„Més que un clúb“: Wie viel dem FC Barcelona Katalonien in Wirklichkeit wert ist

abgesagt

Heuchelei ist eine wirklich eine der besonders widerlichen Charaktereigenschaften. Insbesondere dann, wenn sich jemand in regelmässigten Abständen freiwillig auf die Kanzel stellt, eine hochmoralische Predigt hält, auf die wichtigen Werte verweist – und dann genau das Gegenteil davon tut, was er dem Volk mit erhobenem Zeigefinger gepredigt hatte. So wie jetzt der FC Barcelona, der bei jeder Gelegenheit versichert, „Més que un clúb“ (mehr als ein Club) zu sein mit deutlich nationalistischem (regionalistischem) Hinweis darauf, man gehöre zu Katalonien, nicht etwa zu Spanien.

Was diese Ansage wirklich wert ist (nämlich gar nichts!), beweist der FC Barcelona gerade vor aller Augen. Am kommenden Dienstag sollte im Stadion von Montjuïc der katalanische Supercup stattfinden zwischen Español und Barça. Der wurde nun vom katalanischen Fussball-Verband komplett abgesagt, weil der FC Barcelona angekündigt hatte, mit der Zweitliga-Mannschaft anzutreten. Trainer Tito Vilanova liess wissen, man habe so eine gedrängte Vorsaison und wolle keine Verletzungen riskieren, deswegen nicht A- sondern B-Mannschaft.

montjuic
Kein katalanischer Supercup am Diestag in Montjuic, der Verband hat die Veranstaltung komplett abgeblasen, weil der FC Barcelona die Zweitliga-Mannschaft schicken wollte.

Das brachte Joan Collet vom Gegner Español richtig auf die Palme: „Was der FC Barcelona da macht, ist eine Unverschämtheit gegenüber dem katalanischen Fussball, gegenüber Español und gegenüber dem Verband. Das ist ein trauriger Tag für uns alle. Wir jedenfalls stehen voll hinter dem katalischen Fussball, haben für den Supercup auf eine Vorbereitungsreise in der Vorsaison verzichtet und wollten selbstverständlich in Gala-Besetzung antreten! Es scheint, dass wir immer beweisen müssen, wer wir sind, während andere trotz unverständlicher Handlungen selten in Zweifel gezogen werden. Wir werden dann eben am Dienstag gegen Nastic in Tarragona spielen – gegen eine B-Mannschaft jedenfalls sicher nicht!“

Und weil es so schön ist, hat der katalanische Verband die Copa Catalunya auch gleich ersatzlos abgesagt – aus demselben Grund: Auch da wollte der FC Barcelona die Zweitliga-Mannschaft schicken. Oder anders gesagt: Während der FC Barcelona beim Cup des spanischen Königs (Copa del Rey) selbstverständlich mit der bestmöglichen Erstliga-Elf antritt und bei solchen Gelegenheiten an jeder passenden und unpassenden Stelle posaunt, wie katalanisch und wie wenig spanisch man doch ist und sein will, schickt man zu Copa und Supercopa Kataloniens respektlos die Zweitliga-Mannschaft, „weil die Vorbereitung auf die spanische (!) Liga so dichtgedrängt ist“.

camp nou
Bei der spanischen Copa del Rey tritt man natürlich mit der bestmöglichen Elf an – um dann im heimischen Stadion nationalistische (regionalistische) Parolen aller Art zu präsentieren und die Hymne auszupfeifen.

Viel mehr Heuchelei und Verlogenheit sind kaum noch zu erreichen, selbst wenn man lange übt. Jetzt muss man nur noch darauf warten, dass das nächste Spiel der Copa del Rey im Nou Camp ausgetragen wird, Pfiffe die spanische Hymne überdecken und Barças Präsident mit dem üblichen süffisanten Grinsen darauf verweist:“Katalanische Fussballfans müssen ihre Meinung äussern dürfen!“. Man darf gespannt darauf sein, wie weit dann das Gedächtnis der katalanischen Fussballfans reicht, und ob sie sich daran erinnern, wie viel dem FC Barcelona Copa und Supercopa Kataloniens in der erst beginnenden Vorsaison wirklich wert waren.

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12 Kommentare zu “„Més que un clúb“: Wie viel dem FC Barcelona Katalonien in Wirklichkeit wert ist

  1. Thraex sagt:

    Klasse! Das ist unglaublich aber eigentlich nichts neues von den „Heuchlern“. Es ist eine besondere Charaktereigenschaft von denen, die man erstmal entlarven muss.

  2. catalanfutbol sagt:

    Reblogged this on catalanfutbol und kommentierte:
    Eine Aktion, die gegen die Club-Philosophie tendiert

  3. catalanfutbol sagt:

    Es war unnötig anzukündigen, dass man mit der zweiten Mannschaft spielen werde. Barça hat sowieso an Glanz, durch die HSV-Handhabung, verloren. Jetzt diese Aktion des Abkanzeln’s gegen die eigene Region (mit der auch noch geworben wird). Das war jetzt das i-Tüpfelchen. Barça muss jetzt wieder zurück zu den eigenen Wurzeln finden – und wenn es die Wahl eines neuen Präsidiums (um den katalanisch-eingestellten Laporta) seien muss!

    • uhupardo sagt:

      Auch wenn an den Fakten des Artikels sowieso nicht zu rütteln ist, ist jetzt mal ein deutlich *chapeau* fällig. Dass sich ein Barça-Fan so weit neben sich stellen kann und immer um Objektivität und die nötige Distanz bemüht ist, nötigt mir schon nicht wenig Respekt ab!

      • catalanfutbol sagt:

        Die Objektivität kommt mit der Zeit. Spätestens seit Laporta vom Club verklagt worden wurde muss man sich schließlich kundig machen, was der gute Anwalt denn gedrechselt hat.

        Dass Barça in den letzten Monaten (trotz Verlust sämtlicher Pokale) immer arroganter wird, ist nicht erträglich. Wenn ich mir überlege, dass die Bayern in den 1970er Jahren nach dem Europapokal der Landesmeister-Tripple auf Welttour geschickt wurden und immer mit der besten Mannschaft gespielt hat, ist das zwar auch nicht optimal (aufgrund der Menge der Spiele). Aber immerhin hat man den Zuschauern etwas geboten.

        Was Barça jetzt macht finde ich arrogant und überheblich. Auch die Katalanen dürften das ähnlich sehen – zu recht! Ich hoffe, dass der Club gerade jetzt nicht abhebt. Das wäre das erste Anzeichen für Stagnation und langsamen Verfall der „Dienstleistungsaufgabe“: Guten Fussball zu spielen.

  4. uhupardo sagt:

    Heute gegen Rajá Casablanca spielt man mit: Pinto; Alves, Bartra, Mascherano, Adriano; Dos Santos, Rafinha, S. Roberto; Afellay, Alexis und Messi.

    Da geht das offensichtlich. Keine Frage, dass ein Match gegen Español in Bestbesetzung am Dienstag die bessere Vorbereitung gewesen wäre – doch heute geht es eben um Geld … und am Dienstag nur um Katalonien.

  5. achja?! sagt:

    Lächerlich, wie sich hier einige aufführen. Der Frust, dass man ein Spiel von Blaugrana nun nicht sehen kann, wird ausgedrückt, durch minderwertigste Ausdrucksweise und Rechtschreibung. Niemand, der halbwegs bei Verstand ist, riskiert in einer Vorbereitungsphase Verletzungen. Und Vergleich zu Testspielen zu ziehen, wo die „Erste Mannschaft“ scheinbar gespielt hat, tuen hier ebenso absolut nichts zur Sache.
    Wie man aus 1000km Entfernung jemanden eiskalt die „Landestreue“ abspricht, ist mir nicht nur ein Rätsel, sondern auch noch eine bodenlose Unverschämtheit.

    • uhupardo sagt:

      Es wird Ihnen wohl ein Rätsel bleiben müssen, denn im Artikel wurde genau erklärt, warum das so ist. Es hat offensichtlich in keinem Punkt dazu gereicht hat, die Argumentation des Artikels zu widerlegen. Einfach nochmal lesen.

      Welche „1.000 Kilometer Entfernung“ gemeint sind, erschliesst sich aus Ihrem Kommentar nicht. Sollten Sie Ihren Standort (Nürtingen/Stuttgart) gemeint haben, ist nicht klar, warum Sie dann überhaupt texten.

      Weil wir gerade bei Rechtschreibung sind: Das Verb „tuen“ kommt aus welchem obskuren Teil des deutschen Sprachraums?

  6. almabu sagt:

    OFF TOPIC:

    „…Manchester United ist bei weitem nicht so wertvoll wie gedacht…
    …Die (amerikanische) Milliardärs-Familie (Glazer) hat dem einst schuldenfreien Club mit der Übernahme im Jahr 2005 hohe Verbindlichkeiten aufgebürdet. Der Schuldenberg belief sich zuletzt auf 437 Millionen Pfund oder umgerechnet rund 680 Millionen Dollar…“

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/boersengang-fussballclub-manchester-united-ist-weniger-wert-als-gedacht-11851068.html

  7. […] weiterer Schritt weg, von der Regionalisierung der Blaugrana? Vor kurzem erst, wurde die Supercopa Catalunya abgesagt, da Barça angekündigt hatte, ohne die beste Mannschaft anzureisen. Die Copa del Rey (spanischer […]

  8. […] Rosells ultimativer Verteidigung katalanischer Interessen wirklich steckt, hatten wir schon im Artikel vom 27. Juli deutlich besprochen, als der katalanische Supercup abgesagt wurde, weil Rosell nicht bereit mehr, […]

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