung statt. Die Schattenwirtschaft war enorm gross, die offiziellen Wirtschaftszahlen entsprechend schlecht.

        Das änderte sich um die Jahrtausenwende ganz schnell und für Aussenstehende unvorstellbar rasch und drastisch. Plötzlich hatte Spanien enorme Steigerungsraten, die Wirtschaft brummte, das Land wurde zum ökonomischen Musterschüler Europas. Doch wie kam das zustande, was war passiert?

        Die hauptsächliche Erklärung heisst schlicht „Módulos“.
        Die Regierung hatte ein Einsehen und sagte sich: In Spanien gibt es unglaublich viele Leute, die keine Steuern zahlen, weil einfach alles ohne Rechnung bzw. Quittung läuft, um die zu hohen Steuersätze zu umgehen. Das müssen wir jetzt ändern.

        Man erfand also die sogenannten „Módulos“. Das bedeutet: Wenn jemand eine Bar oder ein kleines Restaurant anmeldete, wurde ihm angeboten, eine vorher festgelegte Pauschalsteuer (Módulo) zu zahlen oder eine normale Buchhaltung zu betreiben. Das Módulo hatte enorme Vorteile. Man zahlte pauschal einen sehr erträglichen Betrag alle drei Monate und war alle Verpflichtungen los. Quittungen und Rechnungen musste nicht bearbeitet, abgeheftet und aufgelistet werden, der ganze bürokratische Kram entfiel.

        Ergebnis: Der Staat gab sich im Normalfall mit einem geringeren Betrag zufrieden (gegenüber normaler Buchhaltung) – die kleinen Unternehmer hatten keine Arbeit damit und fühlten sich nicht ausgesaugt. Also sagten sie sich: Warum denn nicht? Wenn es so ist, dann bin ich lieber legal und angemeldet, zahle einen erträglichen Betrag und muss nicht mehr tricksen. So dachten Tausende und kamen aus der Schattenwirtschaft heraus.

        Der unglaubliche Aufstieg der spanischen Wirtschaft war also vor allem dem geschuldet: Die Schattenwirtschaft kam freiwillig an die Oberfläche und zahlte Steuern, weil jeder das Modell als vernünftig ansah. Die Steigerungsraten des spanischen Bruttoinlandsprodukts lösten international Erstaunen aus. Da wurde aber nicht so viel mehr erwirtschaftet sondern aus Schwarz wurde einfach Weiss.

        Jetzt hat sich die Tendenz umgekehrt, natürlich hat sie das! Die Regierung Rajoy hat für viele Berufszweige die Módulos abgeschafft und normale Buchhaltung zur Pflicht gemacht. Das können viele kleine Unternehmungen gar nicht verkraften. Wenn ich also bei den gegebenen Steuersätzen nicht rentabel arbeiten kann, dann eben wieder schwarz, sagt man sich. Dazu kommt die 21 Prozent gestiegene Mehrwertsteuer: Ein Grund mehr, wieder in die Schattenwirtschaft abzuwandern, das haben wir lange genug geübt, das können wir.

        DAS war der Hauptgrund für den international bestaunten spanischen Aufschwung – und DAS ist der Hauptgrund für die ab jetzt (wieder) massiv wegbrechenden spanischen Staatseinnahmen.

        Die Massnahmen von Rajoy zeigen nur, wie wenig er sein schon immer subversives Land kennt. Egal, was seine Regierung beschliesst, die Bevölkerung weiss ganz sicher damit umzugehen. Schon lange.

      • Helmut Josef Weber sagt:

        Ja- vollkommen richtig, selbst das Auto kann vom spanischen Staat mit einer Hypothek belastet werden, die dann auch auf den Käufer übergehen.
        Aber man kann sich darauf einstellen.
        Ich habe ganz legal mein Geld in der Schweiz und in Österreich, das ist alles kein Geheimnis.
        Und wenn ich meine kostenlose easybank Visa Karte in Spanien in den Automaten stecke, bekomme ich von der Bank Geld, auf die der spanische Staat keinen Zugriff hat.
        Ich müsste erst in Spanien rechtskräftig verurteilt sein, dann könnte auch der spanische Staat mein Konto in Österreich beschlagnahmen; aber dann wäre das Geld schon lange woanders.
        Ich wohne seit etwa 12 Jahren in Spanien, habe kein Konto, keinen Handyvertrag, kein Auto, kein Grundstück, kein Haus; das hat alles meine liebe Frau, und wir haben Gütertrennung.
        Man könnte meiner lieben Frau alle Sachen wegnehmen, die sie in Spanien besitzt, aber nicht unsere Existenzgrundlage, denn die lagert im Ausland.
        Wer als Deutscher in Spanien wohnt, sollte sein Geld nicht in Deutschland oder Spanien haben.
        Und das hat alles überhaupt nichts mit Steuerhinterziehung zu tun.
        Ich hinterziehe keine Steuern und ich trickse auch nicht.
        Man muss sich nur mal das Doppelbesteuerungsabkommen durchlesen, das zwischen Spanien und Deutschland abgeschlossen wurde.
        Ich meine, keiner von uns zahlt freiwillig mehr KFZ Steuer als es sein muss.
        Warum sollte ich freiwillig mehr Einkommenssteuer zahlen?
        Gut- wenn der spanische Staat von mir richtig Steuern haben wollte, dann müsste er z. B. auf den Kauf von physischem Gold MwSt. erheben; das machte schon mal etwa 20% Steuern.
        Dann müsste der spanische Staat auf die Spekulationsgewinne mit physischen Edelmetallen Einkommensteuer berechnen, das machte schon mal etwa 45% Steuern.
        Dann müsste der spanische Staat auf die Kapitalerträge von Lebensversicherungen, Steuern erheben; das machte schon mal etwa 45% Steuern.
        Warum tut er das denn nicht???
        Deutschland übrigens auch nicht.
        Warum nicht?
        Meine liebe Frau und ich gehören zu den wenigen Deutschen, die sich in Spanien ganz offiziell angemeldet haben (auch mit der grünen Residentenkarte) wir zahlen Krankenkassen- und Rentenbeiträge, wir habe unsere beiden Rottweiler als gefährliche Tiere angemeldet, mit den dazu notwendigen Versicherungen, wir gehen zu den ärztlichen Untersuchungen , die für den Führerschein notwendig sind, wir haben unseren Helfer für Haus, Garten und Pool ganz offiziell angemeldet und zahlen dafür auch einen Teil der Sozialversicherung, und wir zahlen für das was in Spanien steuerpflichtig ist, Einkommenssteuer.

        Viele Grüße
        H. J. Weber

  8. Johnsen sagt:

    0% MwSt. -> keine Einnahmen
    5% MwSt. -> geringe Einnahmen
    10% MwSt. -> Einnahmen steigen
    15% MwSt. -> Maximum ist erreicht
    20% MwSt. -> Einnahmen sinken
    25% MwSt. -> Einnahmen fallen stark
    30% MwSt. -> Aufruhr und Bürgerkrieg

    Jeder der nur etwas Ahnung von Wirtschaft hat, sollte wissen, dass wenn die MwSt zu hoch gesetzt wird die staatlichen Einnahmen wieder sinken werden.
    Zu hohe Steuer bewirkt also genau das Gegenteil was der Staat eigentlich wollte.
    Dies lässt sich mit Computersimulationen eindeutig beweisen.
    Nur Vollidioten würden die MwSt. erhöhen wenn dadurch die Einnahmen sinken weil die Wirtschaft den hohen Geldabfluss nicht tragen kann.

    Ich glaube fast Solveigh Calderin hat Recht:
    „Die wollen (nicht nur) Spanien völlig destabilisieren. Krieg ist das Ziel“

  9. flurdab sagt:

    Es geht doch nicht um die Menschen, es geht immer nur um die Märkte.
    Ich habe vor wenigen Monaten noch täglich mit dem Zusammenbruch des Euroraums gerechnet, mittlerweile weiss ich, dass der noch lang auf sich warten lässt. Es ist noch soviel Geld abzugreifen, dass die Herren Investoren und Spekulanten immer weiter machen.
    Und die gehen über Leichen!
    Genauso wie ihre Helfer aus der Politik.

    • ThW sagt:

      (transl)…Greece’s former representative to the IMF, Panagiotis Roumeliotis, stated , a few days ago: „We knew from the beginning that this program could not be implemented because we had nothing, but nothing, successful example … the troika underestimated the negative effects that the medication had the Greek economy … the biggest problem is that large cuts helped descending spiral decimating the economic demand in Greece …“
      Prime Minister (George Papandreou), the governor of the Bank of Greece (Provopoulos) and the representative of Greece to the IMF (P.Roumeliotis) knew that lead to Greece and yet did so contrary to its interests.
      We are still waiting the procecutor…and waiting …and waiting.
      ThW

  10. Ramón Rodríguez sagt:

    H. J. Weber, das Thema ist hier (glaube ich) „IWF verlangt von Spanien …“ und nicht etwa „die Steuer-Befindlichkeiten deutscher Residenten in Spanien“.

    Der IWF hat schon mehr als ein Land zugrunde gerichtet. Wann wird endlich klar, dass man genau das Gegenteil davon tun muss, was der IWF empfiehlt?

  11. […] Sie dazu auch: * IWF verlangt von Spanien weitere MwSt.-Erhöhung in 2014 Bewerten:Share this:TwitterFacebookDiggLinkedInRedditStumbleUponE-MailDruckenGefällt mir:Gefällt […]

  12. […] viaIWF verlangt von Spanien weitere MwSt.-Erhöhung in 2014 « uhupardo. Share| Juli 29, 2012 at 8:55 pm by admin Category: Spanien […]

  13. Andreas sagt:

    Krieg ist die fortsetzung der politik mit anderen mitteln ( v. Clausewitz )

  14. geno sagt:

    europa und usa bräuchten dringend ein trennbankensystem !
    “kastrierte politiker haben aber keine eier in der hose !”

    wir müssen wahrscheinlich das investmentbanking vom bankgeschäft trennen. die prinzipien des trennbankensystems waren in den europäischen staaten bis anfang der 80er jahre in form strikter regulierungen gültig. diese sorgten, dass der bankensektor vornehmlich den charakter von industriebanken besass und ein zugriff auf private spareinlagen zum zwecke riskanter spekulationsgeschäfte (zockeraktivitäten) unmöglich war.

    die geschäftsbanken müssen unter staatlichen schutz gestellt werden, die investmentbanken aber müssen künftig ihre bilanzen selber ohne die hilfe von steuergeldern in ordnung bringen, was praktisch bedeutet, dass toxische papiere in billionenhöhe abgeschrieben werden müssen, selbst wenn dies zur insolvenz der banken führt.
    http://genoland.wordpress.com/2012/07/30/euro-rettung-durch-trennbankensystem/

  15. aus Madrid sagt:

    Es hat zwar nicht direkt mit der Erhöhung der MwSt zu tun, aber doch mit Staat, Recht und Finanzen.

    30.07 – wird bekannt:
    Die Anklage gegen die von Herrn Generaldirektor Rodidro Rato eingerenkten Praktiken des Finanzinstituts(?) Bankia – wurden von der Staatsanwaltschaft und Richter Andreu nicht zu einem Verfahren zugelassen. Beim Zentralen Gerichtshof ?/ (Audiencia Nacional)

    Der Richter, Herr Andreu vermerkte, dass „es sich um eine waghalsige Massnahme handele, die die nationale Ökonomie einem Risiko aussetze.“ (Bitte öfters lesen)

    Herr Rodrigo Rato stammt aus einer interessanten Familie in Asturien, (Spezialisiert auf Minen – und Finanzwesen) Er war Generaldirektor des IWF für Spanien (Mai 2004- Juli 2007) und Direktor der Sparkasse Caja Madrid im Dezember 2010 bis Mai 2012, da hieß es schon Bankia, ein Amalgam aus Sparkassen und war durch seine Tätigkeit auf dem Aktienmarkt gelangt. )

    Die Anklage wurde vom 15M #15MpaRato (in Twitter) eingeleitet, die über „crowdfunding“ einen Anwalt engagiert hatten.
    Auch eine Partei (UPyD), so wie eine auf rechtliche Angelegenheiten spezielisierte rechtsradikale Organisation (Manos Limpias), reichten mit ähnlichen Vorhaben Anklagen gegen die Vorsitzräte von BFA (Finanz-und Spaarkasse) und Bankia ein. Letztere hatte den Richter Garzón vor nicht sehr langer Zeit angeklagt in zwei polemischen Fällen.

    Heute Morgen sitzen Finanzminister in Sylt beisammen, am Nachmittag dann EuroBankdirektorentee in Frankfurt.

    Und so nebenbei bemerkt: Es liegen Frachter des Holding Goldmann Sachs in Asturien, im Hafen El Musel, voller gekaufter Kolumbianischer Kohle und warten auf den zukünftigen, profitversprechenden Markt für Kohle!

    Es sollte brennen, ja. Aber auch das haben die Herrschenden in der Hand und lassen das Feuer kontrolliert und jubelnd und beklatschend nach London tragen.

  16. Don Furioso sagt:

    Uhupardo, ich finde die Bemerkungen um den Modulo sehr wichtig – es wäre sogar einen ganzen Artikel wert! Wie groß war die Rolle der Bauwirtschaft wirklich? Wie stehen die Menschen zu ihren kommunalen Politikern?

    • uhupardo sagt:

      „Uhupardo, ich finde die Bemerkungen um den Modulo sehr wichtig – es wäre sogar einen ganzen Artikel wert!“

      Für ganz wenige Leser wahrscheinlich, vermute ich zumindest.

      Wie groß war die Rolle der Bauwirtschaft wirklich?

      Gross genug, um zu belasten. Aber nicht so gross, wie das oft dargestellt wird. Ich lese viele Artikel, die Spaniens Probleme auf die Bau-Blase reduzieren wollen. Das ist so simpel, dass man nicht viel nachdenken muss beim Schreiben, wenn man nichts von der Sachlage versteht, aber eben zu simpel, wie so oft. Richtig ist, dass die Banken über Jahre masslos und hemmungslos Kredite an Gott und die Welt ausgeteilt haben (solange eine Lohnabrechnung vorgelegt werden konnte, egal wie hoch). Aber eben nicht nur für Immobilien. Nun wäre es ja keineswegs das Problem, wenn die Immobilienpreise (endlich) wieder auf ein vernünftiges Niveau sinken würden. Das einzige Problem besteht darin, dass die Immobilien mit Fantasiewerten in den Büchern der Banken stehen, weil jederdavon ausgegangen ist, dass die Preise endlos weitersteigen müssen (was für ein Unsinn eine solche Annahme ist …).

      Wie stehen die Menschen zu ihren kommunalen Politikern?

      Das lässt sich so einfach nicht beantworten. Ich denke an eine Gemeinde, die denselben Bürgermeister seit 25 Jahren hat und als meine Mustergemeinde gelten kann, einfach super organisiert und sehr, sehr schön. Da lieben die Leute ihren Gemeindevorstand aus verständlichen Gründen. Gleich nebenan liegt eine Gemeinde, von deren 20 Stadträten schon 11 wegen Korruption in Untersuchungshaft waren; da ist die Lage natürlich konträr. Wie überall also: Es hängt von Personen, Charakteren und Verhaltensweisen ab.

      • Don Furioso sagt:

        „Das ist so simpel, dass man nicht viel nachdenken muss beim Schreiben, wenn man nichts von der Sachlage versteht, aber eben zu simpel, wie so oft. “ Ja, leider.
        „Das einzige Problem besteht darin, dass die Immobilien mit Fantasiewerten in den Büchern der Banken stehen, weil jederdavon ausgegangen ist, dass die Preise endlos weitersteigen müssen“. Das Problem ist, dass wir, das Volk für diese grobe Fehlkalkulation der Banken, vorallem der deutschen und französischen Banken) geradestehen müssen. Was ich an Ihrer Bemerkung mit dem Modulo so interessant finde, ist dass hier wie so oft mit zweierlei Maß gerechnet wird. Große Konzerne zahlen wenig steuern, weil sie ja „für Arbeitsplätze sorgen“, aber die vielen kleinen Betriebe und Einzelhaushalte sollen gefilzt werden?

        • uhupardo sagt:

          Die (teilweise) Abschaffung der Módulos in manchen Berufszweigen und Einschränkung in anderen ist die falscheste Entscheidung der Regierung Rajoy bisher und wird sich bitter rächen. Bisher haben sich viele gesagt „Na gut, 600 Euro Steuern alle drei Monate zahle ich gerne und bin damit legal, muss nicht tricksen“, aber ohne Módulos müssten Sie vieleicht 2.000 zahlen, was der kleine Betrieb gar nicht hergibt. Damit wird ein wahrnehmbarer Batzen wieder in der Schattenwirtschaft versinken und der Staat bekommt gar nichts – oder eben genau so viel wie er von den grossen Konzernen bekommt, die sich ein Grundstück schenken lassen, um danach sieben Jahre von der Körperschaftssteuer befreit zu werden, weil man so dankbar ist, dass das Unternehmen nicht die Nachbargemeinde gewählt hat.

      • aus Madrid sagt:

        Doch, doch, Uhupardo!

        Danke für die Auslegung Deiner „Steueranalyse“ und Gedanken dazu !
        Das ist nämlich eine Version, die ich „noch nie“ gehört weder gelesen hatte.
        Zunächst war ich ziemlich baff und musste hinterher-denken ; )

        „Der unglaubliche Aufstieg der spanischen Wirtschaft war also vor allem dem geschuldet: Die Schattenwirtschaft kam freiwillig an die Oberfläche und zahlte Steuern, weil jeder das Modell als vernünftig ansah. Die Steigerungsraten des spanischen Bruttoinlandsprodukts lösten international Erstaunen aus. Da wurde aber nicht so viel mehr erwirtschaftet sondern aus Schwarz wurde einfach Weiss.“

        Mit erstaunen erfahre ich, dass der Wirtschaftsboom Spaniens doch nicht hauptsächlich an der Geldpumpe EU, dem Bauboom und der steigenden Konsumfreudigkeit, weil Kaufkraft da, lag, sondern auch an einer Änderung in der Art und Weise Steuern zu bezahlen, einzunehmen und zu verwalten.

        Nun liegt ein neuer Fiskalpakt auf dem Tisch, der nichts weiteres bringt als Zwist und Streit zwischen den „Autonomien“ /Bundesländern, um an Geld zu kommen. Sie dürfen es sich dann aus dem grossen neuen Topf borgen. Ein Finanzgeschäft.

        Die letzen Änderungen, Reformen, werden unter einem solchen Drängen zur Eile durchgeführt, dass die notwendige Zeit für Analyse und Debatte nicht gegeben ist. Die Taktik ist gut, wenn man es schon mal durchgedrückt hat, dann ist ein Zurück mit ungemeinem Aufwand verbunden. Kluge Köpfe sind dann lange dort beschäftigt, dort in der Vergangenheit und nicht da, wo erneut die Hebel angesetzt werden zum Richtungswandel.

        – Die grossen Vermögen, sind Dank der Eingriffe in die Fiskalverwaltung der letzten beiden Regierungen, insbesondere der Jetzigen, von Steuerabgaben nun erheblich befreit worden, begünstigt und bedient worden. Niemand bedient jemanden nur so weil ja, ohne Profit zu bekommen. Wo liegt also der Profit für diese Diener? Ein Stückchen Kuchen vielleicht?

        Also wenn der Boom mit dem Steuerwesen zusammenhängt, dann ist da auch etwas zu unternehmen. Nicht jedoch die Kurbel der MWsT mehrmals! betätigen, was einem Erstickungseffekt bei einem grossen Teil der Bevölkerung auslöst, sondern diese weltweit „versteckten“ Geldbarone aufsuchen, an den Ohren herbeizuziehen und dazu zu bringen, von ihrem „erwirtschafteten“ Vermögen, zumindest die für den Rest der Bevölkerung gesetzlich gültigen Steuerabgaben einzufordern.
        Das Gemeinwohl sollte ein weltweites Gemeinwohl sein.

        Kommen doch den Nachrichten nach auf internationaler Ebene alle naslang Menschen und Experten dafür zusammen, an den exotischsten Orten. Mit Steuergeldern finanzierte Treffen.
        Letztens in Rio für die Vermarktung der Natur oder wie es auch hiess, die Umwelt und eine grüne Ökonomie; wenige Monate davor in Marseille, um die Wasserversorgung (für wen?) zu organisieren, auch die NATO hatte sich getroffen in Chicago, für die Sicherheit. (Die Sicherheit von welchen/ wem?) Und gestern zu zweit in Sylt auf internationaler Ebene um den Euro zu retten. „Sind sie noch zu retten?“

        Die Leute wollen Steuern für ihr Gemeinwohl zahlen, dieser Prozess muss einfach und nachvollziehbar gestaltet sein. Nachvollziehbar heisst, ich weiss wohin mein Steuergeld geht und in einer demokratischen Gesellschaftsorganisation, sollte es mindestens wählbar sein, wohin man seine Beiträge fliessen lassen will, welche Projekte man damit fördern will.

        Mit den neuen Massnahmen, wird das Steuersystem und damit auch das Gemeinwohl geschwächt und undurchschaubarer als bisher.

        Wer zahlt gerne Steuern irgendwo hin, wenn plötzlich kein Geld mehr da sein soll für Altersheime, wie es in Katalonien jetzt geschieht. Der Monat Juli wird nicht ausgezahlt, das erleiden ca. 30.000 direkt Betroffene EU-Mitbürger.
        Wo mit all den Massen irren und wirren Gouverneuren und Gouvernanten hin, wenn die Psychiatischen Anstalten geschlossen werden?
        Denn ich schaue zuversichtlich auf viele Bewegungen und Ideen für die Zukunft.

        Es gibt ein Dorf in Südspanien, dessen Bürgermeister Herr Sanchez Gordillo bekennender und stolzer Kommunist ist.
        Kommunismus ist ja ein sehr belastetes Wort. Eins ist aber klar in dem Dorf. Die Politik wird für das Gemeinwohl eingesetzt und von der Gemeinde mitbestimmt.

        Interessant ist es allemal sich dort mal anzuschauen, wie die Gesellschaft organisiert ist. Es hängen keine Zahlreichen pompös gerahmten Bilder des Bürgermeisters herum,… nur eine Wand der Sporthalle ist mit Che Ge gestaltet.
        Ansonsten hat jede in dem Dorf angemeldete Person, die Möglichkeit sich für einen vernünftigen Preis und mit ihrer Arbeit eine Wohnmöglichkeit zu erwirtschaften.
        Auf dem Rest der Halbinsel und Inseln geht das nicht, ohne sich bis in’s hohe Alter und manchmal sogar bis in die nächste Generation hinein mit einer Hypothek zu verschulden.
        Hier die offizielle Seite des Dorfes.
        http://www.marinaleda.com

        Einen schönen Dienstag wünsche ich allen Uhupardogästen und besonders dem Gastgeber! : )

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