Wenn der Kunde zum unbezahlten Mitarbeiter wird

Kellnernde Kunden gibt es schon lange: McDonalds hat es perfektioniert. Doch jetzt hält die Arbeitsverlagerung auf den Kunden überall Einzug. Der Bankautomat „kann“ immer mehr, die Selbstscanner-Kassen im Supermarkt vor allem, die Selbstschrauber bei Ikea, Einchecken beim Automaten am Flughafen … jede kleine Handbewegung die man auf den Verbraucher „auslagern“ kann, spart Kosten.

Auch die Post ist drauf gekommen. „Ein grosser Vorteil für den Kunden, wenn wir hier ein Stahlfach in der Packstation anbieten. Normalerweise sind ja die Leute bei der Arbeit und das Paket kann nicht angeliefert werden. So kann er es hier ganz bequem abholen.“ – Überall fallen Arbeitsplätze weg. Der Kunde wird mehr und mehr zum unbezahlten Mitarbeiter der Industrie, angeblich in seinem eigenen Interesse. Die 3SAT-Dokumentation zeigt es ausführlich. Sie sollten dieses Spiel nicht mitspielen!

(Der Aufreger im Film ist die mehrfache Ansage „Bürger arbeiten mehr und mehr umsonst!“ – Tun sie nicht! Sie arbeiten gratis!  Für die Industrie ist es alles andere als umsonst! Mindestens Journalisten sollten diesen Unterschied kennen.)

27 Kommentare zu “Wenn der Kunde zum unbezahlten Mitarbeiter wird

  1. fourbart sagt:

    Palettenware, OBI Selbstschrauber und dem Kunden gefällt das. Schleichend und fast unbemerkt werden immer mehr Kunden diesem System einverleibt.

    Ein anderes Beispiel. Bewerbungen. Bitte bewerben sie sich ausschliesslich über unser online Portal – damit die Personalabteilung weniger Arbeit hat. Wir danken ihnen sehr herzlich.

    Oder: Eine Wohnungsbaugesellschaft bietet einen VZ Arbeitsplatz an, bei dem sich der neue fleissige Mitarbeiter, emsig strebend nach Weiterbeschäftigung über die Befristung von einem kläglichen Hungerlohnjahr verpflichtet, seinen Privatwagen dem Unternehmen und event. auch den Kollegen, die mal kurz zur Post fahren müssen, um Briefe abzugeben, bereitzustellen – unentgeltlich und bitte vollgetankt. Mal kurz die Kinder des Chefs vom Kindergarten abzuholen, ist ebenfalls selbstverständlich, weil es ja um die Sicherung des Arbeitsplatzes geht.

    Akzeptanz, uneingeschränkte Kritiklosigkeit und wohlwollendes Jasagen soweit das Auge reicht.

  2. Traumschau sagt:

    Oh, das habe ich bisher überhaupt nicht gesehen oder wahrgenommen! Vielen Dank für den „Augenöffner“.
    LG Traumschau

  3. Michael sagt:

    Sehen sie lieber Uhupardo – ich gehe nicht mehr einkaufen – Sparte schon immer Geld und jetzt auch Arbeit. Das ist positiv. Smartphone habe ich auch nicht. Software schreibe ich mir selbst. Habe fast vermutet dass hinter den Smartphones List und Tücke lauern. Mittlerweile bin ich so weit,

    a) Ich überweise nichts mehr – IBAN ist zu lange. Solange jemand auf der Bank ist, ok soll es der machen.
    b) Weder über Internet noch so gehe ich einkaufen. Auch ein Grund warum ich Open Source nehme.

    Danke für das Video – Geld sparen ist kein Argument noch nicht in .at – aber sich Arbeit zu sparen, das überzeugt bestimmt einige weniger bis nichts mehr zu erwerben. Es gibt schon mehrere unabhängig davon wieviel diese verdienen.

    • Uhupardo sagt:

      Da sind wir parallel: Kein Smartphone, ganz sicher nicht, heute nicht und morgen auch nicht – mehr noch, nur eins ohne Kamera und was auch immer, taugt nur zum Telefonieren und für SMS. Und ja, wenn Überweisung, dann macht es der am Schalter und wenn er noch fünfmal sagt, dass das am Bankautomaten auch geht.

      • Georg sagt:

        Ich finde es schade, technologische Rückschritte in Kauf nehmen zu müssen, anstatt die Herrschenden zur gerechten Nutzung dieser zu zwingen. Lieber ein Smartphone, welches ich nur bei Bedarf mit dem Netz verbinde, Internet über TOR etc. Nur falls keinerlei effektive Schutzmaßnahmen mehr möglich sind, würde ich auf das Smartphone komplett verzichten.

        • Uhupardo sagt:

          Verständlicher Standpunkt. Muss auch jeder selbst entscheiden. Ohne Smartphone geht es uns zumindest hervorragend, wir vermissen gar nichts. Ganz im Gegenteil.

      • fakeraol sagt:

        Und wen treffen Sie damit? Glauben sie, daß die Aktionäre den Bankangestelltern mehr Lohn zubilligen für diese Mehrarbeit? Wohl ehr wegen schlechter Überzeugungsarbeit am Kunden eine Kürzung, weil der nicht selbst arbeitet, wie gewünscht.
        Machen sie ruhig, die Bankangestellten werden aus Rache Ihre Artikel nicht lesen, dann haben sie sichs beide so richtig gegeben und können stolz auf Ihren „Sieg“ verweisen.

        Glauben Sie, daß die Bosse von Samsung und HTC ihre eigenen Boni kürzen, wenn der Absatz sinkt? Oder daß es eine Kamera im Handy braucht, um Sie zu überwachen? Verweigern sie alles, was der Durchschnittsbürger hat, stechen Sie aus der Masse hervor, fallen Sie auf! Am besten tragen Sie auch noch im sichbaren Bemühen um Anonymität als einer von wenigen auffällig neutralschwarze Tshirts mit großen Kapuzen, um Ihr Gesicht vor den Überwachungskameras zu verbergen.😉

        > divide et impera <

        Alternativ können Sie natürlich weiter zu "Demonstrationen" und Petitionen (bei den Politikern um Gehör betteln) aufrufen, ändern wird das nichts. Man wird Ihnen bestenfalls an einer stelle einen "Teilerfolg" als Almosen hinwerfen und an 10 anderen Stellen verstärkt weiterkürzen.

        Die Ost-Diktatoren wollten uns stillhalten, die West-Diktatoren sind ausgebuffter, die lassen und bewegen: im Hamsterrad der "bürgerlichen Demokratie". Mit Verlaub, mit diesem ganzen Schweiß ändern wir genau: garnichts. Wir laufen nur im Hamsterrad. Wenn wir etwas ändern wollen, müssen wir die Grenzen überschreiten, die sie uns gesetzt haben.

  4. Generation Praktikum läßt grüßen.
    Überall unentgeltliche Mitarbeit oder geringfügige Bezahlung. Und man sollte auch die 1-Euro-Jobs nicht vergessen oder andere vom Staat subventionerte Arbeistplätze. Leiharbeitsfirmen etc. pp.
    Na so lange noch nicht auf uns geschossen wird, wenn wir unseren Lohn abholen wollen – wie bei den ausländischen Erdbeerpflückern in Griechenland – haben wir ja nocht Glück gehabt.

    • Uhupardo sagt:

      Praktikum … und die neue Mode „4 Wochen Probe arbeiten“ nicht zu vergessen.

      • Georg sagt:

        Gibt es sogar bei Schülerjobs, wo man nur 1x die Woche arbeitet. Bekommt man oft eh nur 5-7 Euro pro Stunde (in Süddeutschland, ist ja manches doch ein bisschen teurer als in Nord und Ost) und darf 2-4x, also quasi einen ganzen Monat „reinschnuppern“, Praktikum quasi. Habe das schon 2x erlebt. Einmal nur 2 Stunden zur Probe an einem Samstag, damit konnte ich gut leben.

    • Ulrich Fiege sagt:

      Welchen Lohn wollen sie denn abholen in Zukunft und geschossen wird auf Menschenansammlungen die eine 3 Personen Grenze überschreitet weil ein zu befürchtender Aufstand die innere Sicherheit gefährden würde. „Lernen sie Ihren Waren-Kern kennen. Nur Menschen, die ganz zur Ware werden, sind wirklich frei und am Markt erfolgreich. Als Ware kommen sie überall hin. Nur Waren untereinander verkehren wirklich frei miteinander.“ Mit Genehmigung vom Autor, aus: „EU-„Verfassung“ & Vertrag von Lissabon Kritik & Widerstand“

  5. Neulich bei IKEA:
    Ich zur Kassiererin: „Hi, wie geht es Dir?“
    Sie: „Entschuldigung, ich kenn Sie nicht?“
    Ich: „Komisch – aber überall werd ich in eurem Laden mit Du angesprochen.“
    Es geht mir schon lange auf den Keks – diese Pseudodienstleistungen. Das letzte mal bin ich am Lufthansaschalter ausgetickt – schon der Anblick dieses gönnerhaft dastehenden „Aufsichtspersonal“ am „Self-Check-In“ lässt mir den Blutdruck explodieren.
    Ich bin dann zum Schalter, obwohl man mich vehement wegschicken wollte.

    Danke für den Bericht! … auch wenn ich jetzt nochmals nen Betablocker nehmen muss.

    • Georg sagt:

      Ich bezweifel das die Kassiererin auf die Idee gekommen ist, dass man in allen IKEAs weltweit geduzt wird. Hoffentlich war es keine Praktikantin, die wird bis heute total verunsichert sein.

      Dann doch lieber den Chef rufen lassen und ihm die Meinung geigen. Ich saß als Schüler auch schon an der Kasse, solche Kunden können einen da ganz schön fertig machen.😉

    • Konstanze Schromm sagt:

      Also, wenn ich beim IKEA an der Kasse sitze und jedem Kunden über mein Befinden berichten muss, na servas…das wär mir irgendwie – zu privat. Was soll man denn da antworten? „Gut“ Hä? na und? Zu was soll das gut sein? Die wollen einfach die Arbeit flott machen, lege die Artikel so aufs Band, dass der Barcode gut zu finden ist, zahle flott, räume dein zeug flott ein. Stelle keine blöden Fragen. Das wars. Danke!

  6. Das Verdummungs- und Sklavenzeitalter schreitet mit grossen Schritten in die Zukunft.
    Ob ich das noch überleben werde?

  7. Kat Kat sagt:

    Und die Jobcenter quellen aus allen Nähten vor lauter „Eingesparten“, die dann den Rest ihres Daseins bis ins Grab im Existenzminimum fristen müssen, während einige Wenige sich durch die Konsumwelt malochen.

    Das kann es doch nicht sein, oder?

  8. daniela sagt:

    dankeschön. das musste doch mal ausgesprochen werden. mein aufreger war mal ein schild in einem schuhladen einer bekannten kette: „praktikant gesucht!“. ja, geht’s noch? hätten die nicht ehrlicherweise schreiben sollen: „kostenlose vz arbeitskraft gesucht“ ?

  9. Quertreiber S.L. sagt:

    Im Gegensatz zur Idee des Konsumstreiks, die sich meiner Meinung nach nur in sehr bedingtem Ausmaß umsetzen lässt, sollte man unbedingt in den umfassenden und fristlosen Streik der unbezahlten Mitarbeiter treten. Das geht hervorragend.

  10. eszab114 sagt:

    Reblogged this on eszab und kommentierte:
    In der Familie ist dese Perfektionierung noch nicht angekommen. Da fehlt der „Kinderscanner“ für die Auslagerung in Krippe bzw. Kindergarten und Schulsystem. Einchecken ohne Eltern wäre problemlos möglich. Das spart Kosten und Zeit, die der Verbraucher dann anderweitig investieren kann..

  11. ToastMX sagt:

    Als die Arbeiterbewegung anfing Arbeit und nicht so wenig Arbeit wie möglich zu fordern hat sie sich ihr eigenes Grab geschaufelt.

  12. Ralph sagt:

    1.Banküberweisungen füllt man schon lange selber aus. Fehler sind nicht korrigierbar- Geld weg ! Die „Dienstleistung“ der Bank, teuer bezahlt, besteht darin, den Zettel in den Schlitz zu stecken.
    2.
    Einige Tickets für Bus oder Bahn müssen „entwertet“ werden, damit sie gültig sind. Früher machte das ein Mitarbeiter. Nun eröffnet sich die Chance, den Schwarzfahrerbegriff um die Personengruppe zu erweitern, die ihr Ticket nicht entwertet hat.

  13. […] Sie kaum überraschen und Kundenkellnergäste von MacDonalds haben es immer schon geahnt, aber jetzt ist es endlich Realität: Wissenschaftler […]

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