Quadrat trifft Kreis – Kulturschock vorprogrammiert

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Deutsche haben in Spanien den liebevollen Spitznamen „cabezas cuadradas“ (Quadratschädel) und das schon lange. Wenn Sie wissen wollen, warum das so ist, werden Sie unter den 6,7 Mio. Suchbegriffen, die Google dazu bereit hält, schon etwas Passendes finden. Sie können allerdings auch unserem Gastautor Ernesto zuhören, der das beschreibt, was er diese Woche beobachten durfte.

Da hat nun der Herr Müller sein neues Appartement in Spanien bezogen und stellt fest, dass ihm in der Küche, in einer Nische, ein Regalbrett fehlt. Kein Problem denkt er sich, Maßband geholt, 58 cm breit und 30 cm tief gemessen und ab zum Schreiner um die Ecke.

Nach seinen Wünschen gefragt, bestellt Herr Müller ein Regalbrett, 58×30 cm, 16mm MDF. Das gewünschte Brett ist am nächsten Tag abholbereit. Als Herr Müller sein Brett in Empfang nimmt und aus Gewohnheit nachmisst, stellt er fest, dass das Brett 60x32cm misst.

Der präzisonsverwöhnte Deutsche ist damit natürlich nicht zufrieden und als der Schreiner ihm erklärt, er hätte es sicherheitshalber etwas größer gemacht („dejé un poquito más, por si a caso…“), stösst er bei Herrn Müller natürlich auf völliges Unverständnis.

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Dieser schimpft aufgebracht, er wäre ja nicht total blöde und sehr wohl in der Lage ein Maßband zu verwenden. und wenn er 58×30 bestellt, dann will er auch 58×30 geliefert bekommen und nicht irgendetwas anderes. Schließlich solle das Brett passen und er habe ja keine Säge in seinem neuen Zuhause.

Um die Situation zu retten, schlägt der Schreiner Herrn Müller freundlich vor, das Brett besser kurz vor Ort selbst anzupassen, doch der wertet das als Versuch des Schreiners, mehr Geld aus der Operation zu schlagen und besteht mit finsterem Gesicht darauf, dass dieser das Brett exakt auf 58x30cm zurecht schneidet.

Dem Schreiner bleibt jetzt also nichts anderes übrig, als dem lautstarken Kunden seinen Wunsch zu erfüllen. Herr Müller zieht also nun ziemlich übellaunig mit seinem Brett von dannen, schimpft auf die Schlamperei in Spanien … nur um in seinem Appartement festzustellen, dass die Nische zwar vorne 58cm breit ist, aber hinten leider 60cm. Rechte Winkel und gerade Wände sind hier eben nicht die Norm, so wie in deutschen Altbauten auch.

Überflüssig zu erwähnen, dass der Schreiner genau damit gerechnet hatte….

Fazit: Cabeza cuadrada zu sein ist schon in Ordnung, man sollte sich dessen nur immer bewusst sein!

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26 Kommentare zu “Quadrat trifft Kreis – Kulturschock vorprogrammiert

  1. Andreas Schmitt sagt:

    Ja, ja, und so ein Quadratschädel-Staat wird von Vermögenden dieser Welt mit Negativzinsen auf Staatsanleihen belohnt, und die so vorausschauend arbeitenden Spanier dürfen sich dumm und dämlich zahlen. Ironie des Schicksals.

  2. almabu sagt:

    Als ehemaliger Quadratschädel in Spanien habe ich mich im privaten Umfeld gerne von den Improvisationskünsten der Spanier überzeugen lassen. Sie machen nämlich unter den gegebenen Bedingungen durchaus Sinn! Im beruflichen Bereich, in einem dreischichtig arbeitenden 1.100 Mitarbeiter Betrieb, waren Quadratschädel an den Schlüsselfunktionen aber unerlässlich um eine stabile Produktionsmenge und Produktqualität zu gewährleisten. In praktisch jeder Firma mit deutschem Kapital arbeiteten eine handvoll Deutscher genau zu diesem Zweck…

  3. copitoa sagt:

    Typisch Deutsch kann ich nur dazu sagen.

    Da ich in Spanien aufgewachsen bin und jetzt in DE wohne, kenne ich die verschiedenen Mentalitäten. Manchmal kann man nur den Kopf schütteln und wegschauen, wenn man beobachtet wie unflexibel und cabezacuadrada viele Deutsche sind.

  4. fischi sagt:

    In der DDR gab es nicht so viele Quadratschädel, aber mit der D-Mark haben die sehr zugenommen.
    Als Handwerker gab es da manchmal Kunden, da war man froh, wieder raus zu sein.
    Meist waren es ehemalige Angestellte oder Beamte.

  5. Dr.Arda sagt:

    Gut das in Spanien so vorrausschauend geplant wird. Haben gleich ein paar Millionen mehr Wohnungen gebaut als notwendig, vielleicht kommen ja noch welche.
    Wenn`s schief geht zahlen die Quadratdeppen aus Deutschland.
    Ernesto muchas gracias.

    • Uhupardo sagt:

      Vorsicht, sonst kommt da gleich jemand aus Berlin mit ganz bösen Themen wegen der „vorausschauenden Planungen“.

    • Andreas Schmitt sagt:

      Lachen sie doch darüber, ich habe einen alten Schwabenwitz umgeschrieben, das paßt zum Artikel.
      Steht ein Deutscher auf einer Manzanaresbrücke und sieht einen Mann am Ufer knien und das Wasser aus Manzanares trinken. Er ruft sofort warnend: „Heh! Bist du verrückt? Das Wasser kannst du doch nicht trinken. Das ist doch giftig und dreckig!“ Der Mann am Ufer schreit zurück: „¡Uala, lo que ha dicho la cabeza cuadrada!“ Da ruft der Deutsche: „Langsam trinken! Das Wasser ist kalt!“
      So ungefähr läuft die EU-Rettung ab.

  6. Michael Thuma sagt:

    Wem erzählen sie das, wir wohnen in einem Haus aus dem Jahr 1905. Aber egal, auch in den 60ern waren die Wände schief und die Böden nicht gerade. Wer ein Haus hat der weiß, warum man nie alles gleichzeitig renoviert und warum nicht alles perfekt sein kann und muss. In Österreich ist der Ausdruck dafür – Wohnungsleut.

    Manche Deutsche sind stur, aber sie geben das Feedback offen. Eine Reaktion darauf kann das als ergreifen einer Chance für Verbesserung ansehen. Aber es sind nicht alle gleich.

    Einen Schlag gibt es – wichtigtuerische verhinderte Großunternehmer die, ob ihres Geizes und Unfähigkeit mit anderen Menschen auszukommen, sich zwar ein Standing erabeitet haben, vermutlich aber die Chance auf ein angenehmeres Umfeld damit vertan haben. Denen kann man noch zugute halten, dass sie die Chancen die da waren ergriffen haben und hart gearbeitet haben für ein kleines Glück am Lebensabend. Dass sie dann ihren Weg als Prototyp für andere sehen ist sogar verständlich. Die sind mir sogar noch lieber, als solch mancher junger Wichtigtuer aus dem Norden. Menschen sind sie schon noch.

    Wohl aber ist ein gewisse Hartnäckigkeit und Affinität zur Disziplin und Genauigkeit nicht wirklich ein Schaden – die sog. deutsche Ingenieurskunst und Varianten davon, die hatte was.

    Aber das jetzige groß und billig und der Deutschen überflügeln in der Propaganda die Amis … das zerstört eigentlich diese ganzen sehr positiven Seiten. Sehr traurig. Seit den 20ern die ewige Import und Exportabhängigkeit … Autarkie ist nicht ihr Weg. Treffend bemerkt, der Knieschuss ist in die systemimmanent. Pläne können nicht funktionieren … je genauer der Plan, desto sinnloser ist er. Den Punkt am Horizont anzupeilen macht Sinn, den Rest erledigt die Automotorik, sonst könnten wir nicht Autofahren.

    Es gibt, dann noch die ewigen Nörgler und boshafte Zeitgenossen, die sind zumeist dann ganz verstört und beleidigt, wenn ihnen jemand Paroli bietet. Die sind in .at fast ausgestorben.

    Aber die wahre Größe liegt in der Muße. Auf Grand Canaria, war wie ich dort war keiner pünktlich, aber ehrlich in Südamerika am Land gibt es oft gar keine Termine. Man weiß ja nie, ob eine Straße noch da ist auf der jemand kommen kann. Aus einem Tag wird eine Woche. verständlich, wie soll es anders gehen. Ob jetzt jemand 2 Stunden später kommt oder ein wenig früher, das ist kein Drama. Der Vorteil von später ist – noch am selben Tag. Heutzutage mit dem ewigen Termine verschieben, aber dann schon auf die Minute – das führt zu nichts. Amis in der Hektik ihrer Panik.

    Die Kommunikation in Deutschland ist oft schwierig, da sie Zukunftsformen nicht kennen. In .at – wird schon mal fertig werden – das ist ihnen fremd – wobei was später fertig wird hält auch länger.

    Ich bin mehr der Fan vom wenn auch bescheidenen Glück zuvor, als nach ewigem Fleißige im Alter im Lehnstuhl zur letzten Ruhe sich zu betten, das ist wertlos.

  7. aus Madrid sagt:

    Bei diesem Artikel habe ich zuerst die Kommentare gelesen. Spontan, kann ich @fischi gut verstehen. Als ich in Deutschland war, waren die Kontaktfreudigen und Hilfsreichen, offenen und unverklemmten Kommilitonen, fast ausschliesslich Ossis. Am Anfang dacht ich, es sei Zufall, dann stellte ich fest (Soziologie-abgebrochen), man könnte daraus eine interessante Feldstudie machen.

    Was ich dachte als ich den Artikel las, Morgen.
    Einen schönen Abend wollte ich wünschen, aber ist schon Zeit um gute Träume zu wünschen : )

  8. Uhupardo sagt:

    Vamos, dann nehmen wir die wirklich amüsante Geschichte von Ernesto *muchas gracias compañero!* mal ein bisschen ernst. Vorweg geschickt sei, und bitte bis zum Ende des Textes nicht vergessen: _Alle_ Völker haben, wenn sie sich ausserhalb ihrer Grenzen bewegen, ihre Macken. Nicht nur die Deutschen. Und wie „Bea Aroni“ auf unserer Facebook-Seite sagte: „Stereotype sind zwar blöd, aber irgendwie bestätigen sie sich halt doch immer wieder!“

    Die „cabezas cuadradas“ haben ihren Titel wirklich verdient. Wegen Besserwisserei gepaart mit Überheblichkeit und vollkommen fehlender Flexibilität, wie „copitoa“ schon sagte, der in Spanien aufgewachsen ist und jetzt in D lebt.

    Das äussert sich in Spanien, aber durchaus auch in diesem Blog.

    Eine kleine Geschichte dazu, die so typisch ist wie kaum eine andere.

    Ich sitze in meinem Büro. Ein (möglicher) Kunde kommt rein, freut sich, dass jemand Deutsch spricht. Nach einer Unterhaltung, die sich um ein ganz anderes Thema dreht, sagt er irgendwann ziemlich unvermittelt: „Also in einem Land mit so vielen Sonnenstunden müsste man viel mehr mit Solarenergie machen.“

    Ich sage nichts. Auch nicht: „Na, dann machen Sie doch!“ Ich sage es vor allem nicht, weil ich keine Lust habe. Und weil er Tourist ist. Trotz des Urlauberstatus meint er, sich unbedingt einmischen zu müssen. Ohne wirklich zu wissen, wie viel Solarenergie in Spanien angewendet wird. Aber Hauptsache eine Meinung, die beweist, wie überlegen man ist. Sympathie kann er damit nicht gewinnen. Das ist ihm egal. Hauptsache „soberbia“.

    Nach kurzer Schweigepause sagt er: „Was sagen Sie denn nun zu meiner Frage?“

    Ich antworte: „Welche Frage meinen Sie?

    Er: „Na, ich habe doch gesagt, hier müsste man viel mehr mit Solarenergie machen!“

    Ich frage noch einmal: „Ja, haben Sie, aber wo ist die Frage, wo ist das Fragezeichen?“

    Bis zum Schluss hat er es nicht verstanden. Deutsche fragen nicht. Sie stellen dir einen Aussagesatz hin, nicht selten mit einem dicken Ausrufezeichen am Ende … und dann sollst du darauf eingehen. Sie sind sogar überzeugt, damit hätten sie eine Frage gestellt. Haben sie nicht. Es ist ein Aussagesatz, im Brustton der Überzeugung – mit oder ohne nötige Sachkenntnis dahinter. Und möglichst in Themen, die sich einmischen in das Leben anderer und in dem Moment überhaupt keine Relevanz haben.

    Diese Art von notorisch überheblicher Besserwisserei ist es, die den Ausdruck „cabezas cuadradas“ hervor gebracht hat. Flexibilität geht nicht. Dass ein spanischer Schreiner eventuell genau weiss, warum er das Brett zunächst mit leicht veränderten Dimensionen fertigt, ist unmöglich. Es hat so zu sein wie in D und Punkt. „Wir sind überlegen und wissen, wie das zu sein hat – ob in D oder egal wo auf der Welt“, das in etwa ist die Message.

    Was dabei beruhigt: Es gibt auch andere Deutsche in Spanien, freundlich, kommunikativ, aufgeschlossen und anpassungsbereit.

    • aus Madrid sagt:

      Te lo aseguro! : )

    • Ernesto sagt:

      Genau Uhu! Oft fehlen einfach Flexibilität und das Verständnis für die Macken der Anderen. Aber, die Grenzen sind fließend: der Spanier hat ein komplett anderes Verständnis für Pünktlichkeit, als wir Deutsche. Für uns sind 9 Uhr eben 9 Uhr (+/- 15 Minuten Breitengradtoleranzzugabe und 5 Minuten Äquatorausgleich) und nicht irgendwann am Vormittag. Da gehen wir den Spaniern oft auf die Nerven. Aber wenn man morgens, vor Arbeitsbeginn um 9 Uhr, noch zur Bank muss, die ja um 8.30 Uhr öffnet, und die Bankangestellten erst um 8.45 Uhr aus der Cafetería nebenan angeschlendert kommen, dann findet auch der Südländer lobende Worte für eine unserer Stärken. Allerdings nur bis 9 Uhr, weil er selbst erst um 9.15 Uhr am Arbeitsplatz erscheint. 🙂
      Das Ziel sollte also sein: Más o menos puntual…

    • Andreas Schmitt sagt:

      Unser Herr W. Schäuble hat bereits die angesprochene Quadratschädel-Eigenschaft verinnerlicht.
      “ „Auf Schuldenbergen kann kein nachhaltiges Wachstum entstehen”, sagte Schäuble in einem Interview mit Reuters. „Die USA und Japan tragen dabei genauso Verantwortung wie wir Europäer.” Immerhin stünde in den Toronto-Vereinbarungen von 2010, dass sich die Industrieländer verpflichten, bis 2013 ihre Defizite zu halbieren und bis 2016 ihren Schuldenstand zu stabilisieren. „Daran müssen wir uns messen lassen”, so Schäuble.“
      Und weiter:
      „Spanien befinde sich jedoch auf einem guten Weg, so Schäuble.“ Quelle http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/11/47868/
      Na bitte, geht doch, Spanier, ihr seid auf dem echt gutem Weg. Highway to Hell, möchte man sagen.

    • Deutschländer sagt:

      Uhupardo,

      kann das sein dass Sie in der Initialisierung einer einfachen Konversation, neudeutsch „small talk“ zuviel reininterpretieren?
      Manche Menschen beginnen eine Konversation mit einem übergreifenden Thema, es wird halt mal eine Aussage in den Raum gestellt, nicht um andere Diskussionsteilnehmer zu verärgern, sondern ein Feedback zu der Aussage zu bekommen. Ganz ohne Hintergedanken.

      Sie selber verschanzen sich sofort in einer Abwehr/Rechtfertigungshaltung, anstatt die besagte Person zu fragen welchen Anteil der Gesamtenergie durch Solarenergie die in Spanien gewonnen wird, er schätzen würde?

      Aber ja, diese Art der Fragestellung und einem konstruktiven Diskurs kann nicht erfolgen, wenn ich mich grundsätzlich als unterdrückt, verfolgt, ungerecht behandelt ansehe, dann ist jeder ein potentieller Feind, ein Kapitalist, ein Quadratschädel, ein Besserwisser, von oben herab..

  9. flurdab sagt:

    Solange man seine Vorurteile pflegen kann ist ja alles in Ordnung.
    Und natürlich hat der mit „übersinnlichen“ Fähigkeiten ausgestattete Schreiner die Ereignisse voraus geahnt. Ja Klar.
    Und vermutlich besitzen alle Spanier eine angeborene Begabung, zu wissen was das Beste für den anderen ist.

    Nichts für ungut, aber ich ärgere mich gerade.
    Es klingt für mich einfach zu sehr nach: „die Spanier sind einfach zu faul“.

    • Ernesto sagt:

      Genau das meine ich ja: so ist es eben nicht!
      Anderes Szenario:
      Eine Firma kauft eine 11 Meter lange Maschine in D. Deutscher Hersteller, perfekte Logistik und so weiter…
      Die Firma bekommt vom Hersteller ein PreSite-Dokument, in dem genau aufgeführt ist, wo welche Anschlüsse, und damit u. A. Bohrlöcher im Boden, sein müssen. Super!
      Der Liefertermin rückt näher und kein Loch wurde gebohrt. Die Mitarbeiter begannen sich zu fragen, wie denn wohl die Aufstellung der Maschine realisiert werden soll, wenn diese Löcher für die Druckluftschläuche nicht da sind. Ein Loch bohren dauert ca. 2 Stunden, Bohrmaschine gibt´s nur eine usw….
      Der Direktor meinte nur „Abwarten, am Ende ist sowieso wieder alles anders!“.
      Als die Maschine geliefert wurde stellte sich heraus, dass die Anschlüsse für die Druckluftschläuche bei dieser Version der Maschine genau am entgegengesetzten Ende waren.
      Wie man sieht, kann man sich manchmal nicht mal auf die deutschen Ingenieure verlassen. 🙂
      Der Direktor in dieser Firma war übrigens Deutscher…

      • Uhupardo sagt:

        Allgemein gesprochen liegt das deutsche Talent eher auf dem Sektor Organisation, das spanische eher auf Improvisation. Eins höher zu bewerten als das andere, ist generell ein Fehler, beide haben Vorteile. Solange das zutrifft, wie in Ernestos Beispiel, können sich die beiden Talente ergänzen, gegenseitig die Schwächen des anderen ausgleichen und es passt am Ende irgendwie.

        Wenn es diese Verallgemeinerung nicht zutrifft, kann es ärgerlich werden. Beispiel aus den vergangenen drei Monaten. Grosse spanische Supermarktkette beschliesst, von einem der grössten deutschen Lebensmittel-Hersteller Produkte zu importieren, immer komplette Container. Preise und Konditionen werden vereinbart, deutsche Firma besteht auf Vorauszahlung, alles unterschrieben.

        Im August gegen die ersten Container raus, alles fein. Anfang September steht der Container (immer montags, so ist das vereinbart) vor dem deutschen Werk. Vorauszahlung für den Container war erfolgt, Verladungsdatum schriftlich bestätigt worden. Verladung kann aber nicht erfolgen: Erklärung „Produktionsprobleme“, der Container könne erst Mittwochmorgen geladen werden. Na gut, sagt Einkaufschef der spanischen Supermarkt-Kette, kann ja passieren, sie hätten uns aber auch etwas sagen können, bevor der von uns beauftragte LKW losfährt. Das sagt er nur intern, zuckt mit den Schultern, was solls, shit happens, und schluckt auch noch die anfallenden Kosten, war keine grosse Summe.

        Aber er schickt ein Schreiben an die deutsche Firma, erklärt, warum die Einhaltung der Termine wirklich wichtig ist und man möge doch in Zukunft bitte …, weil die Produkte auch kein besonders langes Haltbarkeitsdatum haben, der Trasportweg lang ist usw., alles klar.

        Weitere Container im September laufen problemlos. Immer Vorauszahlung, immer bestätigtes Verladedatum, alles fein.

        Weil es jetzt störungsfrei läuft, beschliesst die spanische Supermarktkette, die Produkte im Oktober in ihr Prospekt aufzunehmen. Im Sonderangebot zu reduziertem Preis, das steigert die Verkaufszahl der beworbenen Produkte oft auf das Doppelte und mehr. Der Fabrikant wird gar nicht erst nach einem Preisabschlag gefragt, er muss sich finanziell nicht beteiligen. Ihm wird einfach mitgeteilt, dass man seine Produkte ins monatliche Sonderangebot aufnimmt, also einseitig seine Gewinnmarge schmälert.

        Wieder Vorauszahlung also, für zwei Container diesmal, schriftlich bestätigtes Verlade-Datum an einem Montag. Beide LKW stehen pünktlich vor dem Werk und plötzlich die Ansage: „Wir können heute nicht verladen. Der eine LKW vielleicht morgen, aber nur mit der Hälfte der (vorausbezahlten) Menge, der andere frühestens Donnerstag.“ – Erklärung, auch auf Nachfrage: keine. Entschuldigung: keine.

        In Spanien sitzt der Einkaufschef ohne Ware vor seinem gedruckten monatlichen Sonderangebots-Prospekt, schüttelt verständnislos den Kopf und fragt: „Deutschland? Ich dachte, die wären immer pünktlich und Organisationsweltmeister?“

  10. Rüdiger sagt:

    Dann seid mal alle beruhigt, unsere Politiker arbeiten ja fleissig gegen uns Quadrat Köppe!
    Treffend ist der Beitrag von unserem Herrn Fischer. Ich würde auch lieber weniger arbeiten, Künstler sein oder einfach am Meer sitzen. Aber von mir wird verlangt, exakt zu funktionieren, pünktlich zu sein, mein Kind abzugeben etc. etc. und jeder nimmt mein Geld gern.

    http://www.dewion24.de/?page_id=3673

    Also mich wundert nichts mehr…….

    Ein schönes Wochenende!

    • Uhupardo sagt:

      Gracias, unter dem Link fand sich ein wirklich treffendes Zitat, gleich abgespeichert: „Das Problem ist nicht Sarrazin selbst als Person, sondern der gleich gesinnte Bevölkerungsanteil in Deutschland.“ (Cem Özdemir)

      • Rüdiger sagt:

        Und sonst nichts passendes gefunden?

        „offen und unverklemmt“, wie sie halt sind die Ossis:

        „…denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit…“

        „Es ist Aufgabe der Politik, das Bedrohungsgefühl in der Bevölkerung zu stärken“

        Unsere Angie, unquadratisch, praktisch und gut!

        Gilt ja bald für uns Alle hier in Europa, spätestens wenn die Kohle abgegriffen ist:

        „Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas (und der Welt) sind. Das wird immer wieder zu ‘Ungleichgewichten’ führen. Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal wofür, es kann auch radikal verschwendet werden – Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet.“

        Der Joschka, unser unquadratischer Steinewerfer!

        Wohin werden die Heuschrecken wohl ziehen, wenn sie mal mit ganz Europa fertig sind, auf den Mars?

        Wird es nicht Zeit etwas zusammen zu rücken, Quadrat, Kreis, Madrid, Barcelona, schwarz, weiss, Mann, Frau, Arbeiter, Nichtarbeiter…….. die Liste ist unendlich weiter zu führen…..

        Blogs wie diese helfen dabei auch nicht weiter.

        Bisher habe ich die Seite ganz gerne gelesen, aber das wird jetzt auch ganz schön einseitig hier.

        Wann bekommen denn die Katalanen wieder eins rein gedrückt?

        Eine gute Zeit noch………

        • Uhupardo sagt:

          „Wann bekommen denn die Katalanen wieder eins rein gedrückt?“

          Nur keine Ungeduld. Gründe gäbe es zwar reichlich, aber wenn Artur Mas ständig sogar von Duran und Jordi Pujol Breitseiten bekommt, reicht das vorerst.

          “offen und unverklemmt”, wie sie halt sind die Ossis:“

          Das ist Ihre Auffassung von „Zusammenrücken“? Das klärt es.

          • Rüdiger sagt:

            Das klärt gar nichts, habe das aus einem der oberen Kommentar verwendet, in dem behauptet wurde, dass wörtlich, die offenen und unverklemmten Kommolitonen angeblich fast ausschliesslich Ossis waren.

            Lesen Sie eigentlich alle Kommentare?

            Artur Mas ist auch nur ein Katalane und nicht alle Katalanen. Der mit dem 58cm Brett ist auch nur ein Deutscher und nicht alle Deutschen. Der Türke der auf dem Alexander Platz einen anderen „Ausländer“ erschlagen hat, ist auch nur ein Türke und nicht alle Türken.

            Bitte stecken Sie mich nicht in eine Ihrer Schubladen, Sie kennen mich nicht!

            • Uhupardo sagt:

              „Artur Mas ist auch nur ein Katalane und nicht alle Katalanen. Der mit dem 58cm Brett ist auch nur ein Deutscher und nicht alle Deutschen. Der Türke der auf dem Alexander Platz einen anderen “Ausländer” erschlagen hat, ist auch nur ein Türke und nicht alle Türken“

              Gut, dass das jetzt auch geklärt wurde (für die drei, die nicht allein darauf gekommen wären). Besser einmal mehr …

  11. aus Madrid sagt:

    „Fazit: Cabeza cuadrada zu sein ist schon in Ordnung, man sollte sich dessen nur immer bewusst sein!“ Gefällt mir! Und ich will noch dranhängen, sich immer bewusst sein und das beste daraus machen. Wie Kumiko Izumi ?http://www.youtube.com/watch?v=B-FL5TjoFTc
    LG : )

  12. Peter Hope sagt:

    Und dann sind die deutschen Werte doch immer irgendwie bewundert im europäischen Ausland. Bewundert ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, eher respektiert. Man mein zu verstehen, wieso es diesem Land so gut geht, schliesslich sind die Deutschen eben akkurat, arbeiten sich den A***h ab und sind sparsam. das dieses Land nicht zuletzt augrund der Vereinnahmung von Europa und dem europäischen Ausland so ein Vormachtsstellung geniesst, wird of vernachlässigt oder erst garnicht wargenommen.
    Aber letztenendes entkommt man seinem kulturellen Stereotyp eben nicht, wir werden schon von klein auf davon geprägt. Mein Sohn und meine Tochter haben sich extra neue Stiefel „ausgesucht“ (mit extra hohem Stiefelbein: ya href=“http://www.mirapodo.de/tommy-hilfiger-britt-1-stiefel-1054548.html“>http://www.mirapodo.de/tommy-hilfiger-britt-1-stiefel-1054548.html
    ), damit im sie in der Schule an Nikolaus auch genug Süssigkeiten bekommen, weil ihnen der Klassenlehrer nahegelegt hat, die schlauesten Schüler würden natürlich die grössten Schuhe mitbringen.. Wie man sieht, werden wir früh geprägt-..

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