Sparen per Luftlinie

escolar

Während viele Milliarden Euro an die Banken fliessen, die über Jahre hemmungslos mit Luftpapieren gezockt haben, werden den Menschen in Griechenland, Spanien, Portugal oder Italien zum rigorosen „Sparen“ verpflichtet. Ein Beispiel dafür, welche Blüten das treibt, spielt sich gerade in der Comunidad Valencia ab. Dort müssen ab heute 500 Kinder aus zwölf Dörfern ohne Schulbus auskommen, weil … der Schulweg jetzt plötzlich per Luftlinie berechnet wird.

Die Geschichte ist ganz einfach: Die Kinder aus den Dörfern Sueras, Ayódar, Torrechiva, Vilavella, Mascarell (Nules), Burriana, Altura, Geldo, Jérica, Viver, Vinaròs und Morella bekamen von der Provinz bisher einen Schulbus zur Verfügung gestellt, weil ihr Schulweg nach Castelló länger ist als drei Kilometer. Der Bus fuhr also morgens die Dörfer ab, sammelte die Hauptschüler ein und brachte sie nachmittags wieder nach Hause. Jetzt wurde der Bus abgeschafft. Sparmassnahme! Der Grund: Der Schulweg wird ab sofort per Luftlinie kalkuliert – damit ist er kürzer als drei Kilometer. Deswegen ab sofort keine Subvention mehr.

Ob die Kinder die kürzere Luftlinie jetzt selbst fliegen, oder ob die Eltern mit vielen PKW (und den entsprechenden Kosten) einspringen müssen, um den einen Bus zu ersetzen, ist noch nicht bekannt. Dumm gelaufen, die Kinder müssen wohl zu lange über ihre Verhältnisse gelebt haben.

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17 Kommentare zu “Sparen per Luftlinie

  1. flurdab sagt:

    Bei einer 50 % Jugendarbeitslosigkeit ergibt der Schulbesuch ja eigentlich auch keinen Sinn.
    Zumal das ja scheinbar nur „Hauptschüler“ sind.
    So haben die Kinder doch viel mehr Zeit im hier und jetzt durch Arbeit etwas zum Überleben der Familie beizutragen. Ähnlich wie Kinder in Neapel ( Reportage auf Arte).
    Und außerdem hat es sich als Nachteilig für Regierungen und Arbeitgeber herausgestellt wenn Menschen lesen können.

    Das hat alles schon System.
    „Wem gehört die Welt?“

  2. Herr Lehmann sagt:

    Das kommt in der BRD auch noch, schließlich müssen „Wir“ doch auch sparen.
    Ehrenämter und Freiwilligendienste für unausgelastete Rentner und faule Arbeitslose kommen da gerade recht!
    Der gutsituierte Wohlstandsrentner kann doch anderer Leute Blagen in seinem Mercedes zur Schule fahren statt zu hause zu verkümmern und dement zu werden!
    Arbeitslose können die Schulen ind andere öffentliche Gebäude sauber halten. Workfare nennt man das, in den USA und GB schon erprobt.
    Mehr dazu NACH der nächsten Bundestagswahl!

    Die Südländer werden sich zum Glück gegen solche Massnahmen wehren, der verblödeten BRD-Bevölkerung geht es scheinbar immer noch zu gut…

    • Frank sagt:

      Moment mal.. „Das kommt in der BRD auch noch??????? “ Das ist doch schon Ende der 70. Eingetreten. Ich ging in den 70 er zu Schule, alles war frei, bis auf die Pausenmilch, die kostete 1 DM /Woche. Ab den 80 er Jahren aber war der Bus nicht mehr frei und die Milch kostet heute das 10 Fache! Ich frage mich immer wieder warum es denn heute weniger Geld gibt, arbeiten wir doch heutzutage viel effektiver und haben , im Gegensatz zu damals, weniger Geld in der Tasche, obwohl jedes Jahr die Produktivität doch steigt. (Zwischen 0 und 5%!!!)
      Nun frage ich mich wo das Geld denn abbleibt, was wir „Übererwirtschaften“.
      Für mich ist die Sachlage ganz klar. Wir zahlen jede menge Kriegsreparationen, aber so daß das Volk es nicht mitbekommt, denn die „Siegermächte“ wollen auf keinen Fall die gleiche Konstellation wie ab 1918-1933, da wusste das Volk das es unmenschliche Zahlungen zu liefern hatte, deshalb nannte man die damaligen Politiker auch „Erfüllungspolitiker“ weil sie eben als absolute Priorität, eben die Erfüllung des Versailler Vertrages sahen. Denn mal ehrlich, uns müsste es doch so gut gehen das wir noch nicht mal Steuern zahlen müssten, aber ganz im Gegenteil, in Deutschland werden immer mehr Steuern erfunden, von denen im Ausland nur gelacht wird. zb. Hundesteuer!!!!!
      Da wir aber Neudeutsch der „Zahlmeister“ Europas sind, was nichts anderes ist als die Weiterverpflichtung zur Zahlung der Kriegsschäden, werden wir auch weiterhin so viel zu zahlen haben, das der Wohlstand nicht abreist, jedoch aber auch nicht besser ist als in den Ländern, wo die Produktivität nicht so hoch wie in Deutschland ist.
      Aus dem Grunde ist ja auch der Euro eingeführt worden, mit diesem Tage ist , von einem Tag, auf den anderen Tag eine Verteuerung eingetreten, die ihres Gleichen noch sucht, aber vom DUMMEN Volke anerkannt und nicht als Lüge aus Profitgier erkannt wurde. Es sollte doch jedem klar sein das der Benzin z.B. Nicht auf 3,20 DM heute wäre, denn das Volk ist weiterhin der Meinung das 1,60 Euro ja weniger sind als 3,20 DM !!!! Diese Phänomen kennt doch jeder , der aus einem Auslandsurlaub, bevor der Teuro kam, zurückkam und sich dann über etwaige Rechnungen „freute“ und dann sagte das es ihm in „Spanien“ nicht so teuer vorkam…
      Mathematik ist eben ALLES, wer die nur ein wenig beherrscht, der erkennt sofort den Betrug am deutschen Volke mit dem Euro.
      Aber so lange das Volk noch daran glaubt das, die von ihnen gewählten Politiker, auch dies machen, wofür sie gewählt wurden, so lange wird sich auch der Betrug, seitens der „ReGIERungen“, fortsetzten!!! Was muss eigentlich noch alles geschehen daß das Volk endlich begreift das wir seit 1918 ständig betrogen werden? Mit ALLEN Mitteln werden wir belogen und betrogen, so das sich bei mir das Gefühl einschleicht, das alles was ich sehe, höre, schmecke, eben ALLES ein riesiger Schwindel ist, oder eben auf einem Schwindel aufgebaut ist.
      Genau wie ab 1930, da wurde auch den Menschen in Deutschland klar was sie, wenn sie nichts unternehmen, blühen wird. Da kam dann die Erlösung, was jedoch vom Ausland mit Argwohn betrachtet wurde weil ja Deutschland, ab diesem Tage keine Reparationen mehr leistete und die , im Ersten Weltkrieg, amputierten Gebietsanteile zurückforderte , wo ja Millionen von Deutschen lebten, was die Alliierten dazu veranlasste Deutschland dem Boden gleich zu machen.
      Jetzt mögen vielleicht einige hier denken, das wäre Nazigeschwafel, aber eines sei ganz gewiss: Deutschland hat NUR den USA und das aus Verzweiflung heraus, den Krieg erklärt: Frankreich, England und somit auch das ganze Commonwealth, Holland, Belgien, Griechenland, Brasilien usw. Alle haben Deutschland den Krieg erklärt und nicht umgekehrt!!!
      Dei Angriffe auf Polen und letztendlich auf Russland waren auch nur Reaktionen auf das politische Geschehen und keine Aktionen!
      Warum, fragt sich der Leser, ich hier in die Geschichte abzweige? Für mich liegt der Grund allen Übels in Deutschland und heutzutage in ganz Europa, eben der immerschwelende Konflikt, der seit min. Dem ersten 30 Jährigen Krieg besteht. Und meiner Meinung sollte man sich bei den heutigen Problemen nicht die Augen vor der Vergangenheit verschließen, denn darin sind eine Menge Wahrheiten enthalten und wenn die breite Masse dies wüsste, das einiges anders wäre, wenn nicht ALLES. Das wird uns aber verschwiegen, denn Geschichte schreibt eben IMMER der/die „Sieger“.
      Liebe/r Leser/in, ich bin immer Wissbegierig, deshalb bitte nicht scheuen, auch mir Fehlinformationen vorzuwerfen———-

      Danke……. Frank

  3. Gabi sagt:

    Ich lese in der letzten Zeit gern und öfter hier. In der etablierten Presse, oder im gebührenfinanzierten Fernsehen (müßten die nicht gerade deshalb unhabhängig sein?), wird so etwas kaum kommuniziert (verschwiegen) und berichtet. Es ist nur noch ein Elend!

    Ich habe auch ein schulpflichtiges Kind, Grundschule 4. Klasse. Das neue Schuljahr ging bei uns auch schon wieder richtig deftig los. Da fehlten bis heute Schulmaterialen, Mitteilung durch den Lehrer „Stadt hat kein Geld“. Lehrermangel, da fallen wöchentlich schon wieder, mal mehr mal weniger Stunden aus.

    Unsere Politiker, und ich meine EU weit, sind wohl mehr damit beschäftigt den Banken und ihren Großkunden Gelder zuzuschustern, damit das Casino nicht kollabiert. Was interessiert da schon die nächste Generation!

    • uhupardo sagt:

      In Leipzig kommt nur das verspätet an, was sich in Valencia bereits abspielt. Alles wahrlich kein Wunder. Es wird sich auch nicht ändern können, aber hier wie dort schlimmer werden müssen, solange das gesamte Casino nicht abgeschafft und das System restrukturiert wird, was schmerzfrei nicht mehr zu haben ist: „Wer ist schuld an der Krise?“

      • Gabi sagt:

        Uhu, ich bin im OSTEN ( 63 Baujahr) von Deutschland aufgewachsen, kann ich also differenziert sehen. Habe beide Systeme hautnah erlebt.
        Mein Fazit: die einen wollten, die anderen haben uns einfach einkassiert!
        Und was z.Z. gerade passiert, finde ich „persönlich“ so was von abartig.

        Es geht hier doch gar nicht mehr um die einfache Bevölkerung, hier wie da. Zuerst wurden in D sämtliche Regeln ausgehebelt. Und wir sind explodiert, als Exportweltmeister. Aber wer ist wir?

        Die ganzen billig Löhner, Rentner mit Nullrunden, ALG 2 mit Jobs, die in die Wirtschaft gehören?

        Ich bin garantiert nicht europäisch feindlich, aber würde gerne denen in EUropa diese Hetze ersparen, wie hierzulande.

  4. […] viaSparen per Luftlinie « uhupardo. Share| September 14, 2012 at 7:38 pm by admin Category: Spanien […]

  5. schoggo sagt:

    oooohhh Gott wie schlimm….jetzt müssen die Kinder 3 km zur Schule laufen. Von der fünften bis zur neunten Klasse musste ich jeden Tag 3,5 km zur Schule laufen. Und ich habe es auch überlebt. Nebenbei gab es Mitschüler die einen noch weiteren Weg zur Schule zurücklegen mussten. Also was soll dieses Geheule……Wenn kein Geld da ist, ist es notwendig zu sparen. Ein zusätzliche Portion Luft wird den Kindern nicht schaden…..

    • uhupardo sagt:

      Sind Sie sicher, dass Ihnen das nicht geschadet hat?

      Es geht hier nicht darum, ob frische Luft gut oder schlecht für Kinder ist. Wenn Sie unter „Sparen“ verstehen, dass jetzt 300 PKW fahren, weil ein Bus angeblich nicht mehr bezahlt werden kann, haben Sie offensichtlich einfach eine andere Auffassung der Dinge.

      Haben Sie sich auch in irgendeiner Weise gegen die Sozialisierung von hunderten Milliarden Euro Banken-Zocker-Verlusten engagiert oder klappt das nur bei Schulbussen?

    • Frank sagt:

      Grundsätzlich hast du Recht Schoggo, würde das eingesparte Geld NICHT für Luxuskarossen der Politiker und Bankster ausgegeben!
      Frank

    • Ulrich sagt:

      Damals gab es auch noch keine Autos oder das Verkehrsaufkommen war geringer, es geht darum das die Kinder die Strecke jetzt zu Fuß zurücklegen müssen obwohl es Sicherer und Bequemer mit dem Bus wäre, oder benutzen Sie das Auto statt Telefon?

  6. fischi sagt:

    Bloss da kommt ja auch noch dazu, dass der Busfahrer vielleicht seine Existenz verliert.
    Der Busunternehmer kann, wenn es dumm kommt, die Schulden auf den Bus nicht mehr tilgen.
    So kommt eins ins andere, vor kurzem habe ich gelesen, dass Spanien auch Weltmeister an Arbeitslosen ist.
    Und schoggo, glaubst du wirklich, dass dich die Eltern in der heutigen Zeit noch so weit alleine zur Schule gehen lassen würden.
    Da kommt jeden Tag im Fernsehen wie gefährlich das ist, obwohl das auch nicht war ist.

  7. flurdab sagt:

    Zumal wir das Jahr 2012 schreiben, nicht 1960.

  8. birkental sagt:

    Ich bin auch der Meinung, dass junge Leute, besonders heute, viel Zeit im Freien und in Bewegung verbringen sollten. Doch beim Streichen eines Schulbusses geht es um Verlust von Chancengleichheit. Dies in einer Epoche, die alles tun sollte, um die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter aufklaffen zu lassen. Dies in einem Alter, in dem Unterschiede schwerer wiegen wie in keinem andern.
    Ich spreche hier nicht von genialen Überlebenskünstlern. Die setzen sich immer durch. Doch die vielen begabten und besonders die weniger begabten Lebenstüchtigen sind, wenn ihr Tempo auf dem Schulweg von der finanziellen Familiensituation abhängig ist, gefährdet, dass eine äussere Armut sich als innere Armut manifestiert. Dies scheint mir die wirkliche Gefahr von Besitzlosigkeit zu sein, denn ihre Ausprägungen sind Resignation, Agression und Apathie.
    (Nach der kürzlich hier in einem Kommentar erwähnten Marientalstudie)
    Somit wäre eine weitere Einsparung wesentlich geringer als ihr Preis.

    • uhupardo sagt:

      „Doch die vielen begabten und besonders die weniger begabten Lebenstüchtigen sind, wenn ihr Tempo auf dem Schulweg von der finanziellen Familiensituation abhängig ist, gefährdet, dass eine äussere Armut sich als innere Armut manifestiert. Dies scheint mir die wirkliche Gefahr von Besitzlosigkeit zu sein, denn ihre Ausprägungen sind Resignation, Agression und Apathie.“

      Das ist einer der wichtigsten Sätze in diesem Thema. Die Marienthal-Studie ist übrigens hochinteressant, muchas gracias, birkental.

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