„The Only One“ sollte einfach den Schnabel halten und seinen Job machen

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In England – entgegen vieler Legenden – konnte er nichts dafür. Damals, ganz am Anfang bei Chelsea, sagte er auf eine Journalisten-Frage, er sei „ein spezieller Trainer“ – und bekam daraufhin prompt von der Presse „The Special One“ umgehängt. Jetzt ist es anders: Der jüngste Anflug von Grössenwahn ist auf höchst eigenem Mist gewachsen. José Mourinho, dem das Sprungbrett Real Madrid gerade recht kam, um der erfolgreichste Vereinstrainer zu werden, ist offensichtlich nach zwei Spielzeiten immer noch nicht klar, wo er gelandet ist.

In einem Interview mit dem portugiesischen TV-Sender SIC liess der Trainer von Real Madrid diese Perle vom Stapel: „Ich bin der einzige Trainer oder Spieler, der die drei wichtigsten Ligen der Welt gewonnen hat. Ob es den Leuten also gefällt oder nicht, statt „The Special One“ sollte man beginnen, mich „The Only One“ zu nennen, bis es jemand schafft, in Italien, England und Spanien die Liga zu gewinnen, wie ich sie gewonnen habe.“

An seinen Erfolgen mag niemand zweifeln. Die hat Michael Phelps auch. Allerdings poltert der Schwimmstar sein überdimensionales Ego nicht so durch den Porzellan-Laden, wie es José Mourinho tut sondern bleibt bescheiden vor den Mikrophonen, lässt sich lieber von anderen loben, als sich selbst auf´s Podest zu stellen. Intelligenzfrage vermutlich oder Charakterfrage – oder beides? Sein späterer Satz im selben Interview klingt da wie glatter Hohn: „Nachdem man praktisch alles gewonnen hat, wird man mit der Zeit weniger egoistisch und weniger egozentrisch.“

Mourinho kann noch drei Titel mit Real Madrid gewinnen. Er wird immer ein Fremdkörper in Spaniens Hauptstadt bleiben und den Verein verlassen, bevor er gelernt hat, wo er angekommen war. Denn dort ist es seit einem Jahrhundert eine Sache, erfolgreich zu sein – und eine ganz andere, der Welt prahlerisch das eigene überdimensionierte Ego aufdrängen zu wollen.

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23 Kommentare zu “„The Only One“ sollte einfach den Schnabel halten und seinen Job machen

  1. kingkenny7 sagt:

    Es gibt sicher auch nicht gerade viele Trainer, die überhaupt Jobs in den drei wichtigsten Ligen hatten und das muss nicht immer an mangelnden Angeboten gelegen haben. Mit Chelsea, Inter Mailand und Real Madrid die Meisterschaft zu gewinnen, ist auch nicht so eine ganz unmögliche Sache. Hätte er es mit Arsenal, Valencia und Neapel geschafft, wäre ich wirklich beeindruckt.

  2. heiner sagt:

    Wieso sollte er seine Genialität als Trainer nicht hervor heben? Neidisch Uhupardo? Denn so einen wie Mou gibts kein zweites Mal. Dagegen sehen doch wohl alle andere Trainer ( inklusive del Bosque ) blass aus. Ich erinnere nur daran, dass del Bosque im Ausland jämmerlich gescheitert ist und andere Typen wie Guardiola sich in die Hose machen.

    • uhupardo sagt:

      „Wieso sollte er seine Genialität als Trainer nicht hervor heben?“

      Man wird glücklicherweise dem weit überwiegenden Teil der Menschheit nicht erklären müssen, warum die EPP-Masche (Ego-Protz&Prahl) falsch ist, heiner. Dem anderen kleinen Teil, der genauso veranlagt ist, wird man es auch mit viel Aufwand nicht einmal erklären können, wenn man es versucht.

  3. almabu sagt:

    Jeder hat den Trainer den er verdient, bzw. den er zu ertragen bereit ist!
    Schätze daß, wenn man sich in Madrid je von ihm trennen sollte, man ihm noch einen ganzen Haufen Geld hinterherschmeissen muss?

  4. Santanderino sagt:

    Das ist mein Reden… Ich habe immer größten Respekt vor Real Madrid gehabt und trotzdem ich ein Culé bin , so manchen Europapokal-Abend mit befreundeten Madridistas mitgefiebert. Aber dieser Mann hat es geschafft, dass ich (und so geht es vielen Menschen in Spanien) Real vor Augen nicht mehr sehen kann. Trotz sportlicher Erfolge, denke ich, fügt Mourinho Real Madrid großem Schaden zu!

  5. ribi sagt:

    uhu: er wirkt, als sei er immer noch nicht inmmadrid angekommen! für mich passte er besser nach italien oder england- weniger nach spanien!

  6. El Bernabeu sagt:

    Ich finde an Mourinhos Aussage nichts verwerfliches. Erstens, ist es die Wahrheit und zweitens, lechzt doch die Öffentlichkeit nach solchen Persönlichkeiten. Ronaldo stellt auch gern sein Ego in den Vodergrund, Ussein Bolt spricht von sich selbst schon als Legende und Muhammad Ali zb. war früher das größte Großmaul überhaupt.
    Vermutlich hätten all diese Sportler niemals ihren Status erreicht, wenn sie bescheidene Duckmäuser geblieben wären.
    Nicht anders ist es bei Mourinho. Er ist nicht weniger als der beste Trainer der Welt. Also darf er sich ruhig auch mal selbst loben.

    • uhupardo sagt:

      Ist als Meinung eine mehr und damit akzeptiert. Es ist allerdings nicht so entscheidend, wie man in Wismar oder München darüber denkt sondern vorrangig, wie das in Spanien aufgefasst wird. Und hier ist die Sache – bis auf die kleine Mourinho-Hardcore-Community, die alles abnicken würde, was immer er sagt und tut – leider sehr klar und offensichtlich.

      • Ultrasur sagt:

        „Es ist allerdings nicht so entscheidend, wie man in Wismar oder München darüber denkt sondern vorrangig, wie das in Spanien aufgefasst wird.“

        Falsch Uhupardo ! Es interessiert keine Sau, was jemand in Salamanca oder Burgos oder Valencia über Mourinho denkt, denn die hassen Real Madrid so oder so. Und in Madrid wird Mou mittlerweile geliebt (selbst von den Ultras), ausser von ein paar Besserwissern, wie du einer bist. Geh mal lieber auf die Strasse und unterhalte dich mit den Leuten, als hier schon wieder so einen Quatsch über Mourinho zu schreiben.

  7. El Bernabeu sagt:

    Ich mag Mourinho sehr, gebe ich offen zu. Aber ich bin nicht total unkritisch ihm gegenüber. Wenn er aber 95% richtig macht und nur 5% falsch, dann sollte man gerechterweise nicht nur diese 5% an ihm kritisieren, sondern auch die 95% an ihm loben. Was er letzte Saison mit dem Gewinn der Meisterschaft geschafft hat, daß werde ich nie vergessen und ihm für immer dankbar sein. In über 38 Spieltagen das Jahrhundertteam aus Barcelona auf Platz 2 zu verweisen und nebenbei noch einen Tor- und Punkterekord aufzubauen, hätte ich vor einem Jahr nie und nimmer für möglich gehalten.
    Natürlich hat die Mannschaft selbst auch einen großen Anteil daran, aber ich behaupte mal, daß Mou einen nicht weniger großen Anteil daran hat. Er hat das Team zu einem verschworenen Haufen geformt, hat sich vor die Mannschaft gestellt, auch wenn sie schlecht spielte und hat der UEFA, Barca und den spanischen Medien ordentlich die Stirn geboten.
    Und er hat seine Kritiker lügen gestraft, die behaupteten, er könne nur unattraktiven Devensivfußball spielen lassen.
    Dafür hat er meinen vollen Respekt verdient.

    • uhupardo sagt:

      Das würde auch niemand anzweifeln, El Bernabeu. Wurde oft genug gesagt, geschrieben und anerkannt, auch wenn man die Prozentverteilung (95 – 5) sicher auch anders sehen kann.

  8. Paul sagt:

    Man kann Mou verteufeln und verdammen. Und er hat öfters mal einen „akuten Großkotz-Anfall“. 😉

    Aber im Unterschied zu anderen Trainern liefert er dann tatsächlich die Ergebnisse, die er lautpolternd auf Pressekonferenzen voraussagt. Deshalb ist er der einzige Trainer, der Ablösesummen wie Messi/Ronaldo kosten kann. Also viel Klappe und noch viel mehr dahinter. Mein Respekt.

    Das ist der große Unterschied zu einem Trainer bei uns, der uns Fans nur „Weltmeister der Herzen“ liefert, aber ansonsten nach 2 WM und 2 EM mit leeren Händen da steht. Dafür ist sein Werbegesicht Nivea-gepflegt. Also wer’s braucht…

  9. catalanfutbol sagt:

    Der Zusammenprall zwischen Casillas und Pepe war beängstigend. Das Endergebnis auch – zumindest aus Sicht eines Madriders!

    • uhupardo sagt:

      Ach was, „beängstigend“ sind neun Punkte hinter dem Ersten am Ende der Saison, nicht zwei am ersten Spieltag. 🙂 Gestern wollte der Ball nicht rein und in der ersten Hälfte war irgendwie noch Sommerturnier angesagt, so wie es aussah.

      Ausserdem ist hier der Titel falsch:
      „Özil zeigte sein grauestes Gesicht“

      Richtig lautet er: „Özil zeigte sein normales Gesicht, von dem es nur wenige Ausnahmen gibt“

  10. almabu sagt:

    Zitate, echte Brüller aus 60 Jahren Bundesliga-Geschichte, die ich auch den Real-Fans nicht vorenthalten will:
    http://einestages.spiegel.de/external/ShowAuthorAlbumBackgroundXXL/a25385/l0/l0/F.html#featuredEntry

  11. uhupardo sagt:

    Supercopa heute (die ich seit Jahren nur „Supersobra“ nenne). Der weitaus überflüssigste Titel der Saison und zum „Unzeitpunkt“ dazu. Mourinho bemüht sich öffentlich deutlich zu machen, wie unwichtig dieser Titel ist – und bereitet das Spiel seit Wochen viel intensiver vor als das CL-Halbfinale.

    • el Bernabeu sagt:

      Mourinho verzichtet heute immerhin auf Kaka, Sahin, Carvalho und Pepe.
      Also scheint ihm das Spiel nicht so wichtig zu sein.
      Ich sehe auch keine intensive Vorbereitung, oder wie meinen sie das?
      Wieso er auf Kaka verzichtet, versteh ich nicht. Er wäre heute gut zu gebrauchen.

      • uhupardo sagt:

        Von Mourinho sachliche Kriterien zu verlangen, heisst viel verlangen. Das ganz grundsätzlich. Pepe ist verletzt, kann also nicht spielen, Carvalho ist kaum eine Hilfe (und wohl auf dem Weg zu den Queens Park Rangers). Sahin – was soll man dazu noch sagen, was nicht bereits gesagt wurde? Abgesehen davon, dass er vielleicht schon morgen in Liverpool vorgestellt wird. Kaká zu Hause zu lassen, versteht kein Mensch. Wenn Özil einen seiner sehr üblichen Tage hat, wäre der Brasilianer dringend nötig.

        Gemeint war mit der Vorbereitung vor allem die Diskrepanz dessen, was Mourinho nach aussen und nach innen vermitteln will bzgl. der Wichtigkeit dieses Titels. Nur gut, dass uns die Supersobra schon immer restlos egal war. 🙂

  12. el Bernabeu sagt:

    „Supersobra?“
    Wie kann man dieses Wort ins deutsche übersetzen?

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