Rajoy: Schlimm wenn er schweigt, schlimmer wenn er redet

raj1

Sehr lästig; bei solch einem  Titel muss man „Rajoy:“ davor schreiben, sonst glauben alle automatisch, der Artikel drehte sich um Uli Hoeness. Hätte der spanische Herr Ministerpräsident gestern den Mund gehalten, wäre er auch nicht Philosoph geblieben, um einen Klassiker zu zitieren. Doch mindestens wäre dem Land diese armselige Vorstellung erspart geblieben. Da gibt Rajoy die erste, hemmungslos improvisierte, Pressekonferenz nach monatelangem Schweigen – und sagt dann nichts, was auch nur entfernt Hand und Fuss hätte. Die logische Reaktion folgte sofort: Die Risikoprämie stieg wie der Milchschaum auf dem Ofen, die Bankia-Aktien blieben tief im Keller. Schon der Ort für die Pressekonferenz war so passend gewählt wie ein Wiener-Walzer-Wettbewerb auf dem Kartoffelacker.

Weiterlesen

Katalonien: Hallo, Nachbar!

hausautoyacht

Kennen Sie das auch? Ihr Nachbar – der mit dem 500-PS-Sportwagen, den er jeden Samstag demonstrativ vier Stunden in der Einfahrt zur Villa poliert -, geht Ihnen schon lange auf die Nerven. Nicht wegen des protzigen Palastes, den er gebaut hat, auch nicht wegen des Swimming-Pools samt Sauna und Whirlpool im Garten … einfach nur deswegen, weil er bei jeder Gelegenheit laut und verbalprimitiv herumtröten muss, wie reich er ist, wie sehr er das verdient hat, wie viele Steuern er zahlt, um Ihnen und anderen Habenichtsen ein schönes Leben zu ermöglichen.

Weiterlesen

Rajoy flüchtet durch die Hintertür des Parlaments vor den Journalisten

 

Wenn der Regierungschef Angst hat, die Fragen der nationalen Presse zu beantworten, muss man tatsächlich Angst vor den Antworten haben. Es gab keine verbale Beruhigungspille von Mariano Rajoy (Partido Popular) heute in der Parlamentssitzung und auch nicht danach. Kein Wort zur abstürzenden Börse, kein Wort zu den steigenden Zinsen für Staatsanleihen, kein Wort zum neuen Sparprogramm in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Nach der Sitzung flüchtete der Regierungschef eiligst durch die Hintertür …

Weiterlesen

Investoren ziehen britische den deutschen Staatsanleihen vor

Das ist praktisch noch die passiert, seitdem es den Euro gibt: Deutschlands langfristige Staatsanleihen hatten am Donnerstag den zweiten schlechten Tag nacheinander.

Die Zinsen, die die Investoren von den 10-jährigen deutschen Papieren verlangten, waren sogar höher als die der britischen. Angesehen von wenigen Tagen im Jahr 2009 muss man bis ins Jahr 2000 zurück, um einen Moment zu finden, in dem Berlin mehr zahlen musste als London. Der Referenzkurs der deutschen Schuldenpapiere lag bei 2,19 Prozent gegenüber den 21,16 Prozent in London.

Noch interessanter ist, dass Deutschland diesmal von den sechs Milliarden zehnjähriger Anleihen nur 3,644 Milliarden platzieren konnte. Die Bundesbank blieb auf 2,356 Milliarden sitzen, die es nun in einer zweiten Runde anzubieten gilt. Zwar ist diese zweite erforderliche Runde nichts Neues, doch so ein grosser Betrag bei zehnjährigen Anleihen war seit 1995 nicht mehr übrig geblieben.

Die Interpretationen sind vielfältig. Ein Teil der Investoren befürchtet, Deutschland werde für die Schulden seiner europäischen Reisebegleiter am Ende auf die eine oder andere Weise bezahlen müssen (Rettungsschirme, Eurobonds). Andere sehen den Euro an sich bereits stark gefährdet und sehen Deutschland als Passagier erster Klasse auf der Titanic.

Nicht-europäische Anleger verkaufen bereits Euro in gewaltigen Mengen und kaufen Staatsanleihen ausserhalb des alten Kontinents.

Im Gegensatz dazu sind kurzfristige deutsche Papiere gefragt wie nie zuvor. Sogar bis zu dem Punkt, dass sie “Negativzins zahlen”, will heissen: Wer sein Geld in Deutschland kurzfristig parken will, muss inzwischen den Parkschein dafür selbst zahlen.