Neues Geld-System und alles wäre geregelt! – Oder nicht?

Da hatte er fast alles richtig gemacht im Leben, so dachte er. Er ist 55 und jetzt aus dem System gefallen. Für HartzIV ist er nicht arm genug – und weil er kein HartzIV bekommt, ist das Job Center für ihn nicht zuständig. Wie lange reichen die Ersparnisse nun noch?

Es ist viel zu lesen über neue Geld-Systeme, die den Krebs-Schaden Zins und Zinseszins beseitigen. Aber ist das allein die Lösung? Wie auch immer das neue Geld-System aussehen mag, was sicher ein wichtiger Schritt ist: Die Arbeitslosigkeit wird auch ein neues System nicht bewältigen.

Bliebe noch das bedingungslose Grundeinkommen. Ein finanzierbares Grundeinkommen würde nur das Armutsniveau stabilisieren – ein ausreichendes Grundeinkommen ist nicht finanzierbar.

Also ja: Ein neues Geldsystem ist sicher Teil einer möglichen Lösung. Die wirkliche Lösung aber – auch und insbesondere für das Grundeinkommen – heisst Bandbreitenmodell.

Darüber lesen Sie hier: Klick!

Gipfel-Ergebnis: Geld drucken ohne Grenzen ist jetzt “legitim”

Was genau ist in Brüssel passiert, fragen sich viele Menschen. Was heissen die Gipfel-Beschlüsse genau für die Zukunft in Europa? Ist die Euro-Krise nun entschärft, nur verzögert oder sogar verschärft worden?

 

Angela Merkel hat dahingehend eine klare Meinung: Sie glaubt, die nun angestrebte Fiskalunion werde die Situation früher oder später regeln. Aber ist das wirklich so? Zuerst einmal wird es sehr schwierig sein, bis März einen neuen EU-Vertragsentwurf zu einem Konsens zu bringen. Noch viel schwieriger dürfte es werden, diesen Vetrag wie angepeilt bis zum Sommer zu ratifizieren. Doch das ist längst nicht alles!

Das wichtigste Ergebnis des Brüsseler Gipfel ist eins, das gar nicht verkündet wurde, sich aber automatisch ergibt und – das ist der wirkliche Skandal – auch genau so beabsichtigt war: Ab sofort wird die EZB hemmungslos Geld drucken und fühlt sich dazu auch durch den Gipfel ausdrücklich legitimiert.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nicht vorrangig selbst Staatsanleihen kaufen. Statt dessen sollen Banken und Versicherungen mit so viel Geld wie auch immer nötig ausgestattet werden, um diesen Job zu erledigen. Das ist nicht etwa eine Vermutung, die dieser Blog anstellt, sondern genau das hat der französische Notenbank-Präsident Christian Noyer nach einer EZB-Direktoriumssitzung am Wochenende gegenüber dem TV-Sender LCI erklärt.

Banken und Versicherungen werden jetzt für drei Jahre praktisch unbegrenzte Liquidität erhalten, sollen Staatsanleihen kaufen und so mithelfen, die Zinsen dafür niedrig zu halten. Ob Banken nicht dazu da sind, die Gelder ihrer Anleger zu verwalten und ob Versicherungen nicht dazu da sind, Risiken zu versichern, fragen Sie sich? Nun, Noyer sieht das offenbar anders. Und nicht nur er.

Damit ist der Startschuss zum unbegrenzten Gelddrucken endgültig gegeben worden und wird damit “legitimiert”, dass jetzt alle sparen und die Fiskalunion kommt. Nicolas Sarkozy freut es, denn er kann nun die Hoffnung hegen, die Wahl im Frühjahr doch noch zu gewinnen, weil die Situation bis dahin vielleicht doch noch nicht endgültig eskaliert.

 

Dennoch bleibt – wie vor dem Brüsseler Gipfel – nur eine einzige Frage: Wie lange noch bis zum Crash? Denn viele grosse Banken haben in den vergangenen Monaten schon massenhaft begonnen, Kreditausfallversicherungen (CDS) für die Staatsanleihen zu verkaufen – die ihrer eigenen Länder wohlgemerkt. Oder, um es einfacher auszudrücken, Banken verkaufen seit Monaten Wettscheine gegen ihre eigenen Länder in Europa. Die Käufer der Staatsanleihen versichern sich so gegen eine eventuelle Staatspleite.

Diese Geschäfte seien „pure Wetten“, sagte Gary Jenkins von Evolution Securities Ltd. In London, dem Nachrichtendienst Bloomberg: „Wenn europäische Staaten von der Größe Frankreichs und Italiens wirklich pleitegehen und damit die CDS ausgelöst werden, dann wäre das das totale Gemetzel und die Kernschmelze. Es wäre das Ende der Welt.

Eins ist jedenfalls spätestens jetzt gewährleistet und ausdrücklicher politischer Wille in Europa: Banken und Versicherungen werden vor dem Crash noch einmal richtig absahnen können. Das ist das wichtigste Ergebnis von Brüssel.

*Lesen Sie dazu auch: „Europa wird enden wie die Sowjetunion“
18.12.: EZB hat offenbar mit dem Gelddrucken begonnen

Krise nur im Kopf

Überall macht sich Angst breit. Nirgendwo ist eine Lösung in Sicht. Es ist zum Verzweifeln: Der Zusammenbruch des ganzen Systems zeichnet sich ab und trotzdem ändern sich die Denkmuster immer noch nicht.

Während die “Makroökonomen”
immer noch teilweise völlig abstruse Begründungen für die Krise liefern (“Die Erhaltung des Wohlfahrtsstaates ist schuld”) und andere darüber palavern, ob die EZB vielleicht doch am Ende unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen müsse, kann man nur noch verständnislos mit dem Kopf schütteln.

 

Rien en va plus – das System, in dem Geschäftsbanken Geld als verzinste Schuld schöpfen, ist definitiv am Ende und der Kollaps reine Zeitfrage. Weil es mathematisch gar nicht funktionieren kann: Wo die Zinsen im System nicht enthalten sind, wenn es nicht ständige rücksichtslose Neuverschuldung gibt sowie andauerndes Wachstum, müssen alle alten Rezepte hilflos bleiben: Entweder endlose Neuverschuldung oder Kaputtsparen – am besten beides immer schön abwechselnd.

Was so lange funktioniert hat, kann doch nicht ganz falsch sein? – Doch, kann es, weil es von der falschen Prämisse ausging, dass Neuverschuldung und Wachstum in einer Welt mit endlichen Ressourcen endlos sein könnten.

 

Geld ist die einzige Materie, deren Qualität allein durch die Quantität bestimmt wird. Damit sind Begriffe wie “Nachhaltigkeit” oder “Gesellschaftsvertrag” schon durch unser Geldsystem völlig unmöglich gemacht. Geld, das aus dem Nichts geschöpft und durch Zinsen und Zinsenszins unendlich vermehrt wird, ein riesiger Luftballon, der eines Tages platzen musste, an Warnungen hat es nicht gefehlt.

Vermutlich muss es noch viel schlechter werden, um besser werden zu können. Dabei ist die Lösung so schwierig wieder nicht. Wir haben uns irgendwann auf ein Geldsystem geeinigt, einigen wir uns halt auf ein anderes! Geld ist nur eine Fata Morgana, ein Konstrukt, das bisher mehrheitsfähig war, aber ganz sicher nicht “alternativlos” ist.

Zinsen können nur durch immer mehr Schulden bezahlt werden. Das ganze System frisst sich selbst durch die Notwendigkeit ständigen exponentiellen Wachstums von innen auf. Was ist daran so schwer zu verstehen?

Es wird dringend Zeit, dass immer mehr Menschen aus diesem alten längst verkehrsuntauglichen Vehikel aussteigen und sich Gedanken machen über den Tag nach dem Crash, der uns nicht erspart bleiben wird, weil er uns nicht erspart bleiben kann!

Die wahre Krise findet im Kopf statt und nur dort! Hören wir endlich auf, den “Experten” zu glauben, die weiterhin fordern, Heftpflaster auf offene, eiternde Wunden zu kleben. Bemühungen zur Rettung des aktuellen Systems sind verschenkte Kraft und vor allem verschenkte Zeit. Beides muss ab sofort und dringend in die Entwicklung eines neuen Modells einfliessen, das gesellschaftliche Nachhaltigkeit als oberste Prämisse hat.

Beschäftigen wir uns also mit Vollgeld, Fliessgeld, Grundeinkommen, Bandbreitenmodell, Bodenreform, Demokratie 4.0 … und was immer dazu geeignet ist, aus der Schockstarre heraus zu kommen, um endlich nach vorne zu denken, denn die Zeit wartet auf niemanden! Der einzig wirksame “Rettungsschirm” ist die völlige Umgestaltung eines Systems, das komplett am Ende ist. Es geht nicht um die Volksdroge, wer Recht hat – es geht darum, dass darüber konstruktiv und intensiv diskutiert wird!

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