Sparer werden auch ohne Konto-Zugriff in ganz Europa enteignet

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Zyperns Parlament wird vermutlich am Sonntagabend eine Zwangsabgabe auf alle Konto-Beträge ab 100.000 Euro beschliessen – und der Aufschrei ist überall laut und vernehmlich. Das ist um so erstaunlicher, als die Sparer in Europa und den USA jetzt schon seit mehr als zwei Jahren laufend enteignet werden, ohne dass das vernehmlichen Protest ausgelöst hätte. Stichwort: negative Realzinsen.

Besonders die neuerdings hoffähig gewordenen „Kleinsparer“ – Leute, die 100.000 Euro auf Zypern bunkern können, gehören nicht zu dieser Gruppe! – haben ihr Geld meist in niedrig verzinsten Anlagen geparkt. Dank der Inflation nimmt ihr Sparguthaben ständig schneller ab, als es durch die Zinsen aufgeforstet werden könnte. So verlieren sie ständig Kaufkraft, also bares Geld. Diese Art der Enteignung scheint aber niemanden öffentlich aufzuregen. Die Niedrigzins-Politik der Zentralbanken veranlasst statt dessen zu schweigenden Immobilien- und anderen Sachwertkäufen.

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Diese Situation wird zukünftig garantiert nicht besser sondern schlimmer. Während sich die Schuldenstaaten (also alle!) immer weiter verschulden, wird es keinerlei politischen Spielraum für Zinserhöhungen geben, denn die Staaten würden daran ersticken. Negative Realzinsen bleiben uns also erhalten – und damit weitere Umverteilung von unten nach oben, die nicht nur verschämt verschwiegen wird sondern, so mag mancher vermuten, durchaus gewollt ist.

Und noch ein Gedanke zur Zwangsabgabe auf Zypern. Gerade in Deutschland löst diese Massnahme einen erheblichen Wutschrei aus. Warum nur? Wenn in Griechenland, Spanien, Portugal (demnächst Italien, Frankreich …) die Sozialleistungen radikal gekürzt werden, kein Geld mehr für Kultur und alles zur Verfügung steht, was Lebensqualität ausmacht; wenn in Deutschland die Kommunen Schwimmbäder und Bibliotheken schliessen … ist das keine Enteignung der Bürger? Keinen Wutschrei wert? Oder begreift man es schlicht nicht, bis die Zahl auf dem eigenen Konto direkt angeknabbert wird?

Lesen Sie aus aktuellem Anlass bitte auch:
* In eigener Sache: Rauswurf für deutschsprachige Verlage

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11 Kommentare zu “Sparer werden auch ohne Konto-Zugriff in ganz Europa enteignet

  1. MAc sagt:

    Es ist nicht nur der negative Realzins, es sind auch beträchtliche Anteile der Steuern, die für die Verschuldung drauf gehen, die wir alle zahlen. Es sind Kürzungen bei den Renten, den Krankenkassenleistungen, etc… Wir werden seit langem enteignet. Neu ist, dass es so sichtbar geschieht, am hellen Tag, von den Konten aller.

    • Mark sagt:

      Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

    • Neu ist, dass es so sichtbar geschieht, am hellen Tag, von den Konten aller.

      So sehe ich das auch. Der Wutschrei jetzt beinhaltet auch die Wut über die bisher bereits gelaufenen Raubzüge und die gefühlte Ohnmacht der Menschen.
      Es kocht im Volke. Das in Deutschland gemacht, könnte das berühmte Fass zum Überlaufen bringen. Auch das wurde in Zypern getestet!

    • Uhupardo sagt:

      „Neu ist, dass es so sichtbar geschieht, am hellen Tag, von den Konten aller.“

      Dann wurde die Neuigkeit vielleicht Zeit, um allen Begriffsstutzigen die Möglichkeit zu geben, die Realität zu begreifen?

  2. Herr Lehmann sagt:

    In D begreift der Bürger manches nicht, seit Jahren gibt es hier nur lächerliche Zinsen. Aber für den Dispo kassieren sie Wucherzinsen, ganz legitim!

    Nach den Wahlen im Herbst werden die Parteien der Mitte den Solidaritätsbeitrag für die „EU“ einführen, alternativ Mehrwertsteuererhöhung!

    „Wir“ werden Europa schon retten, schließlich geht es „uns“ noch richtig gut in Europa! Selbst Schuld wer hier zur „Tafel“ geht oder im Freien schläft…

  3. Michael sagt:

    Der negative Realzins ist ganz normal. Den haben sie in Österreich schon immer. Mit 25% Kapitalertragsteuer ist noch keiner jemals ins Plus gekommen. Die Frage ist, wie hoch ist der negative Realzins. Der ist im Moment bezüglich der Einkommens- und Vermögensverteilung schon problematisch und die Harmonie bezüglich der Tendenz zwischen den beiden Verteilungen.

    Sie verlieren ja keine Wert. Es trifft die kleinen Sparer, die geben entlang eines Warenkorbs aus, der durchaus hoch im Sinne der Preissteigerung inflationiert. Die verlieren Kaufkraft. Beides positiver Realzins und möglw. sinkende Realtitätenpreise zum Beispiel geht nicht …

    Wie können sie das Problem beheben. Weniger kaufen, Mengen begrenzen und reduzieren. Das ist ein mentaler Sprung. Es ja ein Ergebnis der Materialismuspropaganda, die den Menschen einredet sich weniger kaufen zu können sei übel. Es ist gut weniger auszugeben. Unternehmen tun das selbe. Es schadet auch keiner der Wirtschaft damit.

    Es soll jeder der kann, die Lebenshaltungskosten runterfahren bis es wehtut. Dann tut es allen weh. Schauen sie in die U.S. 12% des BIP sind ‚umgangssprachlich‘ Konsum von Menschen. Gefallen von 24 auf 12 über 2 oder 3 Dekaden.

    Das wir heute aber niedrige Zinsen haben, da insbesondere Wirtschaft nur mehr mit billigem Geld kann arbeiten und der Staat entlang Staatsquote fest abkassiert, in .de und .at massivst Staatsabhänige Strukturen finanziert, das ist eine andere Seite. Eine Frage der Wahlen im positivsten Fall.

    Die Bankenkrise verdeckt die Fehlentwicklungen in Politik und Wirtschaft. Abschöpfen und gleichzeitige aussperren von Normalbürgern aus dem Zugewinn von Finanzvermögen. Das hat noch nie einen Staat interessiert. Dafür sind die öffentlichen Verwaltung viel zu selbstherrlich besonders wenn sie groß sind.

  4. fidel sagt:

    Gratuliere, der Weg von uhupardo ist toll!

    Was wenn die statistische Inflation geschönt und die tatsächliche Vermögenspreisinfla 6-12% beträgt – angetrieben durch die Schwemme an Rettungsgeld?
    Nehmen wir die Schwemme weg, erfolgt Defla mit allen Folgen für Unschuldige in ganz Europa..

    Quelle der Schwemme, auch vor der Krise, ist die EZB, erwünscht durch die Staaten.

    Nun kann man hoffen, dass die Staaten einsichtig werden und einen anderen Versuch wagen, z.B. das BBM, mit allen Risiken durch uneinsichtige Entscheider.

    Oder man diversifiziert das Risiko von wenigen Entscheidern (Politik) auf viele Entscheider (Individuen) und läßt den Menschen ihren Arbeitsertrag. Dann müßte man darauf vertrauen, dass sie mit ihrem Eigentum (Geld) besser umzugehen verstehen, als Merkel, Monti, Rajoy..

    „…ein schrecklicher Gedanke“

    Grüsse
    Fidel

  5. jg05 sagt:

    Wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist.
    Wer nicht arbeitet, bekommt den Zins, und wer arbeitet, bezahlt den Zins!

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