Stromlobby will Elektrogeräte in der EU fernsteuern

entsoe-e

Der Verband der euro­päischen Übertragungsnetzbetreiber (Entso-E) plant, Kühlschränke, Gefriertruhen, Waschmaschinen, Wärmepumpen und Warmwasserheizungen und andere Elektrogeräte in Europa fernzusteuern. Das Argument: Versorgungssicherheit bei schwankenden Stromkapazitäten. Hört sich an wie George Orwell – ist es auch. Bereits im Januar wurde ein entsprechender Vorschlag auf EU-Ebene eingebracht.

Aufgrund ihrer „großen Zahl“ könnten Haushaltsgeräte einen „signifikanten Beitrag“ zur Versorgungssicherheit in Europa beitragen, heißt es in einem Papier der Entso-E, das den Stuttgarter Nachrichten vorliegt. In Europa gebe es zum Beispiel 200 Millionen Kühlschränke und eine ähnliche Zahl Waschmaschinen. Das eigne sich gut als „Abschaltreserve für den Notfall“. Von dem Vorschlag seien „zunächst nur Neugeräte“ betroffen, da besondere Steuergeräte eingebaut werden müssen. Das aber flächendeckend: Die euro­päischen Übertragungsnetzbetreiber wollen, dass die Ausrüstung neuer Haushaltsgeräte mit der An-Aus-Elektronik „zwingend“ vereinbart werden soll, um ferngesteuerte Abschaltung zu erlauben.

Zwangsabschaltung von Haushaltsgeräten per Fernsteuerung, natürlich „nur im Notfall“? Nein, heute ist nicht der 1. April, dieses Projekt ist ernst gemeint! Offensichtlich gibt es inzwischen keinen Big-Brother-Vorschlag mehr, der zu dreist ist, um nicht trotzdem vorgebracht zu werden. Auch wenn man inzwischen kaum noch weiss, wogegen man zuerst protestieren soll: Behalten Sie dieses Thema im Auge und überlegen Sie genau, wann Sie sich welche Elektrogeräte neu anschaffen.

Lesen Sie dazu auch:
* Brüssel will Wasserversorgung europaweit privatisieren

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39 Kommentare zu “Stromlobby will Elektrogeräte in der EU fernsteuern

  1. almabu sagt:

    Nach dieser Logik müssten wir früher oder später alle eine Fernsteuerung eingebaut bekommen, damit nicht einige Millionen von uns plan- und damit nutzlos im Sinne des Systems durch die Gegend tappern?

  2. almabu sagt:

    Man könnte uns dann auch bei völlig überflüssigen, gar aufsässigen, Demos und welche wären das nicht im Sinne des Systems, einfach fernabschalten? Eventuell gar automatisch, wenn wir uns z.B. vermessen der PP-Parteizentrale in der Calle Genova von Madrid nähern wollen…

  3. almabu sagt:

    Aber volkswirtschaftlich mindestens ebenso wichtig wie unsere Wasch- und Spülmaschinen und Wäschetrockner dürften die Stunden im Autostau sein? Diesen könnte man auch per Fernabschaltung eines nach Nützlichkeitserwägungen ausgewählten Teils der Luftverpester verhindern oder zumindest minimieren? Wenn man die Fernkontrollen gar verknüpft, dann könnte man denen, die die Wäsche auf der Leine trocknen und so Energie sparen einen Staubonus und den zeitweiligen Gebrauch der linken Fahrspur zuweisen.

  4. almabu sagt:

    Bei uns wird gerade von der Komune die Fernheizung propagiert. Sie habe nur Vorteile, sagt man?
    Sie hätte zumindest den Vorteil, dass man bei Bedarf ganze Stadtteile, Straßen und einzelne Gebäude ohne größeren Aufwand zum Wohle eines übergeordneten Ganzen von Heizung und Warmwasserversorgung abschneiden könnte.

    • Was in meiner Heimatstadt mit der Heizung bereits jeden Sommer geschieht!
      Die Heizung wird einfach abgestellt, einfach weil Sommer „befohlen ist“. Angestellt wird sie erst wieder zu Beginn der Heizperiode oder wenn ich – der Mieter – nachweise, dass im Wohnzimmer drei Tage hintereinander 18 Grad Celsius nicht überschritten wurden.
      „Was, Bürger, Du frierst? Sieh zu, wie Du warm wirst!“ Auf Nachfrage gibt’s die zynische Antwort: „Wir sparen Ihnen doch nur Ihr Geld!“

  5. Das gehört abgeschafft!
    Diese Forderung wird immer dringlicher!
    „Wenn die Menschheit überleben will, muss sie den Kapitalismus überwinden“ – wir haben keine andere Wahl!

    • Bunny sagt:

      Es genügt wenn sie etwas nicht kaufen müssen. Dem Preis sollte man die Freiheit lassen sich zu bilden. Der gute Friedman hat in einem Punkt nicht ganz unrecht – der Preis trägt Information und ist damit eigentlich ein sehr nützliches Instrument, das sehr günstig bereitsteht.

      Wir sollten mit den Ressourcen sparsam umgehen … das fördert dieses Angebot nicht.

      Man sollte ja eigentlich heizen wenn es warm ist, in der Übergangszeit beispielsweise, sofern das Haus isoliert ist…

  6. Rico sagt:

    Einfach nur schockierend. George Orwell würde sich im Grab umdrehen…

  7. Bunny sagt:

    Der Versuch läuft schon ein Weilchen. Das Thema kommt immer wieder auf. Kann jeder Hersteller sich die Infrastruktur selbst zahlen und nicht der Kunde in Form von neuen ‚Stromzählern‘. Betreiben wir in Europa Sozialismus zu Gunsten der Großhersteller. Sobald man so etwas mal hat, dann geht das Spiel an, neues Gerät andere Technologie damit werden die anderen Geräte überflüssig.Geplante Obsoleszenz.

    Bei dem Thema wird gerne mit den Spitzen zu gewissen Zeiten argumentiert, ich glaube das Argument aber nicht wirklich.

    Unsereins hat noch nicht mal einen Geschirrspüler usw …

  8. aus Madrid sagt:

    Uhupardo, „Auch wenn man inzwischen kaum noch weiss, wogegen man zuerst protestieren soll“ …. wie wahr!

  9. Ich hätte gerne ein paar Quellen dazu.

  10. Bin ich froh, in der Schweiz zu leben. Nie in die EU!

  11. Reblogged this on đeя Bαeяeиαυfвıиđeя oder Kultur-Soeldner und kommentierte:
    …….schlechte Zeiten für DILDO Verwender/innen!

  12. totschka sagt:

    Abseits von Orwell und „Big Brother Is Watching You“ stellen sich mir ganz andere Fragen:

    Hieß es nicht immer, dass die Windräder in Good Old Germany teilweise abgestellt werden müssen, um wegen der Überkapazitäten das Netz nicht kollabieren zu lassen? Regen sich nicht gerade Anrainer wie Polen über ungefragte Umleitungen von überschüssigem Saft aus Deutschland auf, weil der dann ihr Netz in Gefahr bringt. War der letzte Blackout (Kreuzfahrtschiff – eine Leitung abgeschaltet – andere Leitung überlastet – halb Europa dunkel) nicht auch auf zuviel Saft in einer Strippe zurück zu führen?

    Deutschland exportiert trotz oder gerade wegen der „Energiewende“ genannten Massenverdummung Rekordmengen an Elektroenergie, und derweil erzählt mir entso-e vom Pferd? Da steckt mehr dahinter. Müsste man mal ein bissel drauf rum denken…

    • Uhupardo sagt:

      Manchmal Macht, meistens mindestens Geld, totschka, oder nicht? Natürlich ist die Begründung der „Versorgungssicherheit bei Spitzenverbrauch“ eine Schimäre. Wessen Versorgungssicherheit denn? Wir haben keine mehr, wenn Kühlschränke und Waschmaschinen zentral abgeschaltet wurden.

      • totschka sagt:

        Si, señor! 🙂 Geld, Macht – das ist klar. Trotzdem bietet dieser Vorstoß genügend Stoff für eine schicke kleine Verschwörungstheorie. Waschmaschinen und Kühlschränke sind vielleicht nur Testballons. Die Zwangsabschaltung von Informationsinfrastruktur wäre doch in Zeiten sozialer Unruhen viel wirkungsvoller.
        Man könnte ja auch mal überschlagen, wieviel Energie z.B. 100 Mio Kühlschränke am Tag verbraten und dann mal überlegen, welcher Bereich so eine Spitze kurzzeitig brauchen könnte…

        (Ich las da mal was von Mikrowellen, mit denen man Passanten handlungsunfähig machen können soll. Natürlich ist das jetzt weit hergeholt und bewusst von mir konstruiert. Ich weiß auch, dass ich mich der Gefahr aussetze, mich absolut lächerlich zu machen. Aber mittlerweile scheint mir in diesem Europa der Freiheit kein Gedanke zu abstrus, als dass er nicht zu Ende gedacht werden könnte.)

        • Uhupardo sagt:

          Es ist tatsächlich schwierig gerade. Da bekommt man die Meldung „Stromlobby will Elektrogeräte in der EU fernsteuern“ und du sagst „ach komm, das ist jetzt aber wirklich mit Sicherheit wieder eine Erfindung dieser Spinner“ … bevor die Feststellung getroffen werden muss: es ist wirklich so. Nachrichten, an die ich noch vor zehn Jahren nie geglaubt hätte. Zu Ende denken ist also inzwischen eher Pflicht als legitim, aber trotzdem prüfen und nicht jeden Dreck fressen, den der nimmt, gerade im Netz, auch immer mehr zu, was in dieser Situation geradezu logisch ist.

    • Neben Profit – mache ein Produkt knapp, so erhöhst Du den Preis = Profit – geht es meines Erachtens um Kontrolle, Drangsalierung, in Abhängigkeiten halten, in Angst halten, kurz um die Knute, die Peitsche, um die Menschen zu beherrschen, die sich nicht mehr beherrschen lassen wollen.

    • sRomy sagt:

      schätze mal dass auch einige IT firmen ihre remote control system an den mann/kühlschrank bringen wollen … aber das ist sicher nur einer der gründe…

  13. […] längst alles egal, falsche Scham kann man sich getrost sparen. Ob Wasserprivatisierung, Elektrogeräte fernsteuern oder mit Nahrungsmitteln zocken – die neoliberale Fraktion ist der Überzeugung, den Krieg […]

  14. sRomy sagt:

    A smart meter is usually an electrical meter that records consumption of electric energy in intervals of an hour or less and communicates that information at least daily back to the utility for monitoring and billing purposes.[7] Smart meters enable two-way communication between the meter and the central system. Unlike home energy monitors, smart meters can gather data for remote reporting. Such an advanced metering infrastructure (AMI) differs from traditional automatic meter reading (AMR) in that it enables two-way communications with the meter.

    http://en.m.wikipedia.org/wiki/Smart_meter#mw-mf-search

    • sunnyromy sagt:

      Das Profil des Stromverbrauchs gestattet je nach Schaltvorgängen, Stromstärken oder Frequenzmustern eine Analyse des Verbrauchers. So ist erkennbar wann Personen im Hause anwesend sind (Einbruchgefahr, behördliche Ermittlungen), wie viele Personen zum Haushalt gehören (Steuern, Miete), welcher Film auf dem TV angeschaut wird (Überwachung von Urheberrechten), welche zeitlichen Gewohnheiten der Verbraucher hat (Werbung) usw. Da Daten digitalisiert selbst noch nach Jahrzehnten zur Verfügung stehen, können rückwirkend unerwartete Problematiken für den Verbraucher entstehen.

      http://de.wikipedia.org/wiki/Smart_Metering

      Anwendungsbereiche http://de.wikipedia.org/wiki/Smart_Metering#Anwendungsbereiche

    • sunnyromy sagt:

      Mit intelligenten Zählern ist es dem Energieversorger möglich aus der Ferne durch „Fernabschaltung per Knopfdruck“ die Versorgung zu unterbrechen, um so sofort einem säumigen Zahler „den Strom abzudrehen“. Das Forderungsmanagement der EVUs diskutiert diese Möglichkeiten schon seit 2009. Damit ist auch eine Reduzierung des Außendienstes verbunden.

      Intelligenter Zähler
      http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenter_Z%C3%A4hler

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