Vorsorge für Zyperns Euro-Austritt wird getroffen

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Die Finanzministerien der Eurozone bereiten sich auf einen eventuellen Austritt Zyperns aus der gemeinsamen Währung vor, was hinter geschlossenen Türen „als wahres Chaos“ beschrieben wird. Das geht aus den Notizen der heutigen Telefonkonferenz hervor, die Reuters veröffentlicht. Es müssten unbedingt sofort Restriktionen beschlossen werden für diesen Fall, wenn am Dienstag die Banken wieder öffnen, um einen massiven Bank-Run zu verhindern. Als Kuriosum darf gelten: Ausgerechnet Zypern war das einzige Land, das nicht an der Konferenz teilnahm.

Zypern hatte die Beteiligung abgelehnt, was die anderen Länder als „noch nie da gewesen“ bezeichneten. „Dass Zypern nicht einmal für ein Telefongespräch bereit steht, ist ein grosses Problem für uns“, sagte ein Vertreter Frankreichs, „so etwas haben wir noch nie erlebt.“ – Ein deutscher Vertreter wollte unbedingt über den Kapitalfluss zwischen Zypern, Russland und Grossbritannien informiert werden. Der erste Austritt eines Euro-Landes bedeute „echte Gefahr für die ganze Zone“ und man müsse „unbedingt Massnahmen treffen, um eine Ansteckungsgefahr zu verhindern, besonders in Griechenland“, unterstrich er.

Für den Diestag sollen auf alle Fälle die Summen beschränkt werden, die man von Zyperns Konten abheben darf, auch wenn das Land seinen „Solidaritätsfond“ wirklich auf die Beine stellen kann (Gelder aus den Pensionskassen, von der Kirche usw.), woran viele noch zweifeln. Jedenfalls sollen die Bank-Einlagen unter 100.000 Euro nicht mehr angetastet werden, wie zu vernehmen ist. Eine Sondersteuer an sich ist aber noch nicht vom Tisch. Ein russischer Kredit ist jedenfalls überhaupt keine Option, weil solch eine Finanzspritze den Schuldenstand des Landes erhöhen wurde.

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Der Witz an der ganzen Geschichte: Zypern lebt seit Jahren hauptsächlich von seinem Finanzsektor, also von den vielen Milliarden, die vorrangig aus Russland, aber auch aus Grossbritannien, Deutschland und aus anderen Ländern auf die Insel kamen. Das Land hat, abgesehen von ein bisschen Tourismus, gar kein anderes Wirtschaftsmodell. Wie sollte man in dieser Schwarzgeld-Oase also jetzt plötzlich schnell eins aus dem Hut ziehen? Sollten aber wirklich die Bank-Konten über 100.000 Euro jetzt geschröpft werden, und danach sieht es aus, dann hat sich dieses Wirtschaftsmodell durch Kapitalflucht ab sofort erledigt – vielleicht sogar ohne Zwangsabgabe, denn jetzt grassiert die Angst unter den ausländischen Konto-Inhabern in jedem Fall.

Zypern sucht händeringend Geld und zockt noch ein bisschen, setzt darauf, dass sich die Eurozone den Austritt eines Mitglieds gar nicht erlauben kann. Doch da mag man sich irren, denn in der heutigen Telefonkonferenz sah es sehr wohl so aus, als hätten sich viele Beteiligte bereits damit abgefunden, diesen Austritt nicht mehr verhindern zu können und zu wollen. Die Vorbereitungen der Massnahmen für diesen Fall nahmen breiten Raum ein.

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28 Kommentare zu “Vorsorge für Zyperns Euro-Austritt wird getroffen

  1. Wurde so etwas Ähnliches nicht auch in Bezug auf Griechenland befürchtet?
    Und warum ist eine Finanzierung aus Russland nicht möglich, weil es den Schuldenstand erhöhen würde, ein „Solidaritätsfond“ aber schon, der ja den Schuldenstand auch erhöhen würde?

    Ich habe den Eindruck, hier wird eine Nebelbombe nach der anderen geworfen – und zum Schluss wissen wir gar nichts.

  2. Mark23 sagt:

    „Ein russischer Kredit ist jedenfalls überhaupt keine Option, weil solch eine Finanzspritze den Schuldenstand des Landes erhöhen wurde.“

    Da kommen jetzt aber die Gas-Vorkommen vor Zypern mit ins Spiel. Bei youtube mal suchen nach Ken Jebsen/Christoph Hörstel im Gespräch “Es geht um GAS”.

    • Uhupardo sagt:

      Das wäre eine der möglichen Optionen.

      • Mark23 sagt:

        Danke für die prompte Antwort. So schnell konnte ich gar nicht den Rest, den ich vergessen hatte, hinterherschicken. 🙂

        Was ich nicht ganz verstehe: Es waren doch die letzten Tage nur die Banken geschlossen aber nicht die Automaten dicht, oder? Dann müsste doch schon ein massiver Bank-Run stattgefunden haben und die Automaten spucken längst nicht mehr genug aus, als die, die davor kein Bargeld auf Vorrat hatten, bräuchten, oder verstehe ich da etwas falsch?

      • Die ich oben im Sinn hatte. Denn dieses Angebot kam von den Russen. Wenn die jetzt ablehnen(?), wollten die Zyprioten vielleicht die Russen über’s Ohr hauen?

    • Lunar sagt:

      @ Marc wegen “Es geht um Gas”
      Danke für dieses ausgezeichnete Interview!!!

  3. Uhupardo sagt:

    Die EZB hat Zypern ein Ultimatum in ungewöhnlich hartem Ton gestellt: 5,8 Milliarden bis Montag oder raus aus dem Euro.

    • Oh, mögen sie aus dem Euro hinausgehen! Dann hat das Land die Chance zu gesunden!

      • Artoiz sagt:

        Wie, bitte schön. Mit welchem Produkten will Zypern so punkten, dass auch nur annähernd ein Schuldendeckung erreichbar ist.

        • Es gibt immer Wege und Möglichkeiten. Es gibt immer Alternativen.
          Welche, das müssen die Zyprioten herausfinden und bestimmen.
          Das ist und darf nicht unsere Aufgabe sein.

        • „Mit welchem Produkten will Zypern so punkten, dass auch nur annähernd ein Schuldendeckung erreichbar ist.“

          Weshalb sollte ein Staat diesen abartigen Gedanken überhaupt in Erwägung ziehen müssen?

      • fischi sagt:

        Sehe ich auch so.
        Die EU besteht doch auf die Privatisierungen, und wenn dem Staat nichts mehr bleibt, wovon soll er denn dann bezahlen.
        Folge davon wäre das nächste Griechenland.

  4. Tja, jetzt gucken die „EU-Experten“ dumm aus der Wäsche und verfallen in Panik. Ein gutes Zeichen. Und die Herren und Damen der Schwarzgeldkonten werden in den nächsten Wochen und Monaten nicht mehr ruhig schlafen können.
    Finanzsektor Zypern. Ebenfalls so eine Lachnummer.

  5. almabu sagt:

    Weder Russland, noch Großbritannien oder Deutschland wollen in Zypern Milliarden verlieren. Das große Geld wird wohl hinter den Kulissen längst abgeflossen sein auch wenn die Bankschalter und Geldautomaten geschlossen sind? Die Briten sollen eine Million in Cash per Hubschrauber(?) auf die Insel im östlichen Mittelmeer geflogen haben, um ihre drei Stützpunkte liquide zu halten.

  6. Allant sagt:

    Diejenigen, die in einem Steuerparadies wie Zypern Millionen und Milliarden gebunkert haben, sind weder Sparer noch Investoreen. Das sind Spekulanten und Abzocker!
    Diese Menschen sparen weder für ein Eigenheim, für einen Urlaub, ein Auto oder für die Ausbildung ihrer Kinder, die sparen überhaupt nicht, denn die haben eh schon mehr als genug, dies alles zufinanzieren.
    Diese suchen sich jene Überarmten, denen sie ihre Kohle leihen, um sie dann mit Zins und Zinseszins zurück zufordern.
    Die investieren nicht, die schichten ganz einfach Geldvermögen um.
    Wer Staatsanleihen kauft, der investiert nicht, der verleiht sein Geld und glaubt somit an eine sichere Anlage.
    Wer Aktien eines bestehenden Unternehmens kauft, investiert auch nicht, er beteiligt sich lediglich am Gewinn des Unternehmens.
    Staatsbanktott: Blödes Wort, aber so nennt dies eben, wenn ein Staat die Schulden nicht mehr bezahlen kann!
    Dies hieße, die Gläubiger übernehmen den Staat, teilen alles was an Wert, das Land und die noch bestehenden Unternehmen unter sich auf, und jagen die Bevölkerung aus dem Land oder gleich ins Meer. Somit kann ein souveräner Staat zerschlagen und besetzt werden auch ohne Krieg.
    Meine Meinung,ein Staat kann nicht wirklich bankrott sein, okay er kann seine Schulden nicht tilgen Gut, die werden gestrichen! Tut dem Staat (einen souveränen Staat bildet immer das Volk) nicht weh!
    Der Staat erhält somit keine Kredite mehr von ausländischen Gläubigern. Tut ihm auch nicht weh!
    Ein Problem entsteht nur, wenn der Staat glaubt, er müsse all seine Geschäfte in Fremdwährungen abwickeln, anstatt sich sein eigenes Geld zuerschaffen. Banken tun auch nichts anderes als Geld drucken, dies kann genauso gut jedes Land machen und es somit zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklären.
    Der €uro ist eine Fremdwährung für alle Länder, seine Parität kann weder auf noch abgewertet werden, mit einer eigenen Währung ist dies aber möglich, somit können Handelsbilanzen der Importe und Exporte ausgeglichen werden.
    Der €uro ist eine Falle für ganz Europa, und das nur, weil ihn niemand aufgeben will,wird er jedem einzelnen Land zum Verhängnis.
    Zu wünschen ist nur, dass jedes einzelne Land ausschert aus dieser Währungsunion und zurückkehrt zu einer Landeswährung.
    Ob Zypern das Enteignungsdiktat von Brüssel ablehnen wird und beständig bleibt ist vorerest einmal abzuwarten, Brüssel wird so schnell nicht aufgeben, aber die „Märkte“, die sich wiedereinmal als „Sparer und Investoren“ tarnen brauchen diesen Schuss vor den Bug, einer wird nicht reichen, es werden noch mehrere erforderlich sein.
    Nur so kann der Weg in die Diktatur verlassen werden und der Rückkehr zur Demokratie würde dadurch die Tür geöffnet.

  7. Caligula sagt:

    Der Witz an der Geschichte ist, dass Zypern russischen Oligarchen geholfen hat, Steuern zu hinterziehen und jetzt nach Moskau rennt, um von deren Regierung gerettet zu werden. Der nächste Witz ist, dass man moderate Abgaben (noch nicht einmal die Zinserträge der letzten zwei Jahre) ablehnt, nun aber ohne Skrupel in die Rentenkasse greifen möchte.Und Schuld an der ganzen Misere ist Merkel. Gute Nacht Zypern.

  8. psd,mvpoeq sagt:

    Ich lese immer wieder „aus eigenen Mitteln“? Welche eigenen Mittel bitte? Für mich sind eigene Mittel das was übrig bleibt nachdem ich meine Verbindlichkeiten bedient habe, oder nicht?

  9. Jürgen Forbriger sagt:

    Leute, glaubt ihr wirklich, was ihr seht und hört? Die Rothschilds und Rockefeller haben doch längst alles im Sack! Das sind doch die Leute , die die Merkel tanzen lassen. Wir sind schon pleite aber glauben will es keiner.

  10. Herr Lehmann sagt:

    Hoffentlich der Anfang vom Ende dieser EU, die so sicher niemand wollte!

  11. Uhupardo sagt:

    Merkel lehnt die Idee, die zyprischen Pensionskassen anzuzapfen, um das Geld aufzubringen, strikt ab.

    Schäuble besteht darauf, dass Zypern sein wirtschaftliches Modell und sein Finanzsystem ändert, das einem Steuerparadies gleiche.

    Ob ihm jemand diesen Artikel zuschickt, diesem obersten aller Heuchler?
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=16616

    • Mark23 sagt:

      Danke für den guten Kommentar. Genau so treffend wie der Folgende aus gleicher Quelle:

      http://www.nachdenkseiten.de/?p=16578

      „Russische Oligarchen, zypriotische Geldwäsche und deutsche Saubermänner“

      Deutschland macht sich mal wieder zunehmend unbeliebt habe ich den Eindruck.
      Jedem Deutschen, der sich auch als Europäer versteht, sollte es zunehmend unwohl in seiner Haut werden. Mir geht es jedenfalls so. Die rechte Gefahr lauert, aber nicht unbedingt vorrangig bei NSU und NPD wie mir scheint…)

      • Hat noch keiner bemerkt, dass heute das selbe Szenario wie ab 1933 abläuft?
        Deutschland wird Europa „überlassen“, um sich mit den Reichtümern der anderen Länder „vollzupumpen“ und so „stark genug“ für den „Drang nach Osten“ zu sein.

        Heute geschieht das Ganze unter der Regide der EU, die von Deutschland scheinbar dominiert und bestimmt wird (die USA, Großbritannien und Frankreich halten sich wieder hübsch im Hintergrund und tun so, als hätten sie gar nichts damit zu tun, dabei sind sie die Initiatioren, Organisatoren, Anstifter, ja Finanziers und vor allem Haupt-Nutznießer) mit Lissabon-Vertrag und ESM. Das Ergebnis ist das selbe. Das Schüren der Russenphobie, die Russland- und Putin-Hetze sind integraler Bestandteil dieses Szenarios.
        Nein, das ist keine Verschwörungstheorie. Das muss jedem auffallen, der die Geschichte kennt.

        Brecht sagte kurz nach dem zweiten Weltkrieg, als Deutschland in Schutt und Asche gebombt worden war, weil die deutschen Faschisten den Feldzug gen Osten verloren und das Ziel der Zerschlagung und Zersplitterung der Sowjetunion nicht erfüllt haben: Karthago führte drei Kriege: Nach dem ersten war es noch mächtig, nach dem zweiten noch bewohnbar, nach dem dritten nicht mehr auffindbar.“
        Das Ziel der Zerschlagung und Zersplitterung Russlands war schon das Ziel des 1. Weltkrieges – und es ist nicht gelungen. Auch hier wurde Deutschland als „Rammbock“ gegen Osten benutzt. Als der für Deutschland verloren war und Deutschland durch den „Versailler Vertrag“ angeblich geknebelt und geknechtet war, war Deutschland bereits 1918 doch in der Lage mit den vorherigen angeblichen „Erzfeinden“ Frankreich und Großbritannien gemeinsam über Sowjetrussland herzufallen und einen zweijährigen Aggressionskrieg zu führen, bis diese Mächte den Schwanz einziehen und schmählich abziehen mussten, ein völlig verwüstetes Land zurücklassend – wie auch Hitler die „Politik der verbrannte Erde“ praktizierte, als sich die faschistischen Armeen aus der Sowjetunion zurückziehen mussten. alles auf dem Weg gen Westen wurde zerstört und vernichtet!

  12. Uhupardo sagt:

    Laut zyprischem TV ist jetzt eine Zwangsabgabe von 15 Prozent auf Guthaben von mehr als 100.000 Euro im Gespräch.

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