Wahlklatsche für Artur Mas in Katalonien

Cata1

Fassen wir also die Wahlnacht zusammen: Artur Mas und seine Partei CiU hatten die Katalonien-Wahl um zwei Jahre vorgezogen, um über ihr „Projekt Unabhängigkeit“ abstimmen zu lassen und baten um die absolute Mehrheit der Stimmen. Die Bevölkerung Kataloniens hat dazu heute klar und deutlich „No“ gesagt:  Die Partei verlor 12 Sitze im Parlament – jetzt 50, vorher 62. Auch die Tatsache, dass die andere Unabhängigkeitspartei ERC die Sitzeanzahl von 10 auf 21 verdoppeln konnte, weil die Wähler gesagt haben „Lieber das Original als CiU“, hilft nicht wirklich, denn zusammen haben die beiden Parteien jetzt weniger Sitze als vor der Wahl und noch weniger Möglichkeiten.

Der Plan von Artur Mas hat gründlich versagt, sein politisches Schicksal könnte deswegen in den nächsten Tagen erledigt sein. Gewonnen haben die moderaten Kräfte aller Richtungen in Katalonien. Entsprechend dürfte sich jetzt auch der allgemeine Diskurs ändern, der sich wieder mit den wirklich wichtigen Problemen beschäftigen wird – also mit etwa allem ausser dem Thema Unabhängigkeit. Verloren haben die Sozialdemokraten, jedoch nicht so viel wie in den Umfragen – die übrigens diesmal fast so sehr versagt haben wie der Regierungschef – vorher gesagt.

Hier das vorläufige Endergebnis nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen:

CIU 50 Sitze   (62)

ERC 21 Sitze   (10)

PSC 20 Sitze   (28)

PP 19 Sitze   (18)

ICV-EUiA 13   (10)

Ciudatans 9   (3)

CUP-Alt.Esquerres 3

Die Wahlbeteiligung lag heute mit 69 Prozent so hoch wie nie.

Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit in der Wahl-Berichterstattung und melden uns in den kommenden Tagen mit weitere Analysen zum Thema. Im Folgenden können Sie die Entwicklung der Dinge in der Wahlnacht nachvollziehen.
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Heute wird gewählt in Katalonien und die Leute strömen zur Abstimmung. Um ein Uhr hatten bereits 29,35 Prozent ihren Zettel in die Urne geworfen, damit fünf Prozent mehr als bei der vergangenen Wahl – die höchste Wahlbeteiligung seit 1988. Nachdem Kataloniens Regierungschef Artur Mas mit einem bemerkenswerten politischen Kasperle-Theater diese Wahl zur Entscheidung über die Unabhängigkeit der Region hochstilisiert hatte, ist das Interesse jetzt natürlich gross. Die Frage ist nur, welche Fraktion er damit mehr mobilisiert hat. Alles andere als eine absolute Mehrheit würde als sein Versagen angesehen.

Update 18.00 Uhr: Auch am Nachmittag setzte sich die Tendenz fort. Mit 56,10% hatten zum diesem Zeitpunkt acht Prozent mehr ihre Stimme abgegeben als bei der vorigen Abstimmung. Nach wie vor die höchste Quote seit 25 Jahren.

Update 20 Uhr: Nach den soeben veröffentlichten Ergebnissen von Umfragen am Wahltag nach Schluss der Stimmabgabe, wird der katalanische Regierungschef Artur Mas die absolute Mehrheit (68) deutlich verfehlen. Möglichst ist sogar der Verlust von Sitzen, die Umfragen geben Mas derzeit 54 – 57 Sitze. Absehbar ist auch der Absturz der Sozialdemokraten (PSC) und ein deutlicher Anstieg der ERC (pro Unabhängigkeit), die sogar zweitstärkste Fraktion werden könnte.

Wie es aussieht, war die Unabhängigkeitspropaganda für Artur Mas ein schlechtes Geschäft, weil zu viele katalanische Unternehmer erkannt haben, dass die Unabhängigkeit sehr schlecht für´s Geschäft wäre. Alle Zahlen sind noch mit etwas Vorsicht zu geniessen. Wir melden uns mit ersten realen Auszählungen wieder.

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Update 21 Uhr: Nach 13 Prozent ausgezählter Stimmen kommen Artur Mas und seine Partei CIU auf nur 48 Sitze gegenüber 62 bei der vorigen Wahl. Das wäre eine echte Klatsche und natürlich um so weiter weg von der angepeilten absoluten Mehrheit (68). Im Augenblick liegen die Sozialdemokraten auf Platz 2.

Update 22 Uhr: So langsam wird das Bild stabiler bei 60 Prozent ausgezählter Stimmen. Artur Mas fährt heute ein wirklich desaströses Ergebnis ein, verliert praktisch 25 Prozent der Parlamentssitze und fällt auf die Werte von 2006 zurück. In Klammern die Resultate der vorigen Wahl:

CIU 48 Sitze (62)

PSC 22 Sitze (28)

PP 20 Sitze (18)

ERC 20 Sitze (10)

ICV-EUiA 13 (10)

Ciudatans 9 (3)

CUP-Alt.Esquerres 3

Die Wahlbeteiligung lag heute mit 69 Prozent so hoch wie nie.

Wir werden diesen Artikel heute bei Bedarf immer wieder aktualisieren und Ihnen nach und nach die entsprechenden Wahlergebnisse servieren. Stay tuned!

Lesen Sie dazu auch:
* „Es tut sich ein historischer Abgrund auf“

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37 Kommentare zu “Wahlklatsche für Artur Mas in Katalonien

  1. đeя вαeяeиαυfвıиđeя sagt:

    Reblogged this on đeя Bαeяeиαυfвıиđeя oder Kultur-Soeldner.

  2. Fabienne sagt:

    Jetzt wird sich dann herausstellen, wie ernst die Katalanen es mit der Unabhängigkeit meinen. Mit der CIU wählen sie sich eher „back to Franco“. Ich bin gespannt.

  3. Fabienne sagt:

    Wenn offensichtlich wird, worauf das Ganze eigentlich hinausläuft, ist es eh längst zu spät.

    • Uhupardo sagt:

      Können Sie das erklären? Zu spät für was unter welchen Bedingungen?

      • Fabienne sagt:

        Wie ich glaube sogar in einem Bericht von Ihnen gelesen zu haben, wird bereits über das geplante Mauerbauvorhaben von Arthur Mas gewitzelt. Nur dass es sich hierbei nicht wirklich nur um einen schlechten Scherz handelt. Die Unabhängigkeit vom „bösen Spanier“ ist meiner Ansicht nach nur ein Vorwand, um eine Art DDR zu schaffen – nur viel schlimmer. Momentan wird das Blaue vom Himmel versprochen und gelogen was das Zeug hält und die Katalanen glauben, sie entkommen der Wirtschaftskrise, wenn die Unabhängikeit endgültig durchgesetzt wurde. Das eigentliche Problem wird dann wohl erst erkannt werden, wenn sie selbst in der Schlange der Rettungsschirmkandidaten stehen und ihre Wirtschaft durch Merkels Sparpolitik noch weiter runterfahren lassen.

        • Uhupardo sagt:

          Danke für die Erläuterung. Nach der heutigen Wahlklatsche für Artur Mas wird er erkannt haben, wohin ihn sein eigener Vortrag gebracht hat, in den er eher reinstolperte, als dass er ihn selbst entworfen hätte. Der heutige Tag zeigt übrigens auch zwei andere Dinge: Dass Umfragen oft ein schlichter Witz sind („knapp über 62 Sitze für Artur Mas“) und unser Bauchgefühl besser war, das uns dazu brachte, dem Thema nicht zu breiten Raum einzuräumen.

  4. almabu sagt:

    Eine „Schicksalswahl“ bei der bis 18 Uhr nur gut die Hälfte der Wahlberechtigten zur Wahl gegangen sind, spricht Bände! Wenn Mas die absolute Mehrheit verfehlt, was er rhetorisch zuletzt ja schon vorbereitet hat, dann wäre das eine persönliche Niederlage für ihn. Er wird dann alle Stimmen aller Parteien, die sich in irgendeiner Form für die Unabhängigkeit ausgesprochen haben, für sich reklamieren, aber dazu hätte er nicht wählen zu lassen brauchen, dazu hätte auch eine Erklärung der Parteien im katalanischen Parlament gereicht. Mas hat den Katalanen eine Mogelpackung serviert, die diese vermutlich durchschauen werden?

    • Uhupardo sagt:

      Die Frage ist vielleicht sogar eine ganz andere: Es kann durchaus sein, dass Artur Mas (wie ausnahmslos alle katalanischen Regierungschefs) die Zuspitzung bis zu diesem Punkt gar nicht wollte. Eventuell ist er der Erste, der sich in dem Fall heute Abend ist Bett legt, sich den Angstschweiss von der Stirn wischt und sich denkt „Vaya, nur gut, dass wird die absolute Mehrheit verfehlt haben, denn nun muss ich nur reden und nicht handeln, Glück gehabt“.

      • almabu sagt:

        Der Versuch, sich anstatt der 3,5% „Provisionen“ auf jeden öffentlichen Auftrag, gleich einen ganzen Staat zu rauben scheint gescheitert zu sein? Das Endergebnis könnte sich für CiU noch ein wenig verbessern, aber das Projekt „Independencia“ ist als Monopol für die CiU gescheitert!
        Im Augenblick wären die Katalanen die Gewinner, denn CiU muss jetzt seine neoliberale Sparpolitik aufgeben. Von der PP wollen sie sich ja erklärtermaßen nicht mehr tolerieren lassen. Das heisst, sie brauchen entweder die PSC oder die ERC zum regieren. Das sollte in beiden Fällen zu einer weniger marktradikalen Politik führen. Bin mal gespannt wie Merkel, die EU, die EZB und der IWF jetzt aufheulen? Mas hat hoch gepokert und geht zu Recht als Verlierer vom Platz!

        • Uhupardo sagt:

          Eins nach dem anderen. Zunächst wird morgen der politische Kopf von Artur Mas gefordert werden nach dieser Klatsche. Unausweichlich und verständlich nach einem derartigen Versagen, das zudem ganz Spanien aufgewühlt hat. Danach wird man sich auf die wirklich wichtigen Themen (also ungefähr alles ausser Unabhängigkeit) konzentrieren müssen. Die moderaten Kräfte werden jetzt wieder das Ruder übernehmen, welche Koalition auch regieren mag. Danach warten wir mal die Regierungsbildung ab – aber das schon: Merkel und IWF werden heute nicht jubeln.

  5. almabu sagt:

    Kleines Beispiel über die steigende Beliebtheit der Deutschen in Spanien anhand eines Kommentarbeitrages zum Thema F1 und Vettel Weltmeister: (Ich weiss, Thema verfehlt!)

    25.nov.2012 | 15:48
    #143

    Claro, claro, ya sabemos, la superioridad de la raza aria y la bajeza de los gitanos del sur de Europa……creo que estamos empezando a aburrirnos de Alemania, la que nos presta el dinero y luego nos lo quita hasta hundirnos, la que siempre exige que la política económica de la Eurozona sea la que le conviene aunque al resto nos empobrezca y nos ahogue, la que amenaza directa e indirectamente cuando las cosas no le gustan en Europa o en el BCE, da la impresión que no han cambiado tanto desde la I y II Guera Mundial……

    Wie gesagt, es geht um die Formel 1…

    • Uhupardo sagt:

      „die steigende Beliebtheit der Deutschen in Spanien“

      Dieses Thema haben wir bisher bewusst ausgelassen, um niemanden unnötig zu ärgern, denn es bringt ja nichts – aber Geschichten könnte man erzählen …

      • Gnatz sagt:

        mich würde schon interessieren was das heißt! Es macht mir große Sorgen zu sehen wie sich die Europäischen Bürger mal wieder aufeinander hetzen lassen. Wenn wir solche „Stimmungen“ nicht frühzeitig offenlegen und zu Thema machen kann daraus schnell ernst werden. Es ist wichtig für Deutsche, Spanier Griechen etc. zu wissen was sie übereinander denken denn es wird ihnen dabei helfen die eigene Situation besser zu verstehen. Mit ein wenig Glück werden die welche auf die Hetzpropaganda der Medien reinfallen erkennen dass wir alle im gleichen Boot sitzen und einer Elite ausgeliefert sind der es egal ist wer von uns woher kommt!

        • Uhupardo sagt:

          Alle im selben Boot schon. Aber es ist eine Galeere mit 12 Stockwerken, wir wir hier erläutert hatten.

          • Gnatz sagt:

            eben – und solange sich die Ruderer auf den unteren Stockwerken gegenseitig den Schädel einschlagen wird das auch so bleiben. Wenn wir aber damit erst gar nicht anfangen, fällt es uns leichter, die Herren und Damen des 12. Stockwerks Kiel holen zu lassen!

    • fischi sagt:

      Gehe ich da richtig in der Annahme dass es besser ist, kein Spanisch zu verstehen?

    • Fabienne sagt:

      Pues tiene toda la razon este hombre. Esto es como actúan los alemanes.

    • Sven sagt:

      Es ist immer sehr nützlich den hässlichen Deutschen herauszuholen, wenn man selbst versagt hat. Nicht katalanisch lamentieren, sondern sich selbst an die Nase fassen – das ist angesagt. Ich wüsste deutsches Geld gerne besser in Deutschland verwendet als zur nachträglichen Finanzierung der ideologischen Verschrobenheiten der Regime Zapatero und Tripartit. Um ehrlich zu sein: Ihre Polemik ist sehr grenzwertig!

      • Uhupardo sagt:

        almabu hatte einen Text kopiert. „Grenzwertig“ ist Ihr Beitrag, Sven, übertreiben Sie es nicht.

        • Sven sagt:

          almabu, kein Deutscher hat Sie oder irgendeinen anderen spanischen Staatsbürger genötigt Zapatero oder die Protagonisten von Tripartit zu wählen. Das taten sie mehrheitlich und freiwillig. Zapatero hat Spanien gegen die Wand gefahren, Tripartit Katalonien. Nun sollen sowohl Spanien als auch die spanische Region Katalonien mit deutschen Steuergeldern gerettet werden. Sie wollen unser Geld. Nun aber lamentieren Sie, dass die Kanzlerin Deutschlands diese Rettung zu recht mit (erfüllbaren) Konditionen verknüpft und bedienen zudem in Ihrem Klagelied bewusst niedrige Instinkte. Na ja, almbu, ich darf’s ‚mal sehr positiv formulieren: So richtig durchdacht haben Sie dieses eher einseitige Finanzierungskonzept offensichtlich nicht.

          • Uhupardo sagt:

            „Zapatero hat Spanien gegen die Wand gefahren“

            Allein für diese Aussage sind Sie für den „Kommentar des Monats“ vorgesehen, Sven. Wir würden Ihnen gern helfen, aber manchen ist nicht zu helfen. Oder vielleicht doch: Lesen Sie wenigstens einen Artikel heute, der Ihren Blickwinkel hoffentlich zu wenigstens fünf Prozent erweitert, wenn Sie sich aufnahmebereit zeigen. Die Chance ist gering, aber man soll auch nichts unversucht lassen: Klick

            • Sven sagt:

              Uhupardo, Das ist doch ein gewogenes Mass zuviel der Ehre eine meiner Aussagen zum Kommentar des Monats zu küren. Ich meine zwar, dass dies unverdient ist, aber gerne lasse ich dem Wohlverdienten den gerechten Lauf.
              Ihr Logo, der Uhu, guckt mich aufmerksam mit zwei Augen an, aber er trüge doch besser auf dem linken Auge eine Klappe, denn auf diesem Auge scheint das arme Federvieh blind.
              So sei auch Ihnen, werter Uhu, angeraten ‚mal den vermeintlich scharfen Blick in Publikationen zu werfen, die Ihnen helfen können Ihren Horizont zu erweitern.
              Rosa Luxemburg bemerkte einst sehr scharfsinnig, dass die Freiheit immer die Freiheit des Andersdenkenden sei. Das sei Ihnen ins Stammbuch geschrieben und lassen Sie uns nicht um Prozente feilschen. Das haben Sie nicht nötig!

              • Uhupardo sagt:

                Sven, too much text without any beef. Sie stellen grundsätzlich Aussagen wie „Zapatero hat Spanien gegen die Wand gefahren“ in den Raum, ohne jemals auch nur Argumentation zu versuchen und sich zu dokumentieren. Gewogen und zu leicht befunden. Verbal Dekoration ist in diesem Blog zu wenig. Wenn Sie also weiter hier schreiben wollen, argumentieren Sie statt zu behaupten.

                • Sven Boernsen sagt:

                  Gut so Uhupardo. Möchte mich auf diesem Wege von meinem Inkognito-Namensvetter distanzieren.

    • almabu sagt:

      CiU: Más o menos ganado! Eine auffällige Klatsche hat das Streich- und Kürzungsbündnis des Artur Mas in den Städten der Area Metropolitana, des Großraumes Barcelona erlitten, wo die Menschen und ihre Nachkommen leben, die in den 60ern aus anderen Teilen Spaniens kamen und die bis heute zuverlässig dafür sorgen, dass spanisch, die meistgesprochene Sprache in Katalonien geblieben ist! Auch dort, in ihren ehemaligen klassischen Hochburgen haben die Sozialisten der PSC deutlich verloren.

      Wenn die deutsche SPD nicht unbelehrbar wäre, dann könnte sie hier die Tendenz ihres vermutlichen, kommenden Wahlergebnisses der Bundestagswahl 2013 analysieren…

  6. Katalunien sagt:

    Folgende Aussage hab Ich nicht verstanden. „Gewonnen haben die moderaten Kräfte aller Richtungen in Katalonien“. Vielleicht wäre es gut, mal zu erläutern was für „moderate Kräfte“ gemeint sind. Die Sozialisten von der PSC haben klar verloren, die sind wohl nicht gemeint. Die PP, die mit Ihrer konservativen neoliberalen und spanisch nationalistischen Politik die Bürger Kataloniens erst richtig angeheizt hat als moderat zu bezeichnen, ist wenigstens als gewagte Aussage zu sehen (Dazu muss man wissen, dass die mögliche moderate PP jedesmal wenn es demokratisch mal nicht so läuft wie man wünschst, sofort zum Verfassungsgericht rennt und Klage erhebt, z.B. Heirat homosexueller Paare, Abtreibung, das neue Autonomiestatut von Katalonien von 2006). Die Ex Kommunisten und Grünen Koalition ICV-EUiA kann man schon als moderat einschätzen. Die Ciutadans sind Rechts von PP angesiedelt und erzkatholisch, gegen Abtreibung, Homosexualität und verstecken unter dem Herzchen, dass sie als Wahllogo haben, prekonstitutionale Werte. Einer Ihrer Abgeordneten im katalanischen Parlament ist öffentlich mit einer Franco Fahne auf einer Rechtsradikalendemo abgelichtet worden (googeln und Bildern „Jordi Cañas“. Auch die Jungs von der CUP haben gewonnen. Neu im Parlament mit 3 Sitzen. Die CUP möchte eine kommunistische Regierung und einen Staat der die PPCC ( die sogenannten Països Catalans) umfasst (Also territoriale Ansprüche auf einen Teil Frankreichs und einen Teil der angrenzenden Autonomie Valencia.
    Auch die Aussage, dass das Schicksal von Mas in den nächsten Tagen besiegelt sein könnte ist doch etwas an den Haaren herbeigezogen. Da wett ich gerne ein Fläschchen Cava, das wir noch eine längere Zeit Mas haben werden.
    Glückwunsch zum Blog. Find Ich insgesamt doch ganz toll.

    • Uhupardo sagt:

      Gracias, das ist schon insofern ein guter Vortrag, als ortsfremden Lesern damit viel klarer wird, dass „moderat“ in Katalonien immer als „moderat innerhalb einer sehr heterogenen und zu allen Seiten polarisierenden Szene“ verstanden werden muss. Ein Kollege drückt das gewöhnlich etwas volkstümlicher aus: „Die spinnen da generell in der Politik, ´normal´ hat in Katalonien eine ureigene Bedeutung.“

      Bezogen war das „moderat“ allein auf das Thema Unabhängigkeit, weil Artur Mas meinte, mittels vorgezogener – und wie sich jetzt herausstellt, teurer und unsinniger – Wahl, eine „Schicksalsentscheidung“ herbeiführen zu können (wobei, nochmal sei es gesagt, immer die Frage bleibt, ob er das wirklich wollte oder sich jeden Tag mehr um Kopf und Kragen geredet hat). Jetzt werden verschiedenen Pole, also von den verschiedenen Extremen her, zu einem moderateren Standpunkt bzgl. Unabhängigkeit zurückkommen müssen und (alle) einsehen müssen, dass ihr ihre Ansicht „es ist alles ganz einfach, weil es SO ist“ eben nicht zutrifft.

      Katalonien ist viel heterogener, als fast alle glaubten. Die Wahl ist ein nicht von der Hand zu weisender Beweis dafür. Artur Mas ist das beste aller Beispiele dafür. Er hat die Grossdemonstration richtig interpretiert und in der Folgezeit jeden Tag mehr falsche Schlüsse daraus gezogen. Nach diesen falschen Schlüssen hat er dann seinen Diskurs ausgerichtet – und sich in der Konsequenz damit eine fette Klatsche eingehandelt. Könnte man irgendeine Form politischer Würde von ihm verlangen (Konjunktiv), wäre er gestern Abend zurückgetreten. Doch das kann man in Ruhe abwarten.

      Die Rücktrittsforderungen heute kommen aus allen Ecken. Auch CiU wird sich überlegen, wie weit man noch mit einem Artur Mas kommen kann, derZehntausende an Wählern verloren hat, schwach ist, öffentlich abgewatscht und desautorisiert wurde. Es würde hier zu weit führen, es aufzudröseln, aber kurioserweise hat bei dieser Wahl die Unabhängigkeitsfraktion in Katalonien ebenso gewonnen wie ihr Gegenteil. Katalonien hat ein Problem mehr als vorher, Spanien aber auch. Es wäre gut, wenn das überall ins Bewusstsein dringt. Ob ein derart demontierter Artur Mas daraus etwas Neues stricken und ab sofort als legitimer Gesprächspartner der Madrider gelten kann, darf man getrost bezweifeln.

      Sei es wie es sei, bleiben Sie an Bord und streiten weiter mit uns, das hilft allen. 🙂

    • Sven sagt:

      Nichts für ungut, Katalunien, aber Ihre Aussage zu C’s ist blanker Unfug! C’s haben überwiegend Wählerstimmen von der PSC, CiU und einige wenige von der PPC erhalten – in Summe fast 275.000. Die sind sicher nicht alle der dunklen Gruft der Falange entstiegen.
      In Sachen Más teile ich Ihre Meinung, denn CiU ermangelt es an geeigneten Kandidaten für das Präsidentenamt. Wenn man nur einen hat, dann ist die Auswahl doch sehr beschränkt.

    • Uhupardo sagt:

      De Artikel ist ein wunderbares Beispiel für „radikale Analyse, ohne durch Kenntnis der Sachlage getrübt zu sein“. Dieter Nuhr würde sagen „In einer Demokratie darf man eine Meinung haben, man muss nicht; es wäre gut, wenn sich das herumspricht“.

  7. […] schrecklicher Morgen für den Regierungschef von Katalonien! Nach der Wahlklatsche von gestern kommen die Rücktrittsrufe aus allen Ecken. Von den konkurrierenden Parteien sowieso, aber auch in […]

  8. fakeraol sagt:

    Im Prinzip gilt hier das Gleiche, wie es zur „Souveränität Deutschlands /BRD GmbH“ gesagt wurde.
    Was hätte es geändert, die „Unabhängigkeit“ zu erklären?
    Die Abhängigkeit ist keine primär rechtliche, sondern eine wirtschaftlich und von Interessen bestimmte, die nicht durch Partei „A“ gegen Partei „B“, Staat „A“ gegen Staat „B“, oder Nationalität „A“ gegen Nationalität „B“ gekennzeichnet ist, sondern über Länder- und Kontinentgrenzen hinweg durch die „99%“ gegen die „1%“ und aus der Abhängigkeit kommt man nicht durch einen in Gesetzesbuchstaben gegossenen Willen heraus, sondern nur durch Nicht-Kooperation, wie sie Gandhi propagiert hat, und durch den geschlossenen Widerstand aller Menschen, wie ihn die Schwarzen in den USA zusammen mit M. L. King praktiziert haben.

    Alles andere ist nur die Legitimation entweder der grauen, oder der schwarzen Katzen, die Mäuse zu fressen.
    Wer wählt, wer denen seine Stimme (ab)gibt, „um schlimmeres zu verhindern“, der legitimiert jedes Mal das „kleinere Übel“ von der letzten Wahl.

  9. […] aussichtslos natürlich), jetzt müssten alle Parteien gegen Madrid zusammenhalten, fordert Wahlverlierer Artur Mas und ruft zur Rebellion auf. Der Grund ist schnell erklärt: Die katalanischen Nationalisten haben […]

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