Jeder vierte Vollzeitbeschäftigte zählt zu den Geringverdienern

Deutschland geht´s doch gut – die Wirtschaft brummt!

D1

„Vollzeitbeschäftigte mit Berufsausbildung im Niedriglohnsektor“,
Fakten aus der Studie des DGB/Adamy, Nov 12

Bemerkenswerte Zahlen:

22,8% (4,66 Mio.) der Vollzeitbeschäftigen in Deutschland zählten 2010 zu den Geringverdienern (ohne Azubis).

Mehr als die Hälfte von ihnen (2,4 Mio.) hat sogar einen Berufsabschluss. Unter allen Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss betrug die Niedriglohnquote immer noch 19,1%.

Während die Zahl der Vollzeitbeschäftigten insgesamt von 1999 bis 2010 um über 5 Prozent gesunken ist, ist der Anteil der Niedriglöhner unter ihnen um über 15% gestiegen.

Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten mit Niedriglohn unter der bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle von 1.802 Euro war 2010 im Osten (40,1%) mehr als doppelt so hoch wie im Westen (18,7%).

Im Westen wuchs die Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor von 1999 bis 2010 von 2,8 Mio. auf 3,5 Mio. und damit deutlich schneller als im Ostteil des Landes. Dort wuchs die Zahl im selben Zeitraum von 804.000 auf 826.000.

Besonders hoch war danach der Anteil der Vollzeitbeschäftigten mit Niedriglohn bei

* Friseurinnen und Friseuren (85 %),

* Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern (77 %),

* Beschäftigten in Wäschereien und chemischen Reinigungen (65 %), der

* Gastronomie (63 %),

* Hotellerie (61 %) sowie in der

* Gebäudereinigung (56 %).

(Zu berücksichtigen ist dabei, dass Betriebe mit weniger als 10 Beschäftigten hier nicht einbezogen sind, die tendenziell einen etwas höheren Anteil an Niedriglöhnern haben.)

Auch innerhalb des Niedriglohnsektors streuen die Erwerbseinkommen und es zeigt sich eine deutliche Lohnspreizung:

Über 1 Mio. (5,1%) sozialversicherte Vollzeitbeschäftigte erzielten 2010 sogar nur ein Bruttomonatsentgelt von bis zu 1.000 €. (1.000 € Monatslohn entsprechen einem Brutto-Stundenlohn von etwa 6 €). In der Gastronomie beträgt der Anteil unglaubliche 26,5%!

Etwa ebenso viele Beschäftigte (5,3%) kamen lediglich auf einen Bruttoverdienst von 1.000 € bis 1.300 € monatlich. (1.300 € Monatslohn entsprechen einem Brutto-Stundenlohn von 7,85 €).

Armutsgefährdung trotz Vollerwerbstätigkeit ist keinesfalls eine zu vernachlässigende Größe.

Georg Frankl/AK IV

Lösungswege dazu finden Sie hier: Klick

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24 Kommentare zu “Jeder vierte Vollzeitbeschäftigte zählt zu den Geringverdienern

  1. kingkenny7 sagt:

    Kaum ein Thema regt mich so sehr auf und bei jeder Bundestagsdebatte schaukeln sich die männlichen Abgeordneten von CDU/CSU und FDP bezüglich der tollen Arbeitsmarktzahlen dermaßen die Eier, dass ich kotzen könnte. Die weiblichen sind natürlich kaum besser.

    Wie geil „wir“ im internationalen Vergleich dastehen, erzählen sie immer wieder (habe ich gestern erst wieder gehört). Noch nie so viele Menschen in Vollbeschäftigung gehabt, die wenigsten Arbeitslosen seit xx Jahren usw. Die Tatsache, dass man hiermit und mit den teils geschönten Zahlen, Millionen arbeitender Menschen verhöhnt, stört ja nicht weiter…

    • Uhupardo sagt:

      „Die Tatsache, dass man hiermit und mit den teils geschönten Zahlen, Millionen arbeitender Menschen verhöhnt, stört ja nicht weiter…“

      Solange die sich widerspruchslos verhöhnen lassen, stört das tatsächlich nicht.

      off topic: Der Kollege Kommentator hat gerade Geburtstag. Eine gute Gelegenheit einmal reinzuschauen in diesen lesenswerten Blog, der mit hoher Frequenz ehrliche und persönliche Geradeaus-Texte publiziert: Klick … selbst wenn er beim Kerzenzählen gnadenlos versagt.

    • flurdab sagt:

      „Wir sind alle Gewinner, es gibt keine Verlierer mehr, wir sind ja auch Papst“
      Politik ist nun mal ein Mannschaftsspiel und da fast alle Parteien in der selben Mannschaft spielen ist doch alles super.

  2. fischi sagt:

    Es ist ja schon so, das sich die Geringverdiener immer noch besser wie die Hartz Empfänger fühlen.
    Hauptsache Arbeit, das wird ja den ganzen Tag von den Medien verkündet.
    Mein Chef ist der Meinung das die Kellner mit Harz aufstocken können.
    Das die Kellner nie in die Gaststätten als Gast kommen können das sieht er nicht ein.
    Allerdings dürften die Zahlen noch drastischer sei wenn man die kleinen Betriebe mit unter 10 Beschäftigten dazunimmt.
    In ein paar Jahren und das Problem wird sehr drastisch werden diese Verbrecher die sich Regierung nennen von den verarmten Rentnern mit den Krücken vertrieben.

  3. Monika sagt:

    Guten Abend,

    diese Diskussion ist sehr wichtig und ich bin froh, dass sie nicht verloren geht. Ich denke, dass die Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten, sich auch kaum dagegen wehren können. Sie haben keine Möglichkeiten dafür und das ist das Perfide daran. Ich befürchte, dass diese Zahlen noch weiter steigen.

    Viele Grüße

    Monika

    • flurdab sagt:

      Sie könnten sich wehren. Aber sicher könnten sie das.
      Wenn Sie es endlich begreifen würden das sich ihre Arbeit weder heute noch in Zukunft (Rente) für Sie lohnt.
      Arbeitslos und Spass dabei.
      Wenn man schon während der Lohnarbeit aufstocken muss kann man auch gleich zu Hause bleiben.
      Wenn sich niemand mehr für diese Löhne versklaven lässt bricht die Wirtschaft zusammen.
      Natürlich würden sie damit zu den vielgeschmähten „Schmarotzern“ dazu gehören, den „Versagern“.
      Und das ist das Fatale an der Gehirnwäsche, sie wirkt.
      Denn jeder der sich anstrengt kann es zu was bringen, im Regelfall zur Altersarmut.
      Ach was rege ich mich auf.

  4. el cuervo sagt:

    Es ist doch genau diese Entwicklung, welche mit der Agenda 2010 ihren offiziellen Startschuss hatte.
    Zu dieser Meldung passt auch diese Meldung: http://www.heise.de/tp/blogs/8/153218

    Unter der Vorgabe „Foerdern und Fordern“ wird gezielt daran gearbeitet den flaechendeckenden Niedriglohn zur Selbstverstaendlichkeit zu machen, und dies mit Erfolg. Der Druck, welcher durch die Medien augeuebt wird, bloss nicht in die Kategorie Hartzer zu fallen, erhoeht die Bereitschaft von immer mehr Arbeitnehmern auch fuer einen nicht leistungsgerechten Lohn zu arbeiten. Bloss nicht in Hartz IV hinein fallen. Dabei wird dann uebersehen, dass jeder der fuer einen Niedriglohn arbeitet automatisch in Hartz IV faellt sobald er diese Stelle verliert, weil das ALG1 entsprechend niedrig ausfaellt. Auf diese Weise wird immer mehr Menschen ihr Recht auf eine freie Berufswahl und Lebensgestaltung genommen und sie sind zu einer Existenz im Niedriglohnsektor am Rande der Gesellschaft gezwungen.

    Diese Entwicklung auf die schwaechelnde Wirtschaft zu schieben ist, in meinen Augen, zu kurz gegriffen. Hier wird gezielt darauf hin gearbeitet, grosse Teile der Bevoelkerung an eine Leben zu gewoehnen in dem die Arbeit einzig dazu dient ein Dach ueber dem Kopf und ausreichend Lebensmitttel bis zur naechsten Lohnzahlung erwerben zu koennen. Dinge, welche uns heute noch wie selbstverstaendlich erscheinen, wie der eigene Mittelklassewagen oder der jaehrliche Urlaub, werden somit zum echten Luxus.

    Dies fuehrt wiederum dazu, dass es noch mehr Menschen geben wird, die auch fuer einen nicht anemessenen Lohn ihre Arbeit verrichten werden. Es ist eine Abwaertsspirale mit fatalen Folgen. Von dieser Spirale allerdings nicht betroffen, wird diejeniege Gruppe, welche schon heute am staerksten davon profitiert, das (Gross-) Kapital.

    Die ganze Entwicklung, welche in den vergangenen 10 Jahren, laesst mich ein duesteres Zukunftsszenario zeichnen. Angefangen bei der Entwicklung des Arbeitmarktes und den Abbau des Sozialstaats bis hin zu den immer neuen Anlaeufen hin zum Ueberwachungsstaat und Einschraenkung der Buergerrechte.

    Wenn ich sehe, wie sich die Welt seit meiner Geburt veraendert hat, und das nicht im positiven, dann stellt sich mir manchmal die Frage, ob Filme welche ein Duesteres Endzeitszenario zeichnen nur Fiktion sind, oder vllt. doch mehr Vision.

    • Uhupardo sagt:

      Das hätte in der Summe ein Uhupardo-Artikel sein können.
      Immer mehr Vollzeitbeschäftigte als Geringverdiener, immer mehr Menschen, die für lächerliche Stundenlöhne arbeiten, immer mehr unsichere Arbeitsverhältnisse durch contratos basura (Müll-Verträge), immer mehr Leiharbeit – und in solchem Panorama die Verpflichtung, 35 oder gar 40 Jahre Arbeit nachweisen zu sollen, um eine prekäre Rente bekommen zu können. Ein Unternehmerparadies der Niedriglöhne und Erpressbarkeit des Personals.

      Die Frage muss sein, was es noch braucht, bis die Menschen aufhören, sich diese immer weiter um sich greifende Tendenz gefallen zu lassen.

      • garrus vakarian sagt:

        Tja,lieber Uhu,wie lange noch?
        Aus Sichtweise der Kapitalisten ist sogar noch reichlich Luft nach unten möglich.Schauen sie sich doch mal am Wochenende die prallgefüllten Fussballstadien an,die Kneipen und Diskotheken (hier in Hamburg ) qullen über.Man bezahlt ohne murren 4 euro für ne Flasche bier,jammert aber wenn Aldi die Preise für zb.Kaffee um von mir aus 10 cent erhöht.
        König Fussball beherrscht übrigens auch die Menschen in den ach so armen Südländern.
        Solange die Menschen Geld für Spiele (brot ist nicht so wichtig)und anderes Vergnügen über haben,wird sich nix ändern.

      • flurdab sagt:

        Ich denke das den Menschen die Einsicht in ihre Eigenverantwortung fehlt und ich meine nicht die von den NeoLibs oder NeoKons proklamierte.
        Spätestens seit der Ära Kohl sind die Menschen in Deutschland zu Zuschauern ihres eigenen Lebens geworden.
        Irgendwann wird schon jemand kommen der das für uns regelt, so die Hoffnung.

        Eigentlich ist es unfassbar, jeder Vierte also 25%. Dazu ist jeder 6 Haushalt überschuldet.
        Ich weiß nicht wie es in anderen Länder ist, aber in Deutschland spricht niemand über sein Gehalt. Es sieht also so aus, dass die Menschen sich und ihre Situation nicht erkennen.

        Das „Versagen“, einen ausreichenden oder guten Lohn zu bekommen, wird in Deutschland personalisiert. Alle wissen das das Quatsch ist aber keiner ist bereit das auszusprechen. Denn dann müsste man reagieren. Das mag der Deutsche nicht, das ist gefählich und der Ausgang ungewiss.

        Ein japanisches Sprichwort sagt: „Es ist besser glücklich zu reisen als anzukommen.“

      • el cuervo sagt:

        Es sind bereits alle Voraussetzungen erfuellt, dass sich breiter Widerstand gegen diese Entwicklung formieren muesste. Die eigentliche Frage muss lauten: Warum formiert sich dieser Widerstand nicht, obwohl die Bedingungen laengst erfuelt sind?
        Die Hauptrolle sollten in diesem Widerstand eigentlich die Gewerkschaften spielen und entsprechenden oeffentlichen Protest organisieren. Was aber hoert man von den sogenanten Arbeitnehmervertretern? Wenn wir die im Artikel genannte Studie des DGB ueber die Zahlen im Niedriglohnsektor nehmen, so sollte man annehmen, dass diese Zahlen ein Donnerwetter im Land aussloesen, welches bis in den hintersten Winkel vernommen wird. Aber was ist geschehen? Am Tag der Veroeffentlichung tauchte sie, als eine Meldung unter vielen, in den Medien auf und heute ist sie schon wieder untergegangen und wird vergessen. Dies wirft die zweite Frage auf: Warum erfahre ich so wenig ueber die Entwicklung aus den Medien, und wenn doch ist es in einen positiven Tarnmantel gepackt?
        Nur wenn diese beiden Dinge sich aendern, kann es zu einem Protest in der breiten Bevoelkerung kommen. Es braucht eine starke, in der Gesellschaft anerkannte Organisation, welche die negative Entwicklung laut nach aussen kommuniziert und den entsprechenden Protest organisiert. Damit dies geschehen kann benoetigt es Medien, welche die entsprechenden Meldungen publizieren und ihnen auch den benoetigten Stellenwert einraeumen, damit auch diejenigen, die heute noch nicht von der Entwicklung betroffen sind begreifen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie selbst Betroffene sind.
        Im Prinzip ist also alles Notwendige vorhanden. Die negative Entwicklung der Lohnausbeutung greift immer weiter um sich, es existieren grosse Gewerkschaften, welche die Organisation uebernehmen koennten(muessten) und es es existiert eine grosse Landschaft freier Medien, die die Entwicklung den Betroffenen, oder zukuenftig Betroffenen, sichtbar machen koennte(muesste).

        Die Mittel und Gruende sind also vorhanden, und hier stellt sich mir die grosse Frage: Warum kommen diese ihren, ihnen zugedachten, Aufgaben nicht nach und wie kann man diesen Zustand aendern?

        • Uhupardo sagt:

          Gute Analyse. Einerseits braucht es dringend eine Entflechtung von Medien und Kapital, um die angesprochene Wertstellung der Berichterstattung zu korrigieren. Solange in den Medien-Zentralen niemand die Interessen der 97 Prozent vertritt, kann sich das unmöglich ändern.

          Andererseits aber muss sich wirklich fragen, warum das noch unverzichtbar sein sollte angesichts der so offensichtlichen Situation. Ist es nicht längst so, dass jeder zumindest jemanden in seinem persönlichen Umfeld kennt, der für lächerliche Löhne arbeitet, arbeitslos ist oder sich von einem Leiharbeit-Job zum anderen hangelt, wenn er nicht schon selbst betroffen ist von der asozialen Erpressungswelle? Was denken sich die Millionen „mileuristas“ (Menschen, die höchstens 1.000 Euro verdienen in Vollzeitbeschäftigung heissen in Spanien so), die in Spanien PP und in Deutschland Schwarzgelb wählen? Ist das noch unter Zurechnungsfähigkeit abzubuchen?

          Ja, die Medien spielen zweifelsohne eine wichtige Rolle. Doch angesichts der Lage dürfte die Reaktion aus der Bevölkerung sogar ohne grundlegende Medienreform längst eine komplett andere sein.

          • „Was denken sich die Millionen “mileuristas” (Menschen, die höchstens 1.000 Euro verdienen in Vollzeitbeschäftigung heissen in Spanien so), die in Spanien PP und in Deutschland Schwarzgelb wählen? Ist das noch unter Zurechnungsfähigkeit abzubuchen?“

            Gute Frage. Vielleicht „denkt“ sich dieser Teil der Bevölkerung, dass sie denen nacheifern müssten, die ganz Oben stehen. Nach dem Motto „Wenn ich deren Werte, Wahrheiten und Ideale“ auch zu meinen mache, werde ich ebenso (ein Stückchen weiter) nach Oben kommen. Bei denen führt es ja auch zum Erfolg“.
            Vielleicht ist es aber auch unterbewusst der Wunsch, zu den Starken zu zählen. So stellt man sich mit seiner politischen Positionierung auf die Seite der Gewinner, statt auf die Seite derer, die die Schwachen verteidigen. Würde man Letzteres tun, müsste man sich ja selbst irgendwie eingestehen, dass man eher auf der Verlierer, statt auf der Gewinner Seite steht. Ich könnte mir gut vorstellen, dass genug Menschen dieser Erkenntnis unbedingt ausweichen möchten.

        • Mosrokul sagt:

          Das ist genau die Frage, die mich ebenfalls bereits seit einiger Zeit beschäftigt. Meiner Meinung nach werden die Medien diese Aufgabe nicht übernehmen, weil sie dem Großkapital gehören und/oder von diesem gesteuert werden. Letzteres hat kein Interesse daran, die Bürger zu informieren. Das ist vergleichbar mit der Pharma-Industrie, die auch kein Interesse daran hat, dass die Menschen gesund werden, denn mit gesunden Menschen kann man nichts verdienen. Mit den Gewerkschaften verhält es sich nicht viel anders. Wer sind denn die großen Gewerkschaftsbosse und welche Interessen verfolgen sie bzw. welche Pöstchen haben sie inne? Bestehen hier eventuell Interessenkonflikte?
          Ich frage mich manchmal auch, wie viele sog. Aufgewachte es eigentlich gibt, deren Aufgabe es sein sollte, die Schläfer zu wecken (ich gebe mein bestes aber es ist so verdammt schwer, jemanden zu wecken, der lieber seinen Traum weiter träumen will). Wie könnten wir Aufgewachten uns so organisieren, dass wir alle an einem gemeinsamen Strang ziehen und nicht jeder an einem eigenen? Es gibt ja bereits viele Änderungs-Ideen und auch vieles, das bereits umgesetzt wurde. Dennoch glaube ich, dass ich selbst zB. wahrscheinlich nur höchstens 10% aller Lösungsansätze überhaupt kenne. Wie komme ich oder jede(r) andere an die Informationen? Da sollte man (ja ich gebs ja zu: wer ist man? Sorry, den kenn ich auch nicht) ansetzen. Die Blogger leisten eine hervorragende Arbeit, wenn es darum geht, die echten (wahren) Informationen zu verteilen. Aber wiederum, wieviele kenne ich und wieviele gibt es?
          Uhupardo, erst mal herzlichen Dank für die wahren Informationen (dies ist meine erste Antwort in diesem Blog). Und gleich die Frage hinterher: any idea? (sorry, ich kann leider nicht spanisch, sonst hätte ich die Frage in dieser so schönen Sprache gestellt).

          • Uhupardo sagt:

            Fangen wir hinten an.
            any idea = alguna idea 🙂

            „Das ist vergleichbar mit der Pharma-Industrie, die auch kein Interesse daran hat, dass die Menschen gesund werden, denn mit gesunden Menschen kann man nichts verdienen.“

            Auch so ein falsches System. Jeder gesunde Mensch müsste seinem Arzt Geld zahlen, regelmässig eine bestimmte Summe. Im Krankheitsfall setzen die Zahlungen sofort aus und werden erst wieder aufgenommen, wenn man gesund ist. Sie sollten mal sehen, wie schnell sich die Lage ändert. Klingt kurios? Ist ganz einfach. Aber das ist hier gerade nicht Thema.

            Wie man an Informationen kommt, kann kaum die Frage sein. Die Datenflut überschwemmt die Menschen, die (einer wissenschaftlichen Studie zufolge) immer dümmer werden. Was es statt dessen brauchte, sind geeignete Filtermöglichkeiten, denn es steht längst alles zur Verfügung im kaum durchdringlichen Dschungel der News und Meinungen.

            Grundsätzlich ist es eine Frage, welche Forderungen man an den Zeitrahmen hat, in dem sich grundlegende Änderungen produzieren müssen. In jungen Jahren glaubt man meist, dass das alles gefälligst sofort zu geschehen hat. Ungeduld als Privileg. Später fällt auf, dass es Jahre und Jahrzehnte braucht, um Veränderung zu schaffen, die wichtiger sind als die Präsentation des nächsten iPhones. Und vielleicht muss man sich, um wirklich genug Kraft und Energie für lange Zeit zu behalten, einfach konsequent davon verabschieden, dass man innerhalb der eigenen Lebensspanne etwas Substanzielles erreichen kann. Also Resignation für sich selbst, um dann mit doppelter Power für ein besseres Leben seiner Kinder und Enkel zu kämpfen. Ungebremst energisch, aber wegen der verlängerten Zeitspanne auch mit mehr Geduld und gelassener Beharrlichkeit, ohne die schönen Seiten des Lebens aus dem Blickwinkel zu verlieren.

            Sorry für den philosophischen Vortrag an dieser Stelle, doch das Folgende ergibt sonst keinerlei Sinn:
            Es gibt nur die Möglichkeit, sich selbst nach und nach schlau zu machen, und in diesem Prozess immer wieder zu versuchen, seine _direkte_ Umwelt zu informieren und zu beeinflussen. Das kann Familie sein oder Freunde und Bekannte. Dazu gehören aber für uns auch ständige Uhupardo-Leser, die oft lesen (und kommentieren oder nicht). Es ist ein langsamer und langer Prozess, was aber nach der o.g. Prämisse keine Rolle spielt. Nur wenn jeder ständig und bewusst bemüht ist, seinen eigenen Umkreis zu bearbeiten, in dem irgendeine Beziehung und Vertrauen herrscht, kann sich überhaupt etwas verändern. Sie und ich und jeder andere hört einem Sprecher ganz anders zu, wenn er ihn halbwegs einschätzen kann, dessen Analysefähigkeit und Urteilen eher vertraut als anderen.

            Wir haben uns noch nie eingebildet, mit einem einzigen Artikel wirklich etwas bewegen zu können, das ist in den allerseltensten Fällen so. Nur das gesamte Kaleidoskop mit viel Zeit hat genug Kraft und Beständigkeit zur Veränderung von unten – weil es die von oben nicht geben wird, jedenfalls nicht zum Positiven.

            • el cuervo sagt:

              Hier sind ein paar sehr wichtige Punkte angesprochen worden. Es ist nur logisch, dass eine positive Veraenderung von unten ausgehen muss. Von oben wird niemand etwas unternehmen, was seinen Status Quo negtiv veraendert. Diejenigen, welche aber schon unten sind, haben aber meist nicht die Mittel zur Verfuegung um eine Veraenderung einzuleiten. Dazu braucht es noch diejenigen welche es nie nach oben schaffen werden, aber noch nicht unten angekommen sind.

              Bisher ist noch so, dass ein relativ grosser Teil der Arbeitnehmerschaft sich einen relativen Wohlstand leisten kann. Diesem wird ueber die Medien vermittelt, dass alle, die sich nicht mehr in dieser komfortablen Lage befinden, selber schuld an ihrem Unglueck sind und man zum Fortbestand des eigenen Wohlstands auch einige Abstriche in Kauf nehmen muss. Weil man nun von seinem eigenen Wohlstand nichts abtreten moechte nimmt man diese Abstriche in Kauf, schlieslich koennte das nicht in Kauf nehmen ja bedeuten, dass die eigene Firma in Schwierigkeiten geraet die den eigenen Arbeitsplatz gefaehrden und somit den eigenen Wohlstand. Schliesslich will man ja nicht zu denen da unten gehoeren und dies auch noch selber verschulden. Hierbei uebersehen die meisten, dass das einzige was passiert ist, dass ihre eigene Arbeit immer weniger wert wird, sie immer mehr Stunden zum Erhalt ihres Wohlstands arbeiten muessen waehrend die Unternehmen seltenst Abstriche an ihren Gewinnen machen und dies alleine durch den Mehraufwand der Arbeitnehmer finanziert wird. Hier zeigt sich, dass die von den Arbeitnehmern geforderte Solidaritaet sehr einseitig ist und die Unternehmer sie gerne in Anspruch nehmen, aber nicht teilen. Hierdurch wird die, schon in meinem obigen Kommentar abgesprochene, Abwaertsspirale zum Selbstlaeufer.

              Es ist richtig, dass wir alle unseren eigenen Einfluss auf unser Umfeld geltend machen muessen. Aber wenn ich z.B. abends in der Kneipe meine eigene Ansicht an andere weiter gebe, dann lesen diese am naechsten Morgen in eine grossen Boulevard-Zeitung wie gut es in Deutschland laeuft und spaetestens dann bin ich der Spinner aus der Kneipe gestern abend. Es ist also sehr wohl wichtig, dass die Medien offener mit diesem Thema umgehen, solange die Mehrheit ihre Information von einer grossen Tageszeitung, den Nachrichten im Fernsehen und vllt. noch den Internetseiten einiger grosser Verlage beziehen.

              Was wuerde sich aber aendern, wenn sich nun die Berichtertattung aendert? Es wird sich nichts aendern, solange die Menschen mit diesen Informationen alleine gelassen werden. Man wird sicher darueber diskutieren und man wird sagen man muesste und sollte, aber die meisten Diskussionen werden mit dem Satz enden: Aber wir koennen ja eh nichts dran aendern.

              Hierzu braucht es eine respektierte Kraft, welche die Diskussion auf der oeffentlichen Ebene weiterfuehrt und den Menschen die Wege aufzeigt, die sie gehen muessen um etwas zu veraendern. Genau diese Kraft ist es, die ich zur Zeit vermisse.Eine Kraft, welche den Unmut von vielen buendelt zu einer Stimme, die ein gewaltiges Gewicht hat.

              Es ist auch richtig, dass Veraenderungen nicht von heute auf morgen eintreten koennen. Aber nur wenn etwas getan wird, koennen sie morgen beginnen und das ist das Ziel auf das alle, die diese Veraenderungen wollen, hinarbeiten muessen. Auf deren Anfang. Viele die dies tun, werden von den Veraenderungen nicht mehr selber profitieren, aber die ihnen nachfolgenden Genarationen, ihre Kinder und Enkel, werden es. Alleine dieser Gedanke, dass die Welt in der meine Kinder und Enkel einmal leben nicht noch schlechter ist als die heutige, macht es fuer mich wichtig fuer diese Veraenderungen zu kaempfen.

  5. Rheinländer sagt:

    Übrigens…
    Siemens hat ein kleines Software Problem.
    Könnte Spanien nicht ein paar Züge nach Deutschland schicken, deutsche Spurweiten sind doch sicherlich möglich.
    Gruß aus Colonia

  6. Rheinländer sagt:

    Entschuldigung!
    Ihr habt recht, ich dachte an die Generation Praktikum in der Entwicklungsabteilung von Siemens,
    die für einige Hundert € ein Milliardending konstruieren.

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