Die unerträgliche Predigt des Guido Westerwelle

Weswel1

Man muss in Spanien nur weiter auf den knallharten Sparkurs setzen, dann wird alles gut, davon ist deutsche Aussenminister überzeugt. Vermutlich konsultiert Guido Westerwelle Geschichtsbücher für solche Aussagen. War doch damals auch so oder nicht? Die Weimarer Republik hatte etwa 65 Millionen Einwohner und sechs Millionen Arbeitslose. Spanien hat die sechs Millionen Arbeitslosen auch, aber unter nur 45 Millionen Einwohnern. Beide Regierungen setzten und setzen auf rigoroses Sparen. Das Ergebnis der 30er-Jahre kennt jeder.

Solche Vorkenntnisse belasten Guido Westerwelle kein bisschen. Er lässt sich seine Überzeugung von Fakten nicht trüben. Gegenüber der Madrider Zeitung ABC zeigt er sich vom neoliberalen Massnahmenkatalog überzeugt: Die Reformen seien der unausweichliche Weg, den alle Länder in einer globalisierten Welt gehen müssen, die konstante Veränderung, Wettbewerbsfähigkeit und Realismus verlange, lautet sein Credo. Aber am Ende steht die Verheissung: „Wenn wir mit Beständigkeit, Energie und Mut handeln, wird Spanien stärker aus der Krise hervorgehen. Alle in Europa werden wir das, wenn wir erst aus dieser Übergangsphase auftauchen, aus der Verschuldungsperiode, und wirkliche Zukunftspolitik betreiben.“- Amen. – „Spanien hat die Reformen mutig angepackt und wird zu den Gewinnern gehören. Im Gegensatz zu den Ländern, die in einer sich verändernden Welt weiter so wirtschaften zu können, denn die werden zu den Verlierern gehören.“ – Hallelujah, die Bösen ins Fegefeuer, so ist´s recht!

Weswel2

Er habe „Vertrauen in Spanien“, sagt er. Fragt sich, wer Vertrauen in Westerwelle hat, dessen Peinlichkeitslevel nur deswegen etwas in den Hintergrund rücken durfte, weil er von ausgesprochenen Schiessbudenfiguren der Riege Rösler überdeckt wurde in der überflüssigsten Partei Deutschlands. Aber die Predigt-Attitude des salbadernden Aussenministers hat er inzwischen zumindest drauf: „Die Spanier sind engagiert und bemüht. Sie haben einen klaren Blick auf die Welt. Das hat mit ihrer Geschichte zu tun und damit, dass sie eine internationale Sprache sprechen. Schon früh haben sie in anderen Teilen der Welt investiert und dazu aufgerufen, ebenfalls in Spanien zu investieren. Die Spanier sind neugierig, sonst hätten sie nie die Welt entdeckt!“

Richtig, Herr Westerwelle, das hat schon sehr früh geklappt, damals in Südamerika mit dem neoliberalen Konzept und dem klaren Blick auf die Welt, als man die Bevölkerung massakrierte und die Goldbarren abschleppte. Heute sparen wir uns die anstrengenden Reisen, verarmen statt dessen die eigene Bevölkerung und schieben die Goldbarren in die Tresore der Banken. Wie sollten die spanischen Bürger nicht gestärkt aus dieser Lage hervorgehen, wenn die Steuern in allen Bereichen erhöht und Leistungen gestrichen werden, die Reformen für immer mehr Arbeitslose und geharnischte Proteste sorgen? Doch auch darauf hat der Herr Minister eine Antwort: Wer sich genügend geisselt, kommt am Ende in den Himmel!

Weswel3
Nur weiter so, denn am Ende winkt die Verheissung.

Wörtlich: „Spanien ist in einer emotional sehr schwierigen Situation. Weil ich Spanien gut kenne, verstehe ich diese Gefühle perfekt angesichts der Arbeitslosigkeit. Besonders im Hinblick auf die Jugendarbeitslosigkeit. Und ich bewundere die Entschlossenheit der spanischen Regierung, des spanischen Volkes, diesen Leidensweg zu durchschreiten. Am Ende wird es die Belohung geben. Auch für die Jugend, die Rentner und alle, die Arbeit suchen. Der Umschwung der Tendenz ist nah.“ – … und mit deinem Geiste, Hochwürden! Regierung und Volk im selben Satz zu nennen, wenn es um den Leidensweg geht, zeugt nur von unerträglicher Arroganz und einem FDP-Gehirn, das inzwischen als Beleidigung ausreicht, ohne deutlicher werden zu müssen.

Zum Schluss möchte er noch etwas loswerden in Madrid, der Herr Aussenminister: „Ich habe eine Bitte. Ich bitte die Spanier um etwas Optimismus, Respekt und Befriedigung für den eingeschlagenen Weg. Das ist einfach notwendig, wenn man eine Krise überwinden will. Und bitte reduzieren Sie die deutsche Politik nicht auf Sparmassnahmen. Es wäre wichtig, dass Sie Ihren Lesern sagen, die das vielleicht nicht wissen, wie sehr die Deutschen die Spanier schätzen. Nicht weil dort immer die Sonne scheint, sondern weil man Spanien und die Spanier wirklich als liebenswertes Volk empfindet, ausstattet mit einer breiten Vision. Deutschland steht Spanien zur Seite.“

Fragen Sie besser jetzt nicht, wie wir Sie und Ihre Regierung empfinden, Señor Westerwelle. Und weil das das Ergebnis ist, wenn sie an unserer Seite stehen – gehen Sie da weg! Sofort!

Die beiden Links so lange, bis sie wirklich jeder gelesen hat:
* Wer ist schuld an der Krise?
* 25 Fakten zum Nachdenken: Warum das System irreparabel ist!

Advertisements

53 Kommentare zu “Die unerträgliche Predigt des Guido Westerwelle

  1. Samsara sagt:

    Mir dreht sich der Magen um bei den „Rezepten“ gegen die Krise, die die Bevölkerung in Armut treibt. 55 % der Jugendlichen in Spanien sind derzeit arbeitslos und ohne Perspektive.

    Ein Programmtip für heute 27.1.2013:

    ORF 2 zeigt um 23.05 Uhr den Dokumentarfilm „The Brussels Business – Wer regiert die EU“.

    Die Doku zeigt die Machenschaften der Lobbyindustrie in Brussel und die Rolle des ERT (European Round Table) bei der Entstehung der EU.
    Eine beklemmende und sehenswerte Dokumentation.

  2. almabu sagt:

    Erstaunlich, dass Du Westerwelle überhaupt diesen breiten Raum einräumst, Uhu? Der hat in seiner ganzen politischen Karriere einen derartigen Mangel an Empathie gezeigt, dass man ihn getrost als politischen Asozialen bezeichnen könnte. Von ihm ist da gar nichts zu erwarten. Er ist in der „Jeder ist sich selbst der Nächste“-Partei. Er ist Jurist und hat keine Ahnung von Wirtschaft. Das zeigt er bei jeder Gelegenheit. Wenn die USA ihn, Schäuble und Merkel in die Allerwertesten treten, damit sie etwas für das Wachstum tun, dann wird er das aus schmaler Brust verkündigen, als ob er selber darauf gekommen sei…

    • Uhupardo sagt:

      Es ist mehr die Tatsache, dass jeder Schnösel aus dieser Regierung (Schäuble, Kauder, Westerwelle …) beim Madrid-Besuch diesen Text in die Mikrophone spricht, almabu. Dies ist nur ein Beispiel dafür und inzwischen wirklich mit angeekeltem Gesicht getippt. Unerträglich – aber nicht unbedingt und vor allem nicht nur an Westerwelle festgemacht.

      (Ich hatte das ungeheure Vergnügen, diesen überheblichen Fatzke in Bonn zum Nachbarn zu haben mit seinem Büro der Jungliberalen. Mir muss niemand mehr etwas über Westerwelle erzählen … die Verachtung kann kaum noch steigen, sie resultiert aus höchstpersönlicher Anschauung.)

  3. Axel sagt:

    Westerwelle ……. die reinste Katastrophe für unser Land ……

    unsere Regierung stellt allerdings täglich unter Beweis: Dummheit kommt selten allein

  4. El Bernabeu sagt:

    Da Traurige ist nur, daß die meisten Deutschen sogar daran glauben, was Merkel, Westerwelle & co. so erzählen.
    Börsenprofi George Soros hat der deutschen Regierung neulich genau das Gegenteil empfohlen, also weniger zu sparen und mehr Geld ausgeben.
    Die einhelligen Reaktionen der deutschen Foristen lauteten unisono in etwa so: Merkel hat Recht und Soros und alle anderen (zb USA, Japan,..) agieren unverantwortlich.
    Meine Meinung dazu:
    die Schulden können wir doch sowieso im Leben nie zurückzahlen, also warum machen wir uns weiter verrückt und sparen uns kaputt?
    Der große Knall kommt sowieso früher oder später, also lasst uns lieber das Geld ausgeben was die Banken uns geben.
    Wenn uns schon die Banken bescheißen, dann bescheißen wir eben zurück.

    • Es kommt nur gar kein Geld an, in der Regierung oder gar beim Volk. Wie, also, sollen oder können wir das ausgeben?

      Das fließt directamente aus der Druck-Presse an die Banken.

      Manchmal kommt mich das Gefühl an, dass selbst die Druckkosten gespart werden und dafür einfach Zahlen auf die Konten der Bank getippt werden – und uns erzählen die Mafiosi dann was von Schulden und Sparen.

      Ich komme mir oft vor, als säße ich in einem sehr schlechten Film made in Hollywood! Ich möchte am liebsten aufstehen und nach Hause gehen, mir einen besseren Film anzusehen…

  5. fabienne sagt:

    Zitat: „Es wäre wichtig, dass Sie Ihren Lesern sagen, die das vielleicht nicht wissen, wie sehr die Deutschen die Spanier schätzen.“

    Wenn ich so etwas lese, kommt mir genauso die Galle hoch, wie neulich als ich eine Sat1 Reportage sah, in der versucht wurde, Spanien als Steuergelverschwender darzustellen (Bsp. Flughafen Castellon) und sie somit als Selbstverschulder ihrer wirtschaftlichen Misere darzustellen.

    Es gibt leider jede Menge dummer Menschen in Deutschland, die sich von den Medien manipulieren lassen, aber das spanische Volk hat längst verstanden, was hier geschieht.

    • Uhupardo sagt:

      „(Bsp. Flughafen Castellon)“

      Davon brauchen wir etwa 25, um aufdieselbe Steuerverschwendung zu kommen wie beim Flughafen Berlin. Und 30, wenn wir die Elbphilharmonie mitrechnen.

      • fabienne sagt:

        Das ist richtig, darauf wollte ich hier aber gar nicht erst näher eingehen. Eher auf die widerlichen Versuche des „Deutschen Kredithaies“ die Leute für dumm zu verkaufen und seine feige Übernahme zu vertuschen.

        • Es ist bei den Herrschenden üblich, die Opfer als die Schuldigen hinzustellen und sie so obendrein noch zu beleidigen und zu diffamieren, gern auch zu kriminalisieren. Sie bewerfen ihre Opfer mit ihrem eigenen Dreck und ihren eigenen Verbrechen!

          Denken Sie an die Diffamierungen und Dauer-Kriminalisierungen der Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfänger in Deutschland! Wir müssen nicht so weit weg gehen, um diesen ewig selben infamen Lügen und Verdrehungen zu begegnen.

          Ich bin fest davon überzeugt, dass dies viel mehr Menschen begriffen haben, als wir beide uns vorstellen können!

          • fakeraol sagt:

            > „Denken Sie an die Diffamierungen …. “

            Denunziatenschutz beim Jobcenter?
            http://www.heise.de/tp/blogs/8/print/153686

            Vielleicht macht Uhupardo ja nen Artikel daraus.
            Wenn ich hier schreibe, was ich gerade denke, kann er den Beitrag nicht veröffentlichen.

            • Uhupardo sagt:

              … und wenn wir einen Artikel draus machen, ist stundenlanges Übergeben die Folge, muss ja nicht sein.

              Einerseits offiziell durch die Regierung abgesegnetes anonymes Denunziantentum, um 50 Euro einzusparen; andererseits die Kamerabegleitung der „HartzIV-Detektive“, die diese schlimmen Schmarotzer-Verbrechen im privaten TV aufdecken. Es ist so unerträglich, wie ein klares Konzept.

            • aus Madrid sagt:

              Danke fakerol. Entsetzliche Information über … welch ein Euphemismus – Informanten -!

              „Dieser von der Politik gewollte Datenschutz für anonyme Informanten ist auch ein Symptom für die gewollte Entsolidarisierung einer Gesellschaft“, schreibt Peter Nowak am Ende seines Artikels.
              Der nächste Schritt ist die Vergütung und Vermarktung, die Umverteilung der eingesparten 50€ in die Informantenhände. Wiederlich. Bei bester Bemühung, kann ich mir einen solchen Menschen einfach nicht vorstellen. ¿Sitzt solch einer morgens nach der ordentlichen Dusche wohlriechend und aufrecht bei Kaffee, Hörnchen und Sonntags mit Ei – denkt an die nächste Spioniermethode? Au wei. Wie traurig, solch ein Leben sein muss.

              Eine kleine Anekdote dazu:
              In Deutschland, ein kleines wunderschönes Dorf, dass ich liebe.
              Ich ging spazieren und kürzte meinen Weg über einem zu einem Etagenhaus zugehörigen, sehr grünem und etwas nassem Rasenstück ab, als ich bemerkte, dass ein älterer Herr, sich gefährlich aus dem Fenster einer Wohnung in der dritten Etage lehnend mir aufgeregt etwas offensichtlich dringliches mitteilen wollte. Ich schaute um mich, vielleicht war ich einer unbemerkten Gefahr nahe, konnte nichts dergleichen feststellen.
              Also ging ich in Richtung des Herrn um ihn besser zu verstehen. Erfolglos. Ich ging hin und her um akustisch die beste Position zu finden und rief ihm zu, er solle bitte etwas lauter sprechen, ich könne ihn schlecht hören. Er sah mittlerweile ungesund aus im Gesicht. Irgendwann begriff ich seine Worte, die waren, ich solle den Rasen nicht betreten! Nun, hatte ich das leider ausgiebigst getan und entschuldigte mich herzlichst bei ihm und lange. Er rief ich solle weg gehen. Diesen Wunsch erfüllte ich ihm, nachdem ich mich gut erzogen vielmals und oft und lange und laut entschuldigte und erklärte und erläuterte.
              Ein Amüsement auf meinem Spaziergang für mich, ein Fast-Herzattacke für den „Beobachter“ wegen ein paar umgeknickten Grashälmen!

            • Es gab 1933 liebe Nachbarn, die Kommunisten, Sozialdemokraten, aufrechte Christen und/oder Juden fanden oder hörten, wie der Nachbar „Feindsender“ hörte, und sie vor lauter Pflichtgefühl gegenüber der „Obrigkeit“ meldeten, die dann verschwanden.

              Der pflichtbewusste Nachbar genoss auch damals absoluten Schutz und durfte auch mit Belohnung rechnen.

              Es hat sich also gar nichts geändert.

              Nur wer die Geschichte (wenigsten 5.000 Jahre zurück) kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten
              Johann Wolfgang von Goethe

  6. Alpakaxaxa sagt:

    Ich teile viele deiner Ansichten Uhupardo, jedoch kann ich deine Aufregung über die Aussagen von Westerwelle nicht verstehen: Du sprichst davon, dass die staatliche Nachfrage erhöht werden soll. Mit welchen Mitteln? Die Verschuldung ist bekanntlich schon jetzt irrwitzig hoch. Die Regierungen sollten, gemäss Keynes, antizyklische Fiskalpolitik betreiben, d.h. in schlechten Zeiten die Nachfrage erhöhen und in guten Zeiten sparen. Dein Vorschlag ist eher so nach dem Prinzip, scheisse? Geld ausgeben! Noch mehr scheisse? Noch mehr Geld ausgeben! Das ist zum Scheitern verurteilt. Dieser aufgeblähte staatliche Konsum ist ja gerade die Wurzel allen Übels, weil langfristig diese Massnahmen versanden, weil sie ineffizient sind und die Wirtschaft von ihnen Abhängig ist. Rezession ist die einzig logische Folge auf diese jahrzehntelange Idiotie und du willst diese Kacke sogar noch ausweiten? Die Argumente, von wegen die Japaner und die Amerikaner sagen dies und jenes, die denken selbstverständlich nur an das Wohl von Europa und verfolgen natürlich keine eigenen Interessen, ist klar. Die sind genau so inkompetent, wie die Europäer, wenn nicht schlimmer…
    Und mit Verlaub El Bernabeu, Ihr Kommentar ist absolut unterste Kanone, da hab ich noch mehr Verständnis für den fetten, arbeitslosen Deutschen auf der Couch, der zu seiner fetten Frau sagt, die Spanier sollen mal arbeiten. Die glauben zumindest noch an das System. Aber ich kann Sie schlecht einschätzen, vielleicht stehen sie ja darauf, wenn Ihre Kinder und Ihre Kindeskinder in Knechtschaft dahinvegetieren müssen, weil Franco 2.0 plötzlich das sagen hat in Spanien. Die gute alte Zeit, da war doch alles viel besser. Ohne EU. Ich muss sagen, Sie haben mich mit Ihrer Aussage wirklich schockiert, weil Sie ohne mit der Wimper zu zucken, einfach mal die Errungeschaften unserer Zivilisation opfern würden. Denken Sie, sie können das einfach im Haus am Meer chillig aussitzen, betrifft ja nur die „da oben“, ich bin selbstsüchtig, benutze absichtlich mein Gehirn nicht und betrachte Rechtssicherheit, Freiheit und Demokratie als Selbstverständlichkeit. Täglich sollte sich jeder Mensch nach dem aufwachen die Bilder von Konzentrationslagern und verfolgten Basken in Erinnerung rufen, täglich sollten wir kämpfen, für Transparenz, für Meinungsvielfalt und Freiheit, denn nur so wird jedermann bewusst, dass es eben NICHT selbstverständlich ist, dass es eben NICHT genügt, allen anderen die Schuld zu geben. Schuld ist keine Zuordnung, wie eine mathematische Funktion. Das sollen sich die Menschen mal hinter die Ohren schreiben. Der Deutsche ist genau so schuldig, wie der Japaner und dieser wie der Spanier. Und es sind auch nicht die Gelehrten, die schuld sind oder einfach nur die Medien. Es ist diese beschissene Eigenschaft des Menschen, dinge zu vereinfachen, als ob wir Tiere wären: Hunger? Habba, habba! Kein habba, habba? zzzzschhchthttkrkrkrkrkrkrkrkrkrk! Und dann sind plötzlich wieder die Juden schuld. Oder die Muslime. Oder die Tutsi. Anstatt dass jeder Einzelne seinen Teil der Schuld akzeptiert und Opferbereitschaft zeigt, denn ohne Opfer gibt es keine Freiheit und annähernd Gerechtigkeit und gibt es keine Opfer, dann gibt es keine Freiheit und dann gibt es sehr rasch, sehr viele Opfer. Ich könnte sowas nicht ertragen, ich wäre einer der ersten, die sich trocken eine Kugel in den Kopf jagen. Die Anarchie überlasse ich Leuten wie dir.

    • Uhupardo sagt:

      „Du sprichst davon, dass die staatliche Nachfrage erhöht werden soll. „

      Bei welcher Textstelle haben Sie das gefunden? Da Ihr Text auf einer falschen Prämisse aufbaut, lohnt sich eine Entgegnung nicht.
      Und Ihre Unkenntnis über den Begriff „Anarchie“ können Sie u.a. hier beheben:

      —————-
      http://de.wikipedia.org/wiki/Anarchie
      Anarchie (altgr. ἀναρχία anarchía ‚Herrschaftslosigkeit‘; Wortbildung aus verneinendem Alpha privativum und ἀρχία archía ‚Herrschaft‘) bezeichnet einen Zustand der Abwesenheit von Herrschaft. Er findet hauptsächlich in der politischen Philosophie Verwendung, wo der Anarchismus für eine solche soziale Ordnung wirbt.

      Landläufig wird Anarchie auch mit einem durch die Abwesenheit von Staat und institutioneller Gewalt bedingten Zustand gesellschaftlicher Unordnung, Gewaltherrschaft und Gesetzlosigkeit beschrieben und vor allem in den Medien häufig im Schlagwort „Chaos und Anarchie“ verwendet. Die tatsächliche Bezeichnung für einen solchen Zustand ist jedoch Anomie.
      —————-

      Zum Abschluss Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz: „Es ist wie im Mittelalter, wo sie versuchten, durch Aderlass Krankheiten zu heilen, sie ließen Blut ab, das hatte dann meist zur Folge, dass die Patienten kränker wurden. Und was war ihre Antwort darauf? Wir haben wohl nicht genug Blut abgelassen. Also ließen sie noch mehr Blut ab. Und die übliche Folge war der Tod des Patienten.“

      • Alpakaxaxa sagt:

        Ach, jetzt habe ich auf den Wiki-Link gedrückt und muss nochmals neu anfangen… Also nochmals in kurz: Die Worte sind nicht direkt deinem Artikel zu entnehmen, jedoch war meine !Interpretation! beim Lesen genau das, was ich geschrieben habe und die anschliessenden Kommentare, in denen eine erhöhte staatliche Nachfrage explizit gefordert wird, haben mich fälschlicherweise zu dem Schluss kommen lassen, du hättest das geschrieben. Da ich im Zuge dessen den Artikel nochmals überflogen bin ich erneut zum Schluss gelangt, dass sie die Sparmassnahmen ablehnen. Bitte um Aufklärung.

        Da ich jetzt deinen Wiki-Link gelesen habe, kann ich fortan aus dem Vollen schöpfen. Sprache ist bekannterweise etwas sehr individuelles, deshalb ist sie auch die Quelle vieler Missverständnisse. Für mich jedenfalls, ist Anarchie der Zustand, der meist aus einer „Revolution“ resultiert. Zuerst gibt es ein Machtvakuum, dann streiten sich die Menschen um die Macht, bis es dann wieder eine stabile Ordnung gibt. Zwischen Anarchie und Diktatur gibt es für mich einen rein wortklauberischen Unterschied, das kannst du gerne anderst sehen, kann also gut sein, dass ich es in meinem Leben schon oft als Synonym verwendet habe. Ich hoffe, dass hiermit die Unklarheiten bezüglich meines Textes beseitigt wären. Ansonsten einfach fragen.

        • Alpakaxaxa sagt:

          Kann ich eigentlich meine Beiträge nach dem Absenden editieren?

        • Uhupardo sagt:

          Sparmassnahmen, um die System(!)krise zu lösen, sind der falsche Weg. Soweit richtig. Den ganzen Rest zu Ihrer Frage finden Sie in den beiden Links unter dem Artikel, deren Lektüre wir jedem dringend empfehlen.

          Anarchie benutzen (und interpretieren) Sie so falsch wie viele andere. Es ist kein „Vakuum“ und auch kein „Streit um Macht“. Das ist auch weit entfernt von „Wortklauberei“ sondern einfach eine Frage korrekter Definition.

          • Alpakaxaxa sagt:

            Ich werde mir die Texte in den nächsten Tagen durchlesen und dann nochmals auf das Thema zurückkommen. Nur noch kurz zu ihrem, in meinen Augen fragwürdigen Verhältnis zu Sprachdefinitionen: Definitionen sind statisch, Sprache ist dynamisch, da sie sich täglich verändert. Wieso versuchen Sie den dynamischen Sprachprozess, in eine statische Form zu pressen? Eine Definition ist nutzlos, wenn sie sich nicht der Sprache anpasst. Zentrales Anliegen ist, dass sie verstehen, was ich Ihnen sagen will und das haben sie anscheinend ja doch?

            • Uhupardo sagt:

              Es ist richtig, dass Sprache dynamisch ist und sich verändert.

              Es ist aber auch richtig, dass Sie (und wir und alle) keinen Schritt weiterkommen, weil Kommunikation unmöglich gemacht wird, wenn Sie einen „Kleiderschrank“ als „Sessel“ bezeichnen.

            • fakeraol sagt:

              Sprache ist dynamisch, das ist richtig.
              Allerdings verläuft ihre Evolution langsam und mit winzigen Veränderungen.
              Wenn die Bedeutung von Sprache allerdings in ihr Gegenteil verkehrt wird, steckt dahinter kein natürlicher Vorgang, sondern handfeste Manipulation.
              Begriffe werden aus ideologischen Gründen gezielt mit anderen Bedeutungen aufgeladen, um die ursprüngliche Idee zu diskreditieren.

          • fakeraol sagt:

            Die „Systemkrise“ ist weder mit Sparen, noch mit Weiterverschulden zu „lösen“. Man kann sie nur noch etwas verlängern.
            Das Versprechen, parlamentarische „Demokratie“ würde dem Volk dienen, ist gebrochen.
            Das Versprechen, dieses Wirtschafts-(und Geld-)system würde dem Volk nützen, ist gebrochen.
            Das Versprechen, die Gesetze würden das Volk schützen, ist gebrochen.

            Ich verweise auf die „Resolution der Kommunarden“, ich verweise auf Argentinien, die Versprechen sind gebrochen und daher nichtig.
            Alle administrative Macht ist nichtig,
            Die Schulden sind nichtig, alle Ansprüche der Gläubiger sind nichtig. (wie es Argentinien damals gemacht hat und wie es jahrhunderte lang alle „Jubeljahre“ (siehe Wikipedia unter „Erlassjahr“) üblich war.
            Alle Gesetze sind nichtig, denn die, die sie beschlossen haben, hielten sich selber nicht daran. „Die Gesetze seien künftig nicht beachtet, in Erwägung das wir nicht mehr Knecht sein wollen.“

            Mit Opportunisten diskutieren ist sinnlos, Absetzen und was eigenes her, besser als die kriegen wir das allemal hin.

    • El Bernabeu sagt:

      Ich kapier nicht so ganz, was ich Falsches gesagt haben soll, bzgl Sparen und Geld ausgeben.
      …und dann lese ich was von Kinderknechtschaft, Konzentrationslager, verfolgten Basken, Franco 2.0, Juden sind Schuld, etc.. und das ich vielleicht darauf stehen würde?
      Häää? Gehts noch?
      Welcher Teufel hat sie denn geritten, mich hier ohne Not persönlich anzugreifen?

      • Alpakaxaxa sagt:

        Sie haben nichts Falsches gesagt, lediglich Ihre Meinung. Mich hat Ihre Meinung schockiert und das habe ich so zum Ausdruck gebracht. Ein persönlicher Angriff war das keineswegs, ich kenne sie leider nicht. Ich finde, sie wirken in Ihrem Beitrag verantwortungslos, egoistisch und extrem vereinfachend. Wenn wir uns gegenübersitzen würden, könnten Sie sich auf eine lange Diskussion gefasst machen.

        So, jetzt aber gute Nacht an alle.

      • aus Madrid sagt:

        Ja wirklich! Armer El Bernabeu!

        Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich mich gekringelt vor lachen.
        @Alpakaxaxa fühlt und denkt schneller als er/sie schreibt, scheint es mir.

        Nicht das ich davon befreit wäre!

        „Alpakaxaxa sagt: Kann ich eigentlich meine Beiträge nach dem Absenden editieren? “

        : D

  7. aus Madrid sagt:

    Mancher Politiker sollte die viel gerühmten Selbsterfahrungswerte schulen und mindestens ein Jahr lang bestehen mit einem Auskommen für sich und seine Familie von 1500 € und eine Monatsmiete (kalt) von 800€ in einer 60 qm, die in einem Aussenviertel einer Grossstadt liegt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.
    Die Bezeichnung „Out-door-Schulung“ wird in dieser Kampagne der Bewusstseinsbildung energisch verwendet, so dass die Teilnehmer immer wieder in Form von Plakaten, Musik, Talkshows und Merchandising-Produkten damit konfrontiert werden.

    Um Teilnehmen zu müssen, wird ein Beitrag seitens der Teilnehmer von 10€ monatlich erhoben, für Out-door-Schulungs-Merchandise-Produkte und In-door-Propaganda. Dieser Betrag kann monatlich auch etwas steigen, je nach Bedarf an Merchandising Produkten und Propaganda für die Kampagne.

    Die Wettbewerbsfähigkeit bei der Arbeit sollen die Teilnehmer realistisch untersuchen und mit Beständigkeit, Energie und Mut ihre täglichen Arbeiten anstreben. Mit gutem Beispiel vorangehen und handeln, vorleben, wie das geht, ist eine der Nebenstudien der Kampagne.

    Das fällt mir ein, als Vorschlag für EU-Reformen, am Sonntag Nachmittag, an dem mir der Hauptdarsteller des heutigen Uhupardoartikels das Mittagessen wie ein Klotz im Magen werden ließ, ich fühle mich von Westerwelles Aussagen erpresst und mit Befriedung berieselt.

    Einen schönen Rest-Sonntag an alle : )

    • fischi sagt:

      Weisst du, jedes Mal wenn dieser Verbrecher auftritt, kommt nur Gülle raus.
      Aber genau, was der sagt, steht in den Zeitungen und wird allgemein von den Medien verbreitet.
      Die Argumentation ist doch so, seht mal wie schlecht es den Spaniern geht uns gehts doch viel besser.
      Problem, die meisten glauben das auch und dass es hier genauso wird ,will einfach keiner wahr haben.
      Ich hoffe immer noch, dass die Wessis auch mal darauf kommen, warum die Leute in der DDR die Schnauze voll hatten.
      Und den Zustand haben wir wieder, bloß die Propaganda ist besser.

      • Uhupardo sagt:

        *signed*

        Das Schlimme ist, dass es jeden Tag mehr Leute gibt, die den Deutschen, die Merkel auch im September wieder zur Kanzlerin machen werden, inzwischen Not und Elend an den Hals wünschen, weil sie sonst offensichtlich doch nicht aufwachen.

        • Steuben sagt:

          Die Deutschen werden nicht aufwachen! Bis zuletzt werden wir uns an unsere Obrigkeit klammern! Wenn dann alles zusammenbricht (was es früher oder später muss) werden wir wieder wild um uns schlagen und in die falsche Richtung abmaschieren…..nämlich nach extrem rechts!

          • Wenn dann alles zusammenbricht (was es früher oder später muss) werden wir wieder wild um uns schlagen und in die falsche Richtung abmaschieren…..nämlich nach extrem rechts!

            Das befürchte ich auch – und darum müssen wir aufklären und informieren, informieren, informieren und zeigen, zeigen, zeigen, wohin der Hase gelaufen wird!

        • fischi sagt:

          Warum das Schlimmste?
          Das sind noch gar nicht genug.
          Nach meiner Meinung müßten allen Deutschen, die Urlaub in Europa machen wollen, unmißverständlich klar gemacht werden, was ihre Regierung verbrochen hat.
          Ich glaube, das würde die Stimmung in Deutschland kippen.
          Dass es viele Argumente dagegen gibt, ist mir klar.

        • Die Deutschen werden Merkel nicht wählen!

          Rund 40 % werden gar nicht erst zur Wahl gehen.

          Von den 60 % werden lediglich max. 40 % (= weit weniger als die Hälfte) Frau Merkels CDU wählen. Das sind also de facto lediglich rd. 25 % der Wähler, die diese Minderheitsregierung (wieder-)wählen. Diese rd. 25 % der Wähler stellen jedoch ziemlich genau die Anzahl derer dar, die von der neoliberalen Politik dieser Partei profitieren – der Willen des Rests der 75 % der deutschen erwachsenen Menschen wird überhaupt nicht berücksichtigt.

          Ach DARUM nenne ich die Regierungsform der BRD eine Diktatur!

  8. […] viaDie unerträgliche Predigt des Guido Westerwelle « uhupardo. […]

  9. Marius sagt:

    Zum Thema Manipulation durch die Medien, das in den Kommentaren ja schon einige male anklang möchte ich diesen Text empfehlen:
    http://www.konicz.info/?p=2425
    Übrigens ein guter Autor, auf den ich durch die permanente Verlinkung zum Text „Wer ist schuld an der Krise?“ in diesem Blog aufmerksam wurde. Vielen Dank!

  10. Sathiya sagt:

    Es ist unfaßbar – hören sich die Politiker eigentlich selbst reden?
    Am typischsten erscheint mir – Zitat von hier: „Er lässt sich seine Überzeugung von Fakten nicht trüben.“ Ich bin fassungslos. Wer hat diesen Hampelmann nur gewählt?!

    Danke für diesen Artikel, danke für diesen Blog! Eine wichtige Stimme der Vernunft! Nicht aufhören!! Weitermachen, bitte!!
    Grüße, Sathiya

  11. Bonsta sagt:

    Irgendwann fing bei einem Ast des Stammbaums der Primaten das Gehirn extrem an zu wachsen.; in weniger als 1 Mio Jahre auf das dreifache der ursprünglichen Hirnmasse. Der Homo Erectus, der direkte Vorfahr des Menschen, benutzte dieses jedoch nicht, wie fälschlich angenommen, um komplizierte Werkzuege zu erfinden, nein, darin unterschied er sich üerhaupt nicht zu seinen Vorfahren, sondern einzig dazu, die bei Primaten eh schon unglaublich komplizierte Soziokultur weiter auszubauen. Der Hirnzuwachs war also nicht dazu da, die Welt zu verstehen, sondern lediglich seine Artgenossen. 70-80% von dem was wir sagen, teilen wir über Gestik und Mimik mit, ohne dass wir das auch nur irgendwie verbergen können und die jeder gesunde Mensch sofort interpretieren kann.

    Nun komme ich zu Westerwelle: Offensichtlich muss die Hirnmasse des Homo Homo Sapiens wieder am Schrumpfen sein, denn niemand muss irgendwas von Politik und den teilweise sehr komplizierten Sachverhalten verstehen, sondern er muss einfach nur diesem Individuum ins Gesicht schauen (und nicht nur ihm!), um zu sehen, was für ein Charakterkrüppel sich dahinter verbirgt. Mehr verlange ich doch gar nicht….

    • urs sagt:

      Sparen sollen die Laender des Olivenguertels, verdammt nochmal.
      Der Guido hat schon recht, da hilft kein Gejammer. Ich zahle denen doch nicht die Zweit und Drittwohnung mit meinen Steuern. Wo nur Oliven wachsen, muss der maximale Bruttolohn bei 600 Euro liegen…

  12. Herr Westerwelle, aber anscheinend auch die Macher dieser guten Seiten haben noch nicht mitbekommen, dass jetzt selbst der IWF die ganze Sparpolitik für falsch hält und damit am Grundpfeiler der neoliberalen Ideologie kratzt.

    Im gleichgeschalteten journalistischen Einheitsbrei unseres Mediensystems wird das natürlich wieder systematisch totgeschwiegen. Trotzdem dürfte die deutsche Austeritätspolitik international nun zunehmend isoliert dastehen und probleme bekommen. Daher seien die beigefügten Links zur weiteren Lektüre unbedingt empfohlen:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=15789
    http://www.misik.at/sonstige/12013—die-woche-in-der-wahrungsfonds-und-eu-neoliberale-weisheiten-zertrummerten.php

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s