„Das ist der sozialste Staatshaushalt in der Geschichte!“

montoro

Selbst nach Jahrzehnten Journalismus gibt es noch Dinge, die einen fassungslos hinterlassen. So wie heute. Da stellt sich der Finanzminister Spaniens nach allen Streich- und Kürzungsmassnahmen seiner Regierung, die bereits einen halben Bürgerkrieg ausgelöst haben, ans Mikrofon und sagt wörtlich: „Das ist der sozialste Staatshaushalt in der Geschichte der spanischen Demokratie!“ – da fällt es schwer, noch die passenden Vokabeln zu finden: „Unverschämt“, „Gipfel der Dreistigkeit“, alles viel zu schwach und abgelutscht. Der Minister setzt Orwells „Neusprech“ perfekt und komplett skrupellos um.

Nach diesem famosen Satz musste Cristobal Montoro seine Rede vor dem Parlament unterbrechen, in der er den Staatshaushalt für 2013 vorstellen wollte. Zu gross und zu laut war der Tumult auf den Oppositionsbänken. Erst nach einer ganzen Weile beruhigte sich die Szene so weit, dass er weitermachen konnte. „Von je 100 Euro gehen 63 in die Sozialausgaben, was vorher noch nie passiert ist.“ – Die Sprecherin der Sozialdemokraten, Soraya Rodríguez, nannte Montoro daraufhin einen „Lügner“, warf dem Finanzminister vor, bewusst falsche Zahlen zu benutzen, „die hinterher garantiert modifiziert werden müssen“ und beschuldigte die Regierung, mit diesem Staatshaushalt „das Leiden der Menschen in diesem Land zu vergrössern“.

Andere Parteien sahen auch keine Notwendigkeit mehr, ihre Kritik zu maskieren nach der dreisten Ansage des Finanzministers. Olaia Fernández (BNG) zum Beispiel versicherte, die Regierung Rajos „zögert keine Sekunde, die Menschen zu opfern, um die Banken zu retten.“ Auch der Sprecher der Coalición Canaria, Pedro Quevedo, äusserte sich ähnlich. Die Regierung sei „stark gegenüber den Schwachen und hat eine Schwäche für die Starken“. Kein Mensch ausser dem Finanzminister glaube an die prognostizierten Zahlen für 2013, unterstrich der Canario: „Die Realität und alle Analysten haben bereits bestätigt, dass diese Wachstumsprognosen der Regierung pure Fiktion sind!“

Der Sprecher von ERC, Alfredo Bosch, sieht in dem heute vorgestellten „sozialsten Staatshaushalt in der demokratischen Geschichte Spaniens“ eine „unverschämte Beleidigung derjenigen, die Müllcontainer durchwühlen müssen; nicht mehr wissen, wie sie ihre Kinder satt kriegen sollen und ein Schlag ins Gesicht für alle Arbeiter Spaniens.“

powell UN

Wir hatten das Thema erst gestern in den Kommentaren zu Lance Armstrong:  Spätestens seit Colin Powells Vortrag vor dem UN-Sicherheitsrat, mit dem er die Existenz der irakischen Massenvernichtungswaffen beweisen wollte,  geht alles durch, gibt es keine Skupel mehr.  Jeder darf – und zwar ungestraft, was den Unterschied ausmacht! – die Wahrheit komplett auf den Kopf gestellt ins Mikrofon sprechen.  Dreiste und bewusste Lüge wird zur Realität. Wenn das hochrangige Politiker tun, ob Powell oder Montoro, und danach auch langfristig keinerlei Sanktionierung erfolgt, ist es nicht verwunderlich, wenn solches Verhalten zum Massstab für alle wird:  Tu´ und sag, was du willst, egal wie wenig Wahrheit in deiner Aussage liegt – solange du damit am Ende durchkommst, ist es absolut legitim. Dein Zweck rechtfertigt jede unverschämte Lüge. George Orwell hat es kommen sehen …

Lesen Sie dazu bitte auch:
* News aus der Kristallkugel: Wie es jetzt (nicht) weiter geht …
* Prügelnde Polizisten sollen nicht mehr gefilmt werden dürfen
* Polizei verhindert Menschenkette um Kongress in Madrid

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58 Kommentare zu “„Das ist der sozialste Staatshaushalt in der Geschichte!“

  1. almabu sagt:

    Manchmal habe ich das Gefühl, die wollen austesten wie weit sie gehen können, bis es kracht! Die betteln darum, dass es kracht, denn dann kann aus Gründen der inneren Sicherheit der Faschismus 2.0 eingeführt werden…

    • Uhupardo sagt:

      Anders ist es schwer vorstellbar, almabu. Es ist schon schwer genug, es überhaupt noch zu kommentieren.

    • Hackentrick sagt:

      Wenn es so wäre, hätte man wenigstens einen konkreten Feind, den man mit gutem Gewissen bekämpfen kann. Ich befürchte jedoch, dass die das gar nicht mit Absicht machen, sondern in ihrer abgeschotteten Welt völlig den Sinn für die Realität verloren haben. Die sind der Meinung, es wäre tatsächlich richtig, was sie machen. Die sind nicht auf dem Weg zum Faschismus 2.0 – die sind auf dem Weg in die Irrenanstalt…

      Oder träume ich das nur?

      • Uhupardo sagt:

        „Ich befürchte jedoch, dass die das gar nicht mit Absicht machen, sondern in ihrer abgeschotteten Welt völlig den Sinn für die Realität verloren haben.“

        Einige bestimmt. Es ist manchmal wirklich kaum zu beurteilen, was in diesen völlig verqueren Köpfen abläuft. Richtig ist aber: Du kannst inzwischen sagen, was du willst. Der Wahrheitsgehalt spielt keinerlei Rolle mehr, weil nichts mehr sanktioniert wird. Die perfekte „Ära der Beliebigkeit“.

        • Schon 1990 sagte eine Künstlerin aus der DDR, befragt, wie sich denn nun fühle, dass sie alles sagen könne: „Wenn alles gleich gültig ist, ist auch alles gleichgültig.“

          • aus Madrid sagt:

            Hallo Solveigh : ) Kennst Du noch den Namen der Künstlerin?
            Liebe Grüsse auch an alle Uhupardoleser! Bei einem Uhupardoartikel lese ich grundsätzlich alle Kommentare mit und Informationen aus der Kunst um gegen den Fortschreitenden „Deldenk“ anzugehen tut gut 😉

            • Andreas Fehlmann sagt:

              Falsch, wir müssen gegen den „Gutdenk“ vorgehen, und das, was von denen als „Deldenk“ abgetan wird, praktizieren!

              • Uhupardo sagt:

                Wer sich auf das niedrige Niveau seines Gegners herab ziehen lässt und das für eine Waffe hält, hat genau das verdient, was er dann erntet.

                • Andreas Fehlmann sagt:

                  Ich weiss jetzt nicht genau, wie ich das verstehen soll, deshalb formuliere ich meinen vorherigen Kommentar nochmal ohne „Newspeek“(ups, funktioniert irgendwie nicht mehr komplett): Das, was in 1984 als „Crimethink“ (in der deutschen ausgabe „Deldenk“) bezeichnet wird, ist Denken, welches von den Vorgaben der Regierung abweicht. Also ist das nicht das, wogegen wir angehen sollten, sondern was wir bewahren sollten. Das, wogegen wir angehen sollten, wird in „Newspeek“ als „Goodthink“ (Deutsch: Gutdenk) bezeichnet und ist Denken, welches Regierungskonform ist, also das Resultat von „Newspeek“.

                • Uhupardo sagt:

                  Bueno, nachdem wir jetzt mit etwas Mühe die Verschraubungen wieder aus dem Hals gedreht haben … haben Sie Recht.

                • Andreas Fehlmann sagt:

                  Da bin ich aber erleichtert. Meine Erfahrung mit der Sprachkultur von heute ist, dass man immer nachhaken muss, wenn man etwas nicht ganz versteht, und immer präzisieren muss, wenn man denkt, nicht ganz verstanden worden zu sein. Und natürlich stimme ich zu, dass man sich auf keinen Fall auf „Newspeek“ einlassen sollte. Mea culpa.
                  Und übrigens: Man darf mich gerne duzen.

                • Uhupardo sagt:

                  Wir duzen hier nur Leute, die wir überhaupt nicht leiden können, wünschen Sie sich das besser nicht!

                  Newspeak ist die eine Sache. Das wäre fatal genug, wenn nicht inzwischen die Sanktionierung komplett ausbleiben würde, weil der ungeheure Wust an Informationen kaum noch anderes zulässt. Wichtig ist nur noch die möglichst schnelle Übermittlung von Nachrichten „Was ist passiert“. Früher reichte das am nächsten Tag in der Zeitung, heute geht es um wenige Minuten, wer ist der Schnellste.

                  Da scheint keine Zeit mehr zu bleiben zur Analyse, denn das braucht: Zeit und Innehalten. So wird die so wichtige Analyse des heutigen Newspeak-Vortrags unterbleiben, weil alles morgen (spätestens) von der nächsten News zugeschmiert wird und Aktualität verliert.

                  Wenn die Analyse unterbleibt, kann es keine Sanktionierung geben. Dadurch entsteht absolute Beliebigkeit.

                • Andreas Fehlmann sagt:

                  Ups, in diesem Fall bitte ich Sie für meinen Fauxpas um Entschuldigung, ich bin mit den Umgangsformen hier nicht vertraut. In diesem Fall bleibe ich natürlich bei der Höflichkeitsform (obwohl ich diese als „der herrschenden Klasse zugehörig“ betrachte und das duzen als Herzlichkeit interpretiere). Zu Ihren Ausfürhungen was News angeht muss ich ihnen vollumfänglich Recht geben. Danke für Ihren Blog mit Hintergründen und Analysen, er grenzt sich positiv vom sonstigen Brei ab und ich lese ihn seit kurzem regelmässig und gerne.

                • Uhupardo sagt:

                  „ich bin mit den Umgangsformen hier nicht vertraut.“

                  Die gibt es auch nicht, hier redet jeder, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und das ist so gedacht und gut so. 😉
                  … y gracias por las flores.

            • Nein, an ihren Namen erinnere ich mich nicht mehr. Ich erinnere mich noch, dass sie damals schon alt war. Sie zeichnete wundervolle Bäume, die Menschen waren – oder Menschen, die Bäume waren… Die Bilder haben mir sehr gut gefallen.

              • aus Madrid sagt:

                Könnte es sich um die Malerin Annemirl Bauer handeln?
                (* 10. April 1939 in Jena; † 23. August 1989 in Berlin-Friedrichshain)
                Welch ein schöner Name! Annemirl : )
                Faszinierend! Vielen Dank für diese „Entdeckung“!

                Um einwenig beim Thema zu bleiben… (Entschuldige bitte lieber Uhupardo!)

                Bei der Suche im Netz nach Annemirl, bin u.a auch auf die übliche Ehrung seitens der politischen Ecke gestossen. Sie würde sich im Grabe herumdrehen, wenn sie sähe wofür sie an der Stelle „gepriesen“ und genutzt wird von der BRD.
                „Sie war tapfer und starb bespitzelt…“, heisst es dort. Deshalb die Feier dann für Sie? Und die Malerei? Das ist doch das eigentlich tapfere. Diese Arbeit an der Leinwand…

                Das erinnerte mich an den sehr guten und zerfeierten Künstler Chillida, damals schon durch die Alzheimerkrankheit ziemlich gebeutelt. In einem politisch delikaten Moment tauchte eine Szene in endlosschleife im Fernsehen auf, in der Chillida Politikern die Hand schütteln musste, um zu zeigen, dass „die Basken unsere Freunde sind“.

                Auf der anderen Seite kann man auch nicht verlangen, dass brutale Geister plötzlich Sensibilität und Feingefühl entwickeln.
                „No le pidas peras al Olmo“ – = Wenn man die Sau noch so oft sattelt, wird kein Pferd daraus.

                Deshalb sollten diese Art von Menschen wie Montoro gar nicht an solchen Stellen sitzen und mit ihrer Phantasie für Sarkasmen und verkrampfter Gesichstmimik, über ihre Mitmenschen bestimmen. Sie kaufen obendrein noch gerne Kunst ein, das weiss ich!
                Montoro in einem Sessel von Mies Rohe, sitzt in seinem teuren Zimmer und betrachtet mit besessener Genüsslichkeit ein Gemälde von Annemirl. Damit muss ich leben und mit seinen Sätzen wie: „das ist komplex, zu schwierig um es zu verstehen.“ – Also lassen wir es dann lieber – zu denken. Zudenken könnte es in Neusprech heissen.
                Was sagen wohl die Psychater zum Montoro-Komplex?

                Grüsslieb : )

            • @aus Madrid:

              Manchmal ist es komisch… Gestern suchte ich den Namen der Künstlerin in meinem Gedächtnis und konnte ihn nicht finden.
              Heute läuft sie mir über den Weg 🙂 Die Dame heißt Ingeborg Bachmann:

              • aus Madrid sagt:

                Dankeschön, Solveigh!
                Ingeborg Bachmann ist ja die Österreichische Dichterin und Schriftstellerin.
                Die Bilder in dem Video sind von verschiedenen Künstlern.
                Ein Gedicht! „die gestundete Zeit“ : )

    • @ almabu:
      So sehe ich das auch 😦

  2. kingkenny7 sagt:

    Und ich rege mich schon jedes Mal richtig darüber auf, wenn hierzulande die geschönten Arbeitslosenzahlen vorgelegt werden…

  3. flurdab sagt:

    Wer sollte es auch sanktonieren?
    Unsere Demokratie (Deutschland) ist doch nur noch eine Simulation. Beim alle vier Jahre ein Kreuzchen machen endet unsere Mitbestimmung. Alle Entscheidungen werden ausserhalb der Öffentlichkeit getroffen und im Tonfall der „Beliebigkeit“ verkündet. Die Erklärung der Massnahmen wird verweigert. Wie bei Dieben, alles heimlich, schnell und weg.
    Während dessen aus dem Ehter leise schallt: Krise, Krise, Krise, Krise, Krise etc.

    Und trotzdem die Botschaft: „Deutschland geht es gut“.
    Warum bittet niemand Frau Merkel darum zu erklären welches Deutschland sie meint?
    Dies ist ein Mantra. Vor Jahren bin ich der Methode von Herrn Émile Coué begegnet. Dieser gilt wohl als der „Erfinder“ der Autosuggestion.
    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89mile_Cou%C3%A9
    Nun gibt es aber nicht nur Autosuggestion sondern auch Suggestion. Und hier setzt Neusprech an.
    Die Erfahrung des Einzelnen wird mit Blick auf die Gemeinschaft relativiert, ohne das die Gemeinschaft begreifen kann, das sie aus Individuen besteht.
    Deshalb finden in Deutschland auch so wenige Proteste statt. Die Gehirnwäsche funktioniert.
    Wir sind ausgeliefert!

  4. Der wollte doch unseren Kasperl ausstechen und sich dabei nicht mit Kinkerlitzchen wie seiner Ausbildung abgeben ……:/
    http://www.das-pausenblog.com/2012/10/gaspar-der-kaspar.html

  5. […] Spaniens Finanzminister zeigt keinerlei Verständnis für die Bedürfnisse der Bürger/innen. https://uhupardo.wordpress.com/2012/10/23/das-ist-der-sozialste-staatshaushalt-in-der-geschichte/ […]

  6. El Bernabeu sagt:

    Nur komisch, daß bei der Regionalwahl in Galicien, Rajoys Volkspartei die absolute Mehrheit behaupten konnte. Stattdessen erlitten die opositionellen Sozialisten starke Verluste.
    Wenn Rajoys Partei derzeit wirklich so unbeliebt ist, dürfte sowas doch nicht passieren, oder wie ist das zu erklären?

  7. Andreas sagt:

    Was ist das denn für ein Vogel hat der auf den bild ein anfall oder sowas ?

  8. Michael Thuma sagt:

    Selbst wenn die Zahlen stimmen ist ein Budget mit solchen hohen Sozialausgaben noch lange nicht sozial.

    Grob die Ressort Ausgaben um 12% gekürzt, Überweisung an Sozialversicherung massiv gestiegen und der Zinsendienst beachtlich. Das dahinter stehende ist das unsoziale Element. Klar, der ewige Kampf ist zwischen Bezahlung der Zinsen und der Sekundär(um)verteilung. Ich persönlich bin für saubere Organisation von gerechterer Primärverteilung. Nach anderen Kriterien als jene die im Moment zur Anwendung kommen.

    Dabei geht es aber allein um etwas Guten Willen … Autos wurden auch vor der Hochzeit des Materialismus erfunden … Es kann nicht die Summe über alle bezahlten und damit als quantitativ ‚wertschöpfenden‘ Tätigkeiten die Gesellschaft ausmachen. Wertschöpfung in 20 bis 100 Stufen in einer Supply Chain mit weiterverrechneten Fremdfinanzierungskosten sind für mich eine sehr fragwürdige Basis für die Beurteilung von Wertschöpfung.

    Es ist kein Wunder, dass wir heute teils absurde Wertvorstellungen, sprich Preise vertreten. In ein paar Jahren so hoffe ich wird man eine neue Erfindung präsentierten anstatt SMS per Handy, die konsequente Nutzung von Schallwellen bei der Kommunikation transportiert durch das Medium Luft mit Schallgeschwindigkeit. Trotz ‚Lichtgeschwindigkeit‘ kommt die SMS auch nicht früher an im Dialog. Aber Essen darf nichts mehr kosten, denn das ist ja lebenswichtig und deswegen wird in diesem Bereich Konsequent die Autonomie aufgegeben. Das alles will finanziert werden.

    Die geplanten zusätzlichen Einnahmen kommen aus Mehrwertsteuererhöhung und Spezialsteuern. Leider habe ich keine guten Zahlen im Vergleich mit 2009.

    Die Arbeitslosigkeit und vermutlich Pensionierungen, korrigiert mich wenn ich falsch liege, werden zur Erhöhung beitragen.

    Ob sich die Einnahmeseite aber so darstellt wie geplant, daran zweifle ich.

    • Uhupardo sagt:

      „Die Arbeitslosigkeit und vermutlich Pensionierungen, korrigiert mich wenn ich falsch liege, werden zur Erhöhung beitragen.“

      Selbstverständlich ist das so, Michael Thuma. Das ganze Konstrukt ist eine so unglaubliche Frechheit, dass es sich gar nicht lohnt, den entsprechenden Zahlenwust dagegen zu setzen.

      Zuerst Dutzende von Milliarden, die in fast allen Bereichen gekürzt worden sind (Gehälter, Kultur, Bildung und Erziehung, Beamte usw.). Nach völlig überzogenen Positivprognosen der Regierung kamen wegbrechende Einnahmen logischerweise durch abstürzenden Inlandskonsum. Das erhöht die Arbeitslosigkeit deutlich. Und JETZT kommt der Finanzminister und bezeichnet die gestiegenen Kosten, verursacht mehrheitlich durch Arbeitslosigkeit, als „den sozialsten Staatshaushalt der Geschichte“. Mehr Frechheit geht kaum noch.

      Doch das ist noch nicht das Ende der Geschichte. Die Vorgabezahlen der Regierung für 2013, das weiss hier jeder, sind nicht einmal ungefähr zutreffend. Da wird ohne Ende geschönt und kosmetisiert, was natürlich spätere „alternativlose“ Massnahmen (weitere Kürzungen und Streichungen) nach sich ziehen muss und wird. Fortsetzung folgt also …

      • Andreas Schmitt sagt:

        Denken Sie bitte an Fiskalvertag und Sie werden um Schlaf gebracht.
        „In einer Geldordnung, die wie der Euro auf Kreditgeld aufbaut und damit jedem Guthaben eine Schuld in gleicher Höhe gegenübersteht,[23] bedeutet eine Schuldenbremse zugleich eine Vermögens- bzw. Einnahmenbremse.[24]“
        „Die Friedrich-Ebert-Stiftung argumentiert, dass die Schuldenbremse nicht an den Ursachen ansetze und die Krise weiter verschärfe.[25] Die Einführung von möglichst automatisch geltenden Regeln und „unabhängigen“ Institutionen beschneide drastisch die Gestaltungsmöglichkeiten künftiger eventuell anderer Regierungsmehrheiten.“ Wikipedia

        Also nochmal plastisch: Die Schuldenbremse wird verhindern, daß die Europäer wohlhabender werden, also wer jetzt ARM ist, der wird für IMMER ARM bleiben.
        Die EU hat Armut patentiert, auch ein Grund für den Nobelpreis in der Wirtschaftswissenschaft!
        Die Demokratie wurde in der EU faktisch abgeschafft, weil egal wer in der Zukunft regiert, er wird nichts mehr ohne Zustimmung der EU-Bürokraten tun können. Sollen wir nur noch unseren Schlächter wählen dürfen?
        Die Spitze des Wahnsinns ist aber, daß die Einhaltung des Fiskalvertrages von Richtern überwacht wird! Was verstehen bitte die Richter von Ökonomie? Nichts!
        Mir geht es wie dem Nietzsches Seiltänzer, mein linker Arm lahm und es kribbelt, rechts ballt sich vor Wut die Faust. Es ist der Moment, an dem jeder den Schritt auf dem Seil wagen soll, vom Tier zum Übermenschen. Es gilt die Angst zu überwinden.

  9. WsdV sagt:

    Oh Mann! Dazu fällt mir nicht mehr viel ein. Hatte der Faschismus nur das Gewand gewechselt? – Demokratie als Augenwischerei? – Schaut man über den Teich, sieht es auch nicht besser aus, zwei Kandidaten, dabei sind es doch vier Präsidentschaftskandidaten. Auszeichnung für Frieden bringende Angriffskriege(r)*Obama*. Nun ja, es schreitet unaufhaltsam(?) weiter voran.

    Neusprech: Goldreserven überprüfen – Goldreserven verpfänden

    Krieg ist Frieden
    Freiheit ist Sklaverei
    Unwissenheit ist Stärke

  10. Don Furioso sagt:

    In den USA gelten Konzerna als Personen. Gemäß dieser Auffassung ist der Haushalt wirklich sozial, da die Banken nunmal massiv Sozialhilfe erhalten haben. Ja, es ist alles Neusprech und Propaganda. Ich empfehle daher, die Fernsehzeit zu rationieren und mehr zu lesen – da hat man mehr Distanz zu dem Blödsinn, den man vorgesetzt bekommt, wie etwa „Waffenerxporte im Dienste des Friedens.“ Ich habe die Befürchtung, dass jahrelange Propaganda irgendwann auf die Gesundheit schlägt.

  11. […] möchte ich an dieser Stelle den heutigen Uhupardo-Artikel “Das ist der sozialste Staatshaushalt in der Geschichte”. In diesem geht es darum, wie der Finanzminister Spaniens die Bürger dieses Landes mit einer […]

  12. flurdab sagt:

    Wirklich OT

    @WsdV

    Was mich bei der Meldung zu den Goldreserven am meisten beunruhigte war der Auftritt von Mißfelder.
    Bitte, bitte, lasst das Gold im Ausland, da ist es sicher!

  13. Gabi sagt:

    Irgendwie müssen sich die verantwortlichen Politiker die Situation, hier wie da, ja schön reden. Ob es nun realitätsfern, oder bewußtes Ignorieren der Wirklichkeit ist, kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Wenn es nämlich bewußtes verharmlosen wäre/ist, müßten Sie ja ihre sämtlichen Entscheidungen/Politik der letzten Jahre in Frage stellen. Ihre Phrasen, wie wir ALLe müssen nur den „Gürtel enger schnallen“ dann wird`s schon mit dem Wohlstand im EUROland, könnten Sie sich ansonsten nämlich sonst wo hinstecken und kein Schwein würde diesen mehr Glauben schenken. Z.Z. leider noch Utopie, aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, halt eine unverbesserliche Idealistin.

  14. […] Anlass für die Versammlung an diesem Dienstag war die Debatte über den Haushaltsplan für das kommende Jahr, die zeitgleich im Unterhaus stattfand. Finanzminister Montoro nannte diese Kürzungsorgie der regierenden rechtskonservativen Partei in zynisch “den sozialsten Haushaltsplan in der Geschichte der spanischen Demokratie.” (Nachzulesen bei Uhupardo). […]

  15. Mallorcablog sagt:

    Montoro meinte vermutlich den Sozialstaat für die Finanzindustrie. Hat er wohl nur etwas unverständlich rübergebracht.^^

    • bodenfrost sagt:

      Vielen Dank für die Empfehlung. Ich habe den Eindruck, dass sich immer mehr Menschen dafür interessieren, was in Spanien vor sich geht. Wenn mich jemand fragt, verweise ich einfach immer auf Uhupardo, auf keiner anderen Seite wird man besser und aktueller informiert.

      Saludos

  16. sternenstaub1012 sagt:

    Nachtraeglich noch einen „Herzlichen Glückwunsch “
    Hier ein Video, welches spanisch ist ( Uhupardo versteht es ja, vielleicht ist der eine oder andere spanisch verstehend ):

  17. sternenstaub1012 sagt:

    Praegnant aber auch folgende Aussagen :
    Hochschulabsolventen werden Spanien verlassen, und die Länder wo sie hingehen haben dann die Nutzniessung dieser, sowie der Hammersatz :
    Jeder der in Spanien ueber 45 ist, und ohne Arbeit wird in diesem Land NIEMALS mehr arbeiten .
    Weiter :
    er schildert was die Spanier machen :nämlich nichts, sie nehmen all das hin und es muesste eine REVOLUTION stattfinden
    Dazu noch eine Bereicherung am heutigen Tage ( leider auf englisch )
    http://www.corporateeurope.org/pressreleases/2012/eu-commission-forces-crisis-hit-countries-privatise-water

    Dies in kurzen Worten :
    die europaeische Kommision will nun, das die europäischen Südländer ihre Wasserversorgung privatisieren und verkaufen, wenn ich es recht verstanden habe ; an eine Firma in den uSA,

    Ich widerspreche Uhupardo ungerne, was seinen Artikel“ Back to Franco“ betrifft , aber :
    all das beobachtend was die europaweit anstellen, erscheint mir Franco wie ein Weichei .

    Zur erinnerung :
    die Eu hat 500 Millionen Einwohner , oder sollte ich besser sagen 500 Millionen Wackeldackel ?
    Unglaublich ist das alles mittlerweile .

    saludos

    • Andreas Schmitt sagt:

      Ich verweise auf die Schock-Strategie, Naomi Klein. Aus jeder Krise machen die Vermögenden Profit, und ziehen die Privatisierung und Sozialabbau brutal durch. Die Vermögenden haben IWF, Weltbank und BIZ an ihrer Seite und die passen auf, das jeder Euro Schulden mit Zinsen zurückgezahlt wird, koste es was es wolle. Was man jetzt in Spanien noch zerstören kann, das wird zerstört, die Wälder werden gerodet, die Wasseversorgung wird für arbeitslose Spanier unbezahlbar, 600.000 Haushalte in Deutschland sind bereits ohne Strom, in Spanien kann ich mir das kaum vorstellen. Exitus!

  18. sternenstaub1012 sagt:

    Da ich im deutschen Sprachraum immer den Begriff Pigs anprangere, weil damit Menschen, wie ich, abgewertet werden, ist mir das eben selber passiert.
    Dies geschah aber, aus der Kurzzusammenfassung und da im englichen das P**** stand hatte ich das leichtfertigerweise mit uebernommen .
    Dafuer , und an Uhupardo Danke fuer den Hinweis, möchte ich mich entschuldigen .
    Sprache ist eine Waffe und kann mehr Schaden anrichten , als das aussen es vermutet ( dazu auch immer der Vorwurf : wir waeren faul , das ist auch etwas, was ich als sehr verletztend empfinde )
    saludos

  19. Andreas Schmitt sagt:

    „Das ist der sozialste Staatshaushalt in der Geschichte der spanischen Demokratie!“
    Der Mann glaubt einfach, was er sagt. Aus seiner Sicht ist das wirklich eine riesige Wohltat für nutzlose Arbeiter. Denn im Kapitalismus sollen die Arbeiter die Kapitalisten ernähren, nicht umgekehrt, wo leben Sie alle denn? Diese Menschen werden nur noch zu niedrigst Löhnen eine Arbeit finden können, 1€-Job läßt grüssen. Mehr werden die Unternehmer nicht zahlen wollen. Warum sollten sie auch, bei 30% Arbeitslosigkeit?

    Es ist vorbei, es gibt keine Lösung im Neoliberalen System für Arbeitslosigkeit, das müßte seit dreißig Jahren jedem bekannt sein. Es folgen Diktatur, Krieg und wunderbarer Wiederaufbau. Haben die Spanier es noch nicht begriffen? Die Deutschen sind doof, aber in Deutschland weiß man bereits was die Zukunft bringt. Fr. Merkel will die deutsche Rüstungsindustrie stärken und mehr Exporte erlauben, denn deutsche Waffen sichern den Weltfrieden. Die Kanzlerin bekommt sicher bald den Nobelpreis!

    Ich weiß, es ist grausam aber: „Sehr böse Dinge erscheinen anderen Menschen als dumm und sie wollen nicht daran glauben. Sie fragen: Ist das Leben wirklich so?, und zwinkern sich vielsagend zu. Aber das Leben ist noch viel schlechter und noch ekelhafter als alles, was man darüber sagen kann…“
    Und das noch: Ich fürchte keine anderen Meinungen. Diese sind mir schlicht egal.

  20. sternenstaub1012 sagt:

    Ichweiss nun nicht, wo ich folgenden Link einsetzen koennte , lesenswert ist dieses Gesetz allemal.
    Vielleicht sollten Sie ein Best off einrichten, was Europa an skurrilen Gesetzen herausbringt zur Zeit.
    Koennte es sein, das die in Madrid eine geheime Kommision einberufen haben, wo mental Gestoerte die absurdesten Gedanken zu Papier bringen, und einmal die Woche wird in einem Meeting der absurdeste Vorschlag als Gesetz verabschiedet ???
    Hier Ana Botellas dieswoechiger Gesetzesentwurf fuer die Taxifahrer :
    http://ccaa.elpais.com/ccaa/2012/10/25/madrid/1351166360_502719.html
    saludos

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