Frau stirbt in der Notaufnahme nach drei Stunden Wartezeit

vigo salud publica

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält eine Stunde Wartezeit in der Notaufnahme des Krankenhauses für „vertretbar“. Die Patientin, die jetzt in die Notaufnahme des Krankenhauses von Vigo (Galizien) eingeliefert wurde, musste drei Stunden warten. Danach war Behandlung nicht mehr erforderlich – die Frau war tot. Der Fall wird jetzt sowohl von der Direktion des Krankenhauses als auch von der Staatsanwaltschaft untersucht. Nach all den Sparprogrammen stehen allein in Vigo 25.000 Patienten auf der Warteliste.

Die 81-jährige Galizierin, Diabetikerin und mit Herzproblemen, war nach der Einlieferung flüchtig von einer Ärztin angeschaut und mit der Diagnose „kann bis zu vier Stunden warten“ versehen worden. Wenig später: Herzstillstand, tot. Die Ärzte des Krankenhauses veröffentlichten daraufhin einen flammenden Protest gegen das Gesundheitsmodell Galiziens, das, wie überall in Spanien unter der konservativen Regierung Rajoys, immer mehr auf Privatisierung setzt.

Die Privatisierungs-Attitude der Regierung werde noch viel Schaden verursachen und etliche weitere Leben kosten, warnen die Ärzte, ganz abgesehen davon, dass das spanische Gesundheitssystem durch die Sparprogramme der vergangenen zwölf Monate sowieso schon „am Limit“ sei. Niemand könne eine Warteliste von 25.000 Patienten in einer einzigen Stadtdes Landes ohne lauten Protestschrei hinnehmen, heisst es.

Advertisements

17 Kommentare zu “Frau stirbt in der Notaufnahme nach drei Stunden Wartezeit

  1. Hester Jonas sagt:

    Eine Frage,
    „Nach all den Sparprogrammen stehen allein in Vigo 25.000 Patienten auf der Warteliste.“
    Auf was bezieht sich das? Um was für eine Warteliste handelt es sich da? Für OPs?

  2. Elgard Schnadt sagt:

    „………………flüchtig von einer Ärztin angeschaut und mit der Diagnose “kann bis zu vier Stunden warten”………“

    Entschuldigt bitte, aber solche negligéncias von nicht unbedingt überforderten, sondern schlampigen Ärzten gab und gibt es immer schon, auch bei privater Versicherung!!
    Dieser Fall hat nicht unbedingt etwas mit den idiotischen Kürzungen im Gesundheitswesen zu tun

    • Uhupardo sagt:

      Wir sind ganz sicher, dass Sie das nicht beurteilen können. Dazu müssten sie die spanische Realität im Gesundheitswesen und vor allem in Vigo besser kennen. Wo es nur noch zwei oder drei festangestellte Ärzte im Krankenhaus in einem Team gibt, das früher aus 15 bestand, aufgefüllt durch ein paar Aushilfen, passieren solche Dinge logischerweise vermehrt. Es reicht vollkommen zu wissen, wie die Einschätzung des Krankenhauspersonals ist, um sich ein Bild der Lage machen zu können.

  3. Elgard Schnadt sagt:

    Es tut mir leid, Ihnen widersprechen zu müssen. Ich lebe seit fast 40 Jahren in Spanien und kenne die Realität des spanischen Gesundheitswesen recht gut und bin wie jeder Spanier, über alle einschneidenden Sparmaßnahmen, besonders im sozialen Bereich, empört und besorgt!
    Mit meinem Kommentar wollte ich lediglich feststellen, dass Fälle wie der beschriebene (von dem ich bereits heute morgen bei Cadena SER gehört hatte) auch unabhängig von der momentanen Situation vorkommen. Vor bereits 17 Jahren hätte mich um ein Haar ein gleiches Schicksal ereilt……., auch wegen flüchtiger Oberflächlichkeit…., und da waren noch genügend Ärzte da!!

    • Uhupardo sagt:

      Es ist auch durchaus möglich (sicher sogar), dass es solche Vorkommnisse früher gegeben hat. Sie sollten aber unter diesen Umständen erstens selbst am besten wissen, was Sparmassnahmen + Privatisierung gerade anrichten. Zweitens aber – und dazu stehen Ihnen ausreichend Presssemeldungen zur Verfügung – ist gerade die Situation in dem betreffenden Krankenhaus in Vigo besonders drastisch, wie das Personal (Ärzte und Pfleger) selbst verdeutlichen.

      Es war hier nicht etwa „Flüchtigkeit“ eines Arztes, wie es immer vorkommen kann, sondern totale Überarbeitung des um 70 Prozent verringerten Personals (dem auch noch durchschnittlich 40 Prozent des Gehalts gestrichen worden ist).

      • fakeraol sagt:

        Die Rechnung ist doch ganz einfach.
        Wenn man annimmt, daß die Anzahl der Patienten ungefähr gleich geblieben ist, dann steht heute einer der drei verbliebenen Ärzte aus dem ehemals fünfzehnköpfigen Team vor der Wahl, entweder nur einen von fünf Patienten genauso gründlich zu begutachten, wie früher, und die anderen vier zu ignorieren,
        oder mit dem Wissen, daß er nach der Aufnahme der Patienten auch noch alle mit fünf mal höherem Tempo versorgen muss, pro Person nur noch ein Fünftel der Zeit zu verwenden, um zu einer Einschätzung zu gelangen.
        Da wird das Spritzen setzen dann zum Dart-Pfeile werfen und die Blinddarm-OP zum Kettensägenmassaker, anders ist das nicht zu schaffen. Und mit diesem Wissen im Hinterkopf versucht man aus reiner Verzweiflung, Patienten so weit wie möglich nach „hinten“ (4 Stunden später) zu schieben, im Bewusstsein, daß man mit den schwersten Fällen vorher nicht so schnell fertig wird.

        Wer ist jetzt schuld? Der Arzt, der vor dieser Wahl steht, und in beiden Fällen nur „verlieren“ kann, oder die Politiker (und ihre „Berater“ = Lobbyisten), die den Patienten im Krankenhaus, und den Patienten „Zockerbank“ gewogen, und den im Krankenhaus für zu leicht befunden haben, weil ihnen die anonymen „Spenden“ in den schwarzen Köfferchen, an die sich ein Finanzminister nicht erinnern kann, überlebenswichtiger sind, als der „Plebs“?

        Versucht doch bitte mal, Euern Abwasch zu machen in einem Fünftel der Zeit, ohne einen Teller zu zerbrechen.

  4. angelika sagt:

    Dies ist kein Einzelfall. Es gibt in Spanien sogar Wartelisten für dringende Operationen. Neben der Seguridad Social (kaum Service) kann ich nur jedem empfehlen eine Privatversicherung abzuschließen (schon ab 35€ im Monat zu haben). Im übrigen schließen viele Notaufnahmen in Spanien wegen Kürzungen.

  5. yota berlin sagt:

    Das gibt es auch in Berlin. Eine Bekannte wartete nach einem Unfall 4 Stunden in der Notaufnahme eines Berliner Spitals, zusammen mit einem dutzend anderer Patienten, z.T. in erbärmlichem Zustand, ohne dass ein Arzt erschien. Sie hat sich dann ohne Behandlung privat abholen lassen.

  6. eberhard sagt:

    Und ich wette 100:1, wenn ich Spanier wäre und einen Bankster oder einen Politiker mal ein bischen anschieße, der wird selbst bei einem Streifschuß oder wegen dem Schock, weil er einen Knall gehört hat, behandelt – und derselbe Arzt (aber bitte Herr Minister) hat alle Zeit der Welt für die Behandlung.

  7. Johannes Eber sagt:

    Mein tiefes Mitgefühl den Hinterbliebenen, der auf so tragische Umstände verstorbenen Galizierin, für die ihr Tod eine nicht zu schließende Lücke hinterläßt. Die menschenverachtenden Sparmaßnahmen treffen wie immer die Schwächsten der Gesellschaft. In der „Islamischen Republik Iran“ sind aufgrund der Embargo-Maßnahmen lebensnotwendige Medikamente nicht mehr zu bekommen und wenn doch zu exorbitanten Preisen. Tausende Menschen sind deswegen schon gestorben. Ist dieses restriktive Unrecht von den Beschlußfassern human?

  8. […] Frau stirbt in der Notaufnahme nach drei Stunden Wartezeit. […]

  9. […] Das alles trug sich in Deutschlands Hauptstadt zu und nicht in einem Dorf in Timbuktu. Es dauert wohl nicht mehr lange, dann haben wir spanische Verhältnisse. […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s