PAH besetzt im Handstreich 40 Wohnungen in Barcelona

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„Wir haben gar keine andere Wahl. Entweder besetzen wir solche Wohnungen oder 40 Familien schlafen auf der Strasse, verdammt nochmal!“, erklärt ein Sprecher der Plattform für Hypotehekengeschädigte (PAH).  Der Bank Caixa Penedès, zugehörig zur Gruppe Banco Mare Nostrum, gehören die 40 Wohnungen in Sabadell (Barcelona), die sie heute im Handstreich besetzt haben.  Alle diese Behausungen hatten seit ihrer Fertigstellung leer gestanden.  Banco Mare Nostrum war mit mehr als einer Milliarde Steuergelder „gerettet“ worden.

Über 72 Stunden will die PAH die 40 Wohnungen besetzt halten, danach sollen sie so schnell wie möglich an Familien vergeben werden, die durch Zwangsräumungen betroffen waren. „Diese Leute wohnen teilweise schon seit Wochen bei PAH-Mitgliedern, die Situation ist unhaltbar“, versichert der Sprecher, „es gibt hunderte solcher Fälle allein in Sabadell!“ – Man habe bewusst Immobilien ausgesucht, die der Bank und Spekulanten gehören, um sie zu besetzen: „Wir würden nie Wohnungen aussuchen, die Privatleute als ersten Wohnsitz gekauft haben, denn wir verteidigen ja genau das: das Recht auf Wohnraum. Insofern ist dies auch eine politische Aktion.“

Vier Jahre lang hatte der Wohnblock in Sabadell bereits leer gestanden. Es ist die dritte Besetzungsaktion dieser lokalen Gruppe innerhalb von zwölf Monaten. „Und ganz sicher nicht die Letzte! Es ist unerträglich, dass der Casino-Kapitalismus dafür sorgt, dass Spekulanten nicht in der Lage sind, ihre Objekte zu verkaufen und gleichzeitig hunderte Familien kein Dach mehr über dem Kopf haben. Angesichts dessen müssen wir leider kompromisslos so weitermachen!“

Lesen Sie dazu auch:
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14 Kommentare zu “PAH besetzt im Handstreich 40 Wohnungen in Barcelona

  1. fischi sagt:

    Ehrlich gesagt glaube ich nicht das die Besetzungen lange Bestand haben.
    Im deutschem Westen hat man die Hausbesetzer kurz nach der Wende, da waren ja die Kapitalisten die Sieger, ganz schnell aufgelöst.
    Im Osten wurde sowas erst gar nicht zugelassen, zumindest hier.
    Die Wohnungsspekulation findet immer mehr in Deutschland statt.
    Für Normalverdiener werden die großen Städte unbezahlbar, weil es dort noch Arbeit gibt.
    Einen besonders krassen Fall beschreibt der Link.

    Mehr Videos dazu:

    https://www.google.de/search?q=Rosemarie+F&rlz=1C1CHIK_deDE440DE440&aq=f&oq=Rosemarie+F&aqs=chrome.0.57&sourceid=chrome&ie=UTF-8#q=Rosemarie+F&sa=N&rlz=1C1CHIK_deDE440DE440&source=univ&tbm=vid&tbo=u&ei=Rq9pUYfaIMPQtQalkYCQAg&ved=0CEEQqwQ4Cg&bav=on.2,or.r_qf.&bvm=bv.45175338,d.Yms&fp=45b89142f4799bba&biw=1600&bih=799

    Übrigens zeigen die Videos auch das die angeblichen Michels gar nicht so unpolitisch sind.
    Ich glaube solche Stimmung gab es zuletzt kurz vor dem Ende der DDR.

    • So ist es. Und es läutet das Ende ein. Noch ergebnisoffen…

      Und das Wohnungsproblem ist nicht neu, auch wenn uns das gern weiß gemacht wird. Kapitalismus funktioniert so – seit es ihn gibt.

      Bereits zur Zeit der Pariser Kommune von 1870 wurden die selben Forderungen aufgestellt wie heute, die selben Mißstände angeprangert wie heute. Genau die selben Probleme, genau die selben Erscheinungen.
      Sollten wir nicht mal so langsam gelernt haben – und uns nicht wieder einwickeln lassen?

      Resolution der Kommunarden

      1. In Erwägung unserer Schwäche machtet
      ihr Gesetze, die uns knechten soll’n
      die Gesetze seien künftig nicht beachtet
      in Erwägung,
      daß wir nicht mehr Knecht sein woll’n.

      Refrain:
      In Erwägung, daß ihr uns dann eben
      mit Gewehren und Kanonen droht
      haben wir beschlossen,
      nunmehr schlechtes Leben
      mehr zu fürchten als den Tod.

      2. In Erwägung, daß wir hungrig bleiben
      wenn wir dulden, daß ihr uns bestehlt
      wollen wir mal feststell’n,
      daß nur Fensterscheiben
      uns vom Brote trennen, das uns fehlt.

      Refrain …

      3. In Erwägung, daß da Häuser stehen
      während ihr uns ohne Bleibe laßt
      haben wir beschlossen, jetzt dort einzuziehen
      weil es uns in uns’ren Löchern nicht mehr paßt.

      Refrain …

      4. In Erwägung, es gibt zuviel Kohlen
      während es uns ohne Kohlen friert
      haben wir beschlossen, sie uns jetzt zu holen
      in Erwägung, daß es uns dann warm sein wird.

      Refrain …

      5. In Erwägung, es will euch nicht glücken
      uns zu schaffen einen guten Lohn
      übernehmen wir jetzt selber die Fabriken
      in Erwägung, ohne euch reicht’s für uns schon.

      Refrain …

      6. In Erwägung, daß wir der Regierung
      was sie immer auch verspricht,
      nicht trau’n
      haben wir beschlossen, unter eig’ner Führung
      uns ein gutes Leben aufzubau’n .

      In Erwägung, ihr hört auf Kanonen
      and’re Sprachen könnt ihr nicht versteh’n
      müssen wir dann eben, ja das wird sich lohnen
      die Kanonen auf euch dreh’n.

      Text: Bert Brecht
      Musik: Hanns Eisler

      • fischi sagt:

        Ergebnisoffen muß doch nicht sein.
        Können nicht alle Blogs, die irgendwelche linke Ansichten haben, zusammenarbeiten?
        Klar es gibt ganz unterschiedliche Vorstellungen wie eine zukünftige Gesellschaft aussehnen sollte.
        Bloß für mich ist erstmal das Wichtigste, wie man das ganze neoliberale Pack los werden kann.

        • Sehr einverstanden! Und genau so sehe ich das auch.
          Ergebnisoffen, weil die andere Seite bis heute noch die Möglichkeit besitzt, alles zusammenzuschießen und zu bomben, dann würde alles in brutalstem Faschismus versinken.

          Nur wenn es gelingt, alle Kräfte zu bündeln und zu vereinen, haben wir überhaupt eine Chance, das neo-liberale Pack loszuwerden.

          • Quertreiber S.L. sagt:

            Genau das ist aber eben nach wie vor „asignatura abierta“, eine Lektion, die noch zu erlernen ist. Denn bis jetzt haben sich die verschiedenen linken Fraktionen noch immer gegenseitig die Augen ausgehackt und Unterschiede vorrangig vor Gemeinsamkeiten bewertet. Im spanischen Bürgerkrieg wurde das damals ja auch offenbar, als sich im Frühjahr 1937 Kommunisten und Anarchisten beschossen, während beide gemeinsam von den Nationalen bekämpft wurden. Anscheinend sind dagegen die Rechten sehr viel eher dazu fähig, ihre Unterschiede zum Wohle der Sache zu relativieren, um zum gegebenen Zeitpunkt eine gemeinsame Front zu bilden. Dies ist einer ihrer wichtigsten Vorteile und ich sehe eigentlich gegenwärtig keine Anzeichen dafür, dass sich daran etwas geändert hätte.
            Nur Bewegungen, die sich auf eine ganz konkrete Thematik beschränken, wie eben PAH, können teilweise Erfolge erzielen. Vielleicht ist dies im Augenblick der einzig gangbare Weg. Was später noch zu tun ist, wird sich noch zeigen.

            • Denn bis jetzt haben sich die verschiedenen linken Fraktionen noch immer gegenseitig die Augen ausgehackt und Unterschiede vorrangig vor Gemeinsamkeiten bewertet

              Anscheinend sind dagegen die Rechten sehr viel eher dazu fähig, ihre Unterschiede zum Wohle der Sache zu relativieren, um zum gegebenen Zeitpunkt eine gemeinsame Front zu bilden.

              Hast Du Dich jemals gefragt, warum das so ist?

              Wem nützt das eine und das andere?

              • Quertreiber S.L. sagt:

                Liegt eh ganz klar auf der Hand, wem das nützt. Die Frage ist nur, wie können wir’s ändern? Und allein hier scheinen sich die Geister schon zu trennen…

  2. bodenfrost sagt:

    Reblogged this on Bodenfrost und kommentierte:
    Die PAH zeigt wieder mal, wie’s gemacht wird: Direkte Aktion.

  3. bodenfrost sagt:

    Die PAH ist einfach großartig. Kein Wunder, dass sie auf so viel Rückhalt in der Bevölkerung bauen kann. Selbst wenn einzelne besetzte Häuser nur kurz gehalten werden können: Einige Wochen oder Monate mit Dach über dem Kopf sind allemal besser als denselben Zeitraum auf der Straße zu verbringen oder auf dem Sofa von Freunden und Familienmitgliedern, die eigentlich selber keinen Platz haben.

    „Otro desalojo, otro desahucio“ (eine weitere Räumung, eine weitere Besetzung) ist nicht ohne Grund einer der Slogans der Aktivisten: In Barcelona wurde heute ein weiteres Gebäude neu besetzt (Mitteilung der Besetzer, ein Foto von heute).

  4. Fabienne sagt:

    Die PAH ist in meinen Augen der Robin Hood des 21. Jahrhunderts. Gott sei Dank gibt es diese Vereinigung.

    Früher hat man in Spanien Mieter nicht aus den Mietwohnungen schmeissen können. Nicht einmal, wenn sie keine Miete zahlten. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Gesetz noch existiert oder auch schon abgeändert wurde. Sollte es noch aktuell sein, dann haben die Familien wenigstens die Chance als Mieter wieder ein Dach über dem Kopf zu haben, selbst wenn sie nur 50,-€ im Monat zahlen würden. Das wäre das Mindeste, was die Bank für diese Menschen tun könnte und vor allem sollte, nachdem sie ihnen alles genommen hat.

    Vielleicht lässt sich Katalonien ja auch von andalusischem Vorgehen gegen Banken, deren Wohnungen leer stehen, inspirieren. Dann wären Hausbesetzungen gar nicht mehr nötig, weil sich die Banken gegenseitig in ihren Mietpreisen unterbieten würden, auf der Suche nach Mietern, um die Geldstrafen zu umgehen. Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben…….

  5. bernd sagt:

    „Alle diese Behausungen hatten seit ihrer Fertigstellung leer gestanden. Banco Mare Nostrum war mit mehr als einer Milliarde Steuergelder “gerettet” worden.“

    Was gibts da noch zu diskutieren, der Steuerzahler hat gerettet also hat er jedes Recht des Universums auch dort zu wohnen :Punkt!

  6. […] Lesen Sie dazu auch: * Zwangsräumungen: Andalusische Regierung enteignet Banken * Richter annuliert Hypothek wegen “Zins-Missbrauch der Bank” * Neue Gefahr für die Demokratie: Escrache * Partido X: Das Programm der neuen spanischen Partei * PAH besetzt im Handstreich 40 Wohnungen in Barcelona […]

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