In Italien bleiben oder doch nach Berlin auswandern?

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Aus Johann Wolfgang von Goethes „Italienischer Reise“ stammt es, das Zitat ‚Vedi Napoli e poi mori – Neapel sehen und sterben‘. In Anlehnung an dieses Zitat haben die beiden Journalisten Luca Ragazzi und Gustav Hofer ihr Heimatland sehr kritisch unter die Lupe genommen. Begleiten Sie die beiden auf ihrer originellen Reise durchs Land kurz vor der Wahl!

Als den beiden Dokumentarfilmern, die miteinander in Rom eine Wohnung teilen, der Mietvertrag gekündigt wird, stellt sich die Frage: Bleiben, oder in die neue hippe Hauptstadt Berlin übersiedeln? Der Südtiroler Gustav Hofer plädiert für Berlin, denn er hat genug von Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Korruption und dem ruinierten Image Italiens durch die peinlichen Auftritte Silvio Berlusconis. Der Römer Luca Ragazzi hält dagegen und kann sich nicht vorstellen, seinen Espresso in Zukunft in Deutschland zu trinken.

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Gemeinsam begeben sie sich in einem alten Fiat 500 auf eine Rundreise durch Italien, um Argumente für Gehen oder Bleiben zu sammeln. Ein unterhaltsames Weltjournal+ über die besten und die schlimmsten Seiten des bei den Österreichern so beliebten Nachbarn Italien.

Ein 45-minütiger Film, der so unterhaltsam wie lehrreich ist, was die Situation in Italien angeht: Klick

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16 Kommentare zu “In Italien bleiben oder doch nach Berlin auswandern?

  1. fischi sagt:

    Hab mir den Bericht noch mal angesehen.
    Aber das für alles Berlusconi verantwortlich ist kann ich wieder nicht sehen.
    Da muß man doch sehen das die Mafia und vor allem die Korruption in Italien weit verbreitet ist.
    Und was hat Monti den Italienern gebracht, eine Kürzung der Renten, sprich Erhöhung des Renteneintrittsalters.
    Und egal was er sagt aber ein Bankster wird sich bestimmt nicht mit der Mafia anlegen.
    Da ist ja so viel zu verdienen, Geldwäsche und weitere Verbrechen.
    Früher wurde Italien wegen dem Lebensstil bewundert und wegen ihrer Lira belächelt.

    • El Bernabeu sagt:

      Man kann von Berlusconi halten was man will, aber er ist wohl der Einzige, der sich Angela Merkels Sparkurs widersetzen würde.

    • Bonsta sagt:

      Der Irrsinn ist ja, dass die europäische Politik Typen wie Berlusconi wieder eine Chance eröffnen. Man darf allerdings auch nicht vergessen, dass vor Berlusconi eine Partei regierte, die es heute nicht mehr gibt, weil sie derart tief im Sumpf der Mafia steckte, dass es selbst für Italiener zu viel wurde. Aber statt dass Europa hilft, die Probleme irgendwann in den Griff zu bekommen, verkehrt sich das alles nicht nur in Italien ins Gegenteil. Es ist zum kotzen…

  2. Johannes Eber sagt:

    Ich möchte heute einen Schwenk zur italienischen Parlamentswahl machen. Es ist von den deutschen Politiker, wie Merkel, Schäuble und Ex-Bundeskanzler Schröder eine Anmaßung und Unverschämtheit, sich in den Wahlkampf zu involvieren. Das italienische Volk braucht keine Bevormundung von deutschen Politiker, die tagtäglich in ihrem Land nur ausgegorenen Mist produzieren. Der „Fünf-Sterne-Bewegung“ von „Beppe Grillo“ wünsche ich viele und nochmals viele Wählerstimmen und das Goldman Sachs-Mann „Mario Monti“ wie ein räudiger Hund zum „Tempel“ hinausgejagt wird. Wie sagt „Beppe Grillo“: die alten Parteien sind vom Volk umzingelt; dem füge ich hinzu und laßt sie nicht hinaus. Die Italienerinnen und Italiener haben es in ihrer Hand!

    • Uhupardo sagt:

      Grillo ist der Beweis dafür, wie weit die Situation ist inzwischen verkommen ist. Er hätte unter „normalen“ Umständen nicht einemal die Chance auf zwei Prozent. Jetzt wird er es vermutlich schaffen, zumindest einen gewissen Einfluss zu erreichen mit seiner neuen Formation. Wie auch nicht, wenn – wie es auch hier anklang – die Menschen inzwischen sogar gezwungen sind, gedanklich auf solche ausgesprochenen Drecksäcke wie Berlusconi zurückzugreifen, nur weil er wenigstens Merkel etwas entgegensetzen würde … wirklich eine fatale Lage. Und das Schlimmste ist vermutlich die Aussicht, nächste Woche überhaupt keine handlungsfähige Regierung zustande bringen zu können.

      • Johannes Eber sagt:

        @ Lieber Uhupardo,

        es ist leider so und daher bin ich mit Dir einer Meinung. Aber um die Merkel, Schäuble, Draghi und Co. sowie die Finanzmärkte unter Druck setzen zu können, muß „Monti“ aus dem italienischen Parlament gejagt werden. Erst ein totaler Zusammenbruch des ungerechten und menschenverachtenden Geldsystems, kann einen Neuanfang ermöglichen. Vielleicht ist diese italienische Parlamentswahl der Zündfunke dafür.

        • Bonsta sagt:

          Wir sprechen uns wieder, wenn es zusammengebrochen ist. Dann wirst du wahrscheinlich erst erkennen, wie menschenverachtend Menschen sein können, doch dann ist es zu spät. Geldsysteme an sich sind das jedenfalls nicht. Was mich an „Systemkritikern“ stört, ist, dass sie völlig unterschätzen, dass das Denken, Handeln und Fühlen zwar maßgeblich von der Umwelt geformt wird, jedoch hier auch sozusagen ein Rückkopplungseffekt stattfindet, was bedeutet, dass Menschen auch immer ihre Umwelt mitgestalten und formen. Das anzuerkennen hat jedoch zwei Folgen: Erstens: Jedes System ist immer veränderbar! Aber Zweitens, jedes System kann auch immer seine hässliche Fratze zeigen, weil tief in allen von uns drin genau solch eine Fratze schlummert. So sehe ich das zumindest, weshalb mich eigentlich noch nie grundsätzliche Kapitalismuskritik, Zinseszins- und Geldkritik wirklich interessiert hat. Es ist m.M.n. der falsche Ansatz, denn hier wird behauptet, wir wären alle nur Getriebene eines unmenschlichen Systems, ohne unserer eigenen Verantwortung für die menschenverachtenden Auswüchse eines menschengemachten (!) Systems Gewahr zu werden. Eine solche Einstellung verhindert selbst aktiv zu werden, auf den Untergang zu warten und zu hoffen, dass danach aber ganz sicher endlich etwas besseres kommen wird. Das wird aber nicht passieren!

          Ein System gänzlich abzuschaffen oder den Zusammenbruch herbeizusehnen, ist in meinen Augen das Letzte, was man sich wünschen sollte. Vor allem weil in einem solchen Zustand alles weitere was dann kommen mag, blanker Zufall ist. Ich halte sehr vieles heute für sehr bewahrenswert, was aber dann wahrscheinlich gleich mit den Bach runtergehen wird. Kurz gesagt: Ich bin für Evolution, nicht Revolution, was nicht heißt, dass ich nicht für Widerstand wäre. Sich nicht alles gefallen zu lassen, ist aber das Gegenteil von Warten…

          • Uhupardo sagt:

            Das ist ein Kommentar, der Wasser auf unsere Mühlen giesst, Bonsta, und hier intern so oder ähnlich schon sehr, sehr oft vorkam!

            Ein „System gänzlich abzuschaffen“ (und aktiv durch etwas anderes zu ersetzen = Evolution) ist richtig und dringend erforderlich. Diese Evolution wird nach unserer Ansicht nicht ganz ohne Revolution auskommen; wer sich jedoch einen Zusammenbruch und Chaos wünscht, weiss erstens nicht, was das bedeutet, und setzt auf die allzu schwache Hoffnung, dass daraus „blühende Landschaften“ erwachsen müssen.

            Das jedoch ist sehr unwharscheinlich. Eher ist dann Heulen und Zähneknirschen für sehr lange, zu lange Zeit angesagt. Deswegen forden wir so oft ein „Nach vorne denken“ in unseren Artikeln und die sofortige aktive Umgestaltung in Friedenszeiten (die für die nähere Zukunft keineswegs mehr selbstverständlich sind), solange das noch möglich ist.

            Deswegen auch ist die ständige Suche nach Schuldigen so sinnlos und vor allem kontraproduktiv. Deswegen ist es so widersinnig, wenn immer wieder Leute glauben, man müsse nur Köpfe austauschen (und möglichst an der Laterne aufhängen, wie wieder einmal ein Kommentar sagte, den wir soeben gelöscht haben), um die Lage zu bereinigen.

            Unser Vorschlag, das Bandbreitenmodell zu unterstützen hat genau die von Ihnen beschriebene Basis: Das konservieren, was man bewahren sollte, und mit einer wirklich simplen Umstrukturierung (in drei Monaten zu realisieren) die Gesellschaft auf eine andere Basis stellen, die den Menschen nützt und ihn respektiert, statt alles zu zerschlagen und zu hoffen, dass aus Chaos irgendetwas Positives erwächst, denn das ist tatsächlich brandgefährlich.

          • Johannes Eber sagt:

            @ Lieber „Bonsta“,

            ich verstehe Sie, mir ist eine Evolution auch lieber, doch bin ich der Meinung, daß dies in dem jetzigen Stadium nicht mehr gegeben und der Prozeß schon zu weit fortgeschritten ist, es also keine Umkehr mehr geben kann. Einige Zahlen als Beweismittel:agreierte Bilanzsumme aller Banken (Geldhäuser) der Eurozone bei 34 Billionen Euro, Derivate weltweit im Umlauf bei 700 Billionen US-Dollar. Dies wird über kurz oder lang zum unaufhaltsamen System-Zusammenbruch führen mit allen seinen daraus schrecklichen Begleiterscheinungen.

      • fischi sagt:

        Gut die Sache ist jetzt gelaufen, eine handlungsfähige Regierung hat es nicht gegeben.
        Für mich besagt der Ausgang der Wahl aber das die Italienische Bevölkerung genug von der EU hat.
        Der Bankster Monti hat genau das bekommen was er auch verdient hat.
        Berlusconi ist bestimmt nicht der große Demokrat, aber wenn die Italiener so gewählt haben sollten die anderen Staaten das auch akzeptieren.
        Und sowohl Deutsche wie auch Spanier haben bei den letzten Wahlen genauso in die Tonne gegriffen.

        • Johannes Eber sagt:

          @ Lieber „fischi“,

          ich erlaube mir, den Schlußsatz etwas abzuändern. „Und sowohl Deutsche wie auch Spanier haben bei den letzten Wahlen genauso in die ausgegärte und übelriechende Abfalltonne gegriffen“.

  3. Corinna sagt:

    Ich habe mir den Film auch angesehen. Hätte ich meine Wahl nicht aus anderen Gründen längst getroffen, hätte er mich nicht für Italien überzeugt.

    Trotzdem möchte ich mich dem Herrn Eiber anschließen. Man muss erstmal gutgläubig annehmen, dass das italienische Volk weiß, was es tut, wenn es wählt. Ich hoffe auch, dass Luigi morgen für Beppe Grillo stimmt. Der Einfluss der „5 Sterne“ wird vielleicht nicht lange vorhalten, denn niemand kann regieren, wenn sich alle anderen gegen einen stellen. Doch wenigstens kennt der Komiker den Unterschied zwischen Witz und Lächerlichkeit. Warten wir es ab.

  4. Johannes Eber sagt:

    @ Lieber „Bonsta“,

    Sie schreiben, Geldsysteme sind nicht menschenverachtend. Wer hat den das Geldsystem konstruiert und zu wessen Vorteil? Dann frage einmal die Milliarden von Menschen, die tagtäglich Hunger leiden und die Kinder, welche an Hunger sterben müssen, was diese von dem Geldsystem halten. Und eines kann ich Ihnen garantieren, das „Geldmonopol“ wird das Feld nicht kampflos räumen; es gibt keine „Märchenwelt“ auf diesen Planeten Erde. Mit einer Evolution in der gegenwärtigen Phase ist nichts und nichts mehr zu bewegen; das Geldsystem muß einstürzen, damit es einen Neuanfang geben und auch das von mir favorisierte „Bandbreitenmodell“ umgesetzt werden kann, sofern es die Menschheit begreift. Ich habe mir das Geldsystem nicht ausgesucht sondern wurde in dieses hineingepreßt.
    „Georg Büchner“, deutscher Arzt und Schriftsteller, gestorben am 19. Februar 1837, schrieb: „Ein einziger Aufwiegler taugt manchmal mehr als alle Abwiegler zusammen“.
    „Abraham Lincoln“, geboren am 12. Februar 1809, der 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika schrieb: „Ausführungsbestimmungen sind Erklärungen zu den Erklärungen, mit denen man eine Erklärung erklärt“.

    • Bonsta sagt:

      „Sie schreiben, Geldsysteme sind nicht menschenverachtend.“

      Nee, nee, so habe ich das nicht geschrieben. „An sich“ sind sie das nicht.

      „Wer hat den das Geldsystem konstruiert und zu wessen Vorteil?“

      Geldsysteme sind ja nicht statisch. Allein in den letzten hundert Jahren gab es gravierende Veränderungen, wie z.B. der Goldstandart oder Bretton Woods, aber auch die Rolle der Zentralbanken. Ich glaube nicht, dass Geldsysteme nur deswegen erfunden wurden, damit sich einige Wenige einen Vorteil verschaffen konnten, wie deine Frage schon impliziert. Dass Geldsysteme permanent dazu benutzt werden, sich Vorteile zu verschaffen, daran zu glauben, fällt jedoch nicht allzu schwer. Das ist jedoch etwas anderes. Hier wiederum ergibt sich Handlungsspielraum, und nur darum geht es mir.

      • Uhupardo sagt:

        Geldsysteme sind so menschenverachtend wie das Telefon.

        Man kann Menschen durch das Telefon bedrohen, erniedrigen und beleidigen. Aber man muss nicht.

  5. Johannes Eber sagt:

    Noch ein Nachschlag zur italienischen Parlamentswahl; nachstehendes Szenarium bedarf einer Skizzierung:
    – erst Sarkozy
    – jetzt Monti
    – Rajoy wartet schon
    – zu guter Letzt „Femdom Merkel“
    „Femdom Merkel“ wird erst von ihrem Thron gestürzt werden, wenn sich die Ersparnisse der deutschen Bürgerinnen und Bürger in Luft aufgelöst haben. Gestern sagte mir ein deutscher Bürger mit schwäbischer Mundart, ich zitiere: „die´a Italiener hand aber komisch g´wählt“; in die deutsche Sprache übersetzt heißt das: „die Italiener haben aber komisch gewählt“. Ich sage, nichts kapiert und nichts begriffen. Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Bürgerinnen und Bürger (davon nehme ich die Kommentatoren in diesem Forum ausdrücklich aus) werden für ihr Desinteresse und Gleichgültigkeit noch bitter büßen und zahlen müssen!
    Dazu ein erstklassiger Kommentar „Der Tag danach – Lehren aus der Parlamentswahl in Italien“ unter: http://www.querschuesse.de/der-tag-danach-lehren-aus-der-parlamentswahl-in-italien/

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