Leserfragen (5)

uhu

Ab und zu erreichen uns Leserfragen per Mail. Da die Antworten vielleicht auch andere Uhupardo-Leser interessieren, werden wir ab und zu ein paar veröffentlichen. Da die Autoren der Mails nicht um Veröffentlichungs-Erlaubnis gefragt wurden, lassen wir die Namen weg. Hier also wieder Fragen aus der jüngsten Zeit.

Frage 1
Sie haben sich, für mich erstaunlicherweise, bisher weder zur „Partei der Vernunft“ noch zur Alternative für Deutschland“ geäussert. Interessieren Sie diese neuen Parteien nicht?
Kein Interesse wäre zu viel gesagt, doch erstens versuchen wir, uns mehr auf spanische als auf deutsche Themen zu konzentrieren; zweitens sind wir so politisch, dass es sich von allein verbietet, dass wir uns zu sehr mit Parteipolitik beschäftigen; drittens, und das ist das Wichtigste, dreht es im Gespräch um die Parteien, die Sie erwähnen, um pure fundamentalistisch-ideologische Grundhaltungen. Wenn beispielsweise irgendwo die „Österreichische Schule“ als Referenzkurs benannt wird, kann man getrost aufhören zu lesen.

Es ist sinnlos aus unserer Sicht, Zeit mit Diskussionen zu verschwenden, wenn man genau weiss, dass der Gesprächspartner grundsätzlich auf marktradikale Standpunkte setzt. Genauso gut könnte man jede Woche mit den Zeugen Jehovas debattieren und würde nie zu einem produktiven Gesprächsergebnis kommen. Marktgläubige Parteien gibt es schon reichlich: Von der Union, über die FDP hin zu SPD und Grünen. Das wird nun noch gesteigert durch die wohl schon gescheiterte „Partei der (Un)Vernunft“ (PdV), die ultramarktradikale Positionen besetzt. Glücklicherweise sorgt bereits die unfähige Leitfigur der Partei, Oliver Janich, dafür, dass diese Formation kein Bein auf den Boden bekommt.

Etwas anders ist es mit der „Alternative für Deutschland“ (AfD), die im Augenblick mehr mediale Aufmerksamkeit bekommt, basierend auf bekannten Professoren-Namen. Doch auch das dürfte im Strohfeuer enden, denn die Haltung „gegen den Euro“ ist vielleicht publikumswirksam, aber längst nicht genug und löst keine Probleme. Im Grunde ist das Programm der Afd dem der PdV sehr ähnlich. Marktradikal, die „Partei der Nettozahler“ und nationalchauvinistisch, wie in diesem Artikel sehr richtig festgestellt wird, der breite Leserschaft finden sollte und den wir sehr empfehlen: Klick

Wer also noch mehr „rechts“ und noch mehr „marktliberal“ braucht als CDU oder FDP, ist bei den von Ihnen angesprochenen Formationen gut aufgehoben. Niemand sonst. Mit Vertretern solcher Geisteshaltung halten wir Debatten jedoch für so sinnlos, dass Kraft und Zeitaufwand dafür in keinem Verhältnis stehen. Deswegen fanden Sie bisher bei Uhupardo keine Aussagen dazu, von dem einen oder anderen Kommentar zu Leser-Interventionen abgesehen.

Frage 2
Könnten Sie vielleicht mal beschreiben, inwiefern die Krise in Spanien im täglichen Leben sichtbar wird, wie genau macht sie sich bemerkbar?
Einfache Frage, schwierige Antwort, die aus vielen unserer Artikel zusammengesetzt werden müsste. Besonders deswegen, weil das regional sehr sehr unterschiedlich ist. Die inakzeptable Arbeitslosigkeit der jungen Leute und die damit verbundene Hoffnungslosigkeit sind das Schlimmste überhaupt. Die langen Schlangen vor den Arbeitsämtern. Die „zu verkaufen“-Schilder an zahllosen Immobilien. Also ja, man merkt die Krise im täglichen Leben sehr wohl und deutlich.

Andererseits ist das spanische Volk seit vielen Jahrzehnten „krisengewohnt“ und die Mechanismen, das zu bekämpfen, sind geübter als in vielen anderen Ländern. Ausserdem lässt sich ein Spanier, schon von der Mentalität her, das Leben auch dann nicht komplett verdriessen, wenn es mal sehr schwierig wird. Und das aktive Protestpotential wächst täglich. Die Situation ist also wirklich mies, aber (bisher!) muss man nicht nur schwarz sehen. Wenn jedoch unsere Einschätzung der Zukunftsaussichten einbezogen werden, dürfe es noch heftig werden, aber das gilt wahrlich nicht nur für Spanien.

Frage 3
Uhupardo hatte gerade über eine Zwangsabgabe nach zypriotischem Muster in Spanien spekuliert. Glauben Sie persönlich wirklich daran, dass so etwas passieren kann?
Ja, unbedingt, und nicht nur in Spanien. Einfach deswegen, weil wir fest überzeugt davon sind, dass man sich vom Volk holen wird, was immer zu kriegen ist, bis das Fass überläuft. Das ist in Spanien gerade einfacher als woanders. Mariano Rajoy und seine absolute konservative Mehrheit haben schon alle Versprechen gebrochen, die man überhaupt brechen kann. Insofern sind alle aktuellen Aussagen der Regierung („Spareinlagen bis zu 100.000 Euro sind uns heilig“) schon Makulatur, bevor sie überhaupt ausgesprochen werden. Niemand glaubt mehr daran. Rajoy würde keine Sekunde die Hand zittern, solch eine Zwangsabgabe zu beschliessen nach allen seinen Statements, die er am darauffolgenden Tag schon ins konkrete Gegenteil verkehrt hat.

Wenn wir trotzdem immer noch leise Zweifel an einer spanischen Zwangsabgabe haben, hat das einen ganz anderen Grund. Wenn jetzt, nach Zypern, noch einmal in einem einzelnen Staat des Euroraums eine solche „Sondersteuer“ beschlossen werden sollte, gibt es am nächsten Tag unweigerlich einen nicht mehr beherrschbaren Bank-Run in ganz Europa! Angesichts dieses enormen Risikos ist ein nationaler Alleingang für eine Zwangsabgabe glatter kontinentaler Selbstmord des Systems. Wenn das nicht so wäre, hätten wir die Zwangsabgabe in Spanien wohl schon.

Vorher sind erschienen:
* Leserfragen (1)
* Leserfragen (2)
* Leserfragen (3)
* Leserfragen (4)

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23 Kommentare zu “Leserfragen (5)

  1. Michl sagt:

    Ich möchte mich bei Uhupardo für die Antwort auf Frage 1 (Pd(U)v; AfD) bedanken. Ihr habt mir quasi aus dem Herzen gesprochen.

    Bei Frage 3 ist es wohl keine Frage des Glaubens sondern eher des Offensichtlichen.
    Für Deutschland: Auch die Inventur verpfändbaren und oder belastbaren Vermögens, genannt Zensus 2011, war ja kein Witz aus Langerweile, die Rechnung ist schon so gut wie im Druck. Darüber zu reden wenn es soweit ist, nutzt dann keinem mehr.

    Eine Frage hätte ich aber auch an Euch, werden wir vielleicht bald wieder singen:
    Le ciel d’Espagne déploie ses étoiles….

    • Uhupardo sagt:

      Es ist keine Frage, dass der Tag näher zu rücken scheint, an dem dieses Lied fällig wird. Niemand sollte sich jedoch darauf freuen.

      • Michl sagt:

        Ich denke damals hat sich auch keiner gefreut, als sie ihre Freiheit verteidigen mußten, es war quasi Notwehr.
        Ungefähr so wie die neoliberalen Typen immer behaupten, wenn man sich nur regt hat man automatisch Erfolg, jeder kann Millionär werden. Also haben sie sich damals geregt und ich denke auch die Zeit wird wieder kommen, ist es nicht vielleicht auch beabsichtigt!?

        • Hy Michl………“ ist es nicht vielleicht auch beabsichtigt!?“

          natürlich ist es beabsichtigt! die Frage ist nur was Sie unter Absicht verstehen.
          Sollten Sie meinen es sei eine humanoide intellektuelle Absicht!?
          dürften Sie sich sooooo was von irren wie nur was.
          Betrachten Sie das Geschehen als eine natürliche/biologische Notwendigkeit wie atmen, dann sollte es passen.

      • „dieses Lied“
        Der Aderlaß is a must have.

      • Ulrich Fiege sagt:

        Eine gute Einstellung, wer daran denkt das der Euro als Währung irgendetwas dafür kann das sich Banken und Multis und deren Anteilseigner und Aktionäre über Regierungskriminalität immer mehr ausbreiten, hat den Kern der Krise bzw. die Krise als Ganzes nicht verstanden. Der Beitrag über die Wasserprivatisierung in Bolivien zeigt anschaulich in welchem Drama wir uns befinden. Dazu werden wir Bürger immer Durchsichtiger wie der neue Entwurf zur Bestandsdatendatei letzten Donnerstag kurz vor Anbruch der Nacht im Bundestag zeigte. Die „Neue Richtervereinigung“ schreibt dazu:

        „„Das geplante Bestandsdatengesetz ist auch in der geänderten Fassung unakzeptabel. Die Aufnahme des Richtervorbehalts und der Benachrichtigungspflicht ist derart lückenhaft und mit Ausnahmeregelungen versehen, dass ein ernsthaftes Bemühen um einen praktikablen Richtervorbehalt zur Wahrung eines hohen rechtsstaatlichen Niveaus erkennbar nicht gewollt ist.(..)“

        „Bestandsdaten (z. B. Name, Anschrift und Rufnummer des
        Anschlussinhabers), Daten, die zum Zugriff auf ein Endgerät oder auf eine andere
        Speichereinrichtung erforderlich sind (z. B. PIN-Nummern) sowie Verkehrsdaten für die Zuordnung dynamischer IP-Adressen“

        „Künftig soll es eine Schnittstelle auch für dynamische IP-Adressen,
        Passwörter, elektronische Adressbücher, Kontoverbindungen und alle
        sonstigen Bestandsdaten geben“

        Link erlaubt?

        https://www.neuerichter.de/index.php?id=346&tx_nrvobjects_pi1%5Bshow%5D=312

        dann auch für Bilder dazu aus dem Reichstag?

        http://bestandsdatenauskunft.de/?p=138

        Dazu der von euch schon angesprochenen bargeldlosen Zahlungsverkehr und die EU legt fest ab wann Demonstrationen zu Aufständen werden die mit der Bundeswehr im Innern sehr Blutig zusammen geschossen werden, ob in Spanien oder in Deutschland, das ist unerheblich siehe EU-Verträge! Thanx Uhupardo und bleibt dran!

      • Ulrich Fiege sagt:

        Hatte mein Postfach von unten nach oben aufgemacht und war nicht auf der Höhe als ich erfuhr das ihr das Leistungsschutzrecht und die Bestandsdaten schon im Blog habt, meinen Kommentar auf Leserfragen(5) bezogen .

  2. Michael sagt:

    3 erlaube ich mir zu bestätigen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die offizielle Verkündung der Inflationrate von bis zu 6% in Europa auf die Geldmenge oder die Preise bezog (sah es nicht selbst) . Ein Grund könnte wohl sein, dass man versucht den Leuten Geld für Konsum aus der Tasche zu locken, oder aber es geht los in welcher Form auch immer. Ist aber egal, beides sind keine guten Anzeichen.

  3. Leserfrage1…..„Wenn beispielsweise irgendwo die “Österreichische Schule” als Referenzkurs benannt wird, kann man getrost aufhören zu lesen.“
    Bingo.
    —————–
    Leserfrage2………….„Die inakzeptable Arbeitslosigkeit der jungen Leute und die damit verbundene Hoffnungslosigkeit sind das Schlimmste überhaupt.“
    Ragnarök.
    ————————

  4. EuroTanic sagt:

    „Marktgläubige Parteien gibt es schon reichlich: Von der Union, über die FDP hin zu SPD und Grünen.“
    Diese Partein als Marktgläubig oder Marktradikal zu bezeichnen ist angesicht der massiven Regelungen mit dem Deutschland und die EU den Markt beschränken schon ziemlich realitäsfremd. Nie gab es soviel massive eingriffe in den Markt wie in der EU.

    • Uhupardo sagt:

      … und Sie hätten gern gar keine mehr, das Recht des Nettozahlers, Staat ist generell scheisse, Österreichische Schule, der Markt regelt alles, bla … schon klar. Dafür und besonders dafür, gilt alles das, was Sie im Artikel gelesen haben.

      • fakeraol sagt:

        Uhu, manchmal sollten Sie auch ein bischen mehr differenzieren.
        EuroTanic hat recht, wenn die CDSPUFD an den Markt glauben würden, dann gäbe es keine planwirtschaftliche „Bankenrettung“, und es wird wohl niemand ernsthaft annehmen, daß die sich tatsächlich Sorgen um die Einlagen der einfachen Leute machen würden? Die können sie den Leuten auch anders abknöpfen, darum gehts nicht bei der Bankenrettung.
        Daß sie die Schwächsten der Gesellschaft den puren Karktkräften aussetzen, und daß das genau das Gegenteil dessen ist, was im Grundgesetz steht (Sozialstaatsgebot), darüber sind wir uns ja alle einig, aber „Marktgläubig“ oder „Marktradikal“ sind sie eben nur da, und nicht wenns um die Großen geht, da herrscht dann der pure „Kommunismus“: jede Bank nach ihren Bedürfnissen unabhängig von ihrer Leistung.

        • Uhupardo sagt:

          Alles nicht ganz falsch, aber „man merkt Absicht und wird verstimmt“, darum geht es hier!
          Es ist richtig, dass die genannten Parteien nicht in jedem Aspekt marktgläubig oder marktradikal sind und handeln, sondern nur da, wo es ihnen in den Kram passt. Das rechtfertigt jedoch kein bisschen den Umkehrschluss, der damit vermittelt werden soll: Wenn sie nur noch mehr marktgläubig und marktradikal handeln würden, wäre ja alles in Ordnung. Deswegen ist es eben nicht egal, wer was sagt. Und deswegen kann man sich in bestimmten Situationen die Differenzierung getrost sparen.

  5. Mark23 sagt:

    „zweitens sind wir so politisch, dass es sich von allein verbietet, dass wir uns zu sehr mit Parteipolitik beschäftigen“

    Das nenne ich eine lobenswerte Einstellung und diese sollte sich auch mal ein Herr zu Herzen nehmen, der so eine mehr oder weniger regelmäßige Sendung macht, sehr durch Monologe geprägt (selbst wenn er einen Gast interviewt), die früher „Krieg“ im Titel hatte. -)
    Leider nicht zu selten Parteiwerbung, an der sich auch die Waffenhändler und Hersteller von Artikeln zur Krisenvorsorge erfreuen.
    Marktradikal halt.
    Da wird jemand bei den Kommentaren sogar als „Sozialist“ beschimpft, wenn er gegen die Wasserprivatisierung ist. Unglaublich. Wenn die Marktradikalen wüssten, wie fanatisch sie sind, würden sie wahrscheinlich selbst erschrecken. Zumindest wenn Ron Paul und Alex Jones nichts dagegen haben. -)

    War ebenfalls mal bei der PdV und jemand, der auch ausgetreten ist, macht jetzt die „Partei-der-NEIN-Idee“. Wäre das vielleicht ein Ansatz? Bin jedenfalls sicher nicht der einzige, der mal an die Partei geglaubt hat, weil sie vor allem gegen etwas ist. Auch voller Überzeugung für etwas sein, ist bekanntlich sehr viel schwerer. Dann doch lieber zunächst nur ein deutliches Nein.
    Wir brauchen jedenfalls sehr viel dringender als „die“ neue Partei oder „den“ neuen Anführer eine Bewegung, auf die sich möglichst viele wach-gewordene, nach sozialer Gerechtigkeit strebende Menschen, die Angriffskriege, Wachstumswahn, Ressourcenverschwendung und Umweltzerstörung etc ablehnen, einigen können.

  6. Steuben sagt:

    Und trotzdem werde ich die AFD wählen! Es ist absehbar, dass Europa in der jetzigen Form keine Zukunft hat und auseinanderbrechen wird. Bald wird es nur noch darum gehen die eigenen Interessen durchzusetzen und den eigenen Hintern zu retten. Merkels weg ist ein Weg ohne Umkehr! Das Porzellan das jetzt zerschlagen wird, kann auf sehr lange Zeit nicht mehr gekittet werden.

    Das Bandbreitenmodell so begrüßenswert ich es auch halte, hat so gut wie keine Chance umgesetzt zu werden. Der deutsche Michl schläft selbst jetzt noch tief und fest! Sediert von Propaganda, Talkshows, Proleten-TV und Werbung wird er keinen Finger für andere Völker rühren bis es zu spät ist.

  7. Uhupardo sagt:

    Die Heute Show war auch zu Besuch bei der AfD

    • fakeraol sagt:

      Billiger Klamauk, „Comedy“, „Situationskomik“ nach Drehbuch.
      Die ganze Sendung ist genauso öde und unterbelichtet, wie die AfD.
      Das ist das untere Ende der Fahnenstannge von Schramm und Pispers da wird auf Zuruf geklatscht und ohne Claqueure würde die ganze Veranstaltung floppen.

  8. fakeraol sagt:

    Hagen Rether kann ich noch empfehlen:

  9. […] passt: * Leserfragen (5) * Deutschland gegen Europa * Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt * Europa wird kaputt […]

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