Schreib´ es an die Wand!

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Candy Chang ist eine Künstlerin, die in New Orleans wohnt, wo es mehr verlassene Häuser gibt als fast überall anders in den USA. Eines Tages kam sie auf die Idee, an die Aussenwand eines dieser Häuser eine riesige Tafel zu hängen. – „Bevor ich sterbe …“ stand in grossen weissen Lettern darauf. Und plötzlich kamen viele Nachbarn und immer mehr, die mitteilten, was sie unbedingt tun wollen, bevor sie sterben. Der eine will ganz materialistisch „ein Boot besitzen“, der andere einfach „wahrnehmen“, wieder ein anderer „ein Kind adoptieren“ oder „einen Baum pflanzen“.

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Menschen teilten an der Wand mit, was sie bekümmert, was sie beschäftigt, was sie freut. Das Ganze entwickelte sich zu einem so erfolgreichen Kommunikationsinstrument, dass Candy Chang auch in anderen Teilen der Welt solche Aktionen initiierte. Einige davon sind auf dieser Webseite zu besichtigen. In Vorträgen referiert die Künstlerin über ihr Anliegen und die Entstehungsgeschichte.

Warum wir Ihnen das mitteilen, fragen Sie? – Weil es viele Menschen gibt, denen es schlecht geht, die sich allein fühlen. Weil man sich besser fühlt, wenn man eben das tun kann: sich mitteilen. Solche Wände werden den politischen Weltlauf nicht verändern, sie werden keine Strukturkrise beheben können. Doch Aktionen dieser Art sind sehr wohl dazu geeignet, ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen, persönliche Erleichterung in schwierigen Zeiten. Und sie sind ein vielseitig nutzbares Kommunikationsinstrument, je nachdem, welchen Titel man ihnen gibt. Vielleicht kennen Sie auch so eine Wand irgendwo, die morgen zur Nachbarschaftsaktion werden kann?

(* danke für den Tipp zur Story an unseren Leser fakeraol)

Lesen Sie auch:
* Die Kraft der Solidarität

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11 Kommentare zu “Schreib´ es an die Wand!

  1. bodenfrost sagt:

    Eine sehr schöne Idee. Menschen fühlen sich oft schon weniger einsam und verloren, wenn sie aus einer Kommunikations-Isolation ausbrechen und sich anderen mitteilen können.

    In Stuttgart gab es vor nicht allzu langer Zeit etwas Vergleichbares: Der Bauzaun am ehemaligen Nordflügel/Hauptbahnhof war über lange Monate eine Art Wandzeitung. Plakate, Zeitungsausschnitte, Stofftiere, persönliche Anmerkungen und viele andere Sachen, hauptsächlich zum Thema Stuttgart 21, haben ihren Weg dorthin gefunden. Es standen auch fast immer Menschen davor und betrachteten und lasen, was andere dort hinterlassen hatten.

    Auf dieser Seite sind ein paar Fotos von Stuttgarts ehemaliger Wandzeitung zu sehen.

    • fakeraol sagt:

      Eben, Genau das!
      Ich bin überzeugt, daß diese Wand einen wesentlichen Anteil daran hatte, daß die Anti-S21-Bewegung so gewachsen ist. Weil die Menschen voneinander erfahren haben, daß sie nicht allein sind, daß es viele gibt, die so denken, und weil sie deshalb wiedergekommen sind, weil es sich herumgesprochen hat, weil da zu lesen stand, WAS die Leute wütend macht, was sie ablehnen, und warum, und wie man es besser machen kann.

      Diese Wände verbreiten die Botschaft dauerhaft und jeder kann sich daran beteiligen, wie hier im Internet, nicht nur eine kleine Gruppe, die gerade mal etwas Geld für ein paar Flugblätter auftreiben konnte, die dann schnell wieder irgendwo im Dreck liegen und nicht mehr gelesen werden.

      Diese Wände wären die Kommunikationsadern des Volkes im öffentlichen.

    • Klasse Sache in Stuttgart.

  2. fakeraol sagt:

    Was würde wohl auf spanischen Wänden zur Zeit stehen?
    Und wieviele Menschen, die das lesen und bisher entmutigt zuhause saßen, würden am nächsten Tag anstatt dessen vor dem Haus eines Nachbarn stehen und sich an der Verhinderung der Räumung beteiligen?
    Und wann würde die Bewegung so groß werden, daß sie statt der Nicht-Räumung der Häuser die Räumung der Banken fordern würden, und die der Prügelpolizei-Stationen und der Parlamente, und endlich freie Wahlen eigener Vertreter fordern und einfach umsetzen würden?
    Stellt Euch vor, die Dorfbewohner würden ihren Polizeichef direkt selbst wählen und auch wieder absetzen können, und ihren Bürgermeister.
    Stellt Euch vor, jeder Stadtteil, jede Stadt, jeder Bundesstaat würde seinen Stadtteil- / Stadt- / Bundes-polizeichef/ -bürgermeister/ -richter/ die Chefs der öffentlichen Versorgungsunternehmen direkt selber wählen und auch abwählen können.

    Die „Mächtigen“ erhielten ihre Macht dann direkt aus den Händen des Volkes, das sie ihnen auch jederzeit wieder nehmen kann. Wem würden diese Leute dann dienen?

    Was den Menschen bisher fehlt, ist die öffentliche Komunikation. die wird von der Werbeindustrie und den Massenmedien bestimmmt. Was all die Menschen auf der Straße denken, die täglich aneinander vorbeilaufen, bleibt stumm.

    Stellt Euch vor, es gäbe überall solche Wände und die Menschen könnten lesen, was die anderen um sie herum denken. Diese Wände wären noch mächtiger, als die „Speakers Corner“ in London. Weil sie nicht verstummen, sobald der Redner schweigt, weil sie 24 Std. run um die Uhr die Worte der Menschen weitertragen.

    Was würde wohl heute auf diesen Wänden stehen?

  3. „Stellt Euch vor“
    so schauts aus.

  4. fakeraol sagt:

    Hab grad den Artikel Die Kraft der Solidarität bei Bodenfrost gelesen, den Uhupardo oben verlinkt hat.

    Solltet ihr alle tun.

    Ja. liebe Bankster, Ihr werdet Euch noch wünschen, Ihr hättet uns nie versucht, denn wir haben eine Waffe, die Euch zutiefst fremd ist: Solidarität!
    Ihr werdet Euch noch wünschen, ihr hättet uns nie geweckt! Wir werden Euch Eure letzte Messe singen: Grândola, Vila Morena, Euch und Euern Marionetten im Parlament, versprochen!

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