Wenn Piraten auf Realität treffen

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Machen wir es kurz: Die Partei hat in Niedersachsen die Klatsche bekommen, die sie unbedingt gebraucht und mehr als verdient hat. Kein Mensch weiss, wozu genau man denn Piraten wählen sollte. Dabei spielt die Selbstzerfleischung innerhalb der Partei die geringste Rolle. Das gab es in der ersten Phase der Grünen auch reichlich, aber die hatten ein Programm. Die Piraten haben keins. Immer noch nicht.  Die Quittung heute in Niedersachsen war berechtigt und überfällig! Euch sind die Anfangserfolge, die nur auf „neu“ begründet waren, wohl zu Kopf gestiegen!

Das wäre schlimm genug, wenn es sich in „normalen“ Zeiten abspielte. Doch gerade jetzt, in einer Phase, in der immer mehr Menschen die Nase richtig voll haben von den etablierten Parteien, ist das Versagen der Piraten doppelt peinlich. Mindestens! Wenn die Co-Spitzenkadidatin in Niedersachsen heute Abend nach der Wahl sagt „Wir hätten mehr verdient gehabt“, dann muss sofort die Frage folgen: Ach ja, wofür denn? – Dafür, dass die Piraten, abgesehen von ihrer gebetsmühlenartig reklamierten „Netz-Kompetenz“ inhaltlich rein gar nichts anzubieten haben?

Wozu sind denn Schlagworte wie „Liquid democracy“gut, wenn man so gar keinen Plan hat, wie die Gesellschaft zu verbessern wäre? Überflüssiger als die Piraten ist doch aktuell höchstens noch die FDP, die heute mit 100.000 CDU-Stimmen gerettet wurde. Krachend gescheitert ist die neue Parte bei der Niedersachsenwahl und das ist richtig und gut so. Bauchnabelschau ohne inhaltliche Substanz hätte nicht einmal die zwei Prozent verdient gehabt. Völliger Unsinn also die weinerliche Ausrede, die Piraten seien im Kopf-an-Kopf-Rennen der grossen Parteien zerrieben worden.

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Noch nie waren die Chancen grösser, alternative Politik-Angebote zu machen! Gerade jetzt könnte man viele unzufriedene Menschen erreichen. Die neue Partido X wird jetzt vermutlich in Spanien zeigen, wie man das macht. Setzt euch verdammt nochmal mal auf den Hosenboden, Piraten, dreht eine Runde durch die Blogszene, informiert euch, wo die wirklichen Besorgnisse der Menschen liegen!Und dann entwickelt gefälligst endlich Substanz und Inhalte, die dem entsprechen können! Inhalte findet ihr im Netz reichlich und da kennt ihr euch doch angeblich aus? Mischt die Politikszene so richtig auf, wenn ihr wollt (könnt!), aber nicht damit, dass ihr „etablierte Partei, nur etwas cooler“ spielen wollt, das klappt nicht.

Ist ja nicht so, als könnten wir alle auf neue Initiativen verzichten! Im Gegenteil. Aber entweder kann diese Partei jetzt kurzfristig eine eigenständige und zielgerichtete Positionierung präsentieren, oder man kann wirklich getrost auf diesen eigenbrötlerischen Haufen verzichten, der es nicht einmal schafft, eine ausgesprochene Matchball-Lage zum eigenen Vorteil auszunutzen, weil er mehr mit sich selbst beschäftigt ist als mit dem Anliegen der Menschen. „Klarmachen zum ändern“? – Sehr gerne, aber nicht mit so einem diffusen politischen Pudding von Allgemeinplätzen in den Programmen, den kein Mensch an die Wand nageln kann.

Lesen Sie dazu auch:
* Piratenseite, Programme
* Piraten-Programmparteitag

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53 Kommentare zu “Wenn Piraten auf Realität treffen

  1. Carmen sagt:

    Reblogged this on UmamiBücher und kommentierte:
    Ist das Wahlergebnis in Niedersachsen der Anfang vom Ende der Piraten?

    Uhupardo meint: Nie war eine neue Partei so nötig – aber eine, die sich für die Probleme der Menschen interessiert und nicht nur um sich selbst kreist.

  2. Der Artikel spricht mir aus der Seele. Chancen für neue Ideen gab es noch nie wie jetzt. Aber?…. Alles vertan. Enttäuschung auf ganzer Linie.

  3. Vielleicht erinnert sich mancher daran, dass ich schrieb, die „Piraten“ seien installiert worden, um a) die Unzufriedenen zu bündeln, b) diese an die Wahlurnen zu treiben und c) um wirkliche Alternativen zu verhindern.

    Sie hat also ihre Aufgabe hervorragend erfüllt, denn was ist das Ergebnis der „Piraten“ für die Menschen? Die Meinung: „Siehste, hat ja doch alles keinen Zweck!“

    Infames, dreckiges Spiel!

    • ichbindaswortistich sagt:

      Ich neige zwar selbst ein wenig zu Verschwörungstheorien, allein dies dünkt mich doch ein wenig weit hergeholt. Hast Du konkrete Anhaltspunkte für diese These?

  4. ichbindaswortistich sagt:

    Man hat allen Grund, von den Piraten enttäuscht zu sein. Als sich die Partei gründete, habe ich noch voller Begeisterung für sie geworben. Allerdings ist mir recht bald aufgestoßen, daß die Partei sich wirklich auf gar nichts festlegen will. Es ist zwar wichtig, eine offene Diskussionskultur zu erhalten, allein wenn es um Wahlen geht, muß es doch wenigstens Gründe geben, die Partei zu wählen. Und indem man sich nun auf gar nichts festlegt, gibt man den Wählerinnen und Wählern keine Gründe an die Hand, sich für diese Partei zu entscheiden.
    Darüber hinaus argumentieren und, wofern sie dies überhaupt tun, handeln die Piraten lediglich systemimmanent. Innerhalb des kapitalistischen Systems lassen sich aber gewisse Änderungen gar nicht erreichen. Es besteht eben doch immer noch ein großer Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Und an der Praxis, an der Realität, wie es auch dieser Artikel beschreibt, scheitern die Piraten.

    • Da haben Sie doch meine Argumentation wiedergegeben. Genau DIESE Überlegungen haben mich zu meiner Meinung über die Piraten veranlasst.
      Dazu kam der (künstliche) Hype in den Medien und als dann noch ein CDU-Jünger und später ein Referent des Kriegsministeriums Vorsitzende der Partei wurden, war deren Ziel völlig klar, das ich oben formulierte.

      Übrigens: Wann immer mir Verschwörungstheorie vorgeworfen wird, weiß ich, dass ich mit meiner Analyse ziemlich gut ins Schwarze getroffen habe. Das ist nämlich ein beliebtes Totschlag-Argument, um die tägliche VerschwörungsPRAXIS der Herrschenden zu verschleiern:

      http://the-babyshambler.com/2011/10/06/verschworung-als-regierungshandeln/

      • Uhupardo sagt:

        Die inhaltliche Unfähigkeit einer Partei und die Tatsache, dass sie, wie alle anderen Parteien, systemimmanent agieren, sind Beweis dafür, dass die Piraten von irgendeiner geheimen Macht (von wem nochmal genau?) „installiert“ worden sind? Das finden Sie nicht selbst ein bisschen „unter Wert“ als Argument?

        Richtig: Jemandem eine „Verschwörungstheorie“ vorzuwerfen, ist schwach. Das wird nur noch übertroffen von dem kuriosen Statement „weil mir jemand eine Verschwörungstheorie vorwirft, habe ich Recht“.

          • Uhupardo sagt:

            Ja, nee, der Smiley ist mir jetzt gerade zu wenig. Da braucht es Antworten, wenn Sie hier krause Theorien (zum zweiten Mal) aufstellen. Wer genau hat also die Piraten „installiert“? Da Sie Russland grundsätzlich keine Schlechtigkeiten zutrauen, wer war´s denn? Merkel, Rothschild, CIA oder FBI, Mossad oder Sahra Wagenknecht, wer war´s?

            Und ist es nicht mindestens so schwach zu behaupten man habe Recht, weil einem Verschwörung vorgeworfen wird – wie wenn jemand mit dem Verschwörungsvorwurf operiert?

            • Bitte noch einmal den Artikel: Verschwörung als Regierungshandeln lesen.
              Da ist das besser erklärt als ich das je könnte.

              • Uhupardo sagt:

                Schon gut. Halten wir einfach als Ergebnis fest, dass Sie sich bei dieser von Ihnen aufgestellten These nach mehrmaligem konkreten Nachfragen unter den Tisch verkriechen und das in keiner Weise fundamentieren können.

                • Manchmal ist es schlicht nicht zielführend, alles in aller Breite auseinander zu klabüsern…

                  Wir wissen beide, dass wir zu bestimmten Themen unterschiedliche Meinungen haben. Warum also, soll ich darauf herumreiten?

                  Es gibt wesentlich mehr Themen, bei denen wir übereinstimmen. Das ist (mir) wichtiger.

                • Uhupardo sagt:

                  Die letzte Zeile stimmt. Wer aber solche Thesen aufstellt, muss damit rechnen, dass Belege eingefordert werden.

                  Das ging vor zwei Tagen nicht, weil der Konkretisierung einfordernde FB-Kommentar zu der These „CIA rüstet Islamisten aus“ plötzlich nicht mehr zu sehen war, aber in diesem Blog zumindest wird es geklärt. Und wenn dann keine Fundamentierung erfolgt, ist auch das ein Ergebnis. Alles fein.

  5. peterb sagt:

    Kann man bitte etwas mehr über die Inhalte der Partido X erfahren? Und wieso soll sie eine Alternative sein, wenn sie nicht auf Wahlerfolge aus ist? Ich kann nämlich kein spanisch…

    O.T.: Heute abend im WDR-Fernsehen um 22:00 UHR: „Broken Dreams“ Vom Zerfall der amer. Mittelschicht – oder wie man als Mittelschichtler in Hotels, Zelten und Autos lebt.

    • Uhupardo sagt:

      „Kann man bitte etwas mehr über die Inhalte der Partido X erfahren?“

      Selbstverständlich kann man. Warten Sie bitte die kurze Klärungsphase ab, die im Artikel ausführlich beschrieben ist – nicht vergessen, die Partei existiert seit zwei Wochen im Gegensatz zu den Piraten. Im März wird das Programm (auch hier natürlich) ausführlich vorgestellt.

      Partido X ist im Moment nicht auf Wahlerfolge aus und will Inhalte und Handlungsstrang vorher genau definieren. Das ist richtig so, denn was passiert, wenn man das unterlässt, kann man am gestrigen Ergebnis der Piraten gut beobachten.

    • Oder wie der Kapitalismus alles dem Verfall überlässt, was keinen Profit bringt und wie die Kapital-Eigner durch immer stärkere Konzentration des Kapitals in immer weniger Händen ALLE anderen in die Armut treiben und sich so seine eigenen Totengräber erschaffen.
      Denn im Kapitalismus wird alles nur danach bewertet, ob mit ihm in welchem Maße Profit gemacht werden kann – je mehr, desto besser. So wird alles zur Ware: die Bodenschätze, die Luft, das Wasser, der Mensch, die Liebe, die Religion, einfach ALLES!
      (frei nach Marx)

      ….Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.“
      P. J. Dunning, zitiert in Das Kapital, Band I, S. 801, Dietz-Verlag Berlin, 1961

      Den Krieg mit Eintausend und mehr Prozent Profit – und gleich mehrmals – haben wir durchaus zu den Verbrechen zu rechnen, die im Namen des Profits permanent an der Menschheit begangen werden!

      Und genau da liegt der Untergang dieses verbrecherischen, räuberischen, mörderischen kapitalistischen Systems begründet.

  6. kettensprenger sagt:

    Die Piraten haben es auf dem Bundesparteitag in Bochum versemmelt, als viele, viele Themen zur Abstimmung gestellt wurden, die eher nachrangig sind (z.B. Abschaffung der Zeitumstellung), aber die richtig großen Lösungen für die wichtigsten Probleme der Menschen (mit denen man auch Wahlen gewinnen und sich mit relevanten Alleinstellungsmerkmalen abheben kann) wurden nicht einmal zur Abstimmung gestellt. Beispiele: Programmanträge 554 und 557
    http://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2012.2/Antragsportal/PA557 und http://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2012.2/Antragsportal/PA554

    Chance vertan! Werden sie daraus lernen? Haben neue, problemlösende, mehrheitsfähige Lösungen eine Chance gegen die Meinungshoheit mächtiger Arbeitsgruppen (in denen einige Dutzend Zerberusse darüber wachen, dass keine außer den eigenen Ideen den Weg in Diskussionen und Abstimmungen finden)?

    Die Wähler wollen endlich eine Alternative zu Themen, die ihnen wichtig sind. Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

    • Uhupardo sagt:

      Einer der maximalen Aufreger ist es, wenn es aus Piratenkreisen ständig geklagt wird, die Massenmedien würden das Progamm der Piraten ignorieren und einfach nicht berichten. Dabei ist gerade über den Programm-Parteitag der Piraten so ausführlich berichtet worden wie selten.

      Man muss sich einfach mal wirklich die Mühe machen, das Programm selbst zu lesen, in dem ein Allgemeinplatz an den anderen gehängt wird, um sich ein eigenes Urteil über den Pudding zu bilden, der da Programm genannt wird. Und wenn dann selbst der SPD die Formulierung des geplanten Lobby-Registers der Piraten „nicht weit genug“ geht, ist die Sache allerspätestens klar.

  7. Ramón Rodríguez sagt:

    „Doch bei aller Lust an Streit und Diskurs: Wichtig ist eben auch, was am Ende rauskommt. Und das war in Anbetracht monatelanger Vorbereitung vieler engagierter Mitglieder ziemlich wenig.“
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kommentar-zum-parteitag-der-piraten-lieber-schwarm-so-wird-das-nix-a-869228.html

    Die Piraten hatten wahrlich Zeit genug, dafür ist das Ergebnis echt armselig. Wenn sie es jetzt nicht sofort gebacken kriegen „zu liefern“ wie Rösler sagen würde, dann weg damit wegen überflüssig.

  8. petrus2105 sagt:

    Traurig aber wahr! Den Piraten ist es nicht gelungen Substanz zu entwickeln. Woran das liegt? Na ja, wer so sehr darauf bedacht ist alles, aber wirklich alles, erst einmal von der Basis absegnen zu lassen, kann keine Positionen besetzen. Der Einsatz von Techniken wie „Mumble“ ist schön, das Versenden von Mails an jedes einzelne Parteimitglied lobenswert. Leider nutzen diese „Systeme“ aber zu viele Selbstdarsteller und zu wenige Macher.
    Die Piraten werden an ihrer eigenen „Demokratievorstellung“ zugrunde gehen. Sehr schade!

  9. El Bernabeu sagt:

    Also das Programm der Piraten hört sich ja nicht so schlecht an:
    – mehr direkte Demokratie
    – gesetzlicher Mindestlohn
    – evtl. bedingsloses Grundeinkommen
    – keine Kriegseinsätze zur Konfliktlösung
    – keine Ausgrenzung von Migranten
    – gentechnikfreie Landwirtschaft

    usw… um nur einige Punkte zu nennen.

    Ich glaube den Piraten fehlt es weniger an Themen, sondern vielmehr an gutem Personal, welches das eigene Wahlprogramm medienwirksam ins rechte Licht rücken kann.

    Selbes Problem haben übrigens auch die LINKEN. Wer kennt schon wirklich die Namen der Parteivorsitzenden.
    Einen Herrn Rixinger habe ich eigentlich noch nie im TV reden gesehen und Frau Kipping hat in den diversen Talkshows leider keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.
    Da sind dann 3% die logische Konsequenz.

    • Uhupardo sagt:

      Programm?
      Das beherrschende Thema überhaupt ist Wirtschaft-Krise-Euro-Geldsystem-Arbeitslosigkeit. Und was fällt den Piraten dazu ein? Das hier:

      Freiheitlich ist eine Gesellschaftsordnung, in der die individuelle Entfaltung des Menschen im Mittelpunkt steht. Sie wird durch das Gemeinwohl sowohl gestärkt als auch beschränkt. Deshalb sind Freiheit und Verantwortung untrennbar miteinander verbunden.
      Gerecht bedeutet, dass die Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Gesellschaft so gestaltet sind, dass sowohl eine Teilhabe als auch ein angemessenes Leben grundsätzlich gewährleistet werden.
      Nachhaltig ist ist ein auf Dauer angelegter, verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und der Umwelt. Die Haushalts- und Subventionspolitik, sowie das Finanzsystem, müssen dem Menschen und der Realwirtschaft langfristig dienen.

      Die Wirtschaftspolitik der Piratenpartei basiert auf einem humanistischen Menschenbild und ist bestimmt von Freiheit, Transparenz und gerechter Teilhabe. Auf diesem Fundament stehen unsere Konzepte für eine freiheitliche und soziale Wirtschaftsordnung, deren Ziel die selbstbestimmte Entfaltung und das Wohlergehen aller Menschen ist.
      Weltweite Vernetzung und Digitalisierung machen ganz neue Formen der Produktion, der Arbeit und des Austausches möglich. Diese neuen Formen des Wirtschaftens bieten enormes Potenzial, erfordern aber auch eine Weiterentwicklung der Wirtschaftsordnung. Hier bietet sich die Chance, einen zentralen Bereich der Gesellschaft politisch neu zu gestalten.
      Dabei ist für Piraten Wirtschaftspolitik nicht gleich Wachstumspolitik. Die über den Markt verkauften Güter und Dienstleistungen sind nur ein sehr unvollständiges und zuweilen irreführendes Maß für den Wohlstand und für die Lebensqualität in einer Gesellschaft. An diesen Steuerungsgrößen allein darf sich Wirtschaftspolitik nicht ausrichten,sie muss sich stattdessen den individuellen Lebensentwürfen der Menschen öffnen, unabhängig davon, wie stark diese ins Wirtschaftsgeschehen eingebunden sind. Die Wirtschaftspolitik der Piratenpartei soll den Rahmen zur Verwirklichung dieser Lebensentwürfe in einer globalisierten Wirtschaft schaffen.

      Das ist ein Ausbund an Floskelkram, den man sich auch getrost sparen kann.

      Und „erstmal Mindestlohn und dann vielleicht Grundeinkommen“?
      Ohne jeden Finanzierungsansatz, ohne jede Ausarbeitung vollkommen nutzlos. Noch mehr Pudding.

      Das gilt für etliche andere Punkte auch. Schlagworte hinschreiben dauert eine Stunde höchstens. Alles andere macht Arbeit, ist aber auch das Einzige, was wirklich helfen kann. Konktetes findet sich bei den Piraten zu den wichtigsten Themen überhaupt nicht.

  10. Bonsta sagt:

    Ich befürchte nur dass die Konfusion inenrhalb der Partei, ihre ideenlosigkeit, ihr völliges Fehlen konkreter Ansätze für die Politik und ihre totale Mutlosigkeit, die Dinge auch mal beim Namen zu nennen, ein ziemlich reales Abbild der meisten Menschen im Lande ist. Man kann sagen, die Piraten haben keine Ahnung was ihre Basis will, aber man kann es auch umdrehen und sagen, dass ihre Basis eigentlich keinen Plan hat, was sie will. Dazu kommt, dass sich eine Basis kaum definieren lässt. Mit „Netzaffin“ ist alles und nichts gemeint und schließt heute höchstens noch meine Oma aus.

    • Uhupardo sagt:

      „Ich befürchte nur dass die Konfusion inenrhalb der Partei, ihre ideenlosigkeit, ihr völliges Fehlen konkreter Ansätze für die Politik und ihre totale Mutlosigkeit, die Dinge auch mal beim Namen zu nennen, ein ziemlich reales Abbild der meisten Menschen im Lande ist.“

      Das ist richtig. Aber so ist das beim Hausbau auch. Davon verstehe ich gar nichts. Deswegen brauche ich einen Architekt. Wenn der allerdings nur Architekt heisst und auch keine Ahnung hat, kann ich ihn nicht gebrauchen.

      Wenn die Piraten keinen Hausbau anzubieten haben, weil sie nichts davon verstehen, sind sie der falsche Architekt.

  11. Marcel sagt:

    Die Piraten im Schulterschluss mit Henry Kissinger,sagte alles,nur weitere Figuren innerhalb des Programms.

  12. fischi sagt:

    Wo ich die Bilder vom Parteitag gesehen habe war mein Gedanke, so mancher ist glücklich, dass er der Welt sein teures Laptop mit dem Appelgriebsch drauf zeigen kann.
    Nee aber Uhu, was ich ganz anders sehe ist, dass es einfacher als früher geworden ist etwas neues zu etablieren.
    Hier eine fortschrittliche Partei zu gründen ist doch bloß theoretisch möglich.
    Irgendwie wiederholen sich doch die Zustände, die wir also hier im Osten schon mal hatten.
    Einheitspartei, die angeblichen Eliten total ideologisch verbohrt, die Presse gleichgeschaltet, bloss das……mus ist von einer anderen Firma.
    Ich hoffe, dass es in Spanien noch anders geht, aber?

    • Uhupardo sagt:

      „Nee aber Uhu, was ich ganz anders sehe ist, dass es einfacher als früher geworden ist etwas neues zu etablieren.“

      Das wurde so auch nicht gesagt. Etwas zu „etablieren“ war noch nie einfach, ist es auch jetzt nicht. Doch gerade jetzt, in einer Situation, in der das gesellschaftspolitische Wasser aufgewühlt ist wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr, ist es einfacher (und notwendiger!) andere Vorschläge zu machen- ob man die etablieren kann oder nicht, zeigt sich später. Nur: Die Piraten machen erst gar keine, wenn man von pauschalen Klauseln absieht.

  13. […] Machen wir es kurz: Die Partei hat in Niedersachsen die Klatsche bekommen, die sie unbedingt gebraucht und mehr als verdient hat. Kein Mensch weiss, wozu genau man denn Piraten wählen sollte. Dabei spielt die …  […]

  14. fischi sagt:

    Meine Meinung ist, dass das System gegen Leute, die nicht passen, immer auf die gleiche Art angeht.
    Zuerst versucht man, seine Gegner lächerlich zu machen.
    Wenn das nicht funktioniert, wird eine massive Drohkulisse aufgebaut oder die Presse ignoriert komplett.
    Funktioniert das alles nicht, gibt es Verbote.
    Die Piraten sind da schon an der ersten Hürde gescheitert.
    Die Linken sind da einen Schritt weiter, aber mehr lässt das System auf diese Art nicht zu.

    • Die LINKEN disqualifizieren sich durch Untätigkeit zwischen den Wahlen selbst.
      Außer schönen Bundestagsreden und Wahlkampfreden sind sie nicht aktiv. Das bringt sie um: An ihren Taten sollst Du sie erkennen.

      • aus Madrid sagt:

        Vielleicht bekommen die linken Parteien auch Geldumschläge mit bis zu 15000€(fünfzehntausend) , um nichts zu tun und nur zu reden und so „lala“ tu tun, so wie hierzulande vor kurzem als Skandal aufgedeckt werden durfte (unter vielem Anderen…), dass die PP- diese Praktik intern seit langem betrieb, um, so vermute ich, ihre Mitstreiter in Ordnung zu halten?
        Ah. Und der ehemalige Schatzmeister dieser Partei Herr Barcenas hat ein Konto in der Schweiz mit 22 Millionen und eine Grossfarm in Argentinien und andere gehen zu Fuss zur Arbeit, kommen mir ihrem Gehalt, sofern noch vorhanden nicht zu Monatsende. Ein Schätzchen von Meister!

        Saludos aus Korruptilandien : ) Da fällt mir doch gleich ein Lied ein …

      • fischi sagt:

        Das stimmt schon alles, aber wenn die Linken wirklich linke Politik machen würden, das wäre das sichere Verbot.
        Und das ginge sofort mit der Mehrheit der Einheitspartei.
        Die warten doch bloß darauf.

        • Lieber Verbot, Rückgrat, Aufrichtigkeit (uhupardo würde sagen: cojones – Eier) und Glaubwürdigkeit als dieser Eiertanz, um ja in den warmen Sesseln der Macht-Teilhabe zu bleiben!

          Das Argument: Sonst redet ja im Bundestag keiner Klartext zieht nicht, denn dieser Klartext ist mit organisierten außerparlamentarischen Aktionen wesentlich deutlicher und wirksamer als dieses bla-bla-bla im Bundestag!

          • fischi sagt:

            Aber dann gibt es keinen mehr der auf die Schweinereien die sie wieder beschlossen haben hinweist.
            Ohne die Linken hätte die neoliberale Einheitspartei komplett freie Bahn im Bundestag.

            • Was würde das ändern?
              Gar nichts!

              Die LINKEN dienen als Feigenblatt der Demokratie und sie füllen diesen Raum auch brav aus.

              Um zu wissen, dass die Politmarionetten oder Polit-Darsteller – ganz wie Du willst – lügen, brauche ich und braucht die Welt die LINKEN nicht.
              Was du da schreibst, ist das Totschlagargument der LINKEN zu ihrer Existenzberechtigung. Damit wollen sie nämlich allen Kritikern den Mundn verschließen, die völlig berechtigt behaupten, die LINKEN seien unnötig, weil sie ihren hübschen Worten keine Taten folgen lassen!

  15. Die Piraten haben natürlich ein Programm, die Piraten in Niedersachsen hatten auch ein ziemlich umfangreiches Wahlprogramm, und die Landtags- und kommunalen Fraktionen arbeiten gut an vielfältigen Themen. Das Problem ist, dass es niemand mitbekommt (oder keinen interessiert). Sonst würde sich wohl kaum das Gerücht halten, wir hätten kein Programm. Ich meine, uhupardo ist ja nicht dumm, trotzdem wiederholt er dieses Mantra. Genau da liegt unser Problem.

    Wir müssen also an der Kommunikation arbeiten, und wir brauchen Köpfe, die die Themen transportieren. Und wenn es mal noch keinen Parteitagsbeschluss gibt, kann mich sich ganz viel ableiten aus unseren Grundwerten: Teilhabe, transparenter Staat, Bürgerrechte. Wir brauchen nur intelligente, geerdete Leute, die auf der Basis von Programm und Werten etwas sagen können, und wir müssen es schaffen, dass ihnen jemand zuhört. :-/

    • Uhupardo sagt:

      Einfach mal auflisten die konkreten Pogrammpunkte, die über generelle und undefinierte Aussagen hinaus gehen. Man lernt ja gern dazu.

    • Ralph Metzger sagt:

      Hallo Uhu – Leser,

      ich habe das Gefühl, Ricardo hat mächtige Vorurteile uns Piraten gegenüber. Aber das ist in Ordnung. Wir wollen ein gemeinsames Europa werden, wir die Piraten sind europaweit aufgestellt und arbeiten daran. Wir können leider keine Wunder vollbringen, hoffentlich schafft dies die neue spanische Partei.

      Als ich heute dies gelesen habe, http://www.marinaslied.de/?p=766 war ich sehr nachdenklich, aber ich bin auf dem richtigen Weg.

      Beste Grüße Ralph
      (Basispirat)

      • Uhupardo sagt:

        Vorurteile? Warum lassen wir die verbale Dekoration nicht einfach mal weg? Noch hat sich kein Pirat gefunden, der hier einfach mal die konkreten Massnahmen auflistet, die sich die Piraten ins Programm geschrieben haben. Vielleicht ist Ralph Metzger dazu in der Lage? Das wäre hilfreich. Irgendein diffuser (wie unsinniger) „Vorurteil“-Vorwurf hilft niemandem, denn der hat garantiert nicht dafür gesorgt, dass es in Niedersachsen eine Klatsche wurde.

      • aus Madrid sagt:

        Herr Metzger, Danke für Ihren Kommentar. Ich habe den Text zu ihrem Link gelesen.

        Die Piraten-Partei hat eine Rolle gespielt, indem Sie der Öffentlichkeit und vielen eingesessenen Politikern gezeigt hat, dass die Zeit Reif ist für einen Wandel in den (Europäischen) Politischen Strukturen und den gesellschaftlichen Ordnungen. – Ein umfangreiches Unternehmen : )

        Die eingesessenen Politiker zeigen das sehr deutlich. Was in der jüngsten Zeit an Gesetzen und Normativen eingerichtet wurde, ist als solide Basis für vorrangig wirtschaftliches und kommerzielles Wirken erfolgt.
        Die Argumente überzeugen nicht, daher greifen sie zu alt bewährten Mitteln, am liebsten wünschten sich im Moment so manche eine kleine Naturkatastrophe, um Formulierungen und Erklärungen aus dem Weg zu gehen, auf so einfache Fragen warum? und wozu?.

        Wenn ich die Worte Freiheit · Demokratie · Information lese, bleiben diese für mich das was sie sind, zweckmässige Schlagwörter, bis nicht eine konkrete Stellungnahme dazu erkennbar ist.

        Diese Wörter, vermute ich, wollen ein Gefühl ansprechen, welches immer Menschen haben: dass es an Freiheit mangelt, dass Demokratie in der EU bröckelt oder vielleicht niemals etabliert war, dass Information manipuliert wird.
        Die Piraten Partei nimmt eine Stellung ein als „Das wollen wir ändern“, gibt aber keine deutlichen Punkte wo genau und wie sie das gestalten will, außer im virtuellen Bereich der Bits & Bites, eventuell ; )

        Wenn ich in dem vernetzten Artikel lese, dass sich die Piraten Partei nach der Frage zur Eurokrise schnell zusammensetzen musste, um diese „lästige“ Frage zu besprechen und als Antwort erfolgt:

        „Lasst die Krise jene lösen, die sie verursacht haben. Aber wir brauchen doch als Gesellschaft etwas, wo wir hin leben wollen! Wir können nicht dauernd in der Öffentlichkeit stehen und über Dinge reden, von denen wir eigentlich wenig Ahnung haben und die auch gar nicht unser Punkt sind.“, heisst es für mich, dass das Programm den Verursachern der Krise (welche seien die denn?) alle Freiheit überlassen, die Krise weiter zu steuern.
        Das heisst für mich, für die Interessen derjenigen einzutreten, denen diese Systemkrise ein gutes Geschäft bedeutet. Kein Weg für mich, mein Menschenbild und Vorstellung von Zukunft.

        Dennoch ist durchaus wichtig, dass überhaupt ein Wachwerden stattfindet, kleinere Parteien das aufgreifen und sich öffentlich manifestieren. Das ist ja ein Versuch etwas aktiv zu unternehmen, um die Gesellschaftsordnung mitzugestalten als Partei, auch wenn der Arbeitsaufwand die Parteiaktivitäten erstmal überfordert haben, wie aus dem vernetzten Text auch steht.

        Aus dieser Wahlenttäuschung, kann die Partei lernen und jene Kritiken, die konkret werden, können aufschlussreich sein.
        Die meisten Kritiken sind wahrscheinlich eher ein sentimentaler Ausruf, ohne weiteren Inhalt, die der Partei wenig nützen, so wie den Wählern, Schlagwörter ohne Argumente ebenso. Die Vermüllung daran ist schon gedeckt.

        Eine Frage: Welcher ist Ihrer Meinung nach der durchdachteste und konkret angestrebte Sachinhalt im Parteiprogramm?

        Alles Gute für die Zukunft wünsche ich der Piraten-Partei.
        Macht weiter, aber nicht so? : )

        • Ralph Metzger sagt:

          Besten Dank aus Madrid für die ausführliche Antwort.

          Die Anwort auf Ihre Fragw wird Sie sicherlich nicht verwundern, der Programmpunkt „Teilhabe am digitalen Leben“ ist für mich der wichtigste.

          Dass sich die Welt rasant ändert, bemerke ich ja selbst, wenn ich manchmal an meinen alten Commodore VC20 denke. Das etablierte Politiker solche Wandlungen bekämpfen oder nur sehr zögerlich begleiten, mag vielleicht darauf zurückzuführen sein, dass bisherige Politik generell eher einen Staus quo erhalten möchten, als sich neuen Strukturen zu öffnen.

          Bei den Piraten sehe ich eine Chance, diesen Wandel politisch zu gestalten und nicht, durch eine Revolution, erst alles kaput machen zu müssen.

          An zweiter Stelle steht für mich die „Bildung“

          Da ich in Bayern lebe, dass neben Niedersachsen noch das letzte Bundesland in Deutschland ist, welches Studiengebühren erhebt, gilt momentan mein Einsatz dem Bündnis gegen Studiengebühren. http://volksbegehren-studiengebuehren.de/
          Ich habe in zwei Ortschaften die Plakatierung übernommen und Flyer in Briefkästen geworfen.
          Und wenn wir dann am Mittwoch den 30.01.in den Nachrichten hören können, dass 10 % der bayerischen Mitbürger in die Rathäuser gegangen sind und gegen diese Gebühren unterzeichnet haben, dann hatte ich als Pirat einen klitzekleinen Anteil an diesem Erfolg.

          Damit komme ich automatisch zu meinem letzten Punkt des Programms. „Mehr Demokratie wagen“

          Die Hürden für solch eine Bürgerbeteiligung sind noch viel zu hoch. Das muss unbedingt geändert werden. Die Bürger müssen in politische Entscheidungen viel häufiger und stärker eingebunden werden. Vielleicht stärkt dies dann auch weider das Interesse an der Politik.

          Ich habe durch mein Gefühl, Ricardo könne Vorurteile haben, ihn etwas verärgert, dafür entschuldige ich mich hiermit.

          Beste Grüße Ralph Metzger

          • aus Madrid sagt:

            Vielen Dank für Ihre Antwort : )

            Ich glaube nicht, dass sich einer der Redakteure des Uhupardoblog geärgert hat, vielmehr galt die Antwort als Aufforderung konkrete Programmpunkte der Piraten Partei zu erläutern.

            Die konkreten Programmpunkte sind das Interessante, für mich erreichbar und Verständliche. Darüber kann ich (der Wähler) nachdenken, mitdenken, teilhaben, zumindest auf der Denkebene.

            LG

  16. […] Lesen Sie dazu auch: * Wenn Piraten auf Realität treffen […]

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