„Frankfurter Rundschau“ ist pleite

FR1

Der Beginn des Zeitungssterbens in Deutschland? Die „Frankfurter Rundschau“ ist pleite. Ein Sprecher des Amtsgerichts Frankfurt am Main bestätigte, dass der DuMont-Verlag heute morgen um 9.45 Uhr Insolvenz angemeldet hat, wie der „Spiegel“ berichtet.  Viele Angestellte des Blattes sollen vom Untergang ihres Blattes noch nichts wissen, heisst es.  Die Pleite soll heute um 15 Uhr auf einer Betriebsversammlung verkündet werden.

Diesbezügliche Gerüchte gibt es schon länger. Alle Einsparversuche haben nichts genützt und auch die Zusammenlegung von Redaktionsteilen mit der „Berliner Zeitung“ hat offensichtlich nicht zum Erfolg geführt. In ähnlich kritischen wirtschaftlichen Situationen befinden sich viele sehr bekannte Zeitungen. Der Tod des Traditionsblattes „FR“ könnte so erst der Anfang vom Ende sein.

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16 Kommentare zu “„Frankfurter Rundschau“ ist pleite

  1. Carmen sagt:

    Traurig, gerade im letzten Jahr war die FR für kritische Frankfurter Leser unverzichtbar, z.B. bei der Occupy-Berichterstattung oder im aktuellen Fall, in dem ein Mann Polizisten beschuldigt, ihn aus rassistischen Motiven geschlagen zu haben: http://umamibuecher.wordpress.com/2012/11/06/das-ist-nicht-mein-frankfurt/

    • Uhupardo sagt:

      Interessant wäre die Antwort auf die Frage, welchen Anteil die neuen Medien (wegbrechendes Anzeigenvolumen durch Internet usw.) einerseits und die Erkenntnis von immer mehr Menschen bezgl. der Verstrickung „Macht, Geld, Medien“ andererseits an den wirtschaftlichen Problemen vieler bekannter Verlage haben.

      • Lars sagt:

        genau das würde mich auch interessieren. der erste punkt ist ja klar. immer mehr menschen konsumieren nachrichten online. aber zum zweiten punkt, also auflagen-verluste durch eine möglicherweise wachsende anzahl von medien-kritischen menschen, fehlen mir zahlen und statistiken. gibt es solche? werden diese mit absicht geheim gehalten? wie stark wachsen die alternaitven medien? wandern die BILD-print-Leser ab zu den alternativen medien oder konsumieren sie nun ihre nachrichten bei BILD-online? ich habe ist-zahlen von verschiedenen alternativen medien-portalen gesammelt, aber leider kann ich daraus keine trends ablesen. das wäre wirklich interessant.

        • Uhupardo sagt:

          Wir kennen solche Zahlen auch nicht, gibt es wohl auch nicht. Sehr schade. Rein subjektiv aus dem persönlichen Umkreis: Viele Menschen beginnen damit, „ihre Zeitung“ online zu lesen. Mit der Zeit finden Sie dabei im Online-Prozess mehr andere Quellen, als sie sie aktiv suchen, und „verbreitern“ so den medialen Gesichtskreis. Gilt sicher nicht für alle, aber nach unserer Erfahrung doch für viele.

          • Lars sagt:

            Das ist ein interessanter Punkt, klingt auch logisch. Im Internet ist eben vieles nur 1 Klick entfernt, während beim Lesen eines Print-Mediums eben nur dieses zur Verfügung steht, es sei denn, ich sitze gerade in einer Bibliothek. D.h., die Wahrscheinlichkeit, dass ein Internet-User freiwllig oder unfreiwillig auf alternative Informationen stößt und diese dann auch sein Weltbild beeinflussen, ist wesentlich höher als bei einenm Printmedium-Leser.

      • Die Pleite der FR hat mich auch überrascht. Ich hatte sie mehrere Jahrzehnte lang gelesen, aber dann fand ich bessere Informationen an anderer Stelle.

        Eine interessante Erklärung für solchen Niedergang fand ich im Buch „The Free Press“ von Belloc, der vor ca. 80 Jahren diese Problematik voraussah. Der kannte kein Internet und hatte seine Hoffnung auf die freie Presse gesetzt, die sich nicht korrumpieren ließe.

        Hier ist Bellocs Zusammenfassung, warum er alternative Methoden (Freie Presse) als Sieger erhofft, auch wenn die Lesergemeinde ihm uninteressiert erscheint:

        ….. merely in weakening an evil you may soon be, you ultimately will surely be, creating a good:

        because self-respect and honour demand it.

        No man who has the truth to tell and the power to tell it can long remain hiding it from fear or even from despair without ignominy.

        To release the truth against whatever odds, even if so doing can no longer help the Commonwealth, is a necessity for the soul. ……

        Weil das so ist, werden die Zeitungsleser sich von ihren verlogenen offiziellen Presseorganen abwenden.

  2. garlic221 sagt:

    Tja, dieses Zeitungsterben kann jeder Bürger in der BRD nur begrüßen. Wer nur lügen druckt wird irgendwann vom Leser bestraft. Die Arbeitslosen Journalisten, sofern man sie so nennen darf, haben nun Zeit sich mit Hartz4 zu bschäftigen.

  3. Ollie sagt:

    Reblogged this on Ollie sagt … und kommentierte:
    Die traditionsreiche linksliberale Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ steht vor dem Ende. Der Verlag, der dem Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg MDS und der SPD-Medienholding DDVG gehört, stellte am Dienstag Insolvenzantrag. Davon sind 487 Mitarbeiter betroffen. Angesichts massiver Verluste sei „keine Perspektive der Fortführung des Unternehmens mehr erkennbar“, teilten die Eigentümer mit. Ziel sei es, zunächst den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Die Gehälter der Mitarbeiter seien bis Ende Januar 2013 durch das Insolvenzgeld abgesichert.

  4. Skeptiker_ sagt:

    Eine sehr gute Nachricht!

    Besser wäre noch, wenn FAZ, Zeit, Welt, Locus und Speichel auch ins Gras beissen und die Konkursverwalter niemanden finden, der die Konkursmasse aufkauft.

    Das nennt man dann wohl Endlösung der Lügnerfrage gggggg

  5. Ob sie als online-Zeitung mit höchstens einem Zehntel der Mitarbeiter wieder aufersteht?

  6. kingkenny7 sagt:

    Ich kann die Häme, die es diesbezüglich wieder einmal gibt, einfach nicht nachvollziehen. Ja, wenn Welt, Bild und Co. gleich mit pleite gingen und durch Besseres ersetzt werden würden, wäre das sehr schön, aber so? Insgesamt finde ich es als ehemaliger Abonnent schade. Das gilt zwar auch für die Entwicklung der Zeitung, aber ganz ehrlich: Am Zeitungsstand im HBF würde ich sie in Zukunft weiterhin lieber sehen als 90% des Rests.

    Aus all diesen Gründen habe ich eben auch etwas zu diesem Thema geschrieben:
    http://ziegenhodensuppe.wordpress.com/2012/11/13/kein-verlust/

    • Uhupardo sagt:

      Grundsätzlich ist jede Verkleinerung des Medienspektrums keine gute Nachricht. Deswegen unterstützen wir Ihren Standpunkt. Auch den Satz: „Am Zeitungsstand im HBF würde ich sie in Zukunft weiterhin lieber sehen als 90% des Rests.“

  7. Lars sagt:

    leider ist die freude über das sterben bekannter mainstream-lügen-zeitungen etwas verfrüht. denn es kann sein, dass die leser dieser zeitungen nicht zu den alternativen medien abgewandert sind, sondern einfach ihre mainstream-lügen-nachrichten jetzt im internet konsumieren. hier als beispiel ein paar zahlen:
    http://www.dwdl.de/zahlenzentrale/37875/bildde_schwcher_abendblatt_verliert_massiv/
    http://meedia.de/internet/news-top-50-sueddeutschede-grosser-gewinner/2012/08/22.html

    statistische analysen des alternativen medienmarktes, auch im verhältnis zu den massenmedien, fehlen oder sind mir nicht bekannt.

  8. gerd sagt:

    Die „Mitteldeutsche Zeitung“ auch vom DuMont Verlach ist auch 100% systemisch … fehlt nur noch GEZ für die Presse.
    Zahl für Presse, egal ob du die Kriegslügen (Libyen Syrien) Zeitung aboniert oder nicht. Wäre das kein Modell für Schland?

  9. dank sagt:

    Die Financial Times Deutschland meldet sich damit auch so gut wie ab:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/gruner-jahr-will-financial-times-deutschland-einstellen-a-868322.html

    http://www.focus.de/finanzen/news/financial-times-deutschland-letzte-ftd-ausgabe-erscheint-angeblich-schon-heute-_aid_865112.html

    Ganz davon abgesehen, dass Papier geduldig ist (die FTD is auch nur Systempresse) – ists eben nicht mehr zeitgemäß, was News angeht.

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