Verrechnet

verrechnet1

Die Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung sind in den ersten sieben Monaten des Jahres um 5,4 Prozent gestiegen, während die Regierung tatsächlich veranschlagt hatte, dass sie im selben Zeitraum um fünf Prozent sinken. Nun muss man schon ein weit überdurchschnittlich skurril gestrickter Science-Fiction-Fan sein, wenn man glaubt, dass der Staat mitten in der Rezession, in der täglich haufenweise Jobs zerstört werden, am Ende sinkende Kosten in den Arbeitsämtern erwartet, doch genau das hatte Rajoys konservative Regierung im Budget so festgeschrieben. Da fragt man sich ernsthaft, in welcher Lotterie manche Minister ihr Abitur gewonnen haben könnten.

Beobachter der Situation, die mindestens über die durchschnittliche Intelligenz einer Hausschildkröte verfügen, wundern sich kein bisschen, nur die Regierung! Im Juli gab es 23,5 Prozent mehr Anträge bei den Arbeitsämtern als im Vorjahresmonat. Dabei stiegen nicht etwa die Sozialhilfe-Anträge am meisten, wie Rajoys Expertenriege erwartet hatte, sondern die besonders teuren Anträge für das erste und damit besonders teure Arbeitslosengeld: + 34,4%.  Die Rezession frisst bisher feste Arbeitsplätze in nicht gekanntem Ausmass.

Die Madrider Regierung hat sich also in ungefähr allem verrechnet, als sie 5% sinkende Kosten veranschlagte und steht nun vor dem nächsten Haushaltsloch. Denn auch die Absenkung der Arbeitslosengelder um zehn Prozent ab dem sechsten Bezugsmonat, die in die Berechnungen einfloss, greift natürlich deswegen noch lange nicht, weil sie nur für neue Verträge gilt und nicht für die bereits existierenden. Das hatte man „übersehen“.  Da passt dann eine weitere Meldung gut ins Bild: Tomás Burgos, Staatssekretär verantwortlich für die Sozialsysteme Spaniens, kündigte heute in Madrid an, man werde „bald“ den Rentengarantie-Fonds angreifen müssen, um die Zahlungen zu leisten. Das ist eine Spardose der Regierung für Notfälle, um die Renten abzusichern. Den Zeitpunkt liess Burgos noch offen. Doch man muss kein Prophet sein, um das „mañana“ in Leuschtschrift auf der Wand zu sehen.

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16 Kommentare zu “Verrechnet

  1. El Bernabeu sagt:

    Klingt zwar blöd, aber ich hoffe, daß sie sich auch in Zukunft noch weiter und noch stärker verrechnen, damit die Ergebnisse dieser Katastrophenpolitik noch stärker zum Vorschein kommen.
    Ich gönne dieser Regierung keine wirtschaftlichen Erfolge.

    • uhupardo sagt:

      „Klingt zwar blöd, aber ich hoffe, daß sie sich auch in Zukunft noch weiter und noch stärker verrechnen, damit die Ergebnisse dieser Katastrophenpolitik noch stärker zum Vorschein kommen.“

      Das können wir nach gehabter Erfahrung längst garantieren.

      Ich gönne dieser Regierung keine wirtschaftlichen Erfolge.

      … statt dessen Pest und Cholera. Aber keine Sorge, Spanien wird dieser Regierung schon Feuer unterm …

      fireback

      • [Aya] sagt:

        *lach* Das Bild ist der Hammer.

        Ich frag mich dazu, wie lange es indess in Deutschland dauern wird bis der ESM oder ESM light je nachdem all unser Erspartes in Rauch aufgehen lässt.Frau von der Leyen bereitet uns zukünftige Rentner ja schon auf Altersarmut vor und hofft, das wir jetzt noch schnell tüchtig in Altersvorsorge und Riesterrente einzahlen, damit die BRD-Simulation noch ein bisschen mehr zum reinbuttern hat.

        Hat schon fast wieder etwas gutes, wenn man wie ich, in Deutschland trotz 40 Stunden Woche an der Armutsgrenze lebt.Da bleibt nichts zum Sparen und meine Vorsorgeverträge wurden aus Geldnot längst wieder gekündigt ;-D

        Wo nichts ist, da kann man auch keinem mehr was nehmen….

  2. ST.Haben sagt:

    Die grosste Herausforderung wird sein ein Wirtschaftswachstum zu entwerfen,welches in der Lage ist A: Geld zu erwirtschaften ohne zukunftige Langfristschaden zu,erwirtschaften und B :Soviel um die alten Schulden auch noch abbezahlen zu konnen.Kann dies nicht sofort geschehen,muss der Ausblick stimmen.Stimmt der auch nicht,Gute Nacht.Auch wird Geld so fundamental an Wert verlieren,weil ihm keine werthaltige Leistung mehr unterliegt.Dies ist wohl die greifbarste und evtl.unumkehrbarste „Inflation“oder wie man diese Katastrophe dann nennen will.

    • Timbo sagt:

      Die Herausforderungen, die sie anführen, sind schlicht unmöglich zu meistern. Wenn die spanische Wirtschaft 2015(?) ihren Boden gefunden haben wird (sofern das ganze Eurosystem überhaupt solange existiert), werden weder das Land und erst recht nicht die autonomen Gemeinschaften in der Lage sein mit dieser Wirtschaftsleistung und einem viel niedrigeren Wachstumspfad die dann angehäuften Schulden zu bedienen.

  3. dank sagt:

    Es muss nicht immer die „Eurokrise“ sein…

    Zu Verrechnet passt auch ganz gut:
    http://blog.markusgaertner.com/2012/09/04/aufstand-der-top-vermogensverwalter-bei-morgan-stanley/
    weiterführend:
    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/banken/0,2828,853731,00.html

    Zum Artikel:
    Unsere (il)legitimen Regierungen sind an Blauäugigkeit nicht zu übertreffen – fast – vielleicht nur durch die Gier von Big Money nach Rendite.
    Mathematik mit einfachsten Rechenoperationen bleibt einfach was für schlaue Köpfe, alle anderen sollten davon die Finger lassen… Die meisten der alten Dorfbürgermeister haben mehr Plan als unsere Superpolitiker – und erstere machen es nur nebenbei.

    Der Wahnsinn muss ein Ende finden.

  4. flurdab sagt:

    Auch wenn es reiner Galgenhumor ist,
    wenn mir nochmal jemand was von unterschiedlichen Mentalitäten der Völker erzählen möchte, kann ich jetzt zumindest sagen das die Politiker alle gleich blöd sind.
    „Uschi und die Altersarmut“

  5. Hackentrick sagt:

    Ich kann mir die (optimistische) Budgetierung nur damit erklären, dass man aufgrund der schlechten Aussichten mit einer abrupt und steil anwachsenden Selbstmordrate der Arbeitslosen rechnete… Das wäre Bürokraten in Ministerien durchaus zuzutrauen 😉

    • dank sagt:

      Wenn das mal nicht eine haarsträubende Erklärung ist, dann weiß ichs auch nicht. Sarkasmus on top, leider ists oft kaum anders zu ertragen.
      Na hoffentlich steigt die Bevölkerung nicht auf die Berechnungen der
      Strategen ein – auch wenns schon teils der Fall ist. Trauriger Wahnsinn.

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