Real Madrid: Essien kommt, Kaká bleibt und Lass Diarra packt endlich Koffer

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Ende gut, alles gut! Kaká bleibt in Madrid, Lass Diarra packt die Koffer, Michael Essien kommt ausgeliehen von Chelsea und Real Madrid schliesst die Transferperiode mit schwarzen Zahlen ab. Obwohl das alles zu Beginn des Sommers so einfach ausgesehen hatte, war am letzten Tag trotzdem hektische Aktivität angesagt im Bernabéu. Insgesamt fällt die Bilanz sehr positiv aus.

Praktisch in allerletzter Minute kam noch reichlich Bewegung in die Sache. Endlich hatte man einen Interessenten für Lass Diarra gefunden. Der russische Club Anzhi, bei dem Roberto Carlos die sportlichen Fäden zieht, will den Franzosen verpflichten und hat bis zum 6. September Zeit dazu (der russische Transfermarkt schliesst später). In diversen Fan-Foren brach daraufhin ausgesprochener Jubel aus: „Und das Beste ist, wir bekommen auch noch Geld für ihn!“ – Im Gespräch sind fünf Millionen Euro. Der Abgang des Mittelfeldspielers war tatsächlich längst mehr als überfällig, wie wir schon im Januar unter dem Titel „Lass weg“ getextet hatten.

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Dafür kam wenige Minuten vor Transferschluss die Nachricht von der Leihe des Mittelfeldspielers von Chelsea. Michael Essien (29) hat seine allerbesten Tage vielleicht hinter sich und schon viele Kilometer auf dem Tacho, doch als Back-up für das defensive Mittelfeld von Real Madrid ist er sogar die Idealbesetzung. Um so mehr, als er auch Rechtsverteidiger spielen kann. Seine fussballerischen Qualitäten sind so unbezweifelbar wie Spielintelligenz, Übersicht und internationale Erfahrung. Die Verbesserung im Bezug zu Lass Diarra ist damit überdeutlich. Die Frage wird sein, ob er verletzungsfrei bleibt. Oder wie in den Foren zu lesen war: „Hasta nunca, Lass! Welcome Mike, Gott schütze deine Knie!“

Nach vielen Gerüchten und Spekulationen bleibt Kaká am Ende in Madrid. Darüber sind die Meinungen durchaus geteilt, doch hätte es keinen Sinn ergeben, den Brasilianer für seinen – seien wir ehrlich – derzeit praktisch zerstörten Marktwert billig abzugeben. Als Verstärkung im offensiven Mittelfeld ist Kaká sehr wertvoll. Die Leistungen von Mesut Özil sind weiterhin (wie schon in Bremen, wie in der Nationalmannschaft) überaus instabil. In jedem zweiten Spiel (mindestens!) bleibt er grau und glanzlos; nicht selten geht ihm nach 60 Minuten das Benzin aus. Mit grossem Talent ausgestattet, aber blutleer. Einen Kaká auf der Bank zu haben, ist ausgesprochener Luxus und nötig in dieser Situation.

Granero, der bei Real Madrid nie eine wirkliche Chance auf die Startelf gehabt hätte, wird hoffentlich bei den Queens Park Rangers glücklich und zum Stammspieler. Ähnlich ist es mit Gago und Valencia. Altintop, von vornherein ein Irrtum, der aber mit der Sahin-Transaktion verbunden war, konnte in die Türkei transferiert werden. Sahin selbst, den viele gern weiterhin in Madrid gesehen hätten, wird hoffentlich Gelegenheit bekommen, während der Leihe seine Qualitäten in Liverpool so deutlich unter Beweis zu stellen, dass er nächstes gestärkt zu Real Madrid zurückkommt. Mourinho hätte ihn sowieso nicht spielen lassen aus Gründen, die wenig mit Fussball zu tun haben. Also besser Premier League, eine weitere internationale Erfahrung machen und Spass haben auf dem Platz statt auf der Tribüne zu sitzen.

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Bleibt noch die Verpflichtung von Luka Modric, die sich über viele Wochen hingezogen hatte. Der Kroate wird sich als echte Verstärkung erweisen und durfte sogar in der Supercopa gegen Barcelona schon ein paar Minuten auf den Platz, knapp 30 Stunden nachdem er seinen Vertrag unterschrieben hatte. Blitzeinsatz sozusagen. Dennoch wird Modric noch ein paar Wochen brauchen, bis er seine unzureichende Saisonvorbereitung aufgeholt hat. Bleibt die Frage, auf welcher Position Modric wie oft spielen darf. Doch das ist ein ausgesprochenes Luxusproblem und eine Frage, mit der sich sowieso jeder Spieler bei Real Madrid abzufinden hat.

Als Fazit kann man mit dem Endergebnis der Transferperiode, die zu Beginn kaum Handlungsbedarf und viel Ruhe versprach, am Ende dann doch hektisch wurde, sehr zufrieden sein. Ein wenig schade vielleicht, dass man nicht Dani Carvajal als Rechtsverteidiger gesetzt hat, aber man kann nicht alles haben. Real Madrid hat es jedenfalls geschafft, die nötigen Abgänge zu realisieren, mit Modric und Essien die richtigen Positionen zu stärken und wirtschaftlich mit schwarzen Zahlen aus der Transferperiode gehen zu können. Das ist keine Kleinigkeit.

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