Hollande bleibt hart: „Ab 1 Million Euro 75% Steuern – keine Ausnahmen“

france1

Er hat es wirklich getan! In einer TV-Ansprache hat Frankreichs Regierungschef Hollande heute Abend „keine Ausnahmen“ angekündigt: Bei Einkünften ab 1 Million Euro werden 75 Prozent Steuern fällig. Er gebe sich zwei Jahre, um Frankreich wieder auf die Beine zu stellen, versicherte Holland. Von den einzusparenden 30 Milliarden des heute verkündeten Sparprogramms werde er zehn Milliarden aus den öffentlichen Haushalten (Ministerien) abzweigen – ausser in der Erziehung und Bildung wird praktisch überall ein Teil gestrichen. Weitere zehn Milliarden sollen bei den Unternehmen abgeholt werden, besonders bei den grossen, indem Steuer-Schlupflöcher geschlossen werden sollen. Die restlichen zehn Milliarden kommen von den Reichen des Landes über die 75prozentige Steuer auf alle Gewinne überhalb 1 Million Euro „ohne jede Ausnahme“. Also alles genau wie in Griechenland, Portugal, Italien und Spanien – nur andersherum.

Lesen Sie dazu bitte auch:
* Portugal senkt im Handstreich die Löhne aller Bürger des Landes

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13 Kommentare zu “Hollande bleibt hart: „Ab 1 Million Euro 75% Steuern – keine Ausnahmen“

  1. Don Furioso sagt:

    Er geht sicherlich gegen die internationale Strömung, in einer Zeit der weltweiten Steuer – und Gesetzesarbitrage. Ich bin mir noch nicht sicher, ob er töricht-naiv ist oder sehr mutig.
    Die internationalen Schmähungen finde ich jedenfalls unerträglich. Frankreich wird prophezeit, dass nun Arbeitsplätze aus dem „kommunistischen“ Frankreich abwandern werden, zur Strafe sozusagen. Mein Lieblingseuphemismus für „reiche“: „job creators“. Ich drücke Hollande die Daumen, dass es ihm gelingt, ein anderes Gesicht der Sozialisten zu präsentieren, als das Gesicht, das Strauss-Kahn präsentiert hätte, wäre ihm die NY Polizei nicht zuvorgekommen.

  2. fischi sagt:

    Gilt das jetzt auch für Kapitalerträge?
    Da waren sich alle Schundmedien die letzten Tage einig das er Wahlversprechen bricht.

  3. Johannes Eber sagt:

    Ein Bericht bei den „Deutsche Mittelstands Nachrichten“, welcher so ziemlich alles beantwortet: http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/09/46713/ (Euro führt zu unterschiedlichen Inflationsraten in Europa vom 08. September 2012

    • uhupardo sagt:

      Warten wir mal die Ausführungsbestimmungen ab, das wird ein paar Wochen dauern. Danach werden wir ein Fazit ziehen.

      • Don Furioso sagt:

        Ja, keine voreiligen Schlüsse! Das Szenario, das mir Sorge bereitet, ist das folgende: Sobald ein Land versucht, sich von der Neocon-Doktrin freizuschwimmen, wird es durch externen Druck plattgemacht. Das ist so in der dritten Welt verlaufen, und es hat auch Europa getroffen. Was wäre die eleganteste Art, diese aufmüpfigen Europäer in Reih und Glied zu bringen?
        Indem man die Banken in Schieflage bringt. Frankreich muss einen gewaltigen Kraftakt vollbringen: Wettbewerbsfähig werden, ohne die Schwachen unter die Gleise zu werfen.
        Das darf natürlich nicht gelingen, es könnte sonst andere inspirieren. Hollande hat erkannt, dass der (Industrie)Mittelstand der wichtigste Jobmotor ist, nicht die LVMH. Wir dürfen gespannt sein. Nennen Sie mich paranoid und pessimistisch, ich lasse mich hier gerne eines besseren belehren.

        • uhupardo sagt:

          Überhaupt keine Frage, dass Hollande keinen Erfolg haben darf, Don Furioso. Die neoliberale Religion darf das keinesfalls zulassen, vollkommen klar. Deswegen wird man alles versuchen, ihm Äste in die Speichen zu werfen.

          Dennoch ist sein Vorhaben nicht chancenlos. Dieselben Befürchtungen, wie Sie sie äussern, gab es zum Beispiel auch, als Lula in Brasilien an die Macht kam. Dieser linke Gewerkschaftsfüher? Da wird jetzt das Kapital die Beine in die Hand nehmen und flüchten! – Wie sich danach – und bis heute – herausstellen sollte, passierte nichts davon. Lula fand einen klugen Weg, erfüllte zwar nicht alle Hoffnungen seiner linken Anhänger, weil er zu vielen Seiten hin Kompromisse machen musste, aber er zog sein Ding durch.

          Schauen wir mal, wie klug Hollande sein Projekt angeht. Frankreich ist nicht irgendwer, so einfach wird es nicht sein, seine Intentionen zu negieren oder gar zu boykottieren.

  4. Don Furioso sagt:

    Ja, Lula ist ein hoffnungsvolles Beispiel. Hollande wird glaube ich auch leicht unterschätzt, was vielleicht ganz gut ist. Zwei Frauen – Segolène und Valérie – können nicht daneben gelegen haben! 🙂

  5. Monika sagt:

    Guten Morgen,

    ich finde das prinzipiell eine gute Idee, dass man keine Ausnahmen mehr macht. In Deutschland gibt es zu viele Ausnahmen. Wir sollten uns ein Beispiel daran nehmen.

    Viele Grüße

    Monika

  6. Volksverdummung sagt:

    Klasse!
    Ein politisches Wunder an der Seine…
    Bitte gut auf diesen 1. Bürger des Staates und Diener seiner Bürger aufpassen! Märtyrer hat`s genug.

    Angesichts des energischen Kurswechsels von Hollande ist sein politischer Mut BEWUNDERNSWERT.

    Ökonomisch, sozialpolitisch und auch finanzpolitisch geht er quasi auf Gegenkurs zu den krisenverschärfenden Massnahmen seiner europäischen Partnerländer, insbesondere Deutschlands.

    Merkel und Hollande vertreten diametral entgegengesetzte Konzepte! In einem Europa mit offenen Grenzen kann das nicht lange gut gehen!

    Wird es auch nicht!
    Denn die deutschen Eurokraten werden sich noch mit den Ruderern der Europagaleere auseinanderzusetzen haben. Spätestens dann, wenn der ESM direkte ZUWEISUNGEN verlangt, um Spekulationsverluste einzelner Finanzhaie und -banken ausgleichen zu können!
    Diese Pest muss weg!

    Ich wünsche dafür unseren Nachbarn -umso mehr- viel Erfolg!

    N.S.: die idiotischen Massnahmen von Draghi passen da allerdings überhaupt nicht ins gesellschaftspolitische Konzept eines runderneuerten SOLIDARISCHEN EUROPAS!
    Die EZB-Massnahmen wirken nur einseitig (zugunsten der Gläubiger von Euro-Staatsanleihen, deren Marktwert unter Wasser ist) und inflationär, indem Sie den Preisauftrieb beschleunigen! Die EZB konterkariert damit auch alle zarten politischen Bemühungen, das Finanzsystem transparenter zu machen und das Wettcasino (Derivatehandel) zu regulieren! (wenn es so bleibt, wird KEINER obsiegen!).
    .
    HESSE
    .

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