Jetzt habt ihr es wirklich übertrieben, Hurensöhne!

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Der Titel hört sich an wie eine fette Beleidigung, stimmt´s? Das kann schon sein. Ist es wohl auch, wenn man es übersetzt. Es sei denn, dieser Terminus fällt auf einem Fussballplatz und vor allem in spanischer Sprache! Denn „hijo de puta“ ist praktisch der zweite Vorname eines jeden Schiedsrichters. Trotzdem wurde Real Madrids Linksverteidiger Fabio Coentrao jetzt wegen dieses Kosenamens gleich für vier Spiele gesperrt. Me cago en vuestra puta madre, lieber Fussballverband!

Spanisch ist eine herrliche Sprache, weil sie so blumig ist, kreativ und überaus vielfältig. Das gilt nicht nur, aber durchaus auch für das Schimpfwortvokabular. Während es im Deutschen, eine Sprache mit geradezu niedlich-hilfloser Harmlosigkeit bei Kraftausdrücken, mit einem halben Dutzend Fäkalausdrücken bereits ziemlich erschöpft ist und deswegen praktisch jeder Lieblingsfeind ein „Aaaschloch“ ist (immer ohne „r“), sind die Möglichkeiten in spanischer Sprache beinahe unerschöpflich. Man beziehe sich auf die werte Familie des Gegenübers, addiere irgendein beliebiges Geschlechtsteil und ein brennendes Adjektiv – in jeder Zusammenstellung geeignet, je kreativer desto besser.

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Wenn man Coentrao also überhaupt etwas vorwerfen kann, dass Einfallslosigkeit. Denn jeder Schiedsrichter ist sowieso seit Jahren überzeugt, dass da ganz oben „hijo de puta“ steht, wenn er seinen Reisepass aufschlägt. Dafür überhaupt eine Strafe auszusprechen, bewirkt in Spanien nur ein äusserst verächtliches und abwinkendes Arschrunzeln … Dings. Zumal dieser Ausdruck ebenso positiv wie negativ, ja sogar bewundernd verwendet wird – die Bayern unter unseren Lesern werden das sofort verstehen: „Vaya, was für ein tolles neues Auto du hast, hijo de puta!“ (Do leckst mi am Oarsch, was für a Auto!). „Hijo de puuuta“ ist nicht einmal ein Schimpfwort. Lächerlich! Das gilt einfach gar nicht. Dafür gibt es sogar schon eine beinahe staatlich anerkannte Abkürzung: „Joputa!“

Coentrao hat also bewusst darauf verzichtet, dem Schiedsrichter mindestens zu erklären, mit wem es dessen Schwester treibt, wer auf seine Mutter scheisst oder wie bedauernswert winzig seine Hoden sind – selbst das wäre alles noch ausgesprochenes Standardvokabular gewesen und hätte bei niemandem auch nur einen Gesichtsmuskel bewegt. Nein, er hat ihn nur als „hijo de puta“ bezeichnet, praktisch die offiziell korrekte Schiedsrichter-Bezeichnung auf jedem Fussballplatz, auf dem Spanisch gesprochen wird. Nächstes Mal sollte er vielleicht etwas einfallsreicher werden und in den grossen Fundus greifen, hoffend, dass der Schiedsrichter über begrenztes Vokabular verfügt.

Pito

Zu der Sanktion passt übrigens perfekt die Strafe für Pito … oder wie der heisst. Barcelonas neuem Trainer wurden zum Einstand auch gleich zwei Spiele auf der Tribüne umgehängt, weil er gegen eine Schiedsrichter-Entscheidung „aufgeregt protestiert“ hatte. Was erwartet man denn von Tito Vilanova? Dass er den Schiedsrichter für einen Pfiff, den er für ungerecht hält, zum Essen einlädt, cretinos malparidos, capullos desorejados de la nada? Hasta los cojones estoy de vuestras gillipolleces. Im Ernst!

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