Tod nach Zwangsräumung in Essen

Jobc1

Rechtsanwalt Häussler aus Essen schreibt

Vor wenigen Tagen ist meine Mandantin (Frau K.) im Alter von 62 Jahren verstorben. Ihr Tod trat ca. einen Monat nach einer Zwangsräumung aus ihrer Wohnung in Essen-Frohnhausen ein.

Frau K. war schwer krank und hatte mir telefonisch mitgeteilt, dass sie die Wohnungslosigkeit und der Verlust von Möbeln und auch der Nahrungsmittel, die sie als Vorräte eingefroren hatte, schwer belastet. Weder die Gerichtsvollzieherin noch ein hochrangiger Vertreter des Sozialamtes der Stadt Essen, die bei der Räumung anwesend waren, haben verhindert, dass Frau K. in diese Lage geraten ist und ihre Wohnung verloren hat. Nach Aussage der nun Verstorbenen wurde ihr die Unterkunft in einem Heim für Obdachlose angeboten, was sie aber als unzumutbar ablehnte.

Die Kündigung der Wohnung erfolgte aufgrund von Mietrückständen. Frau K. war mit dem Jobcenter seit Jahren im Streit über die angemessene Höhe der Miete.  Die Miete wurde nicht voll von Jobcenter übernommen.  Ob die Mietkürzung des Jobcenters der einzige Grund für die Mietrückstände war, weiß ich nicht.  Ebenso wenig weiß ich, ob der Tod nur auf die Wohnungsräumung zurückzuführen ist.

Grundsätzlich bin ich mir aber sicher, dass der Wohnungsverlust für das Wohlbefinden und die Gesundheit von Frau K. eine erhebliche Verschlechterung darstellte.  Frau K. lebte im Alter relativ vereinzelt in ihrer Wohnung, sodass weder die Umgebung noch die Öffentlichkeit Anteil an der Räumung genommen haben.  Auf die Hilfe von Sozialbehörden und Gerichten konnte Frau K. in dieser Situation nicht vertrauen.

22 Kommentare zu “Tod nach Zwangsräumung in Essen

  1. Reblogged this on Enough is Enough! und kommentierte:
    Tod nach Zwangsräumung in Essen

  2. Auf die Hilfe von Sozialbehörden kann man sich nie verlassen. Eher kann man sich drauf verlassen, eben keine Hilfe zu bekommen und gezielt in Notsituationen allein gelassen zu werden. „Wohlbefinden und Gesundheit“ von Sozialleistungsempfängern ist diesen Behörden absolut egal. Wichtig ist ihnen nur, Geld zu sparen. Jeder Bedürftige, der rausfällt, egal ob durch Verhungern (remember Speyer?), Erfrieren oder Suizid. Hauptsache weg.

  3. Der Satz war unvollständig: „Jeder Bedürftige, der rausfällt, egal ob durch Verhungern (remember Speyer?), Erfrieren oder Suizid“ — wird als Statistik-Erfolg gewertet.

    • Quertreiber, S.L. sagt:

      So ist es, ein voller Erfolg ist das.
      Es gehört nun nicht hierher, aber gestern wurde hier in Spanien bekannt, dass zukünftig den Ärzten des öffentlichen Gesundheitswesens eine „Produktivitätsprämie“ bezahlt werden soll, wenn sie dazu beitragen, die Kosten niedrig zu halten.
      Da hilft man dann auch gleich den Bestattungsinstituten, vielleicht werden die dann ja neue Arbeitsplätze schaffen, denn über den Geschäftsgang können sie sich wohl nicht beschweren.

  4. Neoleser sagt:

    Rosemarie F. in Berlin war ein ähnlich gelagerter Fall, da stockt einem der Atem, wenn man mitkriegt, wie mit Menschen hierzulande wieder umgesprungen wird, vor allen mit denen, die sich sowieso schon nicht (mehr) wehren können. Niemand will sich dafür wohl mehr zuständig erklären, der „von oben“ diktierte Sozial-Darwinismus wütet ungehindert in seiner krudesten Form. Und es kommt noch dicker, heute aufgegabelt:

    http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/neues-gesetz-macht-zwangsraeumungen-leichter-9001423.php

  5. Da müßten Gesetze erlassen werden das sowas nicht nochmal passiert! Alte, Behinderte müßten eigentlich besonders geschützt werden.Es heißt doch im Grundgesetz, dass die Würde unantastbar sei, nur in Deutschland sehe ich nichts davon. Die Deutschen müßten auf die straßen gehen und Protestieren!

    • Didi Lum sagt:

      Ich hab die Schnauze auch voll.Behinderte(auch wg Extremsport?),Alte(auch die,die keine Kinder wollten,wg Freiheit?),Frauen(auch die quotenaufsichtsrätinnen),Asylanten(auch die mit Drogenvorstrafen oder Schläger?)usw müssen besonders geschützt werden.Warum eigentlich? Wem geht’s teilweise schlecht. Wenn in einer Gruppe besonders viele Selbstmorde stattfinden,ist das ein Zeichen das die besonders diskriminiert werde müssen? Kleiner Tipp,gehören nicht zu den obigen Gruppen. Bevor ich in Tränen aufgelöst bin möchte ich noch wissen,welche Krankheit hatte die Frau,warum war sie alleine, hat sie sich die Jahre davor auch „solidarisch „angestrengt ,versucht gesund zu leben,solidarisch,sich versucht mit Bewegung gesund zu halten,solidarisch. Ich habe schon zu viele Ausnutzer gesehen in meinem Leben,von 70 Millionen Abfindungen(D2),bis überhaupt nicht kranke Kranke,die im Solidarsystem sich bedient haben,um Malochern unbesehen Geld aus der Tasche zu ziehen,möglichst nicht meins,um solidarisch der Frau zu helfen.Schnauze voll.Schönen Tag noch

      • Menschenwürde ist nicht an Bedingungen gekoppelt.

      • Johannes Eber sagt:

        @ Didi Lum

        Ihr Kommentar erscheint mir ziemlich konfus zu sein. Aber ich möchte Ihnen ein Faktum geben. 1 Promille (in Zahl sind das 0,001) der deutschen Bevölkerung besitzen 22,5 % des Volksvermögens und 10 % der deutschen Bevölkerung besitzen rund 60 % des Volksvermögens.
        Für jeden Euro, den Sie erarbeiten, zahlen Sie an diese Personengruppe zwischen 30 % und 40 % Zinsen. Ich empfehle Ihnen, sich bei dieser Personengruppe zu beschweren.

        • Merlin50 sagt:

          Seit dem Jahr 2000 sind 450 Milliarden an Steuern aus dem Oberen Drittel
          nicht gezahlt worden. Das ist der Grund! Bankster und Immobilienmafia
          plündern das Land aus und treiben Menschen in Not und Wahnsinn…..
          Die Löhne sind seit 1992 nicht (wesentlich) gestiegen. Hartz IV verstösst
          gegen nationales und internationales Recht.
          Die Grund(gesetz)festen der Bundesrepublik Deutschland sind Art. 1 Grundgesetz „die Würde des Menschen ist unantastbar.. mit Art. 20 „Sozialstaatsgebot“ und dies mit Art.79 (3) Ewigkeitsgebot. Die „Überflüssigen“ kommen nicht ins arbeitslager oder ins KZ, nein<, es geht auch so…..auf kaltem Wege…..und menschenverachtend-Deutschland ist hämisch wie im Faschismus…..

      • Ellen sagt:

        Der Kommentar macht mich frösteln.

        Die Essenerin war…………………ein Mensch!
        Das allein genügt mir, um Mitgefühl zu empfinden.

        Es ist erschreckend, wie manche Mitbürger ihre private Selektionsrampe aufstellen und offenbar nach wertem/unwertem Leben unterscheiden.
        Was sollen die subtilen Fragen nach „Eigenverschulden“?

        Ich bin kein Christ, möchte aber dennoch an dieser Stelle die Bibel (Johannes 8) zitieren:

        Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein…

      • nickel sagt:

        Das ist so ein typischer, herablassender und von vornherein verurteilender Kommentar. Echt traurig. Und genau wegen solchen dummen Aussagen, die sich memetisch verbreiten und in die Hirne der Falschen einnisten, gibt es Gewalttaten und Hass gegen bestimmte Gruppen.
        „Der ist der behindert, daran muss der selbst schuld sein!“
        „Die ist krank, das muss sie selbst verantwortet haben!“
        „Das is n Asylant, der muss kriminell sein!“

        Von sowas habe ICH die Schnauze voll.
        Das sind alles Menschen, verdammt nochmal!

        Der, der ohne Sünden ist, der werfe den erste Stein! Immer erst einmal vor der eigenen Haustür kehren.

  6. fischi sagt:

    Ich weiss nicht, ob das bekannt ist nach dem neuem Mietgesetz kann jetzt schon ohne Gerichtstitel geräumt werden.
    Meldung heute in den Medien, der Finanzverschleuderungsminister hat wieder Wohnungen für 500 Millionen an privat verkauft.
    Wenn das hier so weitergeht, wird Wohnen mal zum absolutem Luxus.

  7. Unter der katastrophalen Wirkung der „Kollektiven Neurose“ / „Kollektiven Zivilisations-Neurose“ / „Krankheit der Gesellschaft“ usw. läuft seit mehr als 10.000 Jahren ein Genozid! Das „Volk“ der Herzlosen tötet das „Volk“ der Machtlosen, Kraftlosen, Unangepaßten bzw. das „Volk“ der – letzten, wenigen – noch gesund auf den kollektiven Irrsinn Reagierenden.

  8. Johannes Eber sagt:

    Zweifelsohne hat der Verlust ihrer vertrauten Wohnung und der psychische Druck, den Frau K. permanent ausgesetzt war, ihren Tod beschleunigt. Um Geldhäuser in Deutschland zu retten, hat man Hunderte von Milliarden Euro aufgebracht. Der Leitzins wurde jetzt von der EZB auf 0,5 % herabgesetzt, daß die Geldhäuser noch besser zocken können. Widerlicher kann ein System wie dieses nicht sein!

  9. logischdede sagt:

    „Die Miete wurde nicht voll von Jobcenter übernommen.“

    Klingt danach, dass es eine sehr große Wohnung war.

    • karfunkel sagt:

      und selbst wenn- das ist doch völlig irrelevant. Große Wohnungen mit Altmietverträgen sind zudem häufig immer noch günstiger als kleine mit neuen Mietverträgen…

      Die Forderung der ARGE, in solchen Fällen in eine Wohnung mit erlaubter Quadratmeterzahl und „genehmer“ Miethöhe zu wechseln, ist doch seit Jahren fern jeder Realität— es GIBT sie vielfach einfach nicht!! Auch diese Tatsache verschläft die ARGE seit Jahren. Ergebnis: Behördlich erzwungene Obdachlosigkeit!

    • Ellen sagt:

      Nein, das klingt danach, wonach es landauf, landab klingt:

      Die Angemessenheitsheitsgrenzen bei den Kosten der Unterkunft (KdU) sind nicht realistisch und die Festsetzung entsprecht häufig nicht einmal den Vorgaben des Bundessozialgerichtes.
      Die Menschen sollen „angemessene“ Wohnungen finden, die es zu den Konditionen der Jobcenter realiter kaum gibt.

      Die Wohnungsgröße spielt keine Rolle, solange der Preis stimmt (bitte mal selbst googeln unter „Produkttheorie“)

    • Nö, muß nicht. Ich wohne in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Auf dem freien Wohnungsmarkt bekommt man für den derzeitigen Mietsatz keine 20 qm. Offiziell stehen einer einzelnen Person 45 – 50 qm zu.

      Meine erste Düsseldorfer Wohnung wurde mir im Jahr 2002 während schwerer Krankheit durch 8monatiges Verschleppen der Verfahren und Verschlampen der Unterlagen quasi unterm Hintern weggezogen. Sie hatte 29 qm, kostete aber trotzdem 50 Euro zu „viel“.

      So viel zu „zu großen Wohnungen“.

  10. nickel sagt:

    Ich finde ja, wenn das Amt mit der Höhe der Miete nicht einverstanden ist, sollte es sich an den VERmieter wenden und nicht den Mieter einfach auf die Straße setzen!
    Dazu müsste man allerdings ein Stückchen weiter denken- und sowas scheint die Politik nicht draufzuhaben.

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