Lamin versteht Europa nicht

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Lamin ist 31 Jahre alt. Der grosse und ein bisschen schlaksige junge Mann hat es geschafft. Vor drei Jahren hatte er in seinem armen afrikanischen Land allen Mut zusammen genommen, sich Geld geliehen und ein kleines Restaurant unweit der grossen Touristenhotels eröffnet. Mit der Mischung zwischen einheimischer und internationaler Küche hatte er Erfolg, verdiente gutes Geld damit.

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Lissabons Busfahrer gründen Lebensmittelbank – für sich selbst

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In dem Abstellraum gleich neben der grossen Busgarage in Lissabon liegen Würstchendosen neben den Milch-Bricks. Makkaroni, Bohnen, Kekse, Toilettenpapier, Spülmittel – eine Menge von Produkten für den täglichen Gebrauch finden sich hier. Seit Monaten schon horten und spenden die Bus- und Strassenbahnfahrer der portugiesischen Hauptstadt, aber nicht für irgendeine Armenorganisation oder die Nachbarschaft sondern für sich selbst. Für diejenigen Kollegen, die trotz ihres Vollzeitarbeitsplatzes am Monatsende Hunger leiden.

Mehrfache Gehaltskürzungen haben vor allem die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst in die Misere getrieben. Zusammen mit den Steuererhöhungen und anderen Steichungen und Kürzungen der konservativen Regierung von Pedro Passos Coelho hatdasdafür gesorgt, dass viele Bus- und Strassenbahnfahrer mit dem Entgeld für ihre 40 Wochenarbeitsstunden nicht mehr bis zum Monatsende kommen. Von der Mittelklasse in die Misereklasse in weniger als eineinhalb Jahren. Ein Beispiel dafür ist der 38-jährige Evarista. 2011 hatte er noch 1.100 Euro für seine Vollzeitstelle bekommen, jetzt sind es keine 800 mehr.

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Evarista bedient sich jetzt aus der Lebensmittelbank seiner Kollegen, denn sonst muss er zum Monatsende hungern.

Evarista hat eine sechsjährige Tochter. Die wohnt zusammen mit der Mutter 150 Kilometer entfernt. Er zahlt Alimente, sieht die Kleine alle 14 Tage. „Lieber leide ich Hunger, als dass ich auf diese Fahrt alle zwei Wochen verzichte“, sagt der Busfahrer. Seine Kollegen hatten herausgefunden, dass Evarista am Monatsende tatsächlich hungert und zwangen ihn geradezu dazu, sich aus der Lebensmittelbank zu versorgen. Er selbst war dem Lager aus Scham ferngeblieben. Jetzt holt er sich ab und zu etwas für den täglichen Bedarf, wenn der Monat wieder einmal länger ist als der Lohn. So wie viele andere der 2.000 Beschäftigten.

„Ja, so ist das jetzt bei uns“, erklärt ein Busfahrer, „einige werden per SMS entlassen, andere leiden Hunger, obwohl sie Vollzeit arbeiten! Manchen müssen wir Sachen nach Hause bringen, weil sie sich so schämen, dass sie nicht von selbst herkommen. Wer heute von einer Scheidung betroffen ist oder aus anderen Gründen unvorhergesehene Ausgaben hat, rutscht unweigerlich und sofort in die totale Armut. Nicht wenige unserer Fahrer leiden deswegen inzwischen tatsächlich Hunger, es ist unfassbar.“

Investment-Opfer: Frau sticht sich in der Bank eine Schere in den Hals

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Estrella ist 58 Jahre alt. Heute ist sie wieder in der Bank gewesen. Schon wieder. Um das Geld zu verlangen, dass ihre Familie vor drei Jahren als Entschädigung bekommen hatte, nachdem der 32-jährige Sohn Juan Pedro nach einem Verkehrsunfall für immer gelähmt geblieben war. Als man ihr schon wieder jegliche Auszahlung verweigerte, nahm die verzweifelte Estrella nervös eine Schere aus der Tasche und stach sie sich in den Hals.

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Schlag-Zeilen

Manager Magzin
„Danach haben die Menschen in Deutschland tatsächlich mittlerweile erstmals mehr als zehn Billionen Euro Vermögen angehäuft, und das entspräche in der Tat den Staatsschulden aller 27 EU-Mitglieder zusammen.

Wie der Bundesverband Deutscher Banken auf Basis von Bundesbank-Daten ermittelt hat, müssten 1,5 Billionen Euro Kreditschulden von der zuvor ermittelten Vermögenssume abgezogen werden. Im dritten Quartal 2011 hätte das sogenannte Nettovermögen der Deutschen dann noch deutlich mehr als acht Billionen Euro betragen.

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Der Verrückte mit dem Fahrrad

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Da steht ein Mann an der Ecke, halb versteckt, verschämt. Dann entschliesst er sich doch, klopft an die Hintertür der Kirche in einem Stadtviertel von Lissabon und bitte um etwas zu essen. Justino Serrano nickt, verschwindet in einem Gang und kommt mit einer Tüte zurück. Hühnersuppe und gekochtes Fleisch in kleinen Plastikbehältern sind darin. Justino, ein alter Haudegen mit mehr als 15 Jahren Erfahrung im verlorenen Krieg gegen die Armut in Lissabon, zuckt mit den Schultern, als wollte er sagen „es ist unglaublich!“, bevor er laut sagt: „Jeden Tag gibt es hier mehr Menschen, die etwas zu essen brauchen und sich schämen, danach zu fragen.“ Justino, klein, rundlich und sehr offen, ist einer der Helfer des Projekts Re-Food, einer der billigsten, einfachsten und effektivsten Formen, gratis-Lebensmittel an diejenigen zu verteilen, die Hunger leiden.

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Gewalt und Tote nach Benzinpreis-Erhöhung

 

Die Situation ist noch schlimmer als damals im Bürgerkrieg Ende der 60er-Jahre, davon ist sogar der Regierungschef überzeugt. Nachdem erst vor kurzem religiöse Gewalt im Norden des Landes Dutzende Tote hinterlassen hatte, kommt es jetzt während eines unbegrenzten Generalstreiks zu Ausschreitungen und wütenden Protesten gegen die Regierung nach einer drastischen Benzinpreiserhöhung.

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