Die Schmutzkampagne gegen Günter Wallraff schadet uns allen

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Günter Wallraff wird aktuell als Denkmal aktuell kompromisslos demontiert. Nicht etwa deswegen, weil es wirklich jemand darauf anlegt, sondern schlicht deswegen, weil er die nächste Medien-Sau darstellt, die gerade durchs Dorf getrieben werden soll. Hauptsache Skandal mit prominenten Namen. Egal wie. Egal mit welchen Methoden. Und ganz besonders egal, was das Endergebnis der Kampagne ist. Durchaus möglich, dass Günter Wallraff persönlich einen Teil dieser Rechnung bezahlen wird. Sicher ist aber jetzt schon, dass alle diejenigen die Rechnung zahlen, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen und froh darüber sind, wenn Ausbeutung und menschenunwürdige Lebensumstände angeprangert werden.

Dieser Artikel, der ausdrücklich eine Verteidigung der Arbeit des Enthüllungs-Journalisten darstellt, wird viel Wirbel verursachen, das ist schon vor der Veröffentlichung klar. Er muss aber sein, um die Dinge endlich von zwei verschiedenen Seiten zu beleuchten nach allem, was ich in den vergangenen Tagen gelesen habe. Wenn dieser Text dazu beiträgt, der medialen Dreckschleuder-Kampagne ein wahrnehmbares Gegengewicht zu verpassen, ist das Ziel schon erreicht. Da ich mit Günter Wallraff zusammen gearbeitet habe und ihn seit etlichen Jahren kenne, darf ich mich dazu äussern – und ich darf ihn deswegen auch kritisieren innerhalb der Verteidigung seines Lebenswerkes.

Gehen wir also die Vorwürfe der Reihe nach durch. Zuerst und vor allem ist da der ehemalige Wallraff-Mitarbeiter André Fahnemann, der in seinem Blog im “Brief an Wallraff” seiner Enttäuschung Luft macht über die Zusammenarbeit. Weil er enttäuscht ist, hat er den Kölner Erfolgsautor jetzt angezeigt. Wallraff muss sich vor Gericht verantworten; er habe Sozialabgaben nicht gezahlt und Steuern hinterzogen, so der Vorwurf. Das mag sein oder nicht. Wer will schon entscheiden, was alles passiert ist in den vier Jahren, die Fahnemann für Wallraff gearbeitet haben will. Welche Versprechungen gemacht oder nicht eingehalten wurden. Sind Wallraffs Reportagen aus der Arbeitswelt nun weniger glaubwürdig, wenn er André Fahnemann wirklich schwarz bezahlt haben sollte, vielleicht sogar auf dessen eigenes Verlangen hin? Ganz sicher nicht.

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Fahnemann hat einen sehr konfliktreichen Lebenslauf, aus dem er kein Geheimnis macht. Und er ist masslos enttäuscht von Wallraff. Beides macht ihn als Zeugen nicht besonders glaubwürdig. Seine Vorwürfe beispielsweise, Günter Wallraff habe auf Schnorrer-Art Luxusartikel abgesahnt bei grossen Produktmarken, sind geradezu lächerlich. Der Kölner Autor würde so etwas nicht tun, lebt sehr bescheiden in Köln-Ehrenfeld, gemessen an seinem Erfolg. Er hat es nicht nötig, so etwas zu tun, und vor allem passt es überhaupt nicht in sein Persönlichkeitsbild. Wenn Fahnemann also behauptet, Wallraff habe ihn “veranlasst”, solche Schnorrer-Mails an bekannte Marken zu schreiben, ist das mit Sicherheit falsch. Ein bösartiger Versuch der Diskreditierung. Der ehemalige Mitarbeiter führt seinen privaten Rachefeldzug gegen den Mann, den er als Idol gesehen hatte, in dessen Nähe er unbedingt sein wollte.

Andere Vorwürfe Fahnemanns kann ich teilweise nachvollziehen. Wenn er Wallraff vorwirft “Du verhältst dich ab und zu wie ein absoluter Egomane. Wenn du etwas willst oder brauchst, setzt du alle Hebel in Bewegung und alles und jeder muss sofort reagieren”, dann weiss ich, dass er Recht hat. Der Kölner Autor erwartet viel von seiner Umgebung, alles muss sofort passieren, Widerspruch verträgt er generell nur sehr eingeschränkt, andere Meinungen sind nicht besonders willkommen. Doch andererseits hat Fahnemann nach eigenen Aussagen vier Jahre lang für Wallraff gearbeitet, er hätte jederzeit gehen können. Auch hier also die Frage: Wenn Günter Wallraff als Person nicht perfekt ist – was er nie für sich selbst reklamiert hat -, wenn er Fehler hat wie Sie oder ich, entwertet das seine Enthüllungsgeschichten etwa? Ganz sicher nicht.

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Und dann gibt es da noch diesen anderen Vorwurf: Günter Wallraff leiste gar nicht alles selbst, was in seinen Reportagen vorkommt. Nun, das ist schlicht eine Tatsache. Ich weiss es deswegen so genau und kann es belegen, weil ich es bin, der den allergrössten Teil der Dreharbeiten mit versteckter Kamera für den Film “Bei Anruf Abzocke” geleistet hat. Über Wochen bei CallOn in Köln, wo obskure Lotto-Systeme verkauft wurden, und auch in einem anderen Call Center, in dem mit aggressiven Methoden Lose der Klassenlotterie per Telefon vertrieben wurden. Günter Wallraff hat dort nicht selbst gedreht, auch wenn er vorher kurz bei CallOn Probe gearbeitet hatte. Ich habe diese Bilder undercover gedreht, die Sie jetzt hier sehen können.

Doch Günter Wallraff hat es verantwortet, er hat mich dafür engagiert und hat mich vereinbarungsgemäss dafür bezahlt. Entwertet das sein Engagement? Hat es irgendetwas damit zu tun, dass die halbkriminellen und kriminellen Machenschaften vieler Call Center auf den Tisch gehören? Was ändert es, wer die Undercover-Arbeit in den Call Centern geleistet hat? Allein die Sache ist wichtig, die seriöse und couragierte Behandlung des Themas, das gesellschaftlich überaus relevant ist. Im Film geht Wallraff auf den Köln-Turm zu, wo sich das Call Center von CallOn befand, erweckt den Eindruck, er habe diese Reportage gedreht. Er war es nicht, ich war´s und bin dafür von Spanien nach Köln geflogen, habe wochenlang bei Günter Wallraff in Ehrenfeld gewohnt. Aber die unhaltbaren Geschäftsmethoden von CallOn waren in jedem Fall dieselben und nur darum darf es gehen.

Einen Vorwurf kann und darf man Wallraff trotzdem machen. Mir wurde zum Beispiel – von Günter selbst – fest versprochen, meinen Namen im Film wie auch im nachfolgenden Buch „Aus der schönen neuen Welt – Expeditionen ins Landesinnere“ zu erwähnen. Das ist nicht etwa nur die persönliche Eitelkeit, die hier bedient wird. Jemand, der aktiv an einer erfolgreichen Wallraff-Reportage mitarbeitet, gewinnt journalistisches Prestige und kann bei kommenden Projekten darauf verweisen. Das hat also eventuell auch geldwerte Vorteile. Am Ende erschien mein Name nicht. Nirgendwo. Das war nicht in Ordnung, hat mich menschlich enttäuscht, ich habe es entsprechend angesprochen. Wie ich weiss, bin ich nicht der einzige Wallraff-Mitarbeiter, der eine solche Erfahrung machen musste. Das ist natürlich ärgerlich für den Betroffenen, aber Wallraff duldet nun mal keine Götter neben sich. Grundsätzlich nicht. Nur sein Name darf stattfinden.

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Doch auch hier: Man kann das vielleicht als menschlichen Fehler einstufen, als Charakterschwäche. Es entwertet aber nicht die Arbeit, das Projekt an sich. Vor allem aber darf das auch nicht die Glaubwürdigkeit eines engagierten Enthülllungsjournalisten unterminieren, selbst wenn er in seinen Artikeln, Büchern und Filmen den (falschen) Eindruck erweckt, er habe das alles allein erlebt und gemacht. Wallraff ist nicht der Einzelkämpfer, er holt sich Hilfe da, wo er es aus verschiedenesten Gründen nicht allein kann. Und ja, er verschweigt danach auf unschöne Weise die Namen der Mitarbeiter, weil er es wohl nicht erträgt, den Ruhm teilen zu sollen. Das mag ihn nicht sympathischer machen, nimmt aber seinen Reportagen und ihren Aussagen kein bisschen Glaubwürdigkeit.

Ja, ich habe während der Wochen dieser Reportage auch mit dem Gedanken gespielt, eventuell weiterhin und mehr oder weniger ständig mit Günter Wallraff zusammen arbeiten zu können, weil seine Ziele und Reportagen genau die richtigen sind. Er hat es geblockt, wollte das nicht, das musste ich akzeptieren und habe es klaglos akzeptiert. Seine Entscheidung, die ihm zusteht. Er hat genug geleistet in den vergangenen Jahrzehnten, übernimmt genügend Verantwortung, um diesen Alleinstellungsanspruch vertreten zu können, ob das Herrn Fahnemann oder mir gefällt oder nicht.

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Günter Wallraff geht schon seit vielen Jahren mit einer langen Stange durch den Wald. Dabei ist es unvermeidlich, dass er an viele Bäume stiess. Wer sich mit Mächtigen und Reichen anlegt, wer sie entlarvt und bloßstellt, darf sich nicht wundern, wenn sie gegen ihn vorgehen. Das alles ist bis dahin beinahe unausweichlich und verständlich. Dass sich seine Gegner aus diesen Kreisen jetzt diebisch über den Gegenwind freuen, der dem Autor entgegen schlägt, ist wahrlich kein Wunder und auch noch verständlich. Mein Verständnis hört jedoch sofort auf, wenn verschiedene Medien Deutschlands jetzt die Dreckschleuder anschalten, um der puren Aufmerksamkeit, der Quote willen.

“Wallraff deckt auf” ist offensichtlich nicht mehr News genug; das kennen wir seit Jahrzehnten in unzähligen arbeitsintensiven und erfolgreichen Reportagen. Nein, jetzt muss Günter Wallraff demontiert werden. Nur das verspricht noch genug Aufmerksamkeit. Da wird ihm zum Beispiel vorgeworfen, er habe sich Blanko-Unterschriften von Zeugen seiner Reportagen auf eidesstattlichen Versicherungen geben lassen. Den Schluss daraus, diese Zeugenaussagen seien also wohl gefälscht, wird trickreich dem Leser überlassen, gesagt wird es nicht. Das ist infam, denn die Praxis, sich eine solche eidesstattliche Versicherung in der Hektik der Live-Situation einer Undercover-Reportage zunächst blanko unterschreiben zu lassen und später, mit Zeit und Ruhe, gewissenhaft den Text zu erstellen, der in jedem Fall mit dem Unterzeichner abgestimmt wird, ist üblich und zeugt nur von Sorgfaltspflicht und bewusstem Vorgehen.

Die Kampagne gegen Günter Wallraff darf nicht erreichen, dass seine so wichtige Arbeit, die über Jahrzehnte so wichtige Ergebnisse gezeitigt hat, in den Dreck gezogen wird. Der Kölner Journalist und Autor hat menschliche Schwächen wie jeder andere. Doch es geht nicht an, dass diese jetzt dazu benutzt werden sollen, sein Werk zu beschädigen, seine Glaubwürdigkeit angreifen zu wollen. Das wird der Sache erstens nicht gerecht und schadet zweitens uns allen, die wir uns eine gerechtere Welt wünschen und dafür eintreten, dass die Schwachen und Armen vor den Starken und Reichen geschützt werden müssen. Es braucht nicht weniger Wallraffs sondern viel mehr – mit allen ihren Fehlern!

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42 Kommentare zu “Die Schmutzkampagne gegen Günter Wallraff schadet uns allen

  1. picard2606 sagt:

    Lieber Uhupardo,

    vielen Dank für diesen mutigen Text. Selbst wenn manche Vorwürfe stimmen würden: es macht die Aufklärungsarbeit, die hier geleistet wurde und wird, nicht weniger wichtig und richtig, und die Sauereien, die hier aufgedeckt wurden, sind immer noch Kilometer größer als der Vorwurf der simplen Egomanie.

    Der Angriff gegen Wallraff dient nur dazu, alle sogenannten „Gutmenschen“ und „Kümmerer“ zu diskreditieren. Deswegen gilt auch hier „Empört euch!“

  2. Marcos sagt:

    Danke Uhupardo für diesen Blogbeitrag und Ihre Erklärungen.

    Dank dem qualikativ wirklich sehr, sehr hohen Niveau der MSM Berichterstattung hier in Deutschland seit langer Zeit, weiß ein Normalbürger inzwischen eigentlich nicht mehr, was er wirklich glauben darf und kann. Somit war Ihr informativer Beitrag sehr aufschlussreich.

    Dass Menschen nicht unfehlbar sind ist klar. Und / aber, dass hier eine `Sau eventuell auch zw. Ablenkung von anderen sehr viel wichtigeren Themen durchs Dorf getrieben wird ´ ist offensichtlich.

    Zitat: Es braucht nicht weniger Wallraffs sondern viel mehr – mit allen ihren Fehlern!

    Ich möchte mich diesem Gedanken anschließen.

  3. Teuguan sagt:

    Das demontieren erinnert mich spontan an Bernt Engelmann, dem man, allerdings nach seinem Ableben, das Ansehen und Lebenswerk durch angebliche STASI-Tätigkeit zerstört hat.

  4. […] diesem Link findet sich ein Artikel von Ricardon L. Nach Kritik an mich beschreibt er ein Thema welches mir […]

  5. fischi sagt:

    Gewisse Kreise werden sich da ins Fäustchen lachen.
    Ob die Vorwürfe haltbar sind, keine Ahnung, aber Wallraff sein Ansehen ist bestimmt beschädigt.
    Hier in dem Video beschuldigt Fahnemann den Wallraff.
    Ist für mich ein sehr unsympatischer Typ.

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/medien_politik_wirtschaft/wallraff157.html

    • uhupardo sagt:

      Aus diesem Link:
      „André Fahnemann: „Ich hatte bisher in der Öffentlichkeit kein Positiv-Image, weswegen es auch nicht schwerfallen wird, da jetzt ein Negativ-Image aufzubauen. Aber ich mach mir da auch nichts draus. Also meinetwegen kann das Image in der Öffentlichkeit schlecht sein. […] Ich denke mal dass sein Image dann wesentlich angeschlagener sein wird als meins.“

      Fahnemann bekommt seine zehn Minuten Aufmerksamkeit und fünf Minuten Ruhm. Danach ist er der Niemand, der er vorher auch war, kann sich damit trösten, ein bisschen Schaden verursacht zu haben. Hoffentlich hilft ihm das persönlich, denn mehr wird es nicht.

      Diejenigen, die sich seit Jahrzehnten mit den Wallraff-Reportagen befassen und innerlich dankbar dafür sind, dass wenigstens ein Teil Schmutz auf den Tisch kommt in der schönen neuen Arbeitswelt, dürften sich durch eine so offensichtliche Schmutzkampagne kaum beeindrucken lassen, wie auch die Kommentare hier zeigen.

      Fahnemann kann mir zur Not noch leid tun, wenn ich alles zusammen zähle. Für manche Medien, die jetzt vergnüglich das Wallraff-Fass aufmachen, habe ich Verachtung, aber kein Mitleid. Leider kenne ich die Zusammenhänge im Journalismus schon so lange, dass mich das alles kein bisschen verwundert. Deswegen dieser Artikel und die Aufforderung an die Leser selbst zu denken: Nur nicht beeindrucken lassen von der medialen Dreckschleuder.

      • fischi sagt:

        Ich hatte den Beitrag heute auf 3sat gesehen.
        Fand ich ziemlich ungerecht wie der Wallraff dort davonkommt.
        Deswegen war ich auch nicht ganz so sicher ob ich den Link überhaupt posten soll.

  6. WsdV-Blog sagt:

    Danke für den Beitrag. Wenn ich ehrlich bin habe ich von diesen Vorwürfen noch nichts mitbekommen. Die Themen des Wallraff kenne ich im ganz groben, dennoch kann ich es nur befürworten solche Themen aufzuzeigen, wie er es gemacht hat bzw. er und seine Helfer. Ich finde es sehr interessant zu lesen, dass du am Film beteiligt warst. Schön, dass es solche Menschen gibt!

    Es soll wohl wie so oft laufen, jemand wird aufgrund eines kleinen Vorfalls der nicht stimmen muss, unter Einsatz medialer Macht in eine Ecke gedrängt, in der man schlecht heraus kommt. In den Köpfen der Menschen wird aber wohl die größte Schlagzeile bleiben.

  7. lignicat1 sagt:

    Ich glaube nicht, dass viele Menschen, die Wallraffs (und dessen Partner) Arbeit im grossen und ganzen zu schaetzten wussten, sich durch eine Schmutzkampagne oder relativ kleine Schwaechen nachhaltig beeindrucken lassen.

    Ich hoffe, die Aussagen eines weiteren Zeugen behagen und bestehen den hauseigenen Wichtigkeitstest:

    http://www.taz.de/Vorwuerfe-gegen-Guenter-Wallraff/!99711/

    Und damit tschuessi.

    • uhupardo sagt:

      Die Aussagen von Brox behagen zumindest Fahnemann nicht. So wenig, dass er die Notwendigkeit empfand, sie widerlegen zu wollen, was nicht so recht klappte.

      Spielt aber keine Rolle. Brox ist eine Stimme mehr, die zum aktuellen Konzert gehört. GW hat einer Menge Menschen geholfen, dies ist ein Beispiel dafür.

  8. ProFreiheit sagt:

    Sehr guter Artikel, uhupardo.
    Weiter so.

    Eins ist klar: auch wenn G.Wallraff ein perfekter Mensch wäre,
    würde es Schmutzkampagnen gegen ihn geben.

    Er ist den Mächtigen und Reichen an die Karre gefahren
    und die haben zu allen Zeitaltern dafür gesorgt,
    daß Kritiker und Whistleblower fertiggemacht wurden.

    In den Verlagshäusern und Fernsehanstalten wimmelt es nur so von Journalisten, welche ihre Seele verkauft haben und so finden sich leicht hörige Schreiberlinge, welche keinerlei Ehre besitzen und gerne bei solchen Schmutzkampagnen mitmachen.

    Pfui Teufel.

    • uhupardo sagt:

      Es ist noch ein bisschen mehr als das, ProFreiheit.

      GW ist das schlechte Gewissen jedes deutschen Journalisten! Er setzt sich engagiert das Ziel, einen sozialen Missstand aufzudecken; nimmt alle Mühen und Kosten auf sich, bis er dieses Ziel erreicht hat. Wallraff verfolgt einen Sinn, der immer mit gesellschaftlicher Verbesserung zu tun hat, und hat schon oft sogar physisch sehr unter den Strapazen gelitten.

      Währenddessen sitzt die Mehrzahl (um nicht zu sagen alle) der Journalisten im bequemen Drehstuhl und tippt eine oberflächliche und sinnlose Story nach der anderen. Nicht selten so wie im Artikel „Wie unabhängig sind die Medien wirklich“ bereits beschrieben.

      Dass diese Journalisten, die ihren Titel zum ganz grossen Teil zu Unrecht tragen, jetzt versucht sind, dem Mann, der seit Jahrzehnten den Job macht, den sie alle machen sollten, mal kurz an den Wagen zu fahren („Die Rache der Klofrau“), leuchtet mir vollkommen ein. Deswegen besonders ist es so billig, was gerade passiert.

      Wenn ich allein an das Tel.-Gespräch mit einem der grössten deutschen Medien (nicht Blöd, denn dann hätte ich gleich aufgelegt) gestern denke und daran, was für abstruse Einzelheiten ich ihnen erklären sollte, die wirklich nichts mit der Arbeit von GW zu tun haben, könnte ich entweder lachen oder weinen. Dabei mache ich dem Redakteur, der mich anrief, gar keinen Vorwurf. Er bekommt den Auftrag, mich anzurufen, mich auszuquetschen und möglichst bunte und aussergewönliche Details aus meiner Zusammenarbeit mit GW aus mir herauszuholen. Hartnäckig und so einfallsreich wie möglich. Man muss ja nicht darauf eingehen, wenn man die Masche kennt.

      Oder das Mail der Frau M.S., das gerade eintraf mit dem Text:
      „Ich habe Ihren Blogeintrag mit Interesse gelesen und teile Ihre Meinung, dass trotz der Fehler die passiert sind, die Leistung von Günter Wallraff nicht verschmälert wird.
      Ich befinde mich gerade zu Hause und kann Ihnen deshalb nur von meinem privaten E-Mail-Account schreiben.
      Trotzdem wäre ich sehr dankbar, wenn Sie mich zurückrufen könnten. Ich arbeite für das einzige medienkritische Magazin Deutschlands und würde sehr gern ein Hintergrundgespräch mit Ihnen führen.“

      So so, Hintergrundgespräch und „das einzige medienkritische Magazin Deutschlands“? Klingt gut.
      Und dann recherchiert man ihren Namen und stellt fest: Sie zeichnet u.a. verantwortlich für den von fischi verlinkten Beitrag.
      http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/medien_politik_wirtschaft/wallraff157.html

      Ein Text, der genau das tut, was alle anderen auch tun. Nach der Alibi-Einleitung „Typisch Presse könnte man reflexhaft denken. Erst schreiben sie ihn hoch, machen ihn zur Ikone, und dann ziehen sie ihn runter, zertrümmern sein Denkmal.“ folgt dieselbe Zusammenstellung unbewiesener Vorwürfe, persönlicher Einschätzungen dubioser Zeugen und Konjunktive, die überall anders auch für das alte Motto sorgen „Irgendetwas wird schon hängen bleiben“.

      Hintergrundgespräch und „das einzige medienkritische Magazin Deutschlands“, Frau M.S.? – Dann sind Sie bestimmt eine mutige Frau mit richtig Zililcourage oder nicht? Vergessen Sie einfach das „Hintergrundgespräch“ per Telefon. Sie setzen am besten einfach eine einstündige LIVE-Sendung an, dann erzähle ich Ihnen etwas direkt in die Kamera. So stellen wir gleich fest, wie medienkritisch Ihr Magazin ist. Und Sie selbst. Wäre zwar vermutlich Ihr letzter Tag beim „öffentlich-rechtlichen“ NDR, aber echtes Engagement verlangt eben Opfer. Günter Wallraff bringt sie. Ständig. Schon lange.

      • uhupardo sagt:

        Der NDR droht telefonisch mit der „Rechtsabteilung unseres Hauses“ wegen Veröffentlichung o.g. Mail, die sie gern als „privat“ ansehen würden.

        Einverstanden. Dann sollten Sie einen Richter klären lassen, ob das Mail privat war oder beruflicher Natur und mit der Recherche in der Sache Wallraff zu tun hatte. Warum „NDR Innenpolitik“ in der Signatur steht. Ob die Persönlichkeitrechte Ihrer Mitarbeiterin nach StgB dadurch verletzt wurden. Ob das öffentliche Interesse an der Art und Weise, wie Medien diese Sache behandeln, vorgeht oder nicht. Wenn Ihre Rechtsabteilung nach Aufgaben lechzt, nur zu. Es gibt kaum Wichtigeres vermutlich.

        Und für solche Dinge haben Sie doch die öffentlichen Gelder. Wofür sonst?

      • el Bernabeu sagt:

        Nur mal so ne Frage uhupardo.
        Werden Ihre Artikel hier tatsächlich von Journalisten anderer Zeitungen systematisch gelesen?
        Oder war es mehr Zufall, daß der NDR auf ihren Beitrag stieß?
        Es interessiert mich einfach nur, wie stark sie mit den deutschen Medien vernetzt sind.

        • uhupardo sagt:

          Das könnte eine Antwort werden, die auch Ingo Neitzke interessiert („kann man das irgendwie messen?“). Zuerst, el Bernaubeu, es war längst nicht nur der NDR.

          Interessant an der ganzen Sache ist aus unserer Sicht folgendes: Nach der ausführlichen Geschichte besonders im Spiegel, aber auch in praktisch allen Medien Deutschlands, mal mehr, mal weniger ausführlich, könnte man davon ausgehen, dass diese Sache ein enorm breites Interesse in der Bevölkerung erzeugt und sich jetzt alle fragen „Wer ist Günter Wallraff wirklich?“.

          Und jetzt ein paar Fakten:
          Dies ist ein spanischer Blog (weit überwiegend spanische Themen) in deutscher Sprache. Logischerweise kommt die weitaus grösste Anzahl unserer Leser damit aus dem deutschsprachigen Bereich. Trotzdem erreichen unsere Leitartikel (die an oberster Stelle auf der Seite) fast immer vierstellige Leserzahlen pro Tag, obwohl sie Themen behandeln, die sich weit weg in Spanien abspielen, was wir sehr erfreulich finden. Hier ein paar Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit – immer ist nur ein Tag (24 h) gemessen.

          3.989 Leser für https://uhupardo.wordpress.com/2012/07/30/no-quiero-pagar-protest-provoziert-verkehrs-chaos-auf-der-autobahn-ap-7/
          3.967 Leser für https://uhupardo.wordpress.com/2012/08/04/back-to-franco-3-kritische-raus-regierung-lasst-offentlich-rechtliches-tv-saubern/
          2.958 Leser für https://uhupardo.wordpress.com/2012/08/06/von-schulden-und-eseln/
          1.889 Leser für https://uhupardo.wordpress.com/2012/08/06/wie-unabhangig-sind-die-medien-wirklich/

          Wie gesagt, Werte pro Tag. So ähnlich ist das fast immer.

          Der Wallraff-Artikel hat heute keine 400 Leser gehabt. In jedem anderen Fall eine inakzeptable Zahl für den obersten Artikel (eines deutschen Themas!) in den vergangenen Monaten, müsste man sagen, wenn dies ein kommerzielles Projekt wäre. Von den knapp 400 waren ziemlich sicher fast die Hälfte Leute, die beruflich oder wie auch immer involviert sind. Also Medien in der Hauptsache. Selbst der ältere Artikel (weiter unten also auf der Startseite) https://uhupardo.wordpress.com/2012/08/16/funf-spanische-regionen-rebellieren-gegen-rajoy/ hat heute noch mehr Leser als die GW-Story.

          Wir haben heute hier schon darüber gesprochen und geschmunzelt: Es ist das erste und wahrscheinlich einzige Mal, dass wir uns darüber freuen, so wenig gelesen zu werden. Denn es beweist vor allem eins: Die Menschen sehen diese Kampagne gegen Wallraff nicht als beachtenswerten Skandal. Sie lassen sich nicht skandalisieren durch diese Medien-Schmutzkampagne und winken das Thema eher locker durch. Wäre es anders, hätten wir heute eine vierstellige Zahl im oberen Bereich mindestens gesehen.

          Schlussfolgerungen sind nie einfach in solchen Dingen, doch sieht es so aus, als könnten sich verschiedene Medien mit ihren abstrusen und teilweise konstruierten Anwürfen und den ewigen Konjunktiven noch so anstrengen: Kaum jemand lässt sich mit der Kampagne einen Skandal aufnötigen, wo keiner ist. Die Menschen wissen offensichtlich genau, was GW in den vergangenen Jahrzehnten getan und erreicht hat. Skandalinteresse gleich null in dieser Sache. Das ist sehr erfreulich.

      • Richtig, ein bischen und meiner Meinung immer zu viel Dreck bleibt immer hängen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Dass die gut Informierten sich davon nicht beeindrucken lassen, ist klar.
        Doch es ist die Mehrheit die für uns alle steuert, wohin die Reise geht. Und ich befürchte diese Mehrheit wird von dem Dreck mehr beeinflusst, als von so wichtigen Nischenartikeln wie diesem.
        Oder unterschätze ich die Denk- und Wahrnehmungsfähigkeit der Masse? Kann man das irgendwie messen?

        Für freiere Medien, weniger Hurerei und Dreckproduktion in den Redaktionen müssen die Finanzierungs- und Besitzverhältnisse geändert werden. Bietet das Bandbreitenmodell dafür einen noch erfolgversprechenderen Ansatz als Plan B (Popp/Albrecht)?

  9. Ulrich Fiege sagt:

    Das ist ein wunderbarer Artikel der passend den Beruf des „Journalisten“ um und beschreibt. Das Wallraff ein Egomane ist gehört und gehörte immer schon zum Berufsbild und ich bin über die Offenheit und Informationen im Artikel angenehm überrascht. Um was geht es eigentlich? Barzahlungen?, verborgenes Schnorren?, Werbegeschenke oder wer kann mir aus dem Steh-greif zeigen wo er die Rechnung für Herrn Y am Tag X aus dem Monat September des Jahres 2008 verbuchte oder wie Hoch die Einkommenssteuer nach und Vorabzug der Vorsteuer usw..? Das Wallraff keinen Namen neben sich duldet spricht nicht für Wallraff aber das weiß man nach spätestens 14 Tagen!!
    Dabei schnorre ich auch wie wild und Kugelschreiber und Tonnen von Kalendern gehören ganz unten dazu:-) ab wann wird es denn zum „Luxus Schnorren“? Zudem wurde der Presse-Kodex verändert und es ist Legitim sich beschenken zu lassen, egal ob es ein Daimler ist oder Lamborghini, nur auf die Berichterstattung darf das keinen Einfluss nehmen. Die Story von Herrn Wallraff als Obdachloser soll mal einer nach machen? Wer sich neben Wallraff den Arsch ab gefroren hat wurde nie Publik.

  10. DeeJayB sagt:

    Ganz simpel: dieser Artikel hat recht – Wallraff ist ein Denkmal. Ein gutes, altes, gepflegtes Denkmal an und für schwarz-weiss-Coloratur (Kapitalismus und Herren schlecht, alle anderen gut…) und leider verliert er mit seinen Thesen auch, wenn heutzutage mal „ins Fernsehen“ eingeladen wird (siehe Günther Jauch & Billigsupermarktdiskussion). Das ändert nichts daran, dass seine Undercover-Geschichten früher und vor Jahrzehnten wichtig waren. Das ändert aber auch nichts daran, dass wir heute in einer anderen Zeit leben und schwarz-weiss nicht mehr wirklich funktioniert. Und letztendlich ändert es auch nichts daran, ob und dass er vielleicht jemanden „schwarz“ beschäftigt hat. Wenn, dann gibt das keinen Schatten auf sein Lebenswerk, sondern höchstens einen Schatten auf ihn selbst.

    • ProFreiheit sagt:

      Schwarz-Weiss funktioniert wunderbar, zu allen Zeiten.

      Wie sonst wäre es möglich, daß Hunderttausende von US-Soldaten in aller Welt Menschen ermorden, weil angeblich ein CIA-Agent (Bin Laden) aus einer Höhle einen Anschlag organisiert und gesteuert haben soll, der nur möglich ist, wenn der CIA und andere „Dienste“ ihre Hand dabei im Spiel im haben ?

      Oder wie wäre es sonst möglich, daß Frau Merkel seit Jahren das Wort „alternativlos“ benutzt, um ihre menschenfeindliche Euro-Rettungspolitik zu rechtfertigen ?
      Sie beleidigt damit die Intelligenz der Menschen und gehört persönlich für den Niedergang Deutschlands und des restlichen Europas in Haftung genommen.

      Stattdessen reist sie lächelnd durch die Welt, kassiert 18.000 Euro monatlich und hat bald den letzten Rest von freier Meinungsäußerung in der eigenen Mitläuferpartei beseitigt.

      Wenn Sie sich umsehen in der Welt, ist sie mit ihren Lügen und ihrem Gedöns von „alternativlos“ nicht alleine. Es wimmelt von korrupten und inkompetenten Regierungen, welche allesamt
      fast nur mit Schwarz-Weiss Parolen dafür sorgen, daß
      sie an der Macht bleiben und neben den eigenen Taschen vor allem die Taschen jener füllen,
      die sie an die Macht geschrieben und manipuliert haben.

      Was bitte hat sich in den letzten Jahrzehnten denn verbessert an den Zuständen, welche GW angeprangert hat ?

      Um es mal positiv auszudrücken: es hat sich eine ganze Menge geändert. Die Ausbeutung ist noch perfider, noch hinterhältiger
      und grausamer geworden.
      Und die Lügen der Politiker noch dreister.

      Insofern müßte sich auch der Enthüllungsjournalismus von Schwarz-Weiss mindestens zu UltraSchwarz – UltraWeiss wandeln, um der Realität angemessen zu sein.

      • uhupardo sagt:

        „Um es mal positiv auszudrücken: es hat sich eine ganze Menge geändert. Die Ausbeutung ist noch perfider, noch hinterhältiger
        und grausamer geworden.
        Und die Lügen der Politiker noch dreister.

        Insofern müßte sich auch der Enthüllungsjournalismus von Schwarz-Weiss mindestens zu UltraSchwarz – UltraWeiss wandeln, um der Realität angemessen zu sein.“

        Muchas gracias, das erspart uns jede weitere Antwort auf DeeJayB und Tipparbeit. Um den Satz aus dem Artikel zu erweitern: Es müsste heute und dringend viel mehr Wallraffs geben … und auf viel grösserer Ebene ausserdem.

  11. […] der hierzu wesentlich mehr zu sagen hat. Bei Uhupardo erschien nämlich dieser Text: ”Die Schmutzkampagne gegen Günter Wallraff schadet uns allen“. Da ich mit dem Grundtenor übereinstimme, hat man mir einige Arbeit […]

  12. aus Madrid sagt:

    Diesen Artikel samt allen Kommentaren sollte Pflichtlektüre für angehende Journalisten werden 🙂

    Interessant. Wirklich und aufrüttelnd interessant.

    Wie klar wird, was Sie in Ihrem ebenso Erkenntnisreichen Artikel „Wie Unabhängig sind die Medien wirklich“ schon formulieren.
    Aber dieser Blogeintrag und besonders die Reaktion des NDR darauf, zeigt, deutlicher kann es garnicht werden, dem aussenstehenden Leser die Vorgehensweise vieler Medien bei der Erstellung und Recherche ihrer Nachrichten.
    Wie oft welche Artikel gelesen wurden und ihre Vermutung, dass so ca. 200 Medienprofessionelle den Artikel zum GW-Thema gelesen haben und evtl. darauf reagieren, im Gegensatz zu anderen Artikeln die > 1000 Leser erreichen, die darauf auch reagieren – haltet Euch fest, NDR-Redakteure, es gibt sie, die freien Leser, und das Gerangel um die Leserlebensnische hat erst begonnen, denn sie werden immer mehr. º : )

    Wie schnell die gar beleidigt sind. Man könnte fast annehmen sie seien Empfindlich. Da hätte ich ein viel dickeres Fell erwartet… so ähnlich wie bei den Politikern, die Zauberkünstler übertreffend mit einem ablenkenden Lächeln fieseste Handlange ertricksen oder so was in der Art.

    Was und wer steckt wohl hinter so einer Reaktion des „ich habe Recht“ ? Und was wird damit bezweckt?

    Uhupardo zeigt alles andere als Angst und das macht mir Mut : )

  13. uhupardo sagt:

    Ganz offensichtlich wissen die Medienkonsumenten das, was ihnen vorgesetzt wird, immer besser einzuschätzen (muss nicht für die Blöd-Gemeinde gelten, aber für den Rest). Da werden republikweit hunderte von Medien-Mitarbeitern auf den Skandal der Woche angesetzt und am Ende ist es keiner. Ressourcenverschwendung.

    (Welchen Artikel twittern die Uhupardo-Leser heute? „Fünf spanische Regionen rebellieren gegen Rajoy“ – Welcher Suchbegriff liegt heute weit vor GW? – „Neymar“, ein Artikel weit in der Vergangenheit des Blogs. Ergebnis: Still ruht der GW-Leserwald.)

    Es gibt übrigens jetzt auch ein paar ganz andere Stimmen im nicht-Skandal-Konzert. Lesenswert:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/obdachloser-verteidigt-wallraff-der-mann-der-bei-wallraff-esser-war-11859298.html

    • Danke besonders für 17. August 2012, 21:36.

    • aus Madrid sagt:

      Danke für den FAZ Artikel Uhupardo aus dem ich diesen Satz besonders unterstreichen will:

      „Die Verhältnisse sind wahrlich nicht so, dass wir auf einen wie Wallraff leichtfertig verzichten könnten.“

      NDR finanziert einen kleinen Dokumentarfilm zum Thema mit zahlreichen Mitarbeitern, TAZ ein kurzes, Interview. – Und ich bekomme richtig Lust, mich mit GW’s Arbeit zu beschäftigen : )

  14. ThiloS sagt:

    Wie schön. Die „Guten“ und „investigativen Krähen“ hacken sich gegenseitig die Augen aus. Und ja, ich finde es sehr charmant, dass der „Chefaufdecker“ der Republik offenbar die gleichen Methoden anwendet, die er bei anderen so sehr kritisiert. Anscheinend hat sich da jemand bei GW „eingeschleust“ und berichtet nun selbst von „ganz unten“. Amüsant und aufschlussreich ist das allemal…

  15. uhupardo sagt:

    Mail einer Leserin, die namentlich nicht genannt werden möchte:

    „Uhupardo, exakt mit o. a. Gedanken haben Sie _alles_ wieder einmal auf den Punkt gebracht.
    Kein Teenie mehr mit Baujahr FünfzigerJahre, dies alles verfolgend, denke ich inzwischen, dass GW seit langer Zeit eigentlich einen Nobelpreis im Rahmen von wirklichen Sozialdemokraten erhalten haben sollte. Denn, alle GW Aktivitäten waren beispiellos und e f f e k t i v zuletzt.

    Alle GW Aktivitäten, die auch mein vor wenigen Wochen verstorbener fast 93 jähriger Vater ( ca. 4 Wochen älter als H. Schmidt ! 🙂 ) kritisch aber wohlwollend bis zu seinem Tod registriert hat. … ein wirklicher Sozialdemokrat, der 1945 300 km à pied bewältigt hat, um zu seiner Familie zurückkehren zu können, denunziert wurde & das gleiche Spiel noch einmal aus einer anderen Richtung überlebt hat.
    Wie ich schrieb, niemand ist unfehlbar, Menschen werden diesen Zustand der Unfehlbarkeit vermutlich auch nie erreichen können. Und, GW´s Aktivitäten sollte man nun nicht in dieser Weise diskreditieren.“

  16. ineitzke sagt:

    Da fällt mir ein: Ich wollte mich schon lange über die Grenze zwischen freien Meinungsschreibern und Dreckwerfern informieren.
    [ Google: (meinungsfreiheit OR pressefreiheit) (beleidigung OR üble nachrede OR verleumdung OR rufmord) ]
    Meine aktuellen Prioritäten erlauben mir leider nicht die Filterarbeit, die ich hier natürlich nicht delegieren möchte. Also bitte nur antworten, falls jemand eine Perle mit schnellem Griff ins Archiv bieten kann – Referenzurteil zum Beispiel.

    • uhupardo sagt:

      Die Frage ist sehr unscharf in der Wahrnehmung, weil zu viele verschiedene Bereiche im Spiel sind. Deswegen nur schnelle Blindschüsse:

      Unbedingt komplett lesenswert ist dieser Klassiker, ob das die Frage war oder nicht:
      http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCth-Urteil

      Das gilt auch für einen weiteren Klassiker: http://www.flunkerfuerst.de/

      Ansonsten und aus Erfahrung: Es gibt keine Richtschnur, an die man sich tatsächlich halten kann. Es zählen immer nur die Einzelfallprüfung, ein gewogener Richer und ein guter Anwalt, gerade in diesem Thema.

      • ineitzke sagt:

        Danke!
        Mein Danke-Kommentare dürfen übrigens gern gelöscht werden. Das Internet ist schon unübersichtlich genug. 🙂

        • uhupardo sagt:

          Sekunde nachdenken, Ingo. Wenn kein Platz mehr für positiv-Menschliches ist in einem nicht kommerziellen Blog, wo dann. Wer Kritik an seinem Blog stehen lässt aber ein „Danke“ löscht, hat ein Problem, das man niemandem wünschen sollte. 😉

  17. uhupardo sagt:

    Auch dem „Spiegel“ scheint aufgefallen zu sein, dass das Publikumsinteresse an einer Demontage von Günter Wallraff sehr gering ist (auch unsere Klickzahlen zeigen das weiterhin deutlich). Waren es in der vergangenen Druckausgabe noch mehrere Seiten Berichterstattung, ist es in der heute erschienenen Ausgabe gerade noch ein Textkasten auf Seite 12.

    • Marcos sagt:

      Lol – die Berichterstattung diverser Medien während des Sommerlochs scheint sich mitunter wg. mangelndem Interesse etwas schwierig zu gestalten und auch selbst zu regulieren 🙂

      @ Madrid – FAZ >“Die Verhältnisse sind wahrlich nicht so, dass wir auf einen wie Wallraff leichtfertig verzichten könnten.” – genau so ist es.

      • uhupardo sagt:

        „wg. mangelndem Interesse etwas schwierig zu gestalten und auch selbst zu regulieren „

        So ist es. Wir finden das erfrischend zu beobachten. Wenn sich das nur herum sprechen würde, vielleicht würden dann mehr Medienkonsumenten merken, dass man sich skandalisieren lassen muss, damit ein Skandal draus werden kann. Wie sagte ein beliebter Bürger unseres Dorfes: „In einem freien Land, in dem jeder dort sein kann, wo er will, kann ich nicht verhindern, dass mir jemand durch die ganze Stadt folgt und mir ständig ´Arschloch´ ins Ohr brüllt. Aber ob ich es höre, suche ich mir selbst aus!“

  18. Jazzfan sagt:

    Danke für den erhellenden Beitrag!
    Ich hatte von Anfang an den Eindruck, daß hier jemand auch mal den medialen Scheinwerfer auf sich gerichtet haben wollte, nichts Sachliches, nur „beleidigte Leberwurst“…

    • uhupardo sagt:

      Die zwei Faktoren „Geltungssucht“ und „durch den Wind“, was Fahnemann angeht, haben eine Menge Wirbel verursacht. Am Ende bleibt es nur deswegen beim Sturm im Wasserglas, weil das Medienpublikum (endlich einmal) nicht mitspielt und GW nicht demontiert sehen will, wo es keine Motive gibt. Das hätte auch anders ausgehen können.

  19. […] Sie bitte dazu auch: * Schmutzkampagne gegen Günter Wallraff schadet uns allen Bewerten:Share this:TwitterFacebookDiggLinkedInRedditStumbleUponE-MailDruckenGefällt mir:Gefällt […]

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