Dijsselbloem setzt auf Bankenzerschlagung und Zwangsabgaben auch in anderen Ländern

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Der Chef der Eurogruppe Jeroen Dijsselbloem setzt auf den „zyprischen Weg“ auch für andere Länder. Durch Zerschlagung von Banken und Zwangsabgaben auf Konten von mehr als 100.000 Euro würden die Steuerzahler davon verschont, die Restrukturierung des Bankenwesens bezahlen zu müssen, so die Begründung. Damit dürften spätestens ab jetzt etliche Alarmlampen glühen bei denjenigen, die mindestens sechsstellige Summen bei vielen Banken parken, ob in Aktien oder Bargeld.

„Das Risiko aus dem Finanzsystem zu nehmen und es auf den Rücken der Steuerzahler fallen zu lassen – wie bisher in Irland oder Spanien – ist nicht die richtige Herangehensweise“, erklärte Dijsselbloem vor der Presse. „Wenn wir ein gesundes und solides Finanzsystem haben wollen, gibt es nur den Weg zu sagen „Schau, wenn du Risiken eingegangen bist, musst du sie jetzt auch tragen“ und wenn du das nicht kannst, hättest du sie nicht eingehen sollen, denn diese Konsequenzen sind das Ende der Geschichte. Das ist die Herangehensweise, so glaube ich, jetzt, da wir das Zentrum der Krise hinter uns gelassen haben.“

Diese Äusserungen von Dijsselbloem, die das Prinzip „too big to fail“ ausser Kraft setzen, mit dem bisher öffentliche „Rettungs“gelder gerechtfertigt worden sind, sind heute im Finanzsektor eingeschlagen wie eine Bombe. Besonders Bankaktien wurden massenweise abgestossen (Stichwort: Bankia z.B.). Die Börsen in Madrid und Mailand fielen in den Keller. Die Europäische Kommission hingegen betet immer noch das Mantra von der „Ausnahmestellung Zyperns“ und beteuert, das Land sei „sehr nah am Bankrott“ gewesen (Barroso) und sein „immenser Finanzsektor“ hätte beschnitten werden müssen – aber überall anders gebe es keine Gefahr.

matraze safe
Der spanische Verkaufsschlager Matrazen-Safe hat ab sofort gute Exportchancen.

Merkel und Schäuble in Deutschland sowie der spanische Wirtschaftsminister De Guindos feierten die Zypern-„Rettung“. Merkel ist sicher, „so muss das sein“ und De Guindos sieht die Einigung, „die alle Zweifel zerstreut“ als „gut für die gesamte EU“ an. Man habe jetzt gesehen, „dass wir uns einig werden, wenn wir wollen“. Christine Lagarde (IWF) begrüsst eine „nachhaltige Lösung“ durch einen „glaubwürdigen und integralen“ Rettungsplan.

Wir merken uns also: Die nachhaltige Zypern-Rettung ist gut für uns alle, die Bankeinlagen sind überall anders sicher und in ein paar Tagen kommt der Osterhase, der grosse Kopfkissen bringt, damit viele Scheine drunter passen. Zumindest diejenigen Scheine, die bis dahin noch nicht aus dem Euroraum geflüchtet sind.

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14 Kommentare zu “Dijsselbloem setzt auf Bankenzerschlagung und Zwangsabgaben auch in anderen Ländern

  1. almabu sagt:

    Es ist im Prinzip zu viel Geld auf dem Markt, dessen Eigentümer obendrein noch eine lukrative Verzinsung erwarten. Also wird leichtsinnig angelegt in der sicheren Annahme notfalls gerettet zu werden. Das führt höhere Risikozinsen geradezu ad absurdum. Man streicht sie trotzdem gerne risikolos ein.

    Wenn nun Anleger für das Risiko ihrer Anlagen gerade stehen müssen, wird nur ein Stück eigentlich selbstverständlicher Normalität wiedereingeführt. Wer jetzt kurzfristig von Kapitalflucht redet, der sollte eine kleine Weile warten, bis sich alles wieder beruhigt hat.

    Er muss aber nicht lange warten, denn „es ist im Prinzip zu viel Geld auf dem Markt, dessen Eigentümer obendrein noch eine lukrative Verzinsung erwarten.“ (Eigenzitat)

    • Lunar sagt:

      …also wenn jemand sein Bares zur Bank auf sein Büchlein bringt, der ist dann wohl das Gegenteil eines risikoreichen Anlegers, und genau die werden ja gerupft. Wer Bankaktien hält ist natürlich selber schuld.

  2. fischi sagt:

    Ich finde es doch lustig das Schäubles Wunschkandidat auf den Posten des Eurogruppenchefs solchen Bolzen raushaut.
    Merkel wird bestimmt begeistert sein, aber deutsche Medien werden das ganz schnell vergessen.

  3. almabu sagt:

    Wer als Ausländer über 100.000 € auf einer zypriotischen Bank liegen hat, der hat sicher seine Gründe dafür, dieses Risiko einzugehen? Übrigens ist es nicht das erste Mal, dass Anleger für ihre Spareinlagen bluten mussten. Wer wegen der hohen Zinsen seinen Spargroschen in isländischen Banken anlegte, bekam auch nichts mehr zurück. Die Isländer haben sie konsequent Pleite gehen lassen. Nur England und die Niederlande haben ihre Bürger selbst entschädigt.

    • Lunar sagt:

      …jetzt ist es aber so, dass auch Zugriff in allen EU-Ländern „gestattet“ werden soll – also auch auf Ihr Geld welches nicht viel Zinsen abwirft. Der brave Sparer wird gerupft, die Reichen haben immer ihre Beziehungen um ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen.

  4. El Cuervo sagt:

    Also wenn ich die Aussage von Dijsselbloem richtig verstanden habe, dann sagt er soviel wie:

    „Nachdem wir den einfachen Menschen schon soviel abgrepesst haben, dass wir befürchten mussten es wird nun wirklich harten und gewalttätigen Widerstand dagegen geben, den wir natürlich im Keim erstickt hätten, versuchen wir nun uns als Robin Hood aus Brüssel zu präsentieren. Wir sagen den Menschen einfach ’seht her, wir nehmen es den Reichen, damit den Armen mehr bleibt‘. Selbstverständlich war es in Zypern nur eine sehr kleine Volkswirtschaft und wir konnten die Anlagen von vielen ausländischen Investoren abgreifen. Leider sehe ich im Fall von z.B. Spanien oder Portugal diese Möglichkeit nicht und ich kann nicht garantieren, dass im Extremfall, natürlich mit unserem grössten Bedauern, in solchen Fällen nicht auch auf die Guthaben von weniger Vermögenden Bankkunden zugegriffen werden muss.“

  5. Uhupardo sagt:

    Jetzt rudert Jeroen Dijsselbloem, wild verbal eiernd, zurück. Zu spät.

  6. Don Furioso sagt:

    Für den nächsten Winter empfehle ich warm anziehen.

    • krisenfrei sagt:

      Ja, und das könnte so aussehen:
      Seine Scheinchen von den Banken (möglichst mit kleinem Nennwert, denn dann hat man mehr) abholen und sich mit diesen einkleiden. Dann haben diese Papierschnipsel wenigstens noch einen Nutzen bzw. Überlebenswert.
      Ein Schulden- und damit Vermögensschnitt kommt so oder so. Die Berufslügner sind in dieser Hinsicht sehr einfallsreich, was man sonst von denen nicht sagen kann.

      Dijsselbloem: … „Das ist die Herangehensweise, so glaube ich, jetzt, da wir das Zentrum der Krise hinter uns gelassen haben.”

      Das ist genauso ein Lügner wie sein Vorgänger Juncker. Die richtige Krise kommt erst noch!

  7. Dirk Korenhof sagt:

    Es ist klar welche leute klagen uber Dijsselbloem: Banken, the City in London mit Ihre Hauszeitungen Financial Times usw. Endlich wird diese Bankmaffia selbst bluten.

    Es gibt kein Gewinn ohne Risiko. Warum soll mann dem Steuerzahker immer wieder zahlen lassen. Wie viel bekommen diese leute beim Banken fur nicht Ihre unsinnige Produkte?.

  8. Uhupardo sagt:

    EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier stützt Dijsselbloem und versichert, sein Gesetzentwurf zur Bankenabwicklung solle noch vor der Sommerpause verabschiedet werden. Dieser sehe ausdrücklich vor, „dass vorrangige Gläubiger und nicht abgesicherte Einleger an den Kosten einer geordneten Insolvenz beteiligt werden können, wenn es nicht anders geht.“ Gesetzlich geschützt seien nur Sparkonten bis 100 000 Euro.

  9. […] es sich viel angenehmer. Der niederländische EZB-Rat Klaas Knot hat jetzt das bestätigt, was der Chef der Eurogruppe Jeroen Dijsselbloem vor ein paar Tagen erst in die Welt gesetzt und dann halb dementiert hatte: Zwangsabgaben auf […]

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