In einfachen Worten: Warum Spaniens Staatsbankrott unausweichlich ist

Allein im März sind die Immobilienpreise in Spanien um 11,5 Prozent zum Vorjahresmonat gefallen. Seit Ende 2007 damit um insgesamt fast 30 Prozent. Und immer noch liegt der Markt vollkommen brach, die vielen Makler, die sich über Jahrzehnte goldene Nasen verdient haben, verkaufen schlicht nichts, gar nichts. Nicht wenige von ihnen haben sich inzwischen auf andere Geschäftszweige verlegen müssen, um irgendwie ihren Lebensunterhalt zu sichern. Diese Situation wird sich auch mittelfristig nicht ändern können – und genau daran wird Spanien zugrunde gehen müssen, weil die Regierung die Risiken der Immobilienblase unverständlicherweise noch immer weit unterschätzt.

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Rajoy flüchtet durch die Hintertür des Parlaments vor den Journalisten

 

Wenn der Regierungschef Angst hat, die Fragen der nationalen Presse zu beantworten, muss man tatsächlich Angst vor den Antworten haben. Es gab keine verbale Beruhigungspille von Mariano Rajoy (Partido Popular) heute in der Parlamentssitzung und auch nicht danach. Kein Wort zur abstürzenden Börse, kein Wort zu den steigenden Zinsen für Staatsanleihen, kein Wort zum neuen Sparprogramm in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Nach der Sitzung flüchtete der Regierungschef eiligst durch die Hintertür …

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Bestandsaufnahme in der Krise – was ist passiert und wie geht´s weiter?

 

„Bei dem ganzen Nachrichtenwust blickt man doch kaum noch durch … wer hat denn die Zeit, sich ständig auf dem Laufenden zu halten“, hiess gestern ein Leserkommentar. Das war der Anstoss zu diesem Artikel, der versucht, das Ganze in einen griffigen, wenn auch nicht detaillierten Zusammenhang zu setzen, unterlegt mit Links zu früheren Uhupardo-Texten. Eine Momentaufnahme mitten in der Krise und ein Ausblick auf die Zukunft, wie immer in möglichst einfachen Worten, um jeden mitzunehmen.

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Mit Merkozy durch dichten Nebel frontal vor die Wand

Angela Merkel hat kaum noch Freunde in Europa. Während in Deutschland die Furcht vor einer noch schärferen Euro-Krise wächst und die Opposition der Bundeskanzlerin vorwirft, sie belüge das Volk, wird besonders im Süden Europas die Kritik lauter. Der Erfüllungsgehilfe aus Paris wird dabei sogar verbal mit der Krisenkanzlerin verschmolzen.

Merkozy, so heisst es beispielsweise in Spanien, seien dabei, Europa mit Gewalt kaputt zu sparen. Wer denn wohl die exorbitanten deutschen Exporte kaufen solle, wenn nirgendwo mehr Geld ist, weil der Gürtel bereits im letzten Loch sitzt, fragt man sich in iberischen Breiten. Die deutschen Handels-Exportüberschüsse sind die Schulden der anderen. Die “Wirtschaftslokomotive” Deutschland wird auf dem Kontinent mehr und mehr isoliert. “In Europa wird wieder Deutsch gesprochen”, die historisch gewachsene Angst vor dem deutschen Grössenwahn ist wieder präsent.

1930 bis 1932 wurde gewaltsam mit allen Mitteln gespart, die Arbeitslosigkeit stieg auf sechs Millionen. Mitten durch den Nebel mit breitem Selbstbewusstsein in die Depression. Das Ende ist bekannt. Spar-Ratschläge sind vor allem Schläge. Damals war es “nur” Deutschland. Heute ist es die Währungsunion, die längst keine mehr ist.

“Hören Sie auf, das deutsche Volk zu belügen. Bei der EZB liegen 460 Milliarden, die die Zentralbank bereits an südliche Staaten ausgegeben hat, natürlich haftet Deutschland mit 27 Prozent dafür!”, wetterte Jürgen Trittin (Grüne) heute nach der Regierungserklärung zur Krise im Bundestag in Richtung Bundeskanzlerin. Angela Merkel, die in ihrer Rede so vage blieb wie immer in letzter Zeit, hat ihre Glaubwürdigkeit nicht nur bei der Opposition im Parlament längst verspielt.

Der Rettungsschirm ist auch mit Hebel viel zu klein, weil Investoren keine Lust mehr auf europäische Staatsanleihen haben. Ganz im Gegenteil: Das Kapital flüchtet derzeit weltweit aus dem Euro. War erst von zwei Billionen die Rede, reduzierte man seine Erwartungen später auf “vielleicht eine Milliarde”. Jetzt wird klar, dass auch dieser Wert nicht erreicht werden kann und höchstens 750 gehebelte Milliarden dabei herauskommen können.

Ob es “noch eine gemeinsame Vision für Europa”
gibt, fragt man sich in Madrid, und ein Staatssekretär gibt die Antwort gleich selbst: “Dieses Europa ist nicht etwa die Lösung sondern das Problem. Wir müssten Europa ganz neu erfinden, wenn wir die Menschen erneut für diesen Begriff begeistern wollen.”

Sogar Josef Ackermann, der deutsche Geld-Guru, will “Europa neu begründen”, verlangt er auf dem Wirtschafts-Symposium der “Zeit”. Wie das gehen soll, sagt er nicht. Wie denn auch, wenn längst klar ist, dass der Rettungsschirm mit 440 Milliarden (ohne Hebel) weit zu klein ist, um auch nur die Refinanzierung von Italien und Spanien abzudecken?

Die von Merkozy angepeilte “Verschärfung des Stabilitätspakts” mit genau definierten harten Sanktionen für Schuldensünder wird nur zuerst in den südeuropäischen Ländern zu Tumulten bis hin zum Bürgerkrieg führen, wenn weitere harte Einschnitte ins soziale System umgesetzt werden. Durch die wegbrechende Kaufkraft im Süden werden auch die starken Euro-Länder noch tiefer in den Sumpf gezogen.

Klares politisches Handeln ist nirgendwo in Sicht. Ob Euro- oder Elite-Bonds, ob die EZB noch mehr belastet wird – die “Rettung” wird immer teurer. Auf die enormen Geldreserven von China und anderen Ländern muss man nicht setzen, denn die Hebelbedingungen sind nicht attraktiv genug, um in Europa Geld auszugeben.

Auf dem EU-Gipfel am 9. Dezember wird man vermutlich mit Gewalt einen “Stabilitätspakt” schaffen, der nur das nächste Pflaster auf eine klaffende Fleischwunde darstellt. Die Vereinten Nationen warnen bereits vor einer weltweiten Rezession. Andere Wirtschaftsfachleute heben den Zeigefinger angesichts “einer gewaltigen Inflation, wenn die Wirtschaft wirklich anspringen sollte, nachdem die EZB so viele Milliarden zum Schuldenankauf gedruckt hat”.

Immer mehr wird deutlich, dass das System am Ende ist und der Crash reine Zeitfrage. Trotzdem werden diejenigen, die über alternative Geld- und Gesellschaftssysteme nachdenken, in den Entscheidungszentralen Europas immer noch ignoriert und als weltfremde Spinner behandelt. Die Menschen auf der Strasse wissen es längst besser. Sie sehen genau, dass die Reden von Merkel und Sarkozy keinerlei neue Lösungsvorschläge für die Krise beinhalten und haben jeden Tag mehr Zukunftsangst, die den Hals zuschnürt und innovatives Nachdenken blockiert statt es zu fördern.

Es wird längst Zeit, dass klar wird, dass das gegenwärtige Zins- und Zinseszins-System, das aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus stammt, komplett abgewirtschaftet hat und weg muss, weil es den Reichtum immer mehr von unten nach oben umverteilen muss. Änderung der EU-Verträge, Euro-Bonds, weitere EZB-Milliarden, noch ein Rettungsschirm … es wird innerhalb des bestehenden Wirtschaftssystems keine Lösung mehr geben für diese Krise. Deswegen sind alle gut beraten, sich jetzt sofort, pausenlos und intensiv Gedanken darüber zu machen, wie ein ganz neues System zu entwickeln ist, das nach dem unweigerlich kommenden Zusammenbruch etabliert werden kann, muss und wird.

Die Menschheit hat Solidarität nicht durch moralisch-ethische Erwägungen gelernt, jetzt wird es durch Verlustangst und die “Sachzwänge” passieren müssen. Besser spät als nie!

Investoren ziehen britische den deutschen Staatsanleihen vor

Das ist praktisch noch die passiert, seitdem es den Euro gibt: Deutschlands langfristige Staatsanleihen hatten am Donnerstag den zweiten schlechten Tag nacheinander.

Die Zinsen, die die Investoren von den 10-jährigen deutschen Papieren verlangten, waren sogar höher als die der britischen. Angesehen von wenigen Tagen im Jahr 2009 muss man bis ins Jahr 2000 zurück, um einen Moment zu finden, in dem Berlin mehr zahlen musste als London. Der Referenzkurs der deutschen Schuldenpapiere lag bei 2,19 Prozent gegenüber den 21,16 Prozent in London.

Noch interessanter ist, dass Deutschland diesmal von den sechs Milliarden zehnjähriger Anleihen nur 3,644 Milliarden platzieren konnte. Die Bundesbank blieb auf 2,356 Milliarden sitzen, die es nun in einer zweiten Runde anzubieten gilt. Zwar ist diese zweite erforderliche Runde nichts Neues, doch so ein grosser Betrag bei zehnjährigen Anleihen war seit 1995 nicht mehr übrig geblieben.

Die Interpretationen sind vielfältig. Ein Teil der Investoren befürchtet, Deutschland werde für die Schulden seiner europäischen Reisebegleiter am Ende auf die eine oder andere Weise bezahlen müssen (Rettungsschirme, Eurobonds). Andere sehen den Euro an sich bereits stark gefährdet und sehen Deutschland als Passagier erster Klasse auf der Titanic.

Nicht-europäische Anleger verkaufen bereits Euro in gewaltigen Mengen und kaufen Staatsanleihen ausserhalb des alten Kontinents.

Im Gegensatz dazu sind kurzfristige deutsche Papiere gefragt wie nie zuvor. Sogar bis zu dem Punkt, dass sie “Negativzins zahlen”, will heissen: Wer sein Geld in Deutschland kurzfristig parken will, muss inzwischen den Parkschein dafür selbst zahlen.