Studie belegt: „Gute Ausbildung ist kein Garant mehr für Wohlstand“

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Besonders zwei Meldung sind es heute, die Aufmerksamkeit verdienen.  Erstens der Umstand, dass die deutsche Bundesregierung die Tatsache feiert, dass es gelungen ist, deutsche Sparkassen und vor allem die bis unters Dach mit toxischen Papieren gefüllten Landesbanken der soeben beschlossenen Bankenaufsicht zu entziehen. Zweitens die Aussage der Studie, die von der Bertelsmann Stiftung zusammen mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erstellt worden ist: „Selbst gute Ausbildung ist heute kein Garant mehr für Leben in gesichertem Wohlstand.“

Bildung, Bildung Bildung – das ist die gebetsmühlenartige Forderung, in der sich alle Politiker in allen Talk-Shows einig sind. Klingt gut, wer wollte da widersprechen? Wer genug für seine Bildung tut, so wird vermittelt, muss sich keine Sorgen mehr um seine wirtschaftliche Zukunft machen. Denn darum geht es ausschliesslich bei solchen Aussagen: Nicht etwa um gesellschaftspolitische Bildung, um den erweiterten Horizont der Menschen, sondern ausschliesslich um Geld. Die neue Studie hätte es für aufgeklärte Menschen nicht mehr gebraucht. Sie bestätigt aber für alle dankenswerterweise schwarz auf weiss das, was sich schon lange abzeichnet: Selbst die wirtschaftsorientierte Bildung sichert schon lange kein Auskommen mehr.

Denn andersherum wird auch ein Schuh draus: „Wenn es dir nicht gut geht, liegt es daran, dass du nicht genug für deine Bildung getan hast, denn sonst …“, lautet die perfide indirekte Schuldzuweisung solcher Vorträge. In Wahrheit ist die Sachlage ganz anders und viel simpler: „Selbst gute Ausbildung ist heute kein Garant mehr für Leben in gesichertem Wohlstand.“ Die Studie benennt Gründe dafür: Von den seit Mitte der neunziger Jahre durchgeführten Steuerreformen hätten vor allem Reiche profitiert und „die Mittelschicht wurde dagegen deutlich weniger von den geänderten Steuertarifen entlastet.“ Arbeitsmarktreformen und der Rückgang normaler Arbeitsverhältnisse seien eine weitere Ursache: „Die entstandenen atypischen Beschäftigungsverhältnisse sind in der Regel durch eine unterdurchschnittliche Entlohnung gezeichnet.“ Gemeint sind lächerliche Niedriglöhne, Zeitarbeit, 1-Euro-Jobs.

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Das Ergebnis: „Die Mittelschicht in Deutschland schrumpft. Seit 1997 ist ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung um 5,5 Millionen Menschen oder von 65 auf 58 Prozent zurückgegangen.“ Und diese Tendenz wird sich fortsetzen, weil der Reichtumstransfer von unten nach oben, von der Politik in ganz Europa bewusst gefördert, weiter geht. Das ist nicht etwa ein Fehler im System sondern das System an sich. Es ist nicht etwa ein ärgerlicher Missstand, den man zu beheben bemüht ist; es ist genau so vorgesehen. Dagegen helfen nur ganz grundlegende Änderungskonzepte wie etwa das Bandbreitenmodell.

Angesichts solch dreist verdrehter politischer Vorträge im Thema Bildung ist es nur noch eine Fussnote der Geschichte, dass die Bundesregierung heute die Tatsache feiert, dass deutsche Sparkassen und Landesbanken der soeben für März 2014 vereinbarten europäischen Bankenaufsicht entzogen werden konnten. Merkel dankt Schäuble ausdrücklich dafür, dass es gelungen ist, „Kernforderungen“ aus deutscher Sicht durchzusetzen, etwa die Konzentrierung der Aufsicht auf sogenannte systemrelevante Banken: „Das ist nicht hoch genug einzuschätzen.“ Begründung: Keine! Wird schon niemand nachfragen.  – Oder im Klartext: Kontrolle ist super, aber doch nicht da, wo wir unsere politischen Spielchen spielen und weiterhin alleine und ungestört im Topf rühren wollen – bei den Sparkassen und vor allem den Landesbanken.

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13 Kommentare zu “Studie belegt: „Gute Ausbildung ist kein Garant mehr für Wohlstand“

  1. Ramón Rodríguez sagt:

    Der Artikel sagt viel Wichtiges, aber was mich besonders aufregt ist dies; Da geht die Merkel nicht etwa raus und sagt „Erfolg! Es ist UNSERER Initiative zu verdanken, dass die Bankenaufsicht jetzt steht“, um sich feiern zu lassen.

    Nein! Ohne jede Notwendigkeit feiert sie öffentlich und laut, dass deutsche Sparkassen und Landesbanken jetzt nicht kontrolliert werden können. Sie hält dem blöden Volk den dreckigen Slip mitten ins Gesicht und ist fest überzeugt keiner merkt es. Sind wir wirklich so dämlich oder glaubt sie das nur?

  2. Sam sagt:

    Und aus diesen Gründen wähl ich die Linke…und wenn die im Endeffekt auch nichts ändern werden / können , werde ich mich auf Artikel 20 Abs. 4 berufen…

  3. Sam sagt:

    PS : Bin kein Kommunist/Sozialist…aber keine andere Partei hat vor die Finanzwelt und den Kapitalismus zu regulieren….

    • warum so schamhaft-bescheiden Sam?
      ist es eine Schande ein Sozi oder Kommunist, ein Mensch zu sein?
      Ich selbst bin Mitglied der PDL wenn auch nur noch passiv, überzeugter Marx-Anhänger und der Aufklärung verpflichtet, darüber hinaus Pilzesammler,Gitarre-Bass-Synth-Player-Arbeiter-Vater-Mann und Blog Vollschmierer usw, müsste ich mich jetzt dafür entschuldigen? wenn ja für was und vor wem? das ist auch meine Welt basta!.

      Sam es ist nicht so das die PDL nix ändern könnte oder will. Die Frage ist wohl eher, reicht dass was die PDL anbietet aus?
      Die PDL ist wohl am meisten damit beschäftigt, im System als systemisch anerkannt zu werden.
      Die NPD kennt dieses Problem nicht! ich auch nicht! macht mich das zu Deren Anhänger? sicherlich nicht.
      Auf GG 20 Abs 4 braucht sich kein Mensch berufen, dass ist weiter nix als ein Geschmiere auf Papier verfasst von Denen die ihre Interessen vertreten sehen wollten, was sollten mich das kümmern? Haben die GG- Schmierer mich gefragt ob mir Ihre Fasson schmeckt ? wüste nicht!

      Das was ich schreibe wurde schon vor mehr als 100-Jahren gedacht und gehört in die Aufklärung/Bildung.

      „Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, so daß ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion
      abgehen, unterworfen sind. Die herrschenden Gedanken sind weiter Nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse, die als Gedanken gefaßten herrschenden materiellen Verhältnisse; also der Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen, also die Gedanken ihrer Herrschaft.“ M/E
      ——————————————————
      Tja Bildung und Ausbildung sind nie und nimmer das Selbe.
      Gut ausgebildete Arbeitslose haben wir in D. sicherlich reichlich, im Überfluss. Was ja garantieren soll das die Verhältnisse die bleiben die gewünscht sind.
      Die Studie ist überflüssig wie ein Kropf.

      • Bonsta sagt:

        „Die Studie ist überflüssig wie ein Kropf.“

        Naa, ist sie nicht. Du musst auch schon denen eine Chance geben, die sich nicht an Marx wagen, aus welchen Gründen auch immer. Ich finde gut, dass ausgerechnet Bertelsmann diese Studie gemacht hat. Es scheint mir ein Umdenken dort stattzufinden, denn Bertelsmann selbst ist ja nicht ganz unschuldig an der heutigen Situation. Als neoliberaler Think Tank haben sie die heutigen Verhältnisse mit vorangetrieben. Man muss abwarten, wie sich das in Zukunft weiterentwickelt und ob das nur eine Eintagsfliege war. Es gehört für die Bertelsmänner ein fundamentales Umdenken dazu, die Schuld nicht mehr beim Individuum zu suchen, sondern sich mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Das verdient Respekt, denn nur die wenigsten sind dazu in der Lage, sich selbst einzugestehen, nur einem Hirngespinst nachgelaufen zu sein.

        • @“Du musst auch schon denen eine Chance geben“
          Ja Du hast recht Bonsta, ich versuche es ja, radikal (Radix= Wurzel) eben.

        • fischi sagt:

          Bertelsmann Stiftung ist ein leider legales Steuersparprojekt was es in einem normalem Staat nicht geben dürfte.
          Die agieren immer mehr weltweit.
          Da ändert sich nie und nimmer eine Meinung.
          Der Neoliberalismus ist Religion.
          Wer hat denn dazu beigetragen das Bildungssystem kaputt zu sparen und dann zu privatisieren?
          Eh sich da was ändert hat der Mond Speichen!

  4. Wie die Vorab-Sabotage der Bankenaufsicht als Erfolg dargestellt und gefeiert wird, ist die eine Sache. Die andere ist, dass die Versammlung der europäischen Staatschefs und Finanzminister gar kein wirkliches Interesse haben, das komplette Banksystem effektiv zu regulieren. Es wird wieder so lange über Details und Ausnahmen verhandelt werden (um diverse „Interessen“ zu schützen), bis am Ende ein völlig unbrauchbares Konzept übrig bleibt. Der Willen, konsequent auf allen Ebenen durchzugreifen, ist gar nicht erst vorhanden. Daher wird auch die sogenannte Bankenregulierung nicht die Lösung der Krise oder die Rettung des Systems sein.

  5. […] Lesen Sie dazu unbedingt: * Wer ist schuld an der Krise? * 25 Fakten zum Nachdenken: Warum das System irreparabel ist! * Studie belegt: “Gute Ausbildung ist kein Garant mehr für Wohlstand” […]

  6. fischi sagt:

    Wenn man aber die Aussage von Bertelsmann und DIW, ein sehr gefährliches Gebräu, mal überdenkt kommt für mich raus, wir haben doch zu viel Bildung.
    Und schon gibt es keinen Lehrermangel und die ganzen anderen Probleme im Bildungswesen nicht mehr.
    Ist doch ideal die Lösung.

  7. Wiedereinmal gut herausgearbeitet sind die Mechanismen der Verantwortungsumkehr und Schuldzuweisung als taktisches Mittel.

  8. Freerk Huisken!
    http://www.fhuisken.de/buecher.html

    Auswege…………..Online-Magazin für Bildung, Beratung, Erziehung und Unterricht!
    http://www.magazin-auswege.de/

    ZDF Precht – macht Lernen dumm?

  9. […] Sie dazu auch: * Bildung, Bildung Bildung? – Der 24-Stunden-Kindergarten * Studie belegt: “Gute Ausbildung ist kein Garant mehr für Wohlstand” * Wie sag ich´s meiner Tochter: “Papi, werde ich später überhaupt Geld verdienen […]

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