Sonderangebot auf den Kanaren: Flüssige Schneeketten

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Gastbeitrag von Ernesto

Der Discounter mit dem gelb-blauen Logo verkauft diese Woche ein Spray namens „Cadena líquida“ (flüssige Schneekette). Verdammt cooles Zeug. So etwas wollte ich immer schon mal haben! Wenn man z. B. bei Glatteis nicht mehr wegkommt, dann sprüht man dieses Zeug auf die Lauffläche des Reifens und durch die Verbindung mit Wasser wird das zu so einer Art Klebstoff, der dann mehr Grip bietet. Also ´ne Schneekette zum Aufsprühen! Da fühlt man sich so ein bisschen wie Wigald Boning, bevor der rauchende Glaszylinder explodiert.

Sicher auch wieder so´n Abfall(-produkt) aus der Raumfahrt! Jetzt wohne ich zwar auf den Kanarischen Inseln, wo es nie schneit, und da steht auch der Lidl, aber das fällt bestimmt kaum jemandem auf. Also vorwärts denken! Man kann dieses Spray bestimmt aufsprühen, anfeuchten und dann voll durch Sandsttrand brettern. Da kannst Du den Sand hinterher nur noch mechanisch entfernen (Baumarkt-Deutsch für „Geht nicht mehr ab!“). Fährt sich zwar beschissen, sieht aber echt cool aus.

Jetzt lachen Sie mal nicht so, global-denken ist der Trick: Dass so´n Laden wie Lidl so ein Zeugs verkauft, ist eine Sache. Dass das Produktsortiment für die Kanaren so etwas enthält, ist beknackt. Dass das Produkt ausgepackt, präsentiert und mit einem Preis ausgezeichnet wird, ist restlos bescheuert. Dass es dann aber noch Leute kaufen, zeigt wiederum, das der Konzern völlig Recht hat!

Übrigens, das Produkt hat eine spanische Beschriftung. Da können Sie jetzt nicht mehr daher kommen und sagen: „Die kaufen das ja nur, weil sie nicht wissen, was es ist!“ – So einfach ist es eben nicht.

Wir stecken jetzt also in dieser globalen Krise und müssen da raus! Da heisst es zusammenhalten und den Konsum ankurbeln. Und da muss man auch schon mal etwas Exotisches kaufen! Was ist doch vollkommen egal. Solidarisch zählt: Das kann auch mal eine von Swarowski gepimpte Schatulle für Brühwürfel sein.

Mein Bekannter kam letztens mit einer Media-Markt-Tüte und sagte: „Guck mal da rein, was das ist und ob ich das gebrauchen kann!“ – Ich sagte wie aus der Pistole geschossen: „Wenn Du nicht weisst, was es ist, dann brauchst Du es auch nicht! Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“

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Ganz falsche Ansage! Nur so geht´s nämlich. Ich hatte das bis heute nur nicht begriffen! Ein Super DVD-Brenner der neuesten Generation mit USB-Anschluss. Den kann man an jedem PC verwenden. Sein eigener Rechner hat natürlich einen Brenner eingebaut. Auf die Frage, warum er Brenner denn überhaupt gekauft hat sagte er: „Der war im Angebot und supergünstig!“

Und dann kam das dritte Argument mit dem man aber auch den allerletzten Zweifel im Keim erstickt: „Außerdem kann ich das ja wieder umtauschen!“ – Seien Sie doch mal ehrlich: Spaß machen doch sowieso nur die Dinge, die man nicht braucht. Und, wo wir gerade dabei sind, wenn ich so richtig überlege: Wir haben 6 Hunde und 3 Katzen. Da fallen eine Menge Haare und noch mehr Kot an, da muss man doch was draus machen können. Z.B.“Echter kanarischer Hundekot. Zur äußeren Anwendung. In sechs verschiedenen Duftnoten.“ – Nur echt mit dem Qualitätssiegel der Universität von Pamplona. Wenn ich das dann noch vom Institut Frisenius untersuchen lasse und deren Stempel drauf mache, dann verkauft sich das wie Rügenwalder!

Cariño, y esto, pa´ qué es?
A mi que coño me importa – me lo compro y ya está!
No me jodas!

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13 Kommentare zu “Sonderangebot auf den Kanaren: Flüssige Schneeketten

  1. almabu sagt:

    „A mi que coño me importa – me lo compro y ya está!“
    Unter diesem Motto wurden in Deutschland GENERATIONEN von Autos gekauft;-)

  2. Das Kundenklientel in kanarischen Lidl-Märkten ist prozentual ja sehr Deutsch. Und wer ein vernünftig, vorsorgender Deutscher ist, will auch auf den Kanaren für alle Eventualitäten gerüstet sein. Also eine Dose mit flüssigen Schneeketten gekauft und in den Kofferraum gelegt. Oben am Teide liegt ja schliesslich auch Schnee.

    • uhupardo sagt:

      … zum 3.700 Meter hohen Teide fährt man dann im Mietwagen mit kurzen Hosen und T-Shirt, friert sich einen Ast ab, aaaber die flüssigen Schneeketten sind im Kofferraum.

  3. Oh – Kanaren – da kommt Nostalgie auf. Hab da mal gearbeitet, auf Tenerife, ein Jahr lang: 1975/76. Jaja, kein Druckfehler. (War seither nie mehr da – irgendwie kriege ich je länger je mehr Angst vor den Veränderungen, die mich erwarten und die ich gar nicht sehen will). Damals gab es mindestens oben auf dem Teide auch mal Schnee – man hätte sich vielleicht die flüssige Kette auf die Schuhsohlen sprayen können 🙂
    Weshalb ich kommentiere ist aber nicht um hier von alten Zeiten zu schwadronieren. Sondern um mich für den tollen Satz zu bedanken: „Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“

  4. almabu sagt:

    „Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“

    Ja, so tolle Sätze haut der Uhu ständig raus!

  5. Guanche sagt:

    Das ist mal ne gute Idee …
    Wenn ich dann im Dezember wieder auf Tenerife bin, werde ich mir einen Stapel davon besorgen, und wenn der Pico wieder blanco ist, verkaufe ich das in Vilaflor (1400 m NN)
    Das geht wie geschnitten Brot !

    Es ist schon ein Wahnsinn …

  6. Ramón Rodríguez sagt:

    Es geht auch andersherum. Was man nicht braucht, muss man nicht kaufen!

    Beim letzten Autokauf habe ich (ebenfalls Canarias) ein Modell ohne Heizung, Heckscheibenheizung und Nebelscheinwerfer bestellt. Grosszügig habe ich dem Verkäufer eingeräumt, notfalls könne er diese Dinge auch im Auto belassen, aber von der Rechnung abziehen.

    Das hat aus mir unverständlichen Gründen nicht funktioniert.

  7. Sven Boernsen sagt:

    Ich mach jetzt mal den Spassverderber – und werde wieder ernsthaft:

    Original Zitat Ludwig Erhard: „Der Zustand einer in Permanenz ausgelasteten Wirtschaft, die zugleich auch die Wachstumskräfte lebendig halten und im Fortschritt bleiben will, setzt allerdings eine dynamische und im Grunde konsumfreudige Bevölkerung voraus.“ Ältere Leser werden sich an die späten sechziger- und frühen siebziger- Jahre erinnern. Viele Menschen weigerten sich immer mehr Dinge zu konsumieren, die sie im Grunde nicht brauchten und weigerten sich dafür hart zu arbeiten. Eine Sinnkrise entstand. Der Begriff des „Konsumterrors“ machte die Runde. Schließlich wurde allerdings nicht der Konsum gesenkt, das hätte nämlich das System gestört. Dafür wurden staatliche Leistungen alternativlos (ja damals schon alternativlos!) erhöht und mit ein klein wenig Inflationssteuer bezahlt …

    Den Rest kennt Ihr! – Sonst würdet Ihr nicht in diesem blog lesen.

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